Samstag, 30. September 2017

Fünf gute Gründe für Cannabis als Medizin – Teil II

 

Autor: Su

 

 

Eine erstaunliche Anzahl unterschiedlichster Erkrankungen kann erfolgreich mit Cannabinoiden behandelt werden und immer mehr wissenschaftliche Studien zum Thema beschäftigen sich mit deren therapeutischer Wirksamkeit . Wir haben für Euch in Teil I unserer Serie „Fünf gute Gründe für Cannabis als Medizin“ bereits den möglichen Einsatz von Cannabis bei Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Allergien, Migräne und Depressionen vorgestellt. In Teil zwei geht es nun um fünf weitere Diagnosen, bei denen Cannabis zum Einsatz kommen kann.

 

1. Glaukom (Grüner Star)

 

Als Glaukom, umgangssprachlich auch gerne Grüner Star genannt, bezeichnet man eine ganze Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv durch einen erhöhten Augeninnendruck und eine daraus resultierende mangelnde Durchblutung geschädigt wird. Etwa eine Millionen Menschen leiden deutschlandweit an einem erhöhten Augeninnendruck, ebenso viele sind schätzungsweise, ohne ihr Wissen, an einem Glaukom erkrankt. Unbehandelt führt eine fortschreitende Erhöhung des Augeninnendrucks letztendlich zur Erblindung (Quelle: http://www.bundesverband-auge.de/glaukom-1).

Die bei einem Glaukom typischen Schäden am Auge können nur durch eine dauerhafte Augendrucksenkung therapiert werden. Allerdings gelingt es dabei nicht bereits entstandene Defekte am Sehnerv rückgängig zu machen. Studien zufolge senkt eine orale Gabe von THC in Dosen von 10-20 mg den Augeninnendruck um durchschnittlich 25-30%, gelegentlich sogar um bis zu 50%. Leider kommt dieser Effekt nicht bei allen Patienten zum tragen.

Dieser Augeninnendruck senkende Effekt wurde bereits im Jahr 1971, bei einer systematischen Erfassung von Cannabiswirkungen an gesunden Cannabiskonsumenten, entdeckt.

„Die Doktoren Robert Hepler und Ira Frank aus Los Angeles hatten bei 11 gesunden Personen nach dem Rauchen von Cannabis mit insgesamt 18 mg THC, festgestellt, dass der Druck im Auge eine Stunde nach der Inhalation um durchschnittlich 25 Prozent abgenommen hatte. Die Wirkung variierte allerdings sehr stark zwischen den verschiedenen Teilnehmern. Zwei Teilnehmer reagierten kaum, während bei den übrigen Probanden eine Abnahme des Augeninnendrucks um 16 bis 45 Prozent gegenüber dem Ausgangswert festgestellt wurde.“ (Quelle: Dr. Franjo Grotenhermen: Cannabis und THC wirken nicht immer wie erwünscht).

Da die kaum psychoaktiven Cannabinoide Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN) vermutlich ebenfalls Augeninnendruck senkende Eigenschaften besitzen, könnten auch sie zur Behandlung von Glaukomen eingesetzt werden. Durch eine Lokale Gabe am Auge können die besten Effekte erzielt werden, leider gibt es bisher keine Augentropfen mit Cannabinoiden (Quelle: http://www.cannabis-med.org/german/download/magazin.pdf).

 

2. Rheumatoide Arthritis

 

Als „Rheuma“ bezeichnet man umgangssprachlich eine Anzahl verschiedener Krankheiten und Beschwerdebilder mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen am Bewegungssystem (also an den Gelenken, der Wirbelsäule, den Knochen, Muskeln und an den Sehnen). In der Rheumatologie werden mehr als 100 verschiedene rheumatische Krankheiten beschrieben.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen betreffen in Deutschland 1,5 Millionen Menschen, also zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung. An entzündlichem Gelenkrheuma (Rheumatoider Arthritis) sind etwa 0,8 % der erwachsenen Bevölkerung erkrankt, dies sind in Deutschland  550.000 Betroffene (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Reumatologie e.V).

Die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol), sowie das wenig psychoaktive CBD (Cannabidiol) wirken schmerzstillend. CBD ist im Hinblick auf rheumatische Erkrankungen besonders interessant, da es zudem auch entzündungshemmend wirkt. Rheumatismus wurde in Südamerika bis in die 60er Jahre üblicherweise, mit den Blättern und  Blütenspitzen des Hanfs behandelt. Diese wurden die in Wasser oder Alkohol erhitzt und anschließend auf die schmerzenden Gelenke gelegt wurden (Quelle: Hanfmuseum).

Zahlreiche Untersuchungen zeigen die Wirksamkeit von Cannabis bei rheumatischen Beschwerden. So belegt eine Placebo kontrollierte Studie von 2005 aus England mit 58 Probanden die Reduzierung von Schmerzen bei rheumatoider Arthritis durch das Cannabismedikament Nabiximols (Mundspray – enthält Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zu gleichen Anteilen. Zur Anwendung wird das Spray auf die Innenseite der Wange gesprüht, Wirkstoffe werden dann über die Mundschleimhaut resorbiert). Auch neuere Studien stützen dies.

 

3. Suchterkrankungen

Cannabis bei der Behandlung von Suchterkrankungen

 

Nach gegenwärtigen Schätzungen stehen bei den Suchterkrankungen aufgrund einer Abhängigkeit in Deutschland Tabak-Raucher an erster Stelle, mit ca. 14,7 Mio. Betroffenen, gefolgt von Medikamentenabhängigen (ca. 2.3 Mio.) und Alkoholabhängigen (ca. 1.8 Mio.). Cannabis kann helfen, da es beim Entzug dazu beiträgt die körperliche Entzugssymptomatik zu lindern und die, mit der Aufgabe des Suchtmittelkonsums verbundenen, stressenden Gefühle zu unterdrücken. Daher wird Cannabis auch als Ausstiegsdroge bezeichnet.  Es nimmt es den Suchtdruck und verhindert dadurch Rückfälle.

 

Eine Studie vom Oktober 2013, der Universitäten von Kentucky und Maryland kommt zu dem Ergebnis, dass sich Cannabidiol (CBD) günstig auf die Behandlung von Alkoholismus auswirkt. Durch das Zellgift Alkohol werden die Nervenzellen des Gehirns nach und nach massiv geschädigt. Es kommt zu Ausfallserscheinungen, besonders in den Bereichen des Gehirns die für Impulskontrolle und das Planen von Handlungen zuständig sind. CBD ist der Studie zufolge in der Lage, dazu beizutragen, die durch exzessiven Alkoholkonsum zerstörten Neuronen-Strukturen im Gehirn wiederherzustellen. So nehmen die Ausfallserscheinungen im Gehirn ab und auch das Risiko, in die Verhaltensmuster der Sucht zurückzufallen, wird vermindert.

 

Cannabidiol kann ebenfalls dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. In einer placebokontrollierten Studie des Universitätskollegs London von  2013 wurde dies an 24 Rauchern getestet. „Eine Woche lang erhielten 12 Teilnehmer Inhalationen mit CBD (Cannabidiol) und die anderen 12 Inhalationen mit einem Placebo. Sie hatten die Anweisung bekommen, immer dann zu inhalieren, wenn sie einen Drang zum Tabakrauchen verspürten. Im Verlauf der Behandlungswoche wiesen die Raucher, die mit dem Placebo behandelt worden waren, keinen Unterschied beim Tabakkonsum im Vergleich zu früher auf. Im Gegensatz dazu reduzierten die Raucher, die CBD eingenommen hatten, die Zahl der gerauchten Zigaretten um etwa 40 Prozent. Auch nach dieser Woche blieb der CBD-Effekt noch eine Weile bestehen“ (Quelle: Cannabidiol gegen Symptome des Entzugs von Nikotin, THC und Opiaten von Dr. med. Franjo Grotenhermen).

 

4. Akne

 

Akne  ist weltweit die häufigste Hauterkrankung und umfasst verschiedene Erkrankungen des Talgdrüsenapparates und der Haarfollikel. Im Jugendalter ist Akne mit einer Quote von nahezu 100 % die häufigste Dermatose. Etwa 60 % sind milde Verläufe, die anderen 40 % der Betroffenen benötigen allerdings eine Therapie. Stark entzündliche, schwere Akneformen sind oft mit einer Narbenbildung verbunden. Da Hautveränderungen und Narben dann meist im Gesichts- und oberen Rumpfbereich auftretenden sind psychische Begleitkomplikationen häufig. Besonders im Gesicht werden die Aknenarben als stigmatisierend empfunden. (Quelle: https://www.aerzteblatt.de/pdf/111/17/m301.pdf)

Eine 2014 veröffentlichte Studie der Universität von Debrecen (Ungarn) mit Zellen, die Talg in der Haut produzieren (Sebozyten), zeigt, dass Cannabidiol (CBD) entzündungshemmende Wirkungen auf Sebozyten hat und die Talgproduktion reduziert. Es wurde Cannabidiol direkt auf die Talgdrüsen aufgebracht, die Talgabsonderung wurde hierdurch effektiv vermindert. Daher könnte CBD eventuell bei Akne eingesetzt werden (Quelle: Dr. med. Franjo Grotenhermen – Neues in der Wissenschaft zu zur Therapie mit CBD).

Zudem wirken sich die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD positiv auf die aknetypischen Entzündungsherde aus. Die Studie kommt zur Schlussfolgerung: „Alles in allem deuten unsere Befunde darauf hin, dass CBD aufgrund seiner allgemeinen sebostatischen und entzündungshemmenden Wirkungen möglicherweise einen viel versprechenden Wirkstoff zur Behandlung der Akne vulgaris darstellt.“

 

5. Morbus Crohn

 

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die in Schüben verläuft. Die Ursache der Erkrankung ist noch nicht eindeutig bekannt, deshalb kann nicht kausal therapiert werden, sondern nur symptomatisch.

Derzeit leiden in Deutschland circa 300.000 Menschen an Morbus Crohn und die Zahl der Neuerkrankungen steigt seit Anfang des 19. Jahrhunderts stetig an. Dabei tritt die Krankheit meist bei jüngeren Menschen, in einem Alter zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, erstmals auf. (Quelle: https://www.morbus-crohn-aktuell.de/)

Die chronische Darmerkrankung wird in den USA bereits mit Cannabis-Präparaten behandelt. Neben Schmerz- und Entkrampfungsmitteln steht bei der Therapie die Eindämmung der Entzündung im Vordergrund, hier können die entzündungshemmenden Eigenschaften einiger Cannabiniode zum Einsatz kommen.  Zahlreiche aktuelle Studien, hier drei Beispiele aus Österreich, der Schweiz und Israel belegen dies. Bereits 2011 veröffentlichten israelische Wissenschaftler vom Meir Medical Center, in einer medizinischen Fachzeitschrift, den ersten Bericht zur Verwendung von Cannabis bei Patienten mit Morbus Crohn. Die 30Teilnehmer der Studie waren im Durchschnitt 36 Jahre alt und litten durchschnittlich 11,3 Jahre an einem Morbus Crohn.

„Von den 30 befragten Erkrankten gaben alle an, dass die Verwendung von Cannabis eine positive Wirkung auf ihre Krankheitsaktivität hatte. Ein Index, mit dem die Krankheitsintensität des Morbus Crohn gemessen werden kann, der so genannte Harvey-Bradshaw-Index, reduzierte sich mit der Verwendung von Cannabis von durchschnittlich 14 auf 7. Die Häufigkeit des Stuhlgangs nahm von täglich acht auf fünf ab. Die Notwendigkeit zur Einnahme anderer Medikamente wurde drastisch reduziert, darunter die Zahl der Patienten mit Cortison-Verwendung von 26 auf 4. Während in den neun Jahren vor der Cannabisverwendung 15 Patienten insgesamt 19 Operationen durchführen ließen, waren es in den drei Jahren nach Beginn der Cannabisverwendung nur 2 Betroffene, die eine Operation benötigten“ (Quelle: Dr. Franjo Grotenhermen: Behandlung des Morbus Crohn mit Cannabis).

 

3 Antworten auf „Fünf gute Gründe für Cannabis als Medizin – Teil II

  1. rainer sikora

    Jezt braucht man nur noch ein Konzept für die Überzeugungsarbeit am Arzt und Krankenkasse.

  2. Leistner,Gisela

    Ich habe die Rheumatoide Arthritis.Bekomme dagegen Enbrel Spritzen und Prednisolon.Wo kann man dieses Mundspray Nabixmols erhalten.Würde mich über eine Antwort freuen.

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