Montag, 14. Februar 2022

Indische Polizei verbrennt 200 Tonnen Cannabis

Anwohner waren aufgefordert, während der Verbrennung des „Teufelszeugs“ zu Hause zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten

Cannabis

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

Auch im Mutterland des Indischen Hanfes tobt ein erbitterter Anti-Cannabis-Krieg. Seit 1985 sind Marihuana und Haschisch illegale Betäubungsmittel, und wie überall auf der Welt zeigt sich die Polizei besonders engagiert, um die Prohibition durchzusetzen. Ja, es scheint fast schon eine Herzenssache der indischen Strafverfolgungsbehörden zu sein, die Heilige Pflanze mit Stumpf und Stiel ausrotten zu wollen  – schließlich geht es auch gegen die verhassten Naxaliten. Der Polizeichef des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh nimmt kein Blatt vor den Mund und bezichtigt eben diese verbotenen maoistischen Gruppierungen, die Ganja-Produktion voranzutreiben

 

Und so kam es am Samstag auf einem Acker im Distrikt Visakhapatnam zum großen Showdown. Die Polizei verteilte insgesamt 200 Tonnen Marihuana und Haschisch auf mehrere Scheiterhaufen, und der Polizeichef ließ sich die Ehre nicht nehmen, im Beisein von rund 1500 Schaulustigen als Erster zu zündeln – und das auf einem extra für diese Schandtat ausgerollten roten Teppich. In seiner Rede vor den zahlreich erschienenen Medienvertretern sagte er, dass die Verbrennung dem im Ganjahandel tätigen „Netzwerk im ganzen Land“ signalisieren soll, dass die Polizei im Kampf gegen den Hanf alle Register zieht.

 

Die „Droge“ im Wert mehr als 200 Millionen Rupien wurde laut Polizei im vergangenen Jahr in den Küstengebieten des Bundesstaates beschlagnahmt.

Im Rahmen der „Operation Parivarthan“, die seit 1. November läuft und den Verfolgungsdruck um ein Vielfaches erhöht, hätten 406 Spezialteams 313 Dörfer heimgesucht und Ganja-Felder auf einer Fläche von 7.552 Hektar zerstört. Etwa 1.500 Personen seien festgenommen und 577 Anklagen erhoben worden.

 

Offiziellen Angaben zufolge war die Vernichtung einer derart großen Menge Cannabis ein Novum. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Bewohner in der Umgebung aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, da der Rauch der Hanf-Scheiterhaufen Kopfschmerzen oder Rauschzustände verursachen könnte.

 

 

5 Antworten auf „Indische Polizei verbrennt 200 Tonnen Cannabis

  1. Haschberg

    Die Inder haben zusammen mit Bangladesh schon vor 60 Jahren ihre Jahrtausende alte Hanfkultur auf Anraten einer Weltorganisation für den viel schlimmeren Alkohol geopfert, mit dem sie leider gar nicht gut zurecht kommen.
    Seitdem hat Indien ein massives Alkoholproblem. Als ich dort 1986 für 3 Monate Urlaub machte, habe ich sie gesehen, die sogenannten „Schnelltrinker“. Das waren brave Familienväter, die gleich beim Nachhauseweg von der Arbeit an ihrer Straßenkneipe auf die Schnelle mindestens ein großes Glas Brandy hinunterstürzten, so daß es die Ehefrau zuhause nicht mitbekommt (denn auch in Indien gilt es als unehrenhaft, Alkohol zu trinken, obwohl es trotzdem sehr viele tun).
    Natürlich haben dadurch auch häusliche Gewalt und andere alkoholbedingte Delikte zugenommen.
    Schändlich fand ich es nur, dass man schon damals als Tourist selbst im alten Hanfland Indien durchweg dubioses schwarzes Haschisch angeboten bekam, was irgendwann beim Rauchen nur noch dumpfes Kopfweh verursachte. Ich empfand das als sehr enttäuschend für ein so traditionsreiches Land, das nun im Würgegriff einer völlig wesensfremden Prohibition dahinvegetiert.
    Es gibt wohl auch sehr gute Hanfsorten, aber die findet man am ehesten im Norden des Landes und in Insiderkreisen.
    Einmal hatten wir (mein Reisebegleiter und ich) die Gelegenheit, am Strand in Goa mit noch 20 anderen im Kreis sitzenden Personen internationaler Herkunft von einem kundigen Freak aus Schweden zu einem riesigen Schillum eingeladen zu werden. Es kreiste ganze 3 mal und danach wurde es still. Wir waren alle dermaßen stoned, dass wir uns eine Stunde später nur mit Mühe aus dem Schneidersitz erheben konnten. Die Wirkung hielt den ganzen Abend unvermindert an.
    Jedenfalls hätte ich, um es abschließend zu formulieren, dem Indischen Staat etwas mehr Weitsicht zugetraut, als tonnenweise wertvolle Hanfprodukte zu vernichten, die man zumindest als gute Arznei an die Bevölkerung hätte verteilen können.
    Bleibt nur zu hoffen, dass man auf einem Subkontinent, auf dem Cannabis sogar in weiten Teilen wild wächst, die Cannabisprohibition schnellstens wieder beendet und dadurch sowohl die strafrechtliche Verfolgung, wie auch die verdammte idiotische Panscherei einer so wunderbaren Pflanze unterbunden wird.

  2. UngeimpftUndFrei

    Andere Staaten werden dann das Geschäft eben machen. Nicht nur Indien hat guten Stoff.

  3. Ramon Dark

    Äusserst traurig, dass sich in einem Land der mit der Hanfpflanze meditierenden Mönche so ein staatlich organisiertes Pogrom ereignet. Dabei hat nach der indischen Tantra-Mythologie der auf dem etwas mehr als 8.000 m hohen Berge Kailash hausende Shiva die Hanfpflanze extra als Meditationshilfe zu den Menschen gebracht um ihn trotz geografischer Schwierigkeiten dort leichter besuchen zu können. Da hat sich inzwischen nach und nach leider die jetzt herrschende reaktionär-puritanische hindunationalistische Fraktion durchgesetzt. Dabei konnte ich noch1988 in Bubaneshwar/Odisha(früher Orissa) in einem Regierungsladen etwas bestes schwarzes Haschisch und eine ganz kleine Portion reinstes Rohopium zum Essen für die erfolgreiche Bekämpfung eines brachialen fieberhaften Reisedurchfalles und die damit verbundene Appetitlosigkeit erwerben. Das Immodium und andere offensichtlich überflüssige Chemie aus meiner kleinen Reiseapotheke habe ich danach unangetastet an Andere verschenkt. Und von Opium liess ich hinterher wohlweislich wieder die Finger. Aber Indien ist gross und die klerikalfaschistische Hindufraktion wird es bei der dortigen Tradition nicht schaffen, die Pflanzen und ihre heilsamen Produkte landesweit vollständig auszurotten, gerade eben nicht beim derzeitig beginnenden globalen Trend des medizinischen Einsatzes und der Legalisierung als Genussmittel.

  4. Haschberg

    Um die perversen Auswüchse der Prohibition in Indien zu verdeutlichen, möchte ich noch ergänzen, dass wir damals in Goa abends am Strand von 2 sehr jungen Polizisten mit einem alten Karabiner angesprochen wurden, weil wir gerade einen Joint rauchten. Sie sagten uns, dass es nach dem (damals neuen) Gesetz strikt verboten wäre, in der Öffentlichkeit Haschisch zu rauchen und wir könnten dafür sogar ins Gefängnis kommen.
    Sie waren allerdings sehr freundlich und wollten von uns umgerechnet 20 DM, dann wäre die Sache erledigt.
    Nachdem wir diesen geringen Betrag umgehend an Ort und Stelle entrichteten, kam jedoch der eigentliche Hammer.
    Die beiden Polizisten besaßen tatsächlich die Frechheit uns zu fragen, ob wir von ihnen vielleicht etwas Hasch abkaufen wollten, sie hätten auch welches und es wäre gar nicht teuer.
    Natürlich lehnten wir dankend ab. Wer weiß, auf welche verrückten Prohibitionsideen diese beiden Dorfpolizisten dann noch gekommen wären.
    Das Interessanteste waren damals für uns junge Touris noch die vielen Strandparties, die von betuchten Freaks (meist aus Frankreich und Italien) organisiert und finanziert wurden, jeweils um Mitternacht begannen und auf denen dann bis zum Aufgehen der Sonne durchgetanzt wurde. Das war eine super Atmosphäre. Einheimische Frauen boten für kleines Geld allerlei zum Essen und Trinken an, die örtliche Polizei wurde gut geschmiert und hielt sich fern. Natürlich qualmten überall die dicken Schillums, Pfeifen aller Art und auf Wunsch gab es sogar kostenlos softe Partytrips zum Durchhalten.
    .Alles in allem war ich von Indien aber doch eher enttäuscht. Diese entsetzliche Prohibition macht wirklich Vieles kaputt und ich werde niemals mehr auf die Idee kommen, ein so chaotisches Land zu bereisen.
    Zum Schluss bekam ich auch noch diese sogenannten „tropischen Infections“, (das sind kleine Wunden, die immer größer werden), die ich dann zuhause gerade noch rechtzeitig mit einer gewaltigen Menge an Antibiotika (2 Millionen Einheiten) behandeln lassen konnte.

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