Sonntag, 6. März 2022

Holz aus… Hanf?

Ein Leipziger Startup will gegen Abholzung vorgehen und dabei Hanf nutzen

Holz, Hanfholz, Klimawandel

Klimawandel ist in aller Munde – nicht zuletzt wegen des kürzlich veröffentlichten Weltklimaberichts werden Sorgen um die Zukunft der Menschheit auf dieser Welt groß. Denn: Es ist ja auch nicht die Natur, welche aussterben wird, sondern der Mensch. Die Klimakatastrophe des heutigen Ausmaßes ist für uns und viele Tiere zwar verheerend, aber im Vergleich zu anderen Klimakatastrophen ein kaum messbares Ereignis. Trotzdem kein Grund, die Menschheit nicht retten zu wollen. Ein Leipziger Startupunternehmen will genau dies machen, und zwar mit Holz. Mit Hanfholz, um genau zu sein.

Das Unternehmen namens Canamo Hanfholz sieht die weltweite Abholzung als ein enormes Problem: „Jedes Jahr gehen alleine in den Tropen Millionen Hektar an Wald verloren. Die Wälder speichern aber einen Großteil unseres CO₂,“ so Georg Kerstan, Mitbegründer des sechsköpfigen Unternehmens gegenüber der „Presse“. Hanfholz wird üblicherweise aus gepressten Hanffasern geformt und bietet einen gewaltigen Vorteil gegenüber herkömmlichen Holz. Wer schon mal Hanf selber angebaut hat, dem wird der Grund auch direkt einleuchten: Hanf wächst wahnsinnig schnell und hoch. Die Stämme sind zudem sehr robust. Nur etwa 120 Tage braucht eine Hanfpflanze bis sie reif zu ernten ist – Papier wurde bereits seit Jahrhunderten daraus gewonnen (so ist die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus Hanfpapier). Die US-Firma Fibonacci hat bereits vor einiger Zeit mit der Produktion begonnen.

Zudem speichert Hanf die gleiche Menge an CO2, wie die abgeholzten monokulturellen Wälder. Da diese Wälder dem Boden sehr viel Nährstoffe entziehen, müsse nach der Ernte teilweise mehrere Jahre gewartet werden, bis neue Wälder gepflanzt werden können – in dieser Zeit könne man Hanfpflanzen anbauen, welche als Tiefwurzler den Boden neu aufbrechen und ihn mit neuen Nährstoffen anreichert. Mit dem wesentlich schnellen Wachstum könnte man auch im deutschen Klima womöglich sogar mehrmals pro Jahr anbauen. Ein weiterer, guter Grund auch die Legalisierung schneller voran zu treiben – das Klima wartet nicht; die ungewöhnlich harten Stürme und dramatischen Wetterschwankungen der vergangenen Jahre deuten bereits jetzt auf eine deutlich spürbaren Umschwung hin. Auch wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele (auch wegen der Abhängigkeit zu Russland) angezogen hat – es wird schlicht nicht genug getan. Jede weitere Möglichkeit, das Klima weniger zu erhitzen, hilft. Das zeigt auch der Weltklimabericht.

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Dr. Voss, M A.
2 Monate zuvor

Deutschland braucht die Cannabissteuern, – JETZT ! MeCaDt

Ramon Dark
Ramon Dark
2 Monate zuvor

Wieder ein sehr guter und informativer Artikel zum ökologischen Nutzen des Hanfanbaus, danke. Wird nur langsam Zeit, dass unsere (und nicht nur unsere) Regierung mal endlich wirklich geballt diesbezüglich konstruktive Massnahmen ergreift anstelle mit gigantischen Waffenschiebereien und Auslandskriegseinsätzen Menschenleben kostende Konflikte anzuheizen oder gar zu erzeugen.

Haschberg
Haschberg
2 Monate zuvor

Eine der besten Ideen, die ich in letzter Zeit zum Thema Hanf gelesen habe.
Man müsste wieder viel mehr Produkte aus Hanf herstellen, da sie einfach wesentlich umweltfreundlicher, robuster und langlebiger sind, was unsere ungeheure Ressourcenverschwendung massiv reduzieren würde.
Unsere Politiker vertrödeln nach wie vor wertvolle Zeit, denn der Kipppunkt der großen Wetterzyklen scheint bereits erreicht zu sein und wird die Erde von Jahr zu Jahr unbewohnbarer machen.

Rainer
Rainer
2 Monate zuvor

Hoffentlich haben wir die 120 Tage bis zur Ernte noch.