Sonntag, 14. Oktober 2018

Alles Gras ist das Gleiche

 

Studie widerspricht der Aussagekraft bisheriger THC- und CBD-Wert-Messungen.

 

 

In der Cannabisszene erfreuen sich Konsumenten und Patienten an den unterschiedlichsten Variationen der berauschenden Pflanzenprodukte, die in der Regel ihre hohe Potenz durch die Angabe von THC- und CBD-Wert von ihren stolzen Produzenten erhalten. Je höher der THC-Wert, desto stärker vermutet man die spürbare Wirkung nach dem Konsum. Jetzt hat eine Forschungstruppe von der Universität British Columbia jedoch anhand genauerer Untersuchungen die These aufgestellt, dass die unterschiedlichsten Cannabissorten eigentlich doch recht identische Wirkstoffgehalte aufweisen. Alles Gras ist das Gleiche, lautet die Vermutung der Wissenschaftler, die 33 verschiedene Sorten von fünf lizenzierten Produzenten genaustens unter die Lupe nahmen.

 

Mittels chemischer Analyse wurden von der Forscherin Susan Murch unterschiedliche Varietäten potenter Hanfpflanzen auf ihre tatsächlichen Inhaltsstoffe untersucht, wobei man sich auf die bisher bekannten Cannabinoide konzentrierte. 13 verschiedene Verbindungen – darunter THC und CBD – wurden auf diese Weise sichtbar gemacht, wobei man auch auf 21 bisher unbekannte Cannabinoide stieß. Im Endergebnis überraschte die Untersuchung jedoch ziemlich, da nach Analyse nahezu keine Unterschiede in 24 der 33 Varietäten bezüglich des THC- und CBD-Wertes bestanden haben sollen. „Alle Sorten variieren in ihren vom Hersteller verteilten Namen, doch 73 Prozent der getesteten Pflanzen wiesen keine Unterschiede bei ihren THC- und CBD-Gehalten auf, sodass der Name eigentlich keine Aussagen über mögliche THC- und CBD-Werte gestattet“, wird Susan Murch aus einer Konversation heraus zitiert. Dennoch besäßen die jeweiligen Sorten laut Herstellerangaben recht unterschiedliche Konzentrationen der bisher für den Rausch verantwortlich gemachten Stoffverbindungen. Die tatsächlichen Ursachen für die große Divergenz zwischen Produzentenangaben und nachträglich bestätigten Inhaltsstoffen könnten daher in anderen Bereichen aufzufinden sein, die von den Forschern nun in der angewandten analytischen Methode, der zufällig gewählten Testknospe, dem Abbau während der Lagerung oder auch fehlerhaften Verpackungsmaterialien gesehen werden. Man sollte daher einen Aufdruck auf gehandelte Produkte pressen, der über die möglichen Konzentrationen der Inhaltsstoffe Auskunft gibt, da es unmöglich wäre, einen übereinstimmenden Wert anzugeben. Da nun vermutet wird, dass somit die vielen anderen Cannabinoide der Cannabispflanzen für die unterschiedlichen Auswirkungen verantwortlich sein müssten, ließe sich festhalten, dass der Versuch, die Potenz von Marihuan durch THC- und CBD-Wert zu definieren, nicht die ideale Herangehensweise darstelle. Die vielen Hundert oder tausend Cannabisvarietäten, die legal oder illegal durch Kreuzungen entstanden sind, könnten aufgrund einer fehlenden Definition von eigenständigen Sorten oft identischen Ursprungs sein, oder zumindest äußerst ähnliche Vorfahren besitzen. Aufgrund des lange limitierten Zugangs zu neuen Varietäten aufseiten der Grower besteht daher jetzt der Verdacht, dass viele Züchtungen aus wenigen Sorten entsprungen sind, man jedoch keinen Pfad aufzeichnen kann, woraus sie tatsächlich entstanden wären. Dennoch ließe es sich nicht abstreiten, dass selbst Sorten mit gleichen oder sehr ähnlichen THC- und CBD-Werten eine spürbar andere Wirkung im menschlichen Körper erzielten, weshalb davon auszugehen ist, dass für diese Rauschvariation die bislang unbekannteren Cannabinoide verantwortlich sein müssen.

 

Mehr Forschung wird zur Aufklärung über Herkunft und Wirkung tausender erhältlicher Marihuanasorten fortan vonnöten sein.

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