Freitag, 9. Dezember 2022

Die Canna-B – Fachkongress zur Legalisierung von Cannabis

Bild: Simon Hanf

Die Canna-B – Der Fachkongress zur Legalisierung von Cannabis fand vom 6. – 7. Dezember in Freiburg statt. Wir waren für euch dort.

Einleitung

Die Canna-B stellt einen Fachkongress statt, wo über die kommende Cannabislegalisierung diskutiert wurde. Wir waren für euch vor Ort und berichten hier über den Fachkongress. Mit über 20 Rednern aus diversen Fachdisziplinen wie Landwirtschaft, Pharmazie, Jura und vielen mehr bot der Kongress eine Vielfalt an Informationen. Bereits im Vorfeld haben wir über den Kongress berichtet. 

Der Kongress wurde in 5 Blöcke aufgeteilt, die sich jeweils mit unterschiedlichen Thematiken beschäftigten. Der Kongress wurde vom Bundesbeauftragten für Drogen- und Suchtfragen Burkhard Blienert eröffnet. ER konnte persönlich leider nicht erscheinen, war aber per Konferenz zugeschaltet. Der erste Themenblock blieb gleich bei der Politik und beschäftigte sich mit “Rechtlichen Aspekte des Eckpunktepapiers”. Blienert sprach von einem “einmaligen Weg” in der Drogenpolitik unter dem Credo des “Gesundheitsschutz für Konsumierende”. Er sprach sich des Weiteren für eine strikte Trennung von Medizinalcannabis und Genusscannabis aus. Werbeverbote sind dabei essentiell und werden auf jeden Fall durchgeführt . Er möchte, dass die Fehler, die mit Alkohol gemacht wurden, nicht mit Cannabis wiederholt werden. Blienert meinte, die Eckpunkte würden mit dem EU-Recht zusammengehen, da bei der von der Bundesregierung geplanten Legalisierung weiterhin der Schwarzmarkt verdrängt und der Gesundheitsschutz gewahrt wird. 

Die Fachvorträge

Kai Niermann – Wirtschafts- und Unternehmensjurist sprach über die rechtlichen Herausforderungen der Legalisierung. Er meinte, das EU-Recht biete eine “Interpretationslösung” an, welche die Legalisierung ermögliche. Diese Interpretationslösung, beziehe sich, so Niermann auf den verlangten Gesundheitsschutz der EU-Kommission im Rahmen der Drogenpolitik. Des Weiteren sprach sich Niermann für eine “Strenge Kontrolle des Eigenanbaus” sowie niedrigschwelligen Anbaumöglichkeiten aus.

Prof. Dr. em. Stephan Quensel –  Jurist, Kriminologe sprach über “Die juristischen Konsequenzen der THC-Denk-Blockade” Er sprach von einer THC-Denkblockade, welche Cannabis weiterhin als gefährliche Droge stigmatisiert. Dies verhindert Forschung und sorgt für eine negative Konnotation von Cannabis in der Gesellschaft. Durch diese negative Konnotation wird ein Verbot obsolet, da die Gesellschaft Cannabis ohnehin schon ablehnt. Er sprach sich für die Entstigmatisierung von Cannabis aus. 

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Jörg Albrecht – Eme­ri­tier­ter Di­rek­tor am Max-Planck-In­sti­tut zur Er­for­schung von Kri­mi­na­li­tät, Si­cher­heit und Recht in Frei­burg i.Br sprach über “Die Legalisierung in Süd- und Nordamerika: Erfahrungswerte und Einschätzung im Kontext der europäischen Entwicklung in den letzten 20 Jahren”. Er möchte Cannabis vollständig legalisieren, um auch Schattenwirtschaften zu verhindern. Um diese Schattenwirtschaften zu verhindern, sei es wichtig, dass der Preis von Cannabis in den Fachgeschäften nicht signifikant teurer ist, als der auf dem Schwarzmarkt. Die Konkurrenzfähigkeit zu den illegalen Geschäften muss dabei gewahrt werden. Ebenfalls muss die Anzahl der Fachgeschäfte an die Bevölkerung angepasst werden. In Kalifornien gibt es so nur 2 Geschäfte je 100.000 Einwohnern, in Colorado sind es dagegen 18 Fachgeschäfte je 100.000 Einwohner.

Georg Wurth Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes sieht die Legalisierung nicht in “trockenen Tüchern”. Die CDU/CSU stellt sich massiv gegen die Legalisierung und könnte über den Bundesrat, in dem sie aktuell noch die Mehrheit hat, die Legalisierung stoppen. Wurth spricht von einer Wahrscheinlichkeit von 60%, dass die Legalisierung erfolgreich sein wird. Er hofft, dass in der kommenden Landtagswahl in Hessen die CDU aus dem hessischen Landtag und somit aus dem Bundesrat fliegt. Dadurch wäre eine Mehrheit im Bundesrat für die Legalisierung und so könne die Legalisierung durchgesetzt werden. Mit der CDU/CSU im Bundesrat sei dies eher unwahrscheinlich.

Bild: Simon Hanf

Die Interviews

Sanity Group: Die Sanity Group fokussiert sich zum einen auf den medizinischen Bereich, zum anderen auf den Bereich der Konsumenten. Im medizinischen Bereich auf den Import an Apotheken (Vayamed und Avaay). Ebenfalls der Vertrieb diverser frei verkäufliche Kosmetikprodukte. Des Weiteren arbeitet die Santiy Group an Methoden zur dosierten Vaporisation. Dies ist ein sich in der Entwicklung befindender Verdampfer, der dem Patienten per integrierter Waage eine genaue Dosierung ermöglicht. Dieser Verdampfer ist mit dem Internet verbunden, so dass der Arzt die Applikation des Patienten genau beobachten kann und so dem Patienten individuell helfen kann. Aktuell gibt es die ersten Prototypen, ab nächstem Jahr könnte das Gerät schon auf dem Markt sein. Gerade für neuere Patienten, die wenig Erfahrung mit Cannabisblüten haben, kann dieses Gerät eine große Hilfe bei der Dosierung sein.

Die Sanity Group ist fest überzeugt, dass das mit der Legalisierung klappt. Die Entscheidung des G-BA, welche zu einer Einschränkung bei dem Vertrieb von medizinischen Cannabisblüten führen kann, kann die Legalisierung beeinflussen. Hierbei möchten Teile des G-BA den Zugang zu medizinischen Blüten einschränken. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht für Cannabispatient die aktuell mit Blüten behandelt werden. Sollten medizinische Blüten tatsächlich vom G-BA verboten werden, würde selbst im Falle einer Legalisierung der Zugang zu Blüten nicht für Patienten garantiert werden.

Die Sanity Group kritisiert die mögliche Entscheidung des G-BA scharf. Die Sanity Group möchte weiterhin, dass Cannabispatienten ihre Blüten über den Arzt erhalten können. Durch ein Verbot der Blüten könnten die Patienten im schlimmsten Fall zurück in die Illegalität gedrängt werden, dagegen stellt sich die Sanity Group. Eine negative Auswirkung der Legalisierung auf den medizinischen Markt wird für unwahrscheinlich gehalten, sei jedoch abhängig von der genauen Umsetzung der Legalisierungspläne der Regierung.

BRANCHENVERBAND CANNABISWIRTSCHAFT E.V. (BvCW): Vorstandsmitglied im BvCW Philipp Ferrer im Interview. Der BvCW ist für die gesamte Cannabiswirtschaft zuständig. Dies geht vom medizinischen Cannabis, über Nutzhanf bis hin zu CBD-Produkten. Der BvCW war auf der Canna-B um die Interessen der Cannabiswirtschaft zu vertreten. Es findet ein enger Austausch mit der Politik statt. Die Eckpunkte gehen laut Ferrer in die richtige Richtung. Einer der größten Kritikpunkte des BvCW ist, dass weder medizinisches Cannabis noch Nutzhanf ausreichend im Eckpunktepapier thematisiert werden. Weder die Thematik der neutralen Verpackungen noch die Abstandsregelung zu Schulen wurde in den Eckpunkten adäquat beleuchtet. Ebenfalls sind die individuellen Regelungen der einzelnen Bundesländer noch unklar. Der BvCW spricht sich klar für die Legalisierung von Cannabis aus, auch für Edibles in neutraler Verpackung. Auch der BvCW steht der Legalisierung generell optimistisch entgegen und denkt, dass die Legalisierung in Deutschland kommen wird. 

Fazit

Laut Niermann ist Cannabis erst der Anfang. Auch über eine liberalere Politik im Bezug auf Kokain, LSD und Pilze sollte in Betracht gezogen werden. Generell fand ein reger Austausch auf der Canna-B statt. Es waren viele bedeutende Redner, mit interessanten Fachvorträgen auf dem Fachkongress. Auch die Pausen, in denen Networking betrieben werden konnte, boten einen regen Austausch innerhalb der Szene. Mario Danne von CIA-TV war auch auf dem Kongress als Pressevertreter anwesend. 

Die Canna-B wird im kommenden Jahr erneut stattfinden. Wir sind gerne nächstes Jahr wieder dort. 

Ein Beitrag von Simon Hanf

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2 Kommentare
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Heisenberg
1 Monat zuvor

Die CDU muß einverstanden gemacht werden,sonst wird das nichts.Wegwählen ist nicht,weil sie weiterhin viel Zuspruch geniesst.

Ramon Dark
1 Monat zuvor

CDU wegwählen ist grundsätzlich was Positives, aber ob das reicht? Schliesslich gibt es Bundesländer mit Koalitionen aus CDU und Grünen, bei denen (und nicht nur dort) diese gewaltige programmatische Rückzieher gemacht und Megakröten geschluckt haben. Schon allein deren Enthaltungen im Bundesrat könnten alles gefährden. Wichtig ist, dass der öffentliche diskursive politische Druck in jeder Hinsicht (auch über die Strasse) verstärkt wird. Sonst geht nichts in unserer konzern- und bankenrepräsentativen Demokratie.