Freitag, 15. September 2023

CSC Bozen – anspruchsvollster CSC im deutschsprachigen Raum

Bild: CSC Bozen

Der CSC Bozen ist der anspruchsvollste CSC im deutschsprachigen Raum. Cannabis als Medizin ist die Priorität. 

Der Cannabis Social Club in Südtirol fokussiert sich u.a. auf die medizinische Anwendung von Cannabis. Cannabis ist in der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen und neuronalen Entwicklungsstörungen eine wichtige Therapieoption. 

CANNABIS ALS THERAPIEOPTION

Bozen, 08. September 2023 – Internationale Experten versammelten sich heute im Landhaus 1 in Bozen, um über den Einsatz von Cannabis in der Behandlung von neurodegenerativen Krankheiten und neuronalen Entwicklungsstörungen zu referieren. Die Tagung wurde unter der Schirmherrschaft des Landeshauptmannes von Südtirol, Dr. Arno Kompatscher, abgehalten und von Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl, Ärztin für Neurologie und Psychiatrie sowie geschäftsführende Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der medizinischen Hochschule Hannover, wissenschaftlich geleitet.

Die renommierten Fachexperten aus Italien und dem Ausland präsentierten ihre Erkenntnisse zur Anwendung von Cannabis in der Therapie von Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Demenz, Morbus Parkinson, Alzheimer, Gilles de la Tourette-Syndrom, ADHS und Migräne. Dabei berichteten sie von ihren klinischen Erfahrungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der medizinischen Anwendung von Cannabis.

Primar Dr. Francesco Teatini (Neurologie am Krankenhaus Bozen) und Primar Dr. Luca Sebastianelli (Neurorehabilitation am Krankenhaus Sterzing) präsentierten Einblicke in die ärztliche Praxis in ihren Abteilungen und gaben somit ein Bild von der aktuellen Situation vor Ort.

ES GIBT AUFHOLBEDARF!

Nicht nur in Deutschland sondern auch in Südtirol sind weitere Verbesserungen notwendig. Das Hauptziel dieser Tagung war es, sicherzustellen, dass Patienten ihr Recht auf alternative medizinische Versorgung mit medizinischem Cannabis wahrnehmen können. In dieser Hinsicht appelliert der CSC Bozen an die politischen Entscheidungsträger und die Verwaltung, Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zur Cannabis-Therapie zu erleichtern und zu ermöglichen.

Derzeit erlaubt der Beschluss Nr. 290/2018 der Südtiroler Landesregierung die Abgabe von medizinischem Cannabis auf Kosten des Südtiroler Gesundheitsbetriebs lediglich bei neurologischen Erkrankungen wie “Multiple Sklerose” und dem “Gilles de la Tourette-Syndrom”. Dennoch suchen Ärzte und Forscher im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen nach neuen Behandlungsoptionen. Die medizinische Verwendung der Cannabispflanze bietet eine wirksame Option zur Vorbeugung und Linderung von Symptomen bei neurodegenerativen Erkrankungen und kann die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern.

Laut Informationen des Südtiroler Gesundheitsbetriebs wird medizinisches Cannabis derzeit in 95 % der Fälle zur Schmerztherapie verschrieben, wobei der Anteil der Verschreibungen bei Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Gilles de la Tourette-Syndrom verschwindend gering ist. Dies ist besonders bedenklich, da viele Patienten in der Neurologie oft keine anderen Optionen haben, entweder aufgrund unerträglicher Nebenwirkungen bestehender Therapien oder weil sie als austherapiert gelten.

Es ist wichtig anzumerken, dass die medizinische Verwendung von Cannabis nicht immer als eigenständige Therapie betrachtet wird, sondern oft als unterstützende Maßnahme, um Standardbehandlungen zu ergänzen oder Nebenwirkungen zu lindern, die bei höheren Dosierungen auftreten könnten.

FORDERUNG AN DIE POLITISCHEN VERTRETER

Dabei wird auf Punkt 4.1 des technischen Anhangs des Ministerialdekrets vom 9. November 2015, der den Zugang zu diesen Therapien unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gewährleisten soll, verwiesen. Im Sinne des Rechts der Patienten auf angemessene medizinische Versorgung fordern sie die Aktualisierung der Verwendungszwecke von medizinischem Cannabis, um folgende Pathologien einzuschließen: ADHS, Epilepsie, Morbus Parkinson, Demenz und Morbus Alzheimer, Clusterkopfschmerzen und Migräne.

Der CSC Bozen appelliert an den zukünftigen Landerat/Landesrätin für Gesundheit, sich in Rom für die Aktualisierung der wissenschaftlichen Nachweise einzusetzen und die Verschreibung von medizinischem Cannabis zu Lasten des Gesundheitsbetriebs auch für die genannten Pathologien zu ermöglichen.

HILFE FÜR PATIENTEN UND INTERESSENVERTRETUNG

Auf lokaler Ebene ist sofortiges Handeln erforderlich. Dabei wird die Schaffung einer Cannabis-Beratungsstelle, die den Einsatz von medizinischem Cannabis zu therapeutischen Zwecken effizient unterstützt und vorantreibt, gefordert. Dies erfordert die Bildung eines kompetenten Teams, das sowohl das Fachwissen zur Anwendung von medizinischem Cannabis besitzt als auch dieses Wissen an das medizinische Personal des Sanitätsbetriebs weitergibt.

Der Zugang zu medizinischem Cannabis muss vereinfacht werden, um die Lebensqualität und Gesundheit chronisch erkrankter Patienten zu verbessern. Für vulnerable Patienten ist die Erhaltung ihrer verbleibenden Gesundheit und die Linderung ihrer Beschwerden von größter Bedeutung. Die vermehrte Anwendung von Cannabis-Therapien kann erhebliche Vorteile für das Gesundheitssystem bieten, da sie effizientere Anwendungen darstellen und die Notwendigkeit von Medikamenten reduzieren können, was wiederum den Pflegeaufwand für Patienten verringert.

Die Patientenvereinigung “Cannabis Social Club”, der wissenschaftliche Beirat der Vereinigung sowie alle betroffenen Patienten und Angehörigen betonen die dringende Notwendigkeit, den Einsatz von medizinischem Cannabis im Interesse der Patienten zu erleichtern und entsprechende Maßnahmen einzufordern.

Der CSC Bozen hat nicht nur die eigenen Interessen im Fokus, sondern auch ganz klar die Interessen der Patienten. Es lässt sich wohl sagen, dass dieser CSC der anspruchsvollste CSC im deutschsprachigen Raum ist. Wir wünschen diesem CSC viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Forderungen in Südtirol. Weitere Optionen können auf der Website des Vereins eingesehen werden.

Ein Beitrag von Simon Hanf

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1 Kommentar
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Haschberg
5 Monate zuvor

Hoffentlich schwappt dieses fundierte Wissen und der anpruchsvolle Umgang mit Cannabis bald auch über die Alpen zu uns.
Gerade im versoffenen Deutschland braucht man in diesem wichtigen Bereich sicherlich noch allerhand Hilfestellung durch wissenschaftliche Aufklärung für die bislang völlig unzureichend informierten Bürger.