Sonntag, 12. Dezember 2021

Taliban-Cannabis für Deutschland?

Eine Firma verhandelt mit der islamistischen Gruppe über Exporte – aber sind diese überhaupt möglich?

Die Legalisierung kommt, keine Frage. Viele Fragen bleiben jedoch weiterhin offen, schließlich sind im Koalitionsvertrag nicht mehr als vier Sätze dem Thema gewidmet. Es ist noch nicht klar, wer das Cannabis vertreibt, wie hoch der Preis und die Steuern werden, und auch sonst fehlen viele Details. Ein fehlendes Stück ist die Herkunft: Woher kommt das Cannabis? Angeblich soll ausgerechnet die Taliban deutsche Firmen anwerben, um Cannabis nach Deutschland zu exportieren.

Ein erstes Unternehmen, die Entwicklungsgesellschaft CPharm International (ECI), soll bereits mit der Taliban über mögliche Importe gesprochen haben. Qari Saeed Khosti der Sprecher des Innenministeriums der Taliban, gewährte Einblicke: Das Unternehmen will 400 Millionen Euro investieren. Auch über eine Fabrik die „Arzneimittel und Cremes“ herstellen soll, wurde verhandelt. Afghanistan ist ein Big Player unter den Drogenexporteuren: 92 Prozent des weltweiten Rohopiums werden jährlich am Hindukusch gewonnen und mehrere tausend Tonnen Cannabis werden hier jährlich produziert. Khosti versichert, dass es primär darum geht, Arbeitsplätze zu schaffen – eine Aussage, die Angesichts anderer solcher Versprechungen der Gruppe mit vorsicht zu genießen ist: Neben Fragen um Arbeitsbedingungen bleibt natürlich die Frage, wohin das gewonnene Geld letztendlich fließt.

Es ist aber fraglich, ob ein Verkauf von Taliban-Cannabis in Deutschland überhaupt möglich ist. Einerseits gibt es Sanktionen gegenüber dem Regime, welches Menschenrechte massiv und wiederholt verletzt. Eventuell ist ein Handel deswegen gar nicht möglich oder lukrativ – ganz zu Schweigen von der Missachtung der moralischen Komponente. Andererseits hat Deutschland bereits selbst Bauern, die tonnenweise Nutzhanf und medizinisches Cannabis herstellen (also viel Erfahrung haben) und Firmen, die hierzulande anbauen wollen. Dagegen müsste sich die ECI mit einem problematischen Produkt durchsetzen.

Schnelles Login:



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
10 Kommentare
Ältester
Neuster
Inline Feedbacks
Alle Kommentare zeigen
Axel Junker
1 Monat zuvor

Vom religiös motivierten Terroristen hin zum getätschelten Freiheitskämpfer und schließlich wirtschaftlich hofierten, Drogen exporierenden Landesführer ist es oft nur ein kleiner Zeitenpups.

1 Monat zuvor

Die haben wirklich 0, nix Ahnung von Cannabis und allem was so dazu gehört! In Amerika, zum Beispiel gibt es gute, legale Firmen die sich der Zucht gewidmet haben, NEIN die echt dummen Politiker von Deutschland kommen aus Ihrem Gedankenkonstrukt nicht raus und glauben man müsse das pöse Cannabis dann auch von Verbrechern oder zwielichtigen Gestalten kaufen, arm, echt arm! Ich könnt kotzen wie dumm die sind! Aber wir haben ja auch eine Außenministerin die niemand kennt und eine Verteidigungsministerin der Grünen die dumm wie Brot ist; und das stimmt nicht mal, die Hefekulturen sind schlauer als die…ich fass es nicht! *facepalm

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von Substi
Ramon Dark
Ramon Dark
1 Monat zuvor

Bei einer Legalisierung hierzulande wäre natürlich der einheimische Bio-Anbau von Cannabis draussen auf Feldern wegen Arbeitsplätzen hier, der kurzen Transportwege und der damit verknüpften positiven Ökobilanz zu bevorzugen. Allerdings haben andere Länder wie z.B. Afghanistan, Libanon, Marokko, Nepal usw. ihre aus Jahrtausende alten Anbauerfahrungen stammenden Haschischspezialitäten, die ausser zu Genusszwecken durchaus auch für medizinische Zwecke verwendbar wären. Da ergäbe sich noch eine grosse Forschungs- und Einsatzmöglichkeit.Weil sie bisher nur illegal auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind müssten sie schon längerfristig in ein umfassendes Legalisierungskonzept mit einbezogen werden. Sonst trocknet der Schwarzmarkt auch nicht aus und ein umfassender Jugendschutz ist nicht möglich. Dafür müssten natürlich auch multilaterale Handelsverträge zwischen den Regierungen abgeschlossen werden, die die regional unterschiedlich ausgeprägte Problematik von Menschenrechten, Arbeitsbedingungen,… Weiterlesen »

BiCo
BiCo
1 Monat zuvor

Kommt ne Bonner Firma und redet mit den Taliban über Cannabisanbau, kannste dir nicht ausdenken.

Rainer
Rainer
1 Monat zuvor

Ungelegte Eier kann man nicht vorher schon essen.Es müssen erstmal viele Voraussetzungen und ein Fundament für viele Gespräche mit vielen Ländern geführt werden.Damit uns Frankreich oder England oder auch Amerika wegen irgendwelchen Verträgen und Abkommen,nicht aufs Dach steigen.Einfach loslegen ist nicht.Ich kann mir sowieso nicht vorstellen,daß es zu einer wenn auch abgeschwächten Legalisierung kommen wird.Blokade und Verhinderung,sobald sich etwas ein klein wenig bewegt.

Harry Anslinger
Harry Anslinger
1 Monat zuvor

Ein EU- Problem ? Am Ende bleibt leider nur die Feststellung, dass fast alle Anbauländer von Cannabis außerhalb der EU entweder die gleichen klimatischen Bedingungen ( Kanada = Kunstlichtprodukte) oder in unklaren gesamtstaatlichen Rechtszuständen ( USA = Bundestaatliche Legalität, Geldverkehr legal, aber keine gesamtstaatliche Regelung, also nur med. Export) oder sog. Schurken – oder Narcostaaten oder Diktatoren/Königtumer oder Kriegsgebiete sind. Wenn man also das sehr gute Cannabis indica kaufen will ist da doch eher Kasastan die bessere Wahl , ja , auch so ein schräger Alleinherscher , aber die haben da ein Permahanffeld von der Größe der Schweiz und die Pharma – und Kosmetikindustrie kauft bereits dort Samenöl uns Samen ein ( 0 THC ). An sonsten bleibt es bei… Weiterlesen »

Haschberg
Haschberg
1 Monat zuvor

Es wäre so schön, wenn Afghanistan statt illegalem Opium endlich saubere, zertifizierte Cannabisprodukte exportieren würde.
So sähe in meinen Augen Fortschritt aus.

trackback
1 Monat zuvor

[…] 12.12.2021: Das Hanfjournal über Verhandlungen und Produktion von Cannabis in Afghanistan […]

Harry Anslinger
Harry Anslinger
1 Monat zuvor

§ 89c StGB Terrorismusfinanzierung
Egal welche Geschäfte man mit den Taliban oder wem sonst in Afghanistan vorhat sind wohl strafbar, da man von der Verwendung des Geldes zur Terrorrismusfinanzierung ausgehen muss.
Denn ohne die Genehmigung derTaliban und somit der Teilhabe am Gewinn geht dort nichts.
Ende der Diskussion

Werner Zimmermann
1 Monat zuvor

Sehr geehrte Redaktion – den Artikel haben Sie ohne journalistisches Hinterfragen u.a. Beim Unternehmen über welches Sie berichten – noch haben Sie persönlich vor Ort mit der aktuellen Regierung der Islamischen Emirate von Afghanistan hier mit dem amtierenden Innenminister geführt – halten Sie besser Rücksprache bei der Regierung und der Firma die heute schon im Staatsauftrag den Drogensumpf in Marokko in eine Medical – und Nocel Food Cannabis Industrie verwandelt.