Dienstag, 29. November 2022

Rauschgiftlage: Der Drogenhandel nimmt zu

Bild: Archiv Su

Rauschgiftlage: Der Drogenhandel nimmt zu. Das Lagebild zur Rauschgiftkriminalität wird vom BKA und Burkhard Blienert präsentiert.

Die Ausgangslage

BKA-Vizepräsidentin Martina Link und Bundesdrogenbeauftragter Burkhard Blienert berichten über die Rauschgiftlage in Deutschland. Der Bericht wurde auf der Homepage des Bundesdrogenbeauftragten publiziert. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete im vergangenen Jahr rund 361.000 Delikte mit illegalen Drogen. Die Gesamtzahl der Delikte sank damit um 1,3 Prozent. Die Zahl der Handelsdelikte stiegen allerdings um 2,9 Prozent. Dabei werden die Delikte immer noch mit dem mittelalterlichen Begriff  “Rauschgift-Delikte” bezeichnet. Das geht aus dem „Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2021“ hervor, das vom Bundeskriminalamt (BKA) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Sucht und Drogenfragen vorgestellt wurde.

Der Großteil der sichergestellten Drogen wird über den Land- und den Seeweg nach Deutschland geschmuggelt. Der Online-Drogenhandel hat sich dabei besonders stark etabliert. Nicht nur über das Darknet, sondern vor allem auch über Messenger-Dienste oder Social-Media-Seiten wie Instagram und Telegram findet der illegale Drogenhandel statt. Dabei findet der Handel hauptsächlich mit Cannabis und den neuen psychoaktiven Stoffen (z.B. synthetische Cannabinoide, LSD-Derivate) statt.

Der Anteil der Cannabis-Handelsdelikte entsprach im Vergangen Jahr 59,1 Prozent. (33.060 Fälle, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Es wurden im Jahr 2021 insgesamt 280.840 Tatverdächtige mit “Rauschgiftdelikten” registriert. Dies entspricht einem Rückgang von 1,4 Prozent (2020: 284.723). Bei den Delikten, die den Handel betreffen, handelt es sich um 47.784 Tatverdächtige, 2020 waren es 48.273. Die Menge an den sichergestellten Drogen, Kokain und Methamphetamin stiegen signifikant. So hat sich die Menge des sichergestellten Kokains mit 23 Tonnen mehr als verdoppelt, denn 2020 waren es “nur” 11 Tonnen. Bei Methamphetamin stieg die Menge um 25 Prozent auf mindestens 363,1 Kilogramm (2020: 290,5 kg).  

Der “Rauschgiftbericht” spricht zynisch von der Gefahr der Drogen. 1.826 Menschen starben an den Folgen ihres Drogenkonsums, was einen Anstieg von 15,5 Prozent darstellt. 2020 starben 1.581 Menschen. An Alkohol sterben hingegen 74.000 Menschen und an Tabak 140.000 Menschen pro Jahr. Damit macht die Zahl der Toten durch illegale Drogen “nur” circa 0,85% aller Todesfälle durch Drogen in Deutschland aus. Die häufigsten Todesursachen waren dabei der Konsum von Heroin und Opiat Substituierungsmittel.  

Kommentar von BKA und Blienert

Der Artikel preist “Zwei weitere wichtige Schläge gegen die Organisierte Rauschgiftkriminalität” an. Diese gelangen dem BKA im August 2022: “Im Rahmen zweier Verfahren konnten 700 Kilogramm Heroin und 2,3 Tonnen Kokain sichergestellt sowie mehrere Beschuldigte festgenommen werden.” Martina Link, BKA-Vize-Präsidentin kommentierte den “Erfolg”: „Drogenhandel und der Schmuggel von Rauschgift sind Hauptbetätigungsfelder und wesentliche Einnahmequellen der Organisierten Kriminalität in Deutschland. Es ist ein Geschäft, mit dem Millionen verdient werden – über alle Drogenarten hinweg. Das haben nicht zuletzt die Erkenntnisse aus den Auswertungen von Daten der Krypto-Kommunikationsanbieter „EncroChat“, „Sky-ECC“ und „ANOM“ sowie zwei Großsicherstellungen von Kokain und Heroin im Spätsommer dieses Jahres gezeigt. Die Organisierte Kriminalität bedroht und untergräbt unsere Gesellschaft.  Das Bundeskriminalamt hat daraus Konsequenzen gezogen: Wir werden unsere Kapazitäten im Bereich Rauschgiftkriminalität weiter stärken und die Geldwäschebekämpfung sowie die Vermögensabschöpfung intensivieren, um den Kriminellen ihre Einnahmen zu entziehen.“

Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht und Drogenfragen kommentierte weiter: „Die aktuellen Zahlen verdeutlichen: Wir müssen sowohl bei der strafrechtlichen Verfolgung von professionell agierenden Drogenkriminellen als auch bei Prävention und Suchthilfe schneller, konsequenter und besser werden. Wir müssen mehr tun, damit Menschen gar nicht erst zu gefährlichen Drogen greifen, oder, wenn sie es doch tun, davon wieder loskommen. Deswegen brauchen wir in Deutschland eine wirklich flächendeckende Suchtprävention, die hält, was sie verspricht. Und wir brauchen flächendeckende und ausreichend finanzierte Beratungsangebote. Außerdem wichtig: Bitte bei Drogenkonsum statt ideologischer Debatten ganz pragmatisch helfen – vom Drogenkonsumraum bis Substitution, von Drug Checking bis zur Schlafstätte für obdachlose Abhängige: All das hilft am Ende gegen Drogenkonsum, weil es der erste Schritt in den Ausstieg sein kann.“

Fazit

Allein die inadäquaten Formulierungen, welche das BKA immer noch verwendet, zeigen klar, wie veraltet die Meinungen sind. Es ist, wie bereits erwähnt, besonders zynisch, mit Heroin den Teufel an die Wand zu malen, während sich die Menschen in Deutschland vollkommen legal mit legalen Drogen in viel größeren Zahlen umbringen dürfen. Jeder Drogentote ist einer zu viel, egal ob es sich um Alkohol, Tabak, Heroin oder eine sonstige Droge handelt. Die Regierung muss Präventionsarbeit leisten und die Menschen adäquat schützen. Trotz Verfolgung ist die Zahl der Drogentoten gestiegen. Die Prohibition ist gescheitert und führt nicht zu weniger Leid, sondern zu mehr Leid. Es ist an der Zeit, die neuen Wege, die versprochen wurden, endlich einzuschlagen.

Ein Beitrag von Simon Hanf

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6 Kommentare
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Andreas
2 Monate zuvor

Da wundert sich die kaptalistische Seele doch. Na nu? Warum nehmen denn so viele Menschen Drogen? Bei der Alkoholdroge hat man es nicht mehr im Griff. Bei Heroin, Kokain, LSD, Speed, und was noch alles ist man total ratlos. Da solltet ihr Vollpfosten von Politiker vielleicht mal sehen ob das Leben in einer solchen Gesellschaft vielleicht nur einfach scheisse ist. Zeitdruck, Gängeleien und Beleidigungen als Hilfsbedürftiger, außer du bist schwarz oder hast kein europäisches Gesicht, dann kommt noch eins auf die Fresse dazu,oder Du musst n ur gebückt und devot ins Ausländeramt. Es kotzt mich einfach an mit anzusehen, wie Ehrlichkeit, Rücksicht, Respekt und freundliche Hilfe so den Bach runter gehen. In meinem Beruf habe ich das jeden Tag vor… Weiterlesen »

Heisenberg
2 Monate zuvor

Den Haschdealer an der Straßenecke braucht man weiterhin.Wenn der Erwerb verboten ist,muß er wenigstens möglich bleiben.

geigenzart
2 Monate zuvor

@Andreas Im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu. Deine Aussagen entsprechen meinen Erfahrungen und den Schlussfolgerungen, die ich daraus gezogen habe. Der stetig steigende Drogenkonsum hat auch viel mit den sozialen Zuständen zu tun, in denen wir leben. Diese resultieren, meiner Meinung nach, aus den kapitalistischen Verhältnissen, die seit Jahrzehnten politisch gestützt werden. Menschen, denen es gut geht und die keine existenziellen Sorgen haben, die einer für sie sinnvollen Beschäftigung nachgehen und die von wohlgesonnenen Menschen umgeben sind, müssen sich nicht zuballern. Die rauchen gelegentlich Cannabis oder erweitern ihre Erfahrungen mit einem seltenen LSD-Trip oder trinken vielleicht mal ein gutes Glas Wein. Aber die müssen sich nicht betäuben. Die Psychatrie-Erfahrungen haben mich im Laufe der Jahrzehnte wiederum ernüchtert. Die… Weiterlesen »

Andreas
2 Monate zuvor

@geigenzart Beruflich gesehen kenne ich diesen Zirkus. Als damals die Alkoholsucht als eigenständige Krankheit anerkannt wurde, habe ich das kommen sehen, denn wenn das eine Sucht ist, dann ist die ja vorbei wenn es körperlich keine Entzugserscheinungen mehr gibt. Genau das ist dann auch passiert, 2 Wochen Entzug und dann konnte ich mich wieder um meinen Patienten kümmern. Nachsorge gleich null, denn er war ja nun nicht mehr süchtig. “Soll sich mal zusammenreißen der Typ….” u.s.w. Das ist bei anderen Drogen genau das gleiche. Einweisung in die Psychiatrie ist ebenso vor den Arsch, weil es genauso abläuft. Verwahrung, fit machen für den Arbeitsmarkt, Dienen lernen, etc.etc. Das ist die Welt in der wir leben, wobei es in Deutschland noch vergleichsweise… Weiterlesen »

haschberg
2 Monate zuvor

Gerade bei so wichtigen und unterschiedlich gefährlichen Lebensmitteln wie Drogen, sollte der Staat eine kluge, deeskalierende und fürsorgliche Strategie fahren, aber niemals das Strafrecht anwenden, welches hierbei völlig fehl am Platz ist und nur dazu führt, weiterhin kriminelle Strukturen zu unterstützen, ja sogar zu fördern.
Unsere neue Regierung hat jetzt die einmalige historische Chance, dies zu realisieren.

Andreas
2 Monate zuvor

@haschberg
da gebe ich Dir Recht. Ich frage mich eh schon seit Langem was Pflanzen mit Kriminalität zu tun haben. Es wird von uns einfach so hingenommen, aber im Prinzip sind das nur einfache Pflanzen. Hast Du schon mal gesehen dass der Förster in den Knast muss, weil in seinem Revier Stechapfel wächst? Alles ziemlich irre, finde ich. Wer Drogen konsumiert wird schon mal als irre hin gestellt. Aber wählen darf er. War ja auch für die KOalition ein Glücksfall. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.