Montag, 16. Oktober 2023

Bundestag debattiert Cannabis-Teillegalisierung

Parlament berät am Mittwoch den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum kontrollierten Umgang mit Cannabis

Cannabis
Bild: Sadhu van hemp

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

Eigentlich wollten die Abgeordneten von CSU/CDU und AfD schon am Freitag bei der Ersten Lesung des Gesetzentwurfs zur Cannabis-Teilfreigabe das ganze Repertoire an Verbalinjurien gegen die Ampelpläne abspulen. Doch dazu kam es wegen des erneut aufflammenden Nahostkonflikts nicht. Stattdessen legten annähernd alle Abgeordneten des Deutschen Bundestag das Bekenntnis ab, dass „wir in diesen Tagen alle Israelis sind“ (Baerbock) und gemäß der deutschen Staatsräson vollstes Verständnis haben, wenn die israelische Regierung für die Terroranschläge der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas Vergeltung übt und die Zivilbevölkerung des Gazastreifens mit flächendeckendem Bombardement zur blutigen Rechenschaft zieht.

 

Doch der weitgehenden Einigkeit der Bundestagsfraktionen im Nahostkonflikt wird schon am Mittwoch Uneinigkeit folgen, wenn die abgesetzte Erste Lesung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zum kontrollierten Umgang mit Cannabis nachgeholt wird. Zur Debatte steht auch der Gegenantrag der CDU/CSU-Fraktion mit dem Titel „Cannabislegalisierung stoppen, Gesundheitsschutz verbessern – Aufklärung, Prävention und Forschung stärken“. Im Anschluss an die rund 45-minütige Aussprache sollen beide Vorlagen zur weiteren Beratung dem Gesundheitsausschuss überwiesen werden.

 

Unter der Reichstagskuppel wird es zur Abendbrotzeit heiß hergehen, wenn die Abgeordneten von CSU, CDU und AfD ans Rednerpult treten und die kurze Redezeit dazu nutzen, um sich werbewirksam in Rage und dem angstdeutschen Volk nach dem Mund zu reden. Heruntergeleiert werden die ewig gleichen Horrorgeschichten von unschuldigen Kindern, die mit Bubatz angefixt werden, von rauschgiftsüchtigen Jugendlichen, die sich mit Haschisch und Marihuana das Hirn wegkiffen und zu Tausenden ins Irrenhaus zwangseingewiesen werden müssen, und zuletzt von Millionen Fahrzeugführern, die im THC-Drogenrausch zu Todesrasern mutieren.

 

Zu hören und zu sehen gibt es also Reefers Madness at its best, wenn die Redner aus den Reihen der rechtskonservativen Union und rechtsextremen Höckepartei die gute alte Hanflüge bedienen. Das Motto der Anti-Cannabis-Ideologen lautet: „In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“ – also auch der blinde Hass des ewiggestrigen Schmocks, der mit Lügen den War on Drugs befeuert.  

 

Zugleich dient der Plan der Cannabis-Teillegalisierung als willkommener Nebenkriegsschauplatz, um die in Unions- und AfD-Kreisen verhasste Ampelkoalition einmal mehr als sittenverwahrloste Totengräber des deutschen Vaterlands zu denunzieren. Wer im Genderwahn den Bürgern und Bürgerinnen die Heizung aus der Wohnung reißen und das Schnitzel verbieten, dafür aber kleine Kiffer ungestraft davonkommen lassen will, der gehört nach rechtem und rechtsradikalen Verständnis nach allen Regeln der Kunst öffentlich gemaßregelt und mit Gottes Hilfe zum Wohle des deutschen Volkes aus dem Amt gejagt.

 

Und so werden sie am Mittwoch von AfD, CSU und CDU attackiert und gejagt, die mutmaßlichen Cannabislegalisierer der rotgelbgrünen Regierungskoalition. Die Verbalschlacht im Plenum des Deutschen Bundestag wird voraussichtlich um 18 Uhr 00 angepfiffen und zur allgemeinen Volksbelustigung live übertragen.

 

 

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8 Kommentare
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Rogg
7 Monate zuvor

“Reefers Madness”…besser kann man es nicht vergleichen…sehr treffend..!!

Fred
7 Monate zuvor

Ach, lass sie doch schimpfen und zetern. Das machen die ja nun schon die ganze Zeit. Erreicht hat man nichts. Die letzte mir bekannte Umfrage stand bei fast 50 % Zustimmung in der Bevölkerung zur Entkriminalisierung. Und dieses Ergebnis haben wir schon seit ein paar Jahren. Man sollte den häufig geschmähten deutschen ” Ottonormalbürger ” eben auch nicht unterschätzen, mit platten Gruselgeschichten erreicht man keinen Meinungsumschwung.

Interessant wird am Mittwoch also eher das was von der Ampel kommt. Aus Kreisen der FDP und den Grünen hörte man bereits von Änderungswünschen am Gesetz. Das wird das interessante am Mittwochabend. Nicht das was die Damen und Herren mit der antiken Denkweise so von sich geben.

Fred
7 Monate zuvor
Hans Meiser
7 Monate zuvor

35 Minuten versuche ich jetzt schon mit den Mist in Netz Live anzuhören. Alle Links auf bundestag.de laufen uns leere. Bin ich zu blöd oder die zu inkompetent?

Fred
7 Monate zuvor

@hans Meiser
Versuche es am Mittwoch nochmal. 18.00 Uhr beginnt die Debatte.

Fred
7 Monate zuvor

Der nächste Schritt erledigt ! Im November wird es beschlossen, das verhindert niemand mehr.

Wer die Debatte verfolgt hat, dem ist vielleicht auch aufgefallen, das die Hartliner ( z.b Herr Pilsinger ) das Wort noch nicht mal mehr ergriffen haben. Und kein Mensch aus der Contrafraktion vom ” Rückabwickeln nach dem nächsten Wahlsieg ” geredet hat. Insgeheim weiß man um das Scheitern der Verbotspolitik, davon bin ich überzeugt. Was natürlich keiner aus der Union zugeben würde. Bekommt man dem Klientel halt nicht verkauft und passt natürlich auch nicht zur Rolle als Oppositionspartei.

Wie es auch sei, heute war ein guter Tag. Denn es war der Anfang von besseren Zeiten für uns.

Untergang des christlichen Feierabendbierlandes
7 Monate zuvor

Vor einigen Jahren gab es in Deutschland plötzlich überall an Kiosken, Headshops und im Internet sogenannte Kräutermischungen, auch bekannt als ”Legal-Highs” namentlich ”Spiece,Lava und Co.” die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt waren. Nachdem der legale Vertrieb dieser Kräutermischungen untersagt worden ist sind immer öffters CBD-Blüten und nicht THC-Haltiges Haschischkonzentrate auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht die als Trägerstoff für diese synthetischen Cannabinoide missbraucht werden. Die Gefahr durch die Verbreitung dieser gestreckten Ware wird unterschätzt. Die noch oft sehr jungen Konsumenten sind dadurch stark in ihrem Grundrecht auf Leben und Unversehrtheit bedroht. Warum ist die Verbreitung höher als gedacht?: 1. Die Produzenten bauen Nutzhanf an der später als Trägerstoff für die synthetischen Cannabinoide missbraucht wird. Die synthetischen Cannabinoide werden in Pulverform in einem anderen… Weiterlesen »

Fred
7 Monate zuvor

@Untergang des christlichen Feierabendbierlandes

Klasse Kommentar von einem Fachmann. Gerne mehr davon!