Montag, 7. Februar 2022

Münchener Arzt dealt mit Cannabis-Verschreibungen

Der Angeklagte zeigt vor Gericht Reue, dennoch drohen mehr als vier Jahre Zuchthaus

Cannabis
Bild: Sadhu van Hemp

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

Wahrlich schräg war der Einfall eines Münchener Arztes, sich auf die alten Tage als Dienstleister der Hänflinge zu betätigen und infolgedessen das Gesetz zur Versorgung von Patienten mit Medizinalhanf etwas großzügiger auszulegen. Ob krank oder gesund, der 68-jährige Mediziner machte in seiner Praxis am Maximiliansplatz keinen Unterschied und zückte den Rezeptblock für jeden „Patienten“, der um eine Verschreibung für ein Döschen Cannabis bat. Das kleine Nebengeschäft florierte ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes im März 2017, fand dann jedoch im Oktober 2018 ein jähes Ende, nachdem die Polizei dem umtriebigen Arzt auf die Schliche gekommen war.

 

Letzten Mittwoch gestand nun der beschuldigte Arzt beim Prozessauftakt am Landgericht München sein Vergehen. Ja, er hat 557 Rezepte für medizinisches Cannabis gewerbsmäßig ausgestellt. Und ja, es gab keine Anamnese, keine Untersuchung, keine Diagnose, keine Indikation bei den Patienten.

Der Angeklagte räumte weiter ein, seine Sprechstunde auch in Restaurants und Cafés abgehalten zu haben. Für Verschreibungen verlangte er zwischen 60 und 150 Euro – bar auf die Kralle. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die kleine Gefälligkeit des Rezeptausstellens dem Mediziner rund 51.000 Euro eingebracht haben.  Insgesamt hatte das Doktorchen 23,69 Kilogramm Medizinalhanfblüten verschrieben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung zwei nicht angemeldete Handfeuerwaffen und neun Gramm Marihuana gefunden hat.

 

Der Anwalt des Angeklagten bot bei Prozessbeginn an, sich per Rechtsgespräch über das Strafmaß zu verständigen, um das Verfahren nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Allerdings klafften die Vorstellungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung über die zu verhängende Freiheitsstrafe zunächst weit auseinander. Für eine mildere Strafe sprach sich der Anwalt aus, der darauf verwies, dass sein Mandant nicht vorbestraft und geständig sei. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die gesellschaftliche Akzeptanz weicher Drogen zugenommen habe. Die Staatsanwaltschaft gab hingegen die große Menge des verschriebenen Cannabis zu bedenken.

Auch der Richter machte dem Angeklagten ein Angebot: So könne das Gericht in seinem Urteil dahingehend Milde walten lassen, dem Angeklagten drei Monate Haft zu erlassen, wenn er freiwillig seine Approbation zurückgibt und in den Ruhestand tritt. Der Mediziner willigte ohne zu zögern ein.

 

Letztlich konnten sich alle Prozessbeteiligten darauf verständigen, kurzen Prozess zu machen und dem Mediziner eine Zuchthausstrafe zwischen 3 Jahren und 9 Monaten und 4 Jahren und 3 Monaten aufzubrummen. Der Delinquent zeigte sich einverstanden, merkte aber an, dass er nicht nur „Dollarzeichen in den Augen“ gehabt hätte, sondern bei Bedürftigen auch schon mal aufs Geld verzichtet hätte.

 

 

11 Antworten auf „Münchener Arzt dealt mit Cannabis-Verschreibungen

  1. Substi

    Uhh, voll der gefährliche Terrorist; und dann noch in Bayern! Da hat er statt Suchtgift Opiodit gegen das Haschgift getauscht und seinen Patienten einiges an Suchterfahrung ersparrt!
    Aber der Staat bzw Bayern ist ja so strenge, daß sie zwar Ökostrom haben wollen, aber keine Windräder und PVA erlauben oder fast unüberwindbare Hürden einbauen! Dann heulen sie rum teuren Kohlestrom kaufen zu müssen…Bayern ist das rückständigste Zukunftsland welches ich kenne!

  2. Smile Indica

    Das einzige was hier krank ist unser korrupter und verlotterter Staat, die so tun als hätten sie den Anstand gepachtet und in Wirklichkeit sind sie keinen Schuss Pulver wert. Bestes Beispiel Söder und sein Stiefellecker Herrmann. Wir haben gelernt sagt Söder. Der Mann hat schon gelogen, wenn er den Mund aufmacht um Luft zu holen – einfach widerwärtig und verkommen.

  3. Mary Jane's

    2005 hatte ich eine Psychose, steckte meine Wohnung in Brand ! Verletzt wurde niemand. 30 000 € Sachschaden halt. Dafür saß ich 3 Jahre in der Forensik. Die Ärzte empfahlen mir damals Depotspritzen. Das würde meine Entlassung beschleunigen. Ich sagte den Ärzten von Anfang an, daß ich mit den Nebenwirkungen nicht klar komme und warkurz vorm Suizid. 17 Jahre später muss ich erfahren, daß CBD eine Möglichkeit gewesen wäre, die Nebenwirkungen zu reduzieren. Ich hätte alles bekommen, Benzos, Antidepressiva und vor allem noch mehr Psychopharmaka, aber niemals CBD. Während all der Zeit hatte ich Leidensdruck, vor allem wegen der Überdosierung (100mg Risperdal), aber CBD musste ich im Alleingang versuchen. Heute komm ich klar mit meiner Medikation, aber ein Arzt, der mir CBD verschrieben hätte, hätte mir viel Leid erspart. Wieviele Ärztinnen wohl in die Knäste wandern müßten aufgrund ihrer fahrlässigen Behandlungsfehler und einer zu freizügigen Verschreibungen von Betäubungsmittel ? Selbst wenn ich einen solchen Arzt wüßte, der mir gerade eben mal meine Cannabissorte verschreibt, könnte ich diese Preise nicht berappen. Wenn wegen Cannabis ein Arzt in den Knast wandert, warum nicht zu anderen Gelegenheiten ? Ich hätte so einige Arschlöcher in weiß auf meiner Liste, die ich gerne mal für,ne Zeit hinter Gittern sehen WÜRDE.

  4. Haschberg

    Dieser gute Mann hat jedenfalls Mut. Ausgerechnet in der Hauptstadt des cannabisfeindlichsten Bundeslandes einen solchen Akt an falsch verstandener Mitmenschlichkeit zu vollziehen, zeigt auch, dass er dabei kein Unrechtsbewußtsein hatte.
    So bliebe noch zu untersuchen, ob er damit überhaupt jemanden gesundheitlich geschadet hat? Ich glaube eher nicht.
    Da halte ich Ärzte, die auf Teufel komm raus den alten Leuten eine ganze Palette an Pharmazeutika verschreiben, die alles andere als gesundheitsfördernd sind, für weitaus gefährlicher.
    Wo bleibt in solchen Fällen eigentlich die bürgerliche Fürsorgepflicht einer Staatsanwaltschaft?

  5. Rainer

    Mir schwant so langsam,warum man sich hier ein bezahltes Rezept langwierig und mühsam erkämpfen muß.Eigentlich wollte niemand medizinisches Cannabis erlauben.Es war nur die Anbauverhinderung geschuldet.

  6. Ramon Dark

    Bewundernswert, dass er seinen verantwortungsvollen Job so lange gemacht hat. Mit 68 hätte er auch schon längst in Rente sein können, aber in der heutigen Zeit des profitorientiert geschwächten und pharmahörigen Gesundheitswesens zählt jede aktive Person im medizinischen Bereich, besonders wenn sie alternative Behandlungsmethoden unterstützt Das hat der Richter wohl ignoriert. Die einzige gerechte Strafe, die der Angeklagte verdient hätte wäre gewesen, die 51.000 Euro an bedürftige Prohibitionsopfer spenden zu müssen. Aber Gerechtigkeit und Justiz klaffen oft meilenweit auseinander.

  7. Haschberg

    Desweiteren möchte ich zu diesem Vorfall darauf hinweisen, dass es noch immer eine Vielzahl von Patienten gibt, denen eine Kostenübernahme der KK schon seit Jahren einfach abgelehnt wird, mit der Begründung, sie hätten nicht in ausreichendem Maße andere herkömmliche Arzneien ausprobiert.
    Das heißt in meinen Augen soviel wie greift erst mal zu chemischen Mitteln mit all ihren negativen Nebenwirkungen, bevor ihr so ein edles Naturprodukt wie pflanzliche Hanfmedizin überhaupt verdient habt.
    Ist das nicht einfach nur irre? Hierbei wird auf perfide Weise mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Patienten gespielt, wie es schäbiger kaum sein kann.
    Darüber sollten Justiz wie auch Gesundheitsministerium empört sein und nicht weil ein Münchener Arzt es logischerweise mal anders herum versucht hat, indem er seinen Patienten erst mal die gute Pflanzenmedizin anbietet. Und sollte die nicht helfen, kann man immer noch auf härtere Pharmazeutika umsteigen.
    Hier erwarte ich längst überfällige Signale aus der Politik, um diesen einseitigen, wie verlogenen Behandlungswahnsinn baldmöglichst zu reformieren.

  8. Substi

    @Emanuel Kotzian
    Da haben wir auch so ein Ding der heutigen Zeit! Keine Ahnung von Geschichte aber Senf ist genug da! WAS HAT ZUCHTHAUS BITTE MIT NAZIS ZU TUN?? Ihr seid schon so ungebildet, daß Ihr bei einem älteren Wort gleich Nazis hinter Bäumen stehen seht! In Österreich z.B. heißt das nun mal Zuchthaus und vielleicht weißt Du einfach nicht, daß ein Konzentrationslager oder ein Arbeitslager kein Zuchthaus ist! Das KZ ist Britisch/Deutsch, denn erfunden und sie so genannt haben die Briten im Burenkrieg, die Nazis haben den Begriff nur übernommen! Arbeitslager waren Tod durch Arbeit, bis auf den Tod durch Arbeit, gibt es, z.B. in Russland, noch Arbeitslager; ganz normal! Würdest Du die Russen als Nazis bezeichnen? Oh man, bildet Euch oder passt wenigstens besser im Unterricht auf! Mindestens sollte man Dokus verstehen und nicht sein eigenen Schmu dazu dichten….Nazisprech, tz….man man man

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