Samstag, 9. April 2022

Was langwieriger Konsum mit dir macht

Was langwieriger Konsum mit dir macht

Langzeitfolgen von Cannabis

ein Beitrag von Henrik Aulbach

Was das Kiffen angeht, hat jeder seine ganz eigenen Vorstellungen und Gewohnheiten. Ziemlich viele Kiffer eint jedoch die Sorgen darum, was ein langwieriger Konsum genau anstellen kann. So wissen die wenigsten Konsumenten, was genau Cannabis im Kopf bewirkt und welche Langzeitfolgen entstehen können, wenn diese denn überhaupt eintreten. Wir wollen uns also anschauen, welche Konsequenzen es mit sich bringt, über Jahrzehnte hinweg Joints zu rauchen, Vapes zu verdampfen oder an der Bong zu ziehen. 

Die Kurzzeiteffekte im Rausch

Wollen wir uns die Langzeitwirkungen anschauen, finden wir ziemlich wenige Studien Befunde und wissenschaftliche Untersuchungen rund um dieses Thema. Schuld ist hieran wieder einmal die weitläufige Kriminalisierung des Hanfes, wodurch es für Forscher und Wissenschaftler sehr schwer ist, an Material für Studien zu gelangen. Damit wir die vorhandenen Daten jedoch auswerten können, wollen wir uns erst vergegenwärtigen, was die kurzzeitigen Folgen des Konsums sind.

Nach einer kurzen Zeit erlebst du natürlich dein High, was sich meistens durch Munchies, Freude, Entspannung, leicht veränderte Sinne und ein schwächeres Kurzzeitgedächtnis äußert. In der Regel treten diese erfreulichen Wirkungen ein, wenn Set sowie Setting passen und die Dosis gestimmt hat. War die Dosis zu hoch oder du befindest dich in einer eher unerfreulichen Situation, können deine Ängste stimuliert werden, sich deine Wahrnehmung verändern oder dein Herz könnte anfangen zu rasen.

Hiermit wollte ich lediglich verdeutlichen, dass der Cannabiskonsum immer eine zweiseitige Klinge ist. Auf der einen Seite stehen positiv bewertete psychoaktive Effekte, während diese meistens direkt im Schlepptau negative, psychotoxische Effekte mit sich bringen. Ein Patient, der also über 20 Jahre hinweg Cannabis konsumiert, wird positive sowie schlechte Folgen vermerken können.

Die Toleranzbildung unter der Lupe

Von einem langjährigen und intensiven Konsum spricht man in der Regel nicht, wenn beispielsweise über Jahre hinweg einmal wöchentlich konsumiert wird. Die Rede ist an dieser Stelle von Menschen, die täglich oder fast täglich größere Menge Cannabis rauchen bzw. konsumieren. Dabei sollte der Konsum über mehrere Jahre andauern.

Sehr schnell bildet sich in jedem Fall eine Cannabistoleranz aus. Anschließend muss die betroffene Person größere Mengen konsumieren, um wieder in denselben Rausch wie zuvor zu verfallen. Feinde des Hanfes sagen, dass diese Toleranz nun zu einer Spirale führt, in welcher immer größere finanzielle Mittel aufgewendet werden müssen, um einen immer größeren Bedarf zu befriedigen. Auch ist es die Ausbildung dieser Toleranz, welche dafür sorgt, dass Entzugserscheinungen eintreten können, wenn der Konsum nicht mehr fortgeführt wird.

Entzugserscheinungen können sein, dass du Schlafprobleme hast, sich dein Appetit verändert oder du leichter genervt wirst. Viele Hanfexperten sprechen jedoch zurecht davon, dass die Sucht, welche aus der Hanftoleranz resultiert, nur eine leichte mentale Sucht ist. Bei harten Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Kokain kommt eine starke körperliche Sucht hinzu, welche um ein Vielfaches schwieriger zu überwinden ist. So erlebt in der Regel kein Cannabiskonsument einen Entzug, der ihn komplett krank werden lässt, Durchfall und Erbrechen auslöst und ihn sogar umbringen kann. Die Entzugssymptome hören auf, wenn rund 14 Tage nicht mehr konsumiert wurde: Dann sind auch die meisten Folgen des Konsums wieder ausgeglichen. 

Weitere Langzeitfolgen auf dem Prüfstand

Typische psychische Langzeitfolgen, die dem Gras zulasten gelegt werden sind umfassen Angststörungen und Depressionen. Diese stehen häufig in Verbindung damit, dass sich chronische Konsumenten aus Beziehungen zurückziehen oder ihr Konsum Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen auslöst. Eine Studie aus dem Jahr 2016, in Schweden durchgeführt und im Journal of Affective Disorders veröffentlicht, widerlegt jedoch genau diesen Befund. Hier wurden knapp 9000 schwedische Männer und Frauen darauf getestet, ob ihr Cannabiskonsum die Chance auf Depressionen oder Angststörungen erhöht hat. Das Forscherteam hat im Anschluss keinerlei Korrelation feststellen können.

Keineswegs abstreiten sollte man, dass Lungenschäden, Krankheiten der Atemwege und ein erhöhtes Risiko auf Herzattacken sowie Schlaganfälle entstehen kann, wenn man sein Leben lang Joints und Bongköpfe raucht. Diese Langzeiteffekte verlieren jedoch dann ihr Fundament, wenn du ganz einfach anfängst, zu vapen oder dein Ott zu verbacken. So bedingen diese Langzeitfolgen natürlich, dass du Rauch einatmest. Verzichtest du hierauf, ist das Problem gelöst. 

Eine sehr interessante Langzeitfolge kann sein, dass die Dopaminproduktion durch den Konsum beeinflusst wird. Allgemein geht die Meinung dahin, dass auf Dauer weniger Dopamin produziert wird, wenn man durchgehend viel Cannabis raucht. Hierzu gibt es jedoch zu wenige und vor allem zu ungenaue Studien, als dass die Kausalität gezogen werden könnte. Bis wir also auf diese Frage eine gute Antwort haben, müssen wir noch ein wenig warten. 

Cannabis und Gedächtnisprobleme: Was ist wahr?

Der Effekt von Gras auf unser Gedächtnis beläuft sich im großen Ganzen darauf, dass das THC im Hippocampus aktiv wird, da hier viele CB1-Rezeptoren vorzufinden sind. Der Hippocampus ist ein Teil unseres Gehirns, welches quasi die Sinneseinflüsse von außen bewertet und entscheidet, welche Eindrücke und Infos es wert sind, abgespeichert zu werden. Hier greift das THC ein und verhindert kurzzeitig, dass neue Erinnerungen durch den Hippocampus abgespeichert werden können. 

Einige wenige Studien haben nun darauf hingedeutet, dass sich der Hippocampus von Menschen, die im jungen jugendlichen Alter zu konsumieren anfangen, abnormal verformt. Auch gibt es einige Untersuchungen, welche beweisen wollen, dass chronische Cannabiskonsumenten eine schlechtere verbale Gedächtnisleistung erbringen. 

Aufschluss gibt hier eine neuere Untersuchung aus dem Jahr 2017, wobei die Langzeitwirkung des Kiffens auf das Volumen des Hippocampus untersucht wurde. Hier wurden 20 intensive Cannabiskonsumenten mit 23 cleanen Jungs und Mädchen verglichen. Dabei hatten die meisten der Konsumenten bereits im Alter von 16 Jahren angefangen und in der Regel seither fünfmal in der Woche konsumiert. Hier hat sich über mehrere Jahre gezeigt, dass sich das Volumen des Hippocampus in keinster Weise verändert oder überhaupt unterschieden hat. Diese Studie geht also ganz klar dagegen, dass ein langjähriger Cannabiskonsum, der gerne auch in jungen Jahren anfangen kann, Effekte auf den Hippocampus und damit auf die Gedächtnisleistung hat. 

Welche Probleme der Langzeitkonsum wirklich mit sich bringt 

Prinzipiell muss klar gesagt werden, dass die meisten Probleme, welche durch den Konsum entstehen können, komplett individuell sind. Ob du jetzt in einer sozialen Situation Angst oder Freude empfindest, wenn du high bist, hängt so ziemlich von dir ab. Wichtig ist also, dass du dich selbst gut kennenlernst und einschätzen kannst, in welchen Situationen du gerne high und in welchen Tagen du nüchtern wärst.

Wirklich gefährlich kann es werden, wenn du dich high ans Steuer setzt. Hier sorgt jedoch der Gesetzgeber bestens dafür, dass tausende junge Menschen in Deutschland jeden Tag high fahren. Für sie macht es einfach keinen Unterschied, ob sie nüchtern oder bekifft unterwegs sind. Sie können so oder so von der Polizei angehalten werden und ihren Führerschein verlieren.

Für Menschen mit Herzproblemen kann das Kiffen ebenfalls ein Problem sein, da viele Konsumenten beobachten, dass ihr Puls Minuten bis Stunden nach dem Rauchen erhöht ist. Bei einer Herzerkrankung sollst du also natürlich den Konsum mit deinem Arzt abklären.

Dass schwangere Mütter und Jugendliche und Kinder bis zum Alter von 18 Jahren nicht kiffen sollten, ist sowieso Fakt. Gegebenenfalls könnte man debattieren, ob das Alter für Erstkonsumenten auf 16 Jahre gesenkt werden sollte, darunter sollte jedoch absolut nicht konsumiert werden.

Ein großes Problem kann zu guter Letzt das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom werden. Dieses entsteht in der Regel erst durch einen jahrelangen und sehr intensiven Cannabiskonsum. Bei den meisten Betroffenen äußert sich diese Krankheit durch starke Bauchschmerzen, viele Kotzeinheiten und eine ausgeprägte Übelkeit. Wie genau diese Krankheit entsteht, ist nach wie vor unklar. Es scheint jedoch bisher nur Menschen getroffen zu haben, die zuvor jahrelang intensiv gekifft haben. Vermutet wird, dass die Bauchschmerzen und das Erbrechen durch den Effekt des THCs auf die CB2-Rezeptoren im Verdauungsapparat entstehen.

Fazit

Der langwierige Konsum von Cannabis bringt sehr wohl seine Folgen mit sich. Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom kann auftreten, du kannst selbst Probleme mit dem Einschlafen kriegen oder mit deinem Appetit. Auch neurophysiologische Veränderungen im Gehirn lassen sich nicht ohne Weiteres von der Hand weisen, wobei die meisten Studien darauf verweisen, dass die entstehenden Veränderungen nicht gravierend sind.

Noch trifft man allzu häufig noch auf den Mythos des Amotivationssyndroms oder den der Einstiegsdroge. „Kiffer interessieren sich weniger für Arbeit und Schule” sind typische Aussagen. Fakt ist, dass Cannabiskonsumenten gleichauf performen wie normale Menschen. 

Ich wünschte mir, ich hätte einen eindeutigen Einblick auf die Folgen des Hanfkonsums geben können, hierfür ist jedoch die Studienlage allemal zu schwach. Dass die längst aufgeklärten Mythen der Einstiegsdroge oder des Amotivationssyndroms jedoch nach wie vor tief in der populären Meinung rund um den Hanf verbaut sind, ist eine reine Schande, gegen die dieser Artikel und nun auch ihr helfen könnt.

6 Antworten auf „Was langwieriger Konsum mit dir macht

  1. Haschberg

    Meine verbale Gedächnisleistung hat sich während der Jahrzehnte des Konsums nun im Alter sogar noch verbessert, worüber ich eigentlich selbst überrascht bin.
    Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich mir als Rentner viele Talkshows, Nachrichten und Reportagen aller Art anschaue und so eigentlich ständig meinen Sprachhorizont erhalte bzw. sogar erweitere.
    Als Hobbyhistoriker sammle, recherchiere und schreibe ich auch viel und bleibe so in Form, was natürlich auch meinen Kommentaren als Hanfaktivist zugute kommt.
    So kann ich mich also trotz (oder wegen) meines regelmäßigen und THC-reichen Konsums glücklicherweise auch im Alter noch immer meiner geistigen, wie auch körperlichen Gesundheit erfreuen und hoffe, dass dies so bleibt.
    Allerdings habe ich meine Kontakte mittlerweile (auch wegen Corona) auf ein Mindestmaß beschränkt, denn in einer cannabisfeindlichen Gesellschaft ist es ohnehin besser, dass man sich als Hanfkonsument so viel wie möglich zuhause aufhält und sich mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigt.

  2. Rainer

    In den ersten 15 Jahren meiner Haschrauchzeit,erwartete ich einen Verfall oder Zerfall,ähnlich wie Heroinkonsum.Ich wunderte mich über immer gleichbleibendes Körpergewicht,und daß mein Gesicht nicht Pfahl und leichenblaß wurde.Ein Junkie erklärte mir irgendwann,daß so etwas mit Haschisch nicht zu erwarten sei.Viel später wunderte ich mich über Inormationen,die den Gebrauch von Haschisch als auch etwas positives beschrieben.Indoktriniert so wie die freiwilligen Maskenträger.

  3. Rainer

    Ich muß gestehen,daß meine Motivation,mich als Lohnsklave ausbeuten zu lassen,verschwindend klein geworden ist.

  4. Leiderdochgefährlich

    Was wirklich bedenklich ist, ist der Einfluss auf der Herz-Kreislaufsystem mit dem Risiko auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen. Auch OHNE Tabak und Rauchen.
    Mit einem großen LEIDER. httpss://www.drugcom.de/newsuebersicht/topthemen/cannabis-kann-das-herz-kreislauf-system-schaedigen/

  5. Bachmann André

    Es stimmt nicht, dass mit jahrelangem Konsum die Dosis erhöht werden muss.

  6. n.labuve@gmx.de

    Ich kiffe seit 21 Jahren jeden Tag und bin seitdem nicht einmal mehr krank gewesen

Schreibe einen Kommentar

Schnelles Login: