Sonntag, 18. August 2019

Thailand nutzt konfisziertes Marihuana für medizinische Zwecke

Cannabis-Öl wird sorgenfrei aus beschlagnahmten Beständen produziert


In Deutschland ist seit März 2017 das Medizinalhanfgesetz in Kraft, das kranken Menschen den Zugang zu medizinischem Cannabis gewährt, wenn eine passende Verschreibung seitens des behandelnden Arztes vorliegt. Dass jedoch seitdem ein Engpass bezüglich der natürlichen Arznei in Apotheken besteht, der es vielen Personen schwer macht, sich mit dem entsprechenden Naturheilmittel einzudecken, ist ebenfalls seit diesem Datum Realität. Während hierzulande von politischer und oft auch noch medizinischer Seite stets ein großer Unterschied zwischen Rausch- und Medizinalhanf gemacht wird, sieht man das in Thailand, wo erst seit Dezember 2018 Hanf zu medizinischen Zwecken legalisiert wurde, etwas anders. In Deutschland landet Gras vom Schwarzmarkt in Asservatenkammern und Müllverbrennungsanlagen, im südostasiatischen Land macht man dagegen aus dem von der Polizei entdeckten Bestand die benötigte Medizin. Thailand nutzt konfisziertes Marihuana für medizinische Zwecke und wird mehr als eine Tonne Schwarzmarkt-Cannabis zur Hanfölproduktion einsetzen.

Da in Thailand just erst die erste Lieferung von medizinischem Hanföl an Krankenhäuser ging, man sich dort aber sofort bewusst war, dass die Menge von 10000 Fläschen Cannabis-Öl nicht lange ausreichen würde, bekannte man sich im Land des Lächelns dazu, die Produktion von Cannabis schnellstmöglich voranzutreiben. Weil Pflanzenwachstum jedoch eine gewisse Zeit benötigt und man Patienten nicht unnötig lange warten lassen will, greift man jetzt zu einer für deutsche Verhältnisse nahezu unglaublichen Methode, um an die bislang begrenzt erhältliche Medizin zu gelangen. Mehr als eine Tonne Cannabis, das während polizeilicher Beschlagnahmungen in Gewahrsam genommen wurde, wird für die Produktion von weiteren 600000 Fläschen Cannabis-Öl freigeben, damit die Engpässe in der Patientenversorgung verhindert werden können. Das Büro des Narcotics Control Board (ONCB) übergibt aus diesem Grund das konfiszierte Marihuana an die Abteilungen für traditionelle thailändische Medizin, Alternativmedizin und die Abteilung für medizinische Wissenschaften, damit es dort zu Cannabis-Öl verarbeitet werden kann. Fünf Kilogramm Cannabis sollen für weitere Forschung und medizinische Experimente verwendet werden. Die thailändischen Behörden gaben diesen Schritt jetzt bekannt und fügten zeitgleich an, dass man damit keine internationalen Konventionen bezüglich Betäubungsmitteln verletzte, wohl um neuen Drohungen seitens des Internationalen Suchtstoffkontrollrates vorsorglich entgegenzuwirken.

Viroj Sumyai, der Präsident des in Wien ansässigen Internationalen Suchtstoffkontrollrates, zeigte sich schließlich erst vor wenigen Tage äußerst besorgt über den derzeitigen „Hype“ die Liberalisierung von Cannabis in Thailand betreffend und warnte das Land davor, dass es Importprivilegien für einige Arzneimittel verlieren würde, wenn man beschließen sollte, Marihuana für den Freizeitgebrauch zu entkriminalisieren. Anscheinend gab der von Politikerseite ausgesprochene Vorschlag Anlass zur Sorge, dass jeder Haushalt bis zu sechs Marihuana-Pflanzen für den privaten Gebrauch anbauen dürfe. Thailand sei dazu verpflichtet, das einheitliche Übereinkommen von 1961 über Suchtstoffe einzuhalten, welches Cannabis als Betäubungsmittel einstuft, dessen Verwendung jedoch unter überwachten medizinischen Bedingungen gestattet. Das Land müsse auch das Übereinkommen von 1971 über psychotrope Substanzen und das Übereinkommen von 1988 gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Substanzen einhalten, ließ Viroj Sumyai vom INCB verlauten. „Bevor die Regierung mit jeglicher Drogenpolitik fortfahre, wird dringend empfohlen, diese Vereinbarungen zu prüfen“, sagte er. Das Gesundheitssystem des Landes verlöre an Bedeutung, wenn die Regierung die UN-Konvention über Suchtstoffe missachten sollte.

Hierzulande hat das Gesundheitssystem dagegen aufgrund des fehlenden Engagements der Verantwortlichen genau diesen angesprochenen Einschnitt schon länger hinter sich – wegen der Vernichtung von Schwarzmarkt-Marihuana und ohne Warnung seitens des INCB.

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