Freitag, 22. April 2022

420 – die Geschichte einer Zahl

Die Zahl hat sich als Kiffercode etabliert – aber was woher kommt sie eigentlich?

420 weed cannabis gras
Bild: Teanna Morgan / Creative Commons.

In gefühlt jedem Hip-Hop Video, jedem Kiffer-Magazin, jedem Stoner-Chat und auf jeder Cannabis-Marke findet man irgendwo eine Referenz zu dieser einen, scheinbar magischen Zahl: 420. Besonders am 20. April ist die Chiffre überall zu finden (denn in den USA schreibt man dieses Datum als 4/20). Aber was hat die Zahl eigentlich mit Cannabis zu tun? Seit wann wird die Zahl mit dem Kiffen verbunden? Zeit, ein wenig in der Kifferkultur zu wühlen und Licht ins Dunkel zu bringen.

Alles fing 1971 in San Rafael, Kalifornien an. Fünf High-Schooler suchten eine verlassene Cannabisplantage, ihre einzige Hilfe war eine Schatzkarte des ehemaligen Plantagenbetreibers. Die Schüler – Steve Capper, Dave Reddix, Jefrey Noel, Larry Schwartz und Mark Gravich – sind die Begründer der 420 Mythos. Sie nannten sich „the Waldos“, in Anlehnung an den schwer zu findenden jungen Mann im rot-weiß gestreiften Pulli, dessen Bücher weltweite Bestseller sind. Üblicherweise trafen sie sich bei einer Louis Pasteur Statue (die mittlerweile eine kleine Pilgerstätte für Freunde des Bubatz geworden ist) und planten von dort aus die weiteren Schritte um die Plantage zu finden. Zeitpunkt des Treffens: zwanzig nach vier, oder, in US-Amerikanischer Schreibweise: 4:20 PM.

Für die Waldos war das Codewort für das Treffen anfangs noch „4:20 Louis“ – nachdem die Jungs die Plantage allerdings nicht finden konnten und sich irgendwann auch nicht mehr bei der Louis Pasteur Statue trafen, wurde aus „4:20 Louis“ schlicht „4:20“. Wer zu Teenager-Zeiten schon gekifft hat, der kennt diese Codewörter bestimmt. Aber wie konnte das Codewort der fünf Jungs von einer gruppeninternen Anspielung zu einem offenen Geheimnis für Millionen von Stonern auf der ganzen Welt werden?

Steven Hager, Journalist und Counter-Culture Koryphäe, popularisierte den Begriff zunächst im Cannabis-Magazin High Times. Der erste Artikel, der 420 als Code für Cannabis verwendet, stammt aus dem Jahre 1991 und ist ebenfalls aus dem Magazin, allerdings von einem anderen Autor. Auch der Ursprung der Zahl wurde hier noch fälschlicherweise dem Polizeicode für „Marihuana Smoking in Progress“ zugeschrieben – allerdings ist 420.1 der Polizeicode für „obstructing entry on public land“. Erst gute sieben Jahre später wurden die Waldos als ‚Erfinder‘ des Codes genannt.

Durch das Magazin und den großen Freundeskreis der Jungs – und dadurch, dass Reddix‘ großer Fan der Band Grateful Dead (also ein „Deadhead“) war und den Begriff auf zahlreichen Konzerten verbreitete – wurde die Chiffre nach und nach zum internationalen Code für Bubatz, der mittlerweile vollkommen im Mainstream angekommen ist. Sogar Gesetzesentwürfe tragen nun zumindest in den USA oft den Namen „420 Bill“ – ein wirklich geheimer Code ist die Chiffre also nicht mehr. Aber auch ungeahnte Konsequenzen hat die Popularität: In verschiedenen Ländern werden oft Straßenschilder mit der Chiffre geklaut. In Colorado wurde ein Schild mit der Zahl so oft gestohlen, dass das Colorado Department of Transportation mit einem Geniestreich aufwarten musste: Die Zahl wurde schlicht durch 419.99 ersetzt. Allerdings war dieser Schritt so gewieft, dass das Schild schnell zu einer Touristenattraktion wurde – wenn es denn noch da war. Denn das Schild wird noch immer geklaut.

Die Waldos sind, zum Glück, noch immer am Leben und auch noch immer Freunde. Man kann nur darauf warten, bis Hollywood die Story der „Founding Fathers of 420“ verfilmt.

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