Dienstag, 25. Januar 2022

Was war, was kommt

was war, was kommt

(P)Review 2021/2022 von Sadhu van Hemp

Das abgelaufene Jahr ist schnell erzählt: Dritte Coronawelle, Lockdown, vierte Coronawelle. Zwischendurch gab es ein bisschen Sommerfrische, Fußball-Europameisterschaft mit Zuschauern, Olympiade ohne Zuschauer, eine seit zwanzig Jahren überfällige Kapitulation Deutschlands im völkerrechtswidrigen Krieg gegen das afghanische Volk, eine Bundestagswahl und zum Schluss noch ein Ex-Vizekanzler, der nach der Pensionierung von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin befördert wurde.

Begleitet wurde das Ganze vom nicht enden wollenden Krieg gegen die Hanfpflanze und deren Konsumenten. Abermals sind rund eine Viertelmillion zumeist brave Bürger und Bürgerinnen wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot aktenkundig geworden. Nicht wenige sind in der Folge der Kifferverfolgung vor dem Kadi, auf dem Arbeitsamt, im Jobcenter, vor dem Familiengericht, im Zuchthaus, in der Irrenanstalt und im Leichenschauhaus gelandet. Alles in allem also ein gutes Jahr für alle, die vom Unglück der Prohibitionsopfer profitieren.

Und das Schöne war, die Cannabis-Freunde haben den gegen sie gerichteten Staatsterror auch 2021 hingenommen, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben – selbst als am 6. März der 19-jährige Haschbruder Qosay Khalaf in Delmenhorst nach einem brutalen Polizeieinsatz qualvoll sterben musste, nur weil er sich einer Kontrolle wegen Cannabisbesitzes entziehen wollte. Nichts war zu hören von den selbsternannten Hanfaktivisten, kein Aufschrei, kein Protest und noch nicht mal eine an die Hinterbliebenen gerichtete Beileidsbekundung oder eine kleine Spende in Form eines Grabgestecks.

Die Performance der Hanfgemeinde, in eigener Sache für mehr Gerechtigkeit und gegen Polizeiwillkür zu kämpfen, war 2021 erbärmlich: Schweigen im Walde – von Flensburg bis Passau.

Der Einzige, der Mut und uneigennütziges Engagement zeigte, war Jugendrichter Andreas Müller aus Bernau. Unermüdlich zeigte er mediale Präsenz, besonders im Vorfeld der Bundestagswahl und auch danach, um den Verfechtern der Cannabis-Prohibition ins nicht vorhandene Gewissen zu reden. Im Sommer entdeckten auch die späteren Wahlsieger das Thema Cannabis-Freigabe. Plötzlich tönte es aus den Reihen von FDP, Grünen und auch SPD, dass die Prohibition nicht zielführend ist und neue Wege in der Cannabis-Politik zu gehen sind. Als die CDU/CSU im September ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis einfuhr und sich eine rotgelbgrüne Regierungskoalition abzeichnete, schien auf einmal alles möglich. Der Jubel war dann auch entsprechend groß, als der Koalitionsvertrag vorlag und gewiss wurde, dass die neue Regierung die Absicht hat, „die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften einzuführen.“

Und was hat sie sich gefreut, die Hanf-Community! Vorneweg jene im Fall Qosay Khalaf schweigenden Legalisierungsaktivisten, die sich bis heute einbilden, das Umdenken in den Köpfen der politisch Verantwortlichen sei die Folge ihres Engagements in den sozialen Netzwerken. Berauscht von der Aussicht, schon morgen mit Cannabis legal umgehen und vor allem Geld verdienen zu können, wurde ausgeblendet, dass die neue Regierung überhaupt keinen Plan zur zeitnahen Umsetzung ihrer Absichtserklärung hat. Kritiker des Ampelmurkses wurden stante pede aus den eigenen Reihen als Defätisten diffamiert – schließlich sei ja der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach.

Erst kurz vor Weihnachten ließ die neue Regierung die Katze aus dem Sack – und weg war er, der in der Hand geglaubte Spatz: Die Cannabis-Legalisierung muss warten, da die Corona-Pandemie Priorität hat. Und da die Corona-Langzeitdauerkrise auch 2022 andauern wird, dürfte klar sein, dass das neue Jahr für die Hänflinge beginnen wird, wie das alte endete. Auch 2022 werden die Hanffreunde kriminalisiert, stigmatisiert und diskriminiert. Binnen Jahresfrist werden rund eine Viertelmillion zumeist brave Bürger und Bürgerinnen wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot aktenkundig werden. Nicht wenige werden vor dem Kadi, auf dem Arbeitsamt, im Jobcenter, vor dem Familiengericht, im Zuchthaus, in der Irrenanstalt und im Leichenschauhaus landen … kurz gesagt, es bleibt alles wie gehabt.

14 Antworten auf „Was war, was kommt

  1. buri_see_käo

    Ja Otto,
    mein Leben als Stein.
    Interessanter Titel für ein literarisches Werk…, gilt für alle BRD-Insassen.
    mfG  fE

  2. Rainer

    Bleibt alles wie gehabt und verschärft sich noch,war meine Rede von Anfang der Umschwungsillusion an.Aber eine Seifenblase ist solange sichtbar präsent bis sie platzt.

  3. Ralf

    Diese ganze Legalisierungsdebatte ist doch für den Fuß. Wenn das wirklich mal angegangen wird, dann kommen da so kleine Plastikschachteln mit einem 1m langem Beipackzettel bei raus. So richtig mit Absicht total unsexy. Dann noch ordentlich Steuern drauf und Eigenanbau noch heftiger bestrafen, weil Steuerhinterziehung. Wie der Staat was reguliert, kann man sehen, wenn man E-Zigaretten verfolgt.
    Da kommt als nächstes eine Steuer von 16¢ pro Mililiter Flüssigkeit was auf einmal einen Liter Base über 200€ kosten lässt und wenn man sich Glycerin oder Propylenglycol aus dem Großhandel kauft und dampft, ist das Steuerhinterziehung.
    Von daher weiß ich schon ganz genau was da um die Ecke kommt und sage Danke aber nein Danke.
    Ich hab lieber die Drogenfahnder am Hintern als die Steuerbehörde…

  4. Sadhu van Hemp Autor

    Ahoi Hans Dampf?

    Ich bin in der Sache seit über einem halben Jahrhundert ratlos. Und die Richtung, in die es jetzt geht, macht mich zunehmend sprachlos. Was mir die letzten Jährchen bleibt, ist den Krieg zu genießen, denn der Frieden wird fürchterlich sein. Gruselig die Vorstellung, in Zukunft mit staatlich kontrolliertem Industriegras abgespeist zu werden und das Business den Geldproleten des Großkapitals als Monopol zu überlassen.

    Das Dilemma ist die fehlende Bereitschaft der Hänflinge, Solidarität und Zivilcourage zu zeigen. Wozu auch? Man hat sich arrangiert und laviert sich so durch. Der Schwarzmarkt floriert, und wer nicht allzu dusselig ist, für den bleibt alles im grünen Bereich.

    Die Egal-Haltung finden wir überall in unserer Gesellschaft. Ist doch egal, ob ein Assange zu Unrecht gefangengehalten wird oder die Katholische Kirche eine mutmaßlich kriminelle Vereinigung ist. Die breite Masse der Gesellschaft liebt es bequem auf dem Sofa und alles soll ja so bleiben, wie es ist. Nur keine Veränderungen!

    Was soll man da noch raten? Mir fällt fast nichts mehr ein.

    Gruß
    SvH

  5. Ralf

    Ja nun, er fragte was tun. Das alles Kacke ist, weiß mittlerweile wirklich jeder.
    Smoke Ins würden mir einfallen. Aber dafür ne fette Strafe?

    Und Petitionen, Demonstrationen Really?

    Was soll man denn nun am Ende machen?

    Sein Leid, vor einem Bildschirm, in eine Tastatur hacken ist vermutlich das letzte was sinnvoll ist….

  6. gein

    Ich werd nie demonstrieren für Cannabis weil mir mein Job einfach wichtiger ist und ich den nie gefährden würde indem mein Arbeitgeber auf doofe Fotos stößt. Weed gibt’s auch so überall zu kaufen.

  7. Hans Dampf

    Dann verabschieden wir uns am besten von dem Gedanken an eine gerechte, baldige und ernsthaft in Angriff genommene Legalisierung. Denn soviel ist sicher, die Ampel wird es nicht bringen.
    Sadhu und Ralf haben es ganz gut auf den Punkt gebracht.
    ALLES KACKE.

  8. Haschberg

    Sollte die neue Regierung ihre Ankündigung wahrmachen und noch während ihrer Amtszeit eine Legalisierung auf den Weg bringen, dann würde das vergangene Jahr dennoch in die Hanfgeschichte eingehen, weil diese quasi mit der erfolgreichen Wahl im September 2021 endgültig beschlossen wurde.
    Ich glaube wir sollten uns alle noch ein wenig gedulden, bis die Sache (wie von der Ampel versprochen) richtig anläuft.
    Nach mehr als einem halben Jahrhundert unnachgiebiger Cannabisprohibition, müssen wir diese letzte Phase halt auch noch durchstehen.
    Vielleicht ist ja künftig auch eine rückwirkende Straffreiheit für Konsumdelikte bis zum Beginn der Ampel am 8.12.21 zu erwirken?

  9. buri_see_käo

    Ja @ gein, die Folge jahrzehntelanger Hetzkampagnen, denn lt. GG: niemand darf wegen seiner Religion, politischer Ansicht, bla-bla-bla, tra-la-la benachteiligt werden. Es hat mit Cannabis nichts zu tun, aber die blödsinnigen Gepflogenheiten der Erwachsenenwelt habe ich schon im Kinderalter erkannt. Beispiel:
    Die Elektrotarif-Einordnung wurde bei der Oma nach Anzahl der Brennstellen (schön hamburgisch aussprechen!, ∑ aus Anzahl der Lampenanschlüsse an der Zimmer-Decke pro Raum) festgelegt. Die Stromaufnahme von Bügel-Eisen, Waschmaschine, Kuchen-Backe-Rührer, TV ist aber z.T. ein Zig-faches der einer Glühlampe…. Schon damals zeichnete sich für mich ab, wenn ich erstmal groß bin, lebe ich in einer Welt von Idioten.
    @ gein, nutze Corona, vermumme Dich mit ’ner Fratzen-Pappe!
    Arbeitgeber, daraus die finanzielle Abhängigkeit; ich reibe es (Cannabis) keinem unter die Nase, aber kommt das Thema auf, ohne Vorkommnis bleibt es Meinung!, Verweis (ohne Namen) an die Alkoholiker, deren Ausfälle sind einem Arbeitgeber bekannt. Sh.o., ich habe im Kinderalter gelernt, mein Tun, Machen, Lassen zu begründen, aber sicher nicht jeder.
    @ Hans Dampf und weitere, „was wollen…?“, OK, aber niemals „was sollen…?“, sondern „sollten…?“, im sprachlichen Umgang mit allen Menschen, bitte verinnerlichen…, niemand hat alle Weisheit der Welt mit ’ner Riesenkelle gefressen!
    @ Rainer, wird so kommen (Zusammenhang hatte ich erst kürzlich hier beschrieben). Thema „FE-Assoziation & Corona-Leugner – vs. an Wissenschaft orientierte Politik“, schreib’s an Kristine Lütke (FDP) und an Medien…
    Die Resignation muss warten!, bis nach den LT-Wahlen in 2022 mit Ausgang „pro-Schwarz-braun“ die Aussichtslosigkeit einer Cannabis-Legalisierung bestätigt ist. Noch ist nichts verloren:
    Der Eiertanz der CDU um die braunen Beulen im Teppich ist OK, entlarvend. Eine Gruppierung innerhakb der CDU, die Werte-Union, würde mit der CDU nichts zu tun haben. Ja, Lieschen Müller.
    mfG  fE

  10. Hans Dampf

    @buri_see_käo,
    das ist doch nur Wortklauberei und Haarspalterei.
    Ich finde, die Resignation muss nicht mehr bis zu den Landtagswahlen warten.
    Das haben wir lange genug getan.
    @Haschberg,
    Deine bzw. Eure Geduld und Muße möchte ich haben. Bitte nicht falsch verstehen, doch wenn man sich die letzten Wochen und Monate ansieht. Na ja. Vollmundige Versprechen und Ansagen und was bleibt ist weiterhin nur Repression und Verfolgung. Und das jeden Tag und ungebremst. Von der Ampel geht keine Veränderung aus. Kein Wort zur angeblich beabsichtigten Entkriminalisierung und dergleichen. Nur Prohibitionistengelaber und Hinhalterei. Also alles wie gehabt. Mit vielleicht und irgendwann können eventuell noch die jüngeren von uns leben. Aber die Leute in den 50ern und 60ern, welche die Prohibition zum Teil schon sehr lange am eigenem Leib ertragen mussten, da ist es schon anders. Hoffnungsvoll und mit der rosaroten Brille den Blick in die Zukunft zu richten funktioniert doch nicht mehr. Wenn wir uns den Umgang der Ampel mit dem Thema ansehen wird doch klar, wir werden weiter verarscht. Wie eh und je.
    Und mal ehrlich, warum sollte es dieses Mal anders sein als bisher.
    Wie gesagt, Sadhu Van Hemp’s Analyse von gestern hat das ganze Dilemma gut beschrieben.

  11. Hans Dampf

    Was mir persönlich fehlt ist das Eingestehen von Schuld. Aber nein, es wird weiter so getan als wären wir die Bösen. Welche an die Kette gelegt gehören. Dabei ist es doch genau anders herum.
    DIE PROHIBITION WAR UND IST DAS VERBRECHEN.
    Ohne die Einsicht in das Unrecht wird es bis zu einer Legalisierung noch ein langer Weg.
    Denn wie heißt es doch so schön, Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Und von Einsicht oder Besserung ist nunmehr wirklich nichts zu erkennen, oder?
    Dieses Land ist einfach noch nicht bereit. Und ich bin sicher, dass wussten auch die Ampelparteien ganz genau. Deshalb auch die ganzen Versprechen, die dann nicht mehr eingehalten werden können/müssen.
    Es ging und geht nur um Stimmenfang. Die Wähler sind doch egal.
    Ein Armutszeugnis, denn die Welt lacht über uns.

  12. buri_see_käo

    Weil sie, die Erkenntnis, sich durch das Tagesthema und einen großen Anteil der Kommentare zieht;
    Nach dem Ende der Fahnenstange (Demos, Petitionen, Medienarbeit, BVerfG…) wartet der Kampf !
    Physisch ! , unsererseits?, denn die Gegenseite hat den skrupel- und gnadenlos von Beginn an geführt.
    Up to you, aber mit unmissverständlicher Message!
    Ich betreibe weiterhin in Medien Aufklärung. Über die Corona-Leugner (ignorieren von wissenschaftl. Fakten) und FE-Assoziation (staatl. Missachtung wissenschaftl. Fakten & Missbrauch von Medizinern zur Begründung nicht existierender Sachverhalte, d.h. Blutabnahme zum Aufspüren unwirksamer Substanz) läßt sich mit/über den Aufhänger Corona öffentlichkeitswirksam die gängige Praxis (Fantasie-Straftat-Bestand) der Verfolgung darstellen. Non-Cannabiseure zeigen sich einigermaßen entsetzt darüber, dass es sowas (solches staatl. Handeln) überhaupt gibt.
    Das Eingestehen von Schuld…
    Nelson Mandela war auch schon im Bundestag, im Zuge einer Bettel-Tour für wirtschaftl. Hilfen für sein Land, das nach Ende der Apartheit wirtschaftl. brach lag. Wegen der Apartheit hatten sich längst nahezu alle Länder wirtschaftl. von dort zurückgezogen, auch GB!, das Land in Händen der blutrünstigen Metzel-Schrulle Margaret Thatcher (Falkland). Nur ein Land war bis zuletzt mit KFZ-Industrie noch dort, DE. Und die dreckige Heuchelei der Redner im BT, „..wir haben ja schon immer für das Ende der Rassen-Trennung, bla, bla, bla…“. Ekelhaft³
    Das Eingestehen von Schuld… Schuld ist immer das Opfer!
    Das Eingestehen von Schuld… Dann werde ich einen Berg scheißen.
    DIE PROHIBITION WAR UND IST EIN VERBRECHEN !
    Mit dem Aufzeigen von Details (z.B. 2€ = Kriminalität?) kann man Non-Cannabiseure überzeugen.
    mfG  fE

Schreibe einen Kommentar

Schnelles Login: