Samstag, 12. Februar 2022

Was Dealer in Zeiten der Legalisierung machen

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Ein Beitrag von Henrick Aulbach


Im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien konnten neugierige Kiffer erstmals erfahren, was genau die neue Regierung mit der Legalisierung von Cannabis erreichen möchte. Hier wird groß ausgeführt, dass dem illegalen Schwarzmarkt der Grund genommen werden soll, damit dieser auf lange Sicht austrocknet. Wer jedoch seinen lokalen Dealer anspricht oder einfach selbst überlegt, kann zahlreiche Gründe finden, weshalb der Schwarzmarkt nicht durch die Legalisierung absterben wird. Unabhängig davon, ob Dealer nun im Geschäft bleiben oder nicht, stellt sich der besorgte Kiffer die Frage, was aus ihnen wird. Was machen Dealer in Zeiten der Legalisierung?

Von Dealer zu Verkäufer

Der typische Werdegang eines Dealers nach der Legalisierung besteht natürlich darin, entweder einen eigenen Coffeeshop zu eröffnen oder Verkäufer in einem Coffeeshop zu werden. Die Dealer würden einfach vom Schwarzmarkt ins legale Grasgeschäft umsatteln und eine Menge Vorerfahrungen mitnehmen. Interessanterweise gibt es in anderen Ländern wie den USA Programme, welche genau diesen Wechsel unterstützen möchten. In Deutschland könnte es zu ähnlichen Programmen kommen.
Zu unserer Annahme vorhin, dass der Schwarzmarkt trotz Legalisierung fortbesteht, wollen wir uns Fakten und Zahlen anschauen.

So wurde in Kanada Cannabis in einer Art und Weise legalisiert, die Deutschland vorbildhaft dient. Drei Jahre nach der Legalisierung ergibt nun eine Erhebung, dass ungefähr 60 % des gesamten Cannabisverkaufs über den legalen Mark geregelt wird. Nach einem Jahr post Legalisierung betrug der Anteil schon satte 30 %. Da sich bei diesem Trend kein Ende absehen lässt, stehen die Chancen gut, dass der legale Markt noch weitere Anteile abgreifen wird, das jedoch vermutlich nur bis zu einer natürlichen Grenze von knapp unter 100 %. Die Niederlande wollen wir nicht als ein Beispiel heranziehen, da hier nach wie vor ein Großteil des Cannabishandels über den Schwarzmarkt geregelt werden muss. Coffeeshops beispielsweise müssen vom Schwarzmarkt den Hanf beziehen. Darum sind die natürlichen Konsequenzen, dass Dealer meistens aktiv bleiben und dass der Schwarzmarkt floriert.


Sortiment erweitern, Dealer bleiben


Viele Dealer verkaufen natürlich bereits mehr Drogen als Cannabis, wobei meistens Amphetamin, Kokain und Ecstasy gedealt wird. Da Dealer bisher mit diesen Drogen bereits ein ziemlich nettes Geschäft machen konnten, wird dieser Markt vermutlich weiter bestehen. Dass die Nachfrage nach starken Drogen durch die Legalisierung zunimmt, ist jedoch eher unwahrscheinlich. So gibt es beispielsweise Untersuchungen aus den USA, welche darlegen, dass der Kokainkonsum stellvertretend für den Konsum harter Drogen nach einer Legalisierung zurückgeht.

Insbesondere ist die Zahl der Neukonsumenten des Kokains zurückgegangen, während langwierige Konsumenten unbeeindruckt blieben. Dass allgemein also mehr Menschen mehr harte Drogen haben möchten, ist durch eine Legalisierung eher unwahrscheinlich.
Dealer sollten also nicht hoffen, dass noch viel mehr Menschen anfangen, harte Drogen zu konsumieren. Der Markt mitsamt Konsumentenzahl wird sich nicht schlagartig verändern, weshalb Grasdealer nicht plötzlich auf andere Drogen setzen können. Stattdessen wird der alte Handel mit den harten Drogen einfach weiter bestehen, ziemlich genau so wie er jetzt ist.


Auf den Handel mit billigem Gras umsatteln


Wie im Artikel “Legalisierung für Reiche” dargelegt, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass deutsches Cannabis zu Anfang sehr teuer sein wird. Da Deutschland innerhalb der ersten Jahre vermutlich massiv auf den Import angewiesen sein wird, soll ein Gramm Cannabis für rund 20 € vertrieben werden können. Die Analysen gehen dahin, dass erst die innerdeutsche Produktion den Preis auf den heutigen Standardkurs der Straße von 10 € drücken wird.
Tritt dieser Fall ein, werden Dealer zu Anfang vermutlich ihren guten Verdienst beibehalten, indem sie günstiges und bestenfalls cleanes Gras zu verkaufen. Durch die Legalisierung wird es hoffentlich direkt einfacher für viele Dealer, günstig und clean Gras zu importieren. Dann könnte quasi zu Anfang der Schwarzmarkt mit allen gängigen Coffeeshops konkurrieren. Da dann jedoch die Qualität der Coffeeshops nachholt und sich das Preis-Leistungs-Verhältnis verbessert, wird es schwer für den Schwarzmarkt, bestehen zu bleiben.


Dealer müssten ggf. darauf setzen, sehr günstige Cannabisblüten zu vertreiben. Dadurch wird es jedoch immer wahrscheinlicher, dass synthetische Cannabinoide, Spice und weitere Lacing-Drugs in das Cannabis und Hasch gemischt werden. Ansonsten kann auch der Fall eintreten, dass normales Cannabis für kleines Geld vertrieben wird, wobei hier Streckmittel das Gewicht vermutlich oftmals erhöhen werden.
Es besteht also die mögliche Entwicklung, dass Dealer den deutschen legalen Cannabismarkt unterbieten wollen und hierfür auf qualitativ noch minderwertigere Produkte setzen, als es jetzt bereits der Fall ist. Hierdurch könnte der illegale Schwarzmarkt nochmal gefährlicher werden, wobei nichtsdestoweniger gering verdienende Menschen auf diesen angewiesen sein können.


Auf den Service kann es ankommen


Wer bereits in einem legalisierten Land unterwegs war und sich Cannabis besorgt hat, kann aus erster Erfahrung berichten, dass es eine ganz andere Erfahrung ist, den örtlichen Dealer zu besuchen. Aus diesem Grund könnte die reine Art des Beschaffens mit seinen Eigenheiten dazu führen, dass nach wie vor Menschen zum Dealer gehen. Viele Dealer haben es so standardisiert, Kunden die Baggies nach Hause zu liefern, was ein Service ist, den nur die wenigsten Coffeeshops aufweisen.
Ebenso werden viele das Gefühl beibehalten wollen, einen persönlichen Ansprechpartner für Cannabis zu haben, diesem treu zu bleiben und seine Produkte immer wieder zu beziehen. Auch wenn die meisten Konsumenten vermutlich nur sehr selten aufgrund alter Gefühle einen Dealer anstelle eines Coffeeshops aufsuchen werden, können die einen oder anderen Ticker hiermit doch ein nettes Einkommen bewahren.


Das Dealen war von Anfang an kein Ausweg


Wie wir sehen konnten, müssen Dealer durch die Legalisierung auf jeden Fall kreativ werden. Praktisch ist, dass die Kunden nicht von dem einen auf den nächsten Tag verschwinden werden, sondern dass es quasi eine Übergangszeit gibt, in der die meisten Konsumenten Dealer sowie Coffeeshops besuchen. Folglich hat hier jeder einzelne Ticker genug Zeit, sein Geschäft anzupassen und sich anzuschauen, wie es sich optimieren lässt. Das Dealen war jedoch für die meisten Ticker hierzulande nie ein richtiger Ausweg. Den meisten geht es darum, für eine kurze Zeit finanziell ein gutes Stück besser da zu stehen und das Highlife eines Dealers zu leben. Die wenigsten denken jedoch wirklich so weit, ihre Familie und ihre Rente durch Drogengelder zu finanzieren.


Aus diesem Grund muss sowieso der Umschwung auf legale Geschäfte erfolgen. Das soll keiner falsch verstehen, Dealer leisten derzeit einen enorm wichtigen Beitrag, indem sie Deutschland mit Cannabis bedienen. Ohne die Tausenden Ticker hierzulande, ginge es vielen notdürftige Patienten und Freizeitrauchern schlechter. Das Dealen von Cannabis soll also nicht allein als schmutzige oder ehrenlose Tätigkeit, sondern als Dienst an die Menschen dargestellt werden. Du als Ticker kannst dich also in dem Gedanken zurücklehnen, dass du bereits ein (illegales) Business betreibst und sicher auch in der legalen Wirtschaft deinen Weg finden wirst.


Danke jedoch bereits im Voraus an alle ehrlichen Dealer, die jahrzehntelang ihre Sicherheit aufs Spiel gesetzt haben, um guten Hasen an die Menschen zu bringen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass ihr nach der Legalisierung euren Weg finden werdet.

6 Antworten auf „Was Dealer in Zeiten der Legalisierung machen

  1. rene

    Immer wieder belustigend. Da gibt es einerseits den bösen Dealer der nach Drogengeldern giert und andererseits den guten Staat(TM) der ein legales Geschäft machen will. Beim Staat sind es dann keine Drogengelder, sondern Steuern.

    Dumm nur: Die BRD ist KEIN Staat, sondern eine Firma die von einem Besatzungskonstrukt installiert wurde. Diese Firma ist illegal und nimmt sich die Frechheit heraus Menschen / Handlungen zu kriminalisieren.

    NEIN, das ist KEIN Geschwurbel, sondern mittlerweile gut dokumentiert und öffentlich recherchierbar.

    Herzlichst, René

  2. Smile Indica

    Die Verbrecher aus der Politik sind doch auch nach jeder noch so üblen Straftat immer wieder zu sehen.
    Warum macht ihr euch also Sorgen um unsere Dealer. Die guten werden weiterhin gutes Gras haben und die schlechte verschwinden. In der Politik, bei diesem dreckigen Gesindel, ist es leider genau umgekehrt. Oder wir machen was dagegen, schaffen die Immunität ab und schmeißen dieses dreckige Geschmeiß in den Knast, nachdem wir ihr Vermögen konfisziert haben.

  3. Chuwawa

    An dieser Stelle – danke fürs Tickern und ja klar is alles eingepreisst gewesen – bleibt creativ und bei Laune …
    … dont`t walk on it …

  4. Ramon Dark

    Sehr guter Artikel! Die Austrocknung des Schwarzmarktes ist ein längerfristiges Projekt, das auch bei Alkohol und Zigaretten nicht vollständig geklappt hat. Es wird immer noch genügend von dem Zeug zollfrei geschmuggelt und damit auch billiger verkauft. Allerdings ist durch die allgemeine Legalität die finale Verbrauchsbeschaffung nicht mehr von den Risiken des Schwarzmarktes abhängig und dass dessen Verkaufsvolumen zurückgeht ist bei der Legalisierung die entscheidende Geschichte. Ein Dank auch noch an alle, die uns in Europa trotz Risiko mit korrekten Cannabisspezialitäten aus traditionellen Anbaugebieten wie z.B. Marokko versorgen. Nur der Anbau hierzulande reicht für die grössere Austrocknung des Schwarzmarktes nicht aus. Und längerfristig ist auch bei anderen, härteren Drogen zum Verbraucher- und Grundrechtsschutz eine andere juristische Herangehensweise wie die jetzige Prohibition angesagt.

  5. Ralf

    @rene
    100% korrekt. Darüber hinaus ein sehr guter Artikel, der den so genannten „Dealern“ mal den Respekt zollt der ihnen gebührt. Nicht sie sind die Kriminellen denn die tragen Unniform.

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