Freitag, 8. Juli 2016

Offene Diskussion mit Jugendlichen nötig

 

Mutigen Frankfurter Weg gehen

 

Vorsicht Legalisierung
Bild: freeimages / chr1sch

 

Entgegen des gestrigen „Nein“ von Marlene Mortler zum Freizeitkonsum von Cannabis muss die Debatte in der Öffentlichkeit ohne Tabus geführt werden können.
Denn trotz des geltenden Verbotes nimmt Hanf auch eine besonders hohe Stellung unter Heranwachsenden ein, wie sich in Studien immer wieder belegen lässt. Es ist eine offene Diskussion mit Jugendlichen nötig. Gestern konnte die Frankfurter Stadträtin und Dezernentin für Gesundheit Rosemarie Heilig dafür eine knapp 100 Seiten starke Dokumentation über die zweite Frankfurter Fachtagung „Jugendliche und Cannabis – wir sprechen darüber: Miteinander, sachlich, kontrovers, offen“ im Gesundheitsausschuss präsentieren, die sich der schwierigen Thematik anzunehmen versucht. 40 Jugendliche hatten bei der Fachtagung sehr deutlich und offen formuliert, was sie vom Umgang mit Cannabis erwarten würden.

 

Der Wunsch der beteiligten Schüler, offen und ohne Vorurteile mit fachkompetenten Erwachsenen ehrliche Worte wechseln zu können, ist ein klares Signal der Heranwachsenden. Auf Augenhöhe geführte Diskussionen ohne Tabuthemen sind aus Sicht der Jugendlichen nötig. Unglaubwürdig findet diese Generation dagegen die pauschale Illegalisierung und Gefahrendarstellung durch Prohibitionisten. Aus diesem Grund hegt Rosemarie Heilig auch etwas Hoffnung, dass die gesammelten Informationen der zweiten Fachtagung „Jugendliche und Cannabis – wir sprechen darüber: Miteinander, sachlich, kontrovers, offen“ etwas Licht in die verantwortlichen Beamtenstuben schimmern lässt.
Es sei an der Zeit pragmatische Lösungen zu finden und einen „mutigen Frankfurter Weg“ einzuschlagen, der allen Erscheinungsformen und Auswirkungen des Cannabiskonsums angemessen und wirksam begegne, fordert die Schirmherrin der Fachtagung Heilig.

 

„Unser Ziel muss sein, Jugendliche vor den negativen Folgen des Konsums zu bewahren, ohne jugendliches Experimentierverhalten zu kriminalisieren und zu tabuisieren.“

 

Durch das von Heilig „kontraproduktiv“ genannte Betäubungsmittelgesetz sei die Diskussion über Cannabis deutlich erschwert, während das Jugendschutzgesetz bei Cannabis nicht wirksam wäre – das Kraut werde schließlich gar nicht erst erwähnt. Wünschen würde sich Rosemarie Heilig umfassende, sachliche Informationen über Cannabis und einen differenzierten Blick, der zwischen jugendlichem Probierverhalten, gelegentlichem Konsum und Missbrauch unterscheidet. Suchpräventive Angebote an weiterführenden Schulen sollten ein Standard werden, wobei man auch Harm Reduction und Safer Use zur allgemeinen Prävention zähle. Es sei unhaltbar, dass viele Menschen deshalb wegschauen würden, nur weil Kiffen illegal wäre.

 

„Cannabis ist bei Jugendlichen gerade angesagt, das ist die Realität. Und es ist die Aufgabe der Politik, auf diese gesellschaftliche Realität Antworten zu geben.“

3 Antworten auf „Offene Diskussion mit Jugendlichen nötig

  1. wünsche EUCH Eltern die aus diesem Holze sind :-)

    Sowas zu lesen freut mein Herz. 🙂 Was die Frau Heilig da macht gefällt mir. „Nicht zuletzt hat Heilig allen Jugendlichen Schutz zugesagt, um offen und ohne Angst über Cannabiskonsum reden zu können.“ Eigentlich traurig, dass so etwas notwendig ist, aber so ist eben die Lage.

    Vertrauen und zugeneigte Wertschätzung und ehrlicher Umgang auf Augenhöhe. Das scheint mir ein guter Ansatz im Umgang mit jungen Menschen zu sein.

    Wird Zeit, dass sich die Zeiten ändern. Danke Frau Heilig, bitte weiter so.

    Liebe Grüße und beste Wünsche an alle, die erwachsen werden 🙂

    PS ich muß gerade an einen Song von Reinhard Mey, von einem meiner Lieblingsalben von ihm, denken 😉

    […] Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, daß meine Eltern mich
    Da rausholten, und wo bleibt die Moral?
    Die Schlauen diskutier‘n, die Besserwisser streiten sich,
    Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal.
    Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt,
    Und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind,
    Wenn‘s brenzlig wird, wenn‘s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt,
    Eltern, die aus diesem Holze sind. […]

    der ganze Text: http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/zeugnistag

    PS PS hey liebes Hanfjournal, ich möchte auch EUCH einmal loben – das ist ausgezeichnete Arbeit von euch – danke – weiter so!

  2. Mörnest

    Die Mortler sagt doch immer das gegenteil von dem was sie meint.

    Sie sagte, sie kenne keinen einzigen aus der Justitz der für die legalisierung wäre, kurz davor gab es die resolution der Strafrechtsproffesoren und Leap hatte sich weit davor gegründet.

    Cannabis hätte keine Kultur hier. Wer in einen Headshop schaut u d in einen Zeitungsladen die Litaratur sieht, weis es besser.

    Von daher verstehe ich ihr Nein zum Freizeitkonsum als klares Ja!!

  3. https://diehanfinitiative.de/index.php/aktionen/37-supernova

    Zum Nachdenken: Ist es ein Tabu?

    Ich will auf einen Aspekt hinweisen, der in der ganzen Debatte etwas zu kurz zu kommen scheint:

    Es besteht eine stärkere Verbindung zwischen Kindheitstraumata (oder frühkindlichen Traumata – post-, peri- und pränatal) und „Suchtverhalten“, als z.B. zwischen Fettleibigkeit und Diabetes.

    Zwei Drittel aller „Süchtigen“ – „Abhängigen“, berichten, dass sie als Kinder missbraucht wurden. Das bedeutet, dass der sogenannte „Krieg gegen die Drogen“ auch ein Krieg gegen traumatisierte Menschen ist, die nur ihre „seelischen“ Schmerzen lindern.

    siehe hier: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=295575897453452&id=1643480862600021

    und hier: [cigognenews.blogspot.de/2016/04/now-about-this-addiction.html] in Englisch

    Das gilt natürlich auch für den Umgang mit legalen Substanzen oder den weiten Bereich der pharmazeutisch legalen Mittel, die „Schmerzen“ lindern sollen.

    Es geht in allen Fällen um innewohnende, tiefe, unsichtbare und schwer zugängliche Verletzungen (Schmerzen, Pain) die im Körper unterschiedlich tief gespeichert sind und sich ein Leben lang auswirken. Mit einem Abstinenzdogma oder Ausgrenzung und Verfolgung wird dieser Schmerz verschlimmertoder verlagert.

    Das finden wir zutiefst inhuman und gegen die Menscherechte.

    Liebe Grüße und seid bitte solidarisch und helft EUCH bitte gegenseitig und habt Verständnis und Empathie füreinander. Das wäre schön. Lieben Dank 🙂

    Kommt zur Dampfparade, am 10.09. in Köln, da bekommen Menschen eine Plattform, um auch über ihre Erfahrungen sprechen zu können. Es gibt Infostände, Reden und Live-Musik. Zeigt bitte EURE Solidarität.

    Und kommt bitte zahlreich zur Hanfparade, am Samstag den 13. August in Berlin.

    Lieben Dank an alle die so fleissig organiseren, helfen und mitarbeiten, um diese Veranstaltungen möglich zu machen

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