Dienstag, 7. Dezember 2021

Drugchecking in Deutschland

Drugchecking - Medizin-Franjo-glaskolben-labor-freeimages-C-Glass

von Simon Hanf

„Modelle zum Drugchecking und Maßnahmen der Schadensminderung ermöglichen und bauen wir aus.“

Drugchecking ist eine Methode, mit der Konsumenten von illegalen Drogen ihre erworbene Substanz bestimmen lassen können, den Wirkstoffgehalt erfahren sowie vor etwaige Streckmittel gewarnt werden können. Streckmittel wie PMMA, PMA, Fentanyl oder falsch dosierte „Pillen“ können für den Konsumenten schnell tödlich enden. Es ist bei einer Einführung einer solchen Maßnahme essentiell, dass das Ziel den Endkonsumenten zu schützen absolute Priorität hat. Nicht nur schwer abhängige Menschen, die kaum finanzielle Mittel haben, können sehr davon profitieren.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von DrugChecking unterschieden:

1. Reagenztest zur Substanzindentifikation: Die Reagenzen (z. B. Marquis, Fröhde, Mecke) können von jeder Person legal erworben werden. Diese Reagenztests kosten einzeln ca. 5 Euro und die Flüssigkeit für ca. 100 Tests sind für 15–20 Euro erhältlich. Hierbei wird eine kleine Menge der Substanz mit der Reagenz beträufelt (2-3 Tropfen) und innerhalb weniger Sekunden erhält man eine Verfärbung die anzeigt, um welche Substanz es sich höchst wahrscheinlich handelt. Die einzelnen Reagenzen sind für unterschiedliche Substanzen gedacht.

2. Vollspektrumanalysen im Labor: Hier wird ein Teil einer Substanz an ein Labor geschickt, welches dann im Idealfall innerhalb eines Tages die Ergebnisse mitteilt, welche Dosierung und ggf. welche Streckmittel vorliegen. Die Informationen werden dann von Organisationen wie Saferparty veröffentlicht. Eine Pillenwarnung kann wie folgt aussehen: „Pillenwarnung in Zürich: grünes Kleeblatt 300 mg MDMA“ (KnowDrugs), die Konsumenten wissen nun, dass wenn sie ebenfalls eine ähnlich aussehende Pille haben wie die beschriebene, diese wahrscheinlich genauso dosiert ist. Außer dem stationären Drugchecking in einem etablierten Labor gibt es die Variante des Drugcheckings vor Ort (on site drug checking), auch mobiles Drugchecking genannt. Das mobile Labor mit Personal kommt zu den Konsumenten in die Clubs und auf Festivals. Von der Substanzabgabe bis zum Testergebnis dauert es hier im Schnitt 20 bis 30 Minuten.

Das Drugchecking

Die Gelder für eine solch aufwendige Testung kamen in den 90er Jahre meistens aus privater Hand, heute hingegen werden in der Schweiz Drugcheckingprogramme von der öffentlichen Hand finanziert.

Vor allem Städte und teilweise kirchliche Kreise, wie in Luzern bezahlen das Drugchecking in der Schweiz.

In Deutschland fehlen aktuell sowohl die Gelder als auch die rechtlichen Lizenzen. Hans Cousto Mitbegründer von der Safer Use Organisation „Eve & Rave“ welche sich für Aufklärung und Drogenmündigkeit (Begriff von G. Barsch) einsetzt, beschreibt Drugchecking wie folgt: (Drugchecking ist) „Ein Risikomanagement zum Drogen(-mischkonsum), sodass, man dann in seiner Lebensqualität nicht eingeschränkt ist.“ (Zitat Cousto Psi-Tv 2014)

Am 19.11.21 erstelle ich eine Presseanfrage an die jeweiligen Gesundheit-AGs der Parteien sowie an Eve & Rave Schweiz. Die Presseanfrage wurde am 29.11.21 von der SPD-Bundestagsfraktion beantwortet. „Derzeit liegt noch kein Zeitplan für das konkrete Gesetzgebungsverfahren vor. Detailregelungen werden die Koalitionäre zunächst zu besprechen haben. Danach wird ein Gesetzentwurf erarbeitet. Dies wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“ so die Antwort der SPD-Bundestagsfraktion.

Somit werden hier die Antworten von Hans Cousto verwendet um zu schauen wie sich die Experten welche große Erfahrungen mitbringen die Umsetzung von Drugchecking in Deutschland wünschen.

Eine Analyse der Antworten der Regierung wird folgen.

Fun Fact: Eve & Rave hatte bereits Februar 1995 – September 1996 ein Drugcheckingprogramm in Berlin durchgeführt. Das Programm musste wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den damit entstanden Kosten eingestellt werden. Die Klage hatte keine strafrechtlichen Konsequenzen, da „Keine Betäubungsmittel in den Verkehr gebracht und auch nicht erworben wurden.“

In der Schweiz (Saferparty):

Konsumenten illegaler Drogen können die erworbene Substanz an den Drugcheckingstellen abgeben. Der Konsument gibt einen Teil der Substanz dem Mitarbeiter und sagt, als was er sie erworben hat (Z.b. Ecstasy). Die Substanz wird an ein Labor weitergeleitet. Labormitarbeiter testen dann die Substanz nach den oben genannten Kriterien und geben dann die Daten an die Kontaktstelle zurück. Der Konsument erhält im Idealfall noch am selben Tag die Nachricht über die Ergebnisse der Testung. Der Konsument kann sich aufgeklärter und sicherer fühlen und seine Entscheidung zum Konsum oder nicht Konsum informiert treffen. Beim mobilen Drugchecking vor Ort erfahren die Konsumenten das Ergebnis der Analyse in der Regel schon innerhalb einer halben Stunde.

In Österreich: 

In Österreich führt das Projekt CheckIT sowohl stationäres als auch mobildes Drugchecking vor Ort durch. CheckIT hat über 20 Jahre Erfahrung mit dem mobilen Drugchecking. Auch in Innsbruck gibt es ein stationäres Drugchecking-Programm.

Drugchecking rettet leben. Die neue Bundesregierung hat aktuell noch keinen Plan wie dies in Deutschland umgesetzt wird. Genau wie bei der Cannabislegalisierung ist hier auch wieder der Druck des Volkes sehr wichtig. Wir müssen der Regierung Druck machen und deutlich aufzeigen, wie das Drugchecking umgesetzt werden soll.

Vielen Dank an Hans Cousto, welcher mich beim Schreiben dieses Berichtes unterstützt hat.

Quellen:

https://saferparty.ch/worum-gehts.html

https://dserver.bundestag.de/btd/19/287/1928774.pdf

https://www.psi-tv.de/20-jahre-drogeninfostaende-technoparties-referat-hans-cousto-24-10-2014

https://blogs.taz.de/drogerie/2019/12/06/drug-checking/

https://blogs.taz.de/drogerie/2021/03/12/drug-checking-in-der-schweiz/

https://blogs.taz.de/drogerie/2021/10/19/25-jahre-drogenaufklaerung/

https://www.esanum.de/today/posts/einfuehrung-von-drug-checking-in-berlin-verzoegert-sich

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/other/drug-checking-in-berlin-f%C3%BCr-kostenlose-drogentests-fehlt-das-personal/ar-AALXyqo

https://www.vice.com/de/article/bjwnk5/drug-checking-in-berlin-dieser-mann-macht-es-moglich

https://www.berlin.de/special/gesundheit-und-beauty/nachrichten/berlin/5576297-5504681-drugchecking-ab-jetzt-auch-in-berlin.html

https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf

https://leap-deutschland.de/umfrage-zu-drogenpolitik-und-menschenrechten-in-deutschland/https://blogs.taz.de/drogerie/2021/12/05/qualitaet-und-preise-stabil/

4 Antworten auf „Drugchecking in Deutschland

  1. Rainer

    Drugchecking muß erst noch legalisiert werden.Aber es wird zumindest darüber nachgedacht.Hoffentlich wird weiterhin über eine mögliche Cannabislegalisierung nachgedacht.

  2. Lasmiranda Densivillia

    Zwei Autoren, und trotzdem strotzt der Artikel vor Rechtschreib- und Kommafehlern…

  3. Ramon Dark

    Drugchecking staatlich gefördert einzuführen ist eigentlich schnell und einfach möglich, es fehlt bislang leider immer noch am politischen Willen. Genauso verhält es sich beim Einführen wissenschaftlich korrekter THC-Grenzwerte im Blut als nichtdiskriminierender Voraussetzung des Führerscheinentzugs infolge von Cannabiskonsum im Vergleich mit der bereits exisitierenden Führerscheinentzugspraxis von Alkoholkonsum.

  4. Simon Hanf

    Anmerkungen (u.a. auf die Kommentare auf Facebook):

    Es gab einige Punkte welche im dem Artikel nicht klar verständlich waren.

  5. Dem Konsumenten drohen keine rechtlichen Konsequenzen, wenn er eine illegale Substanz abgibt. Es tritt eine vergleichbare Situation wie bei den Konsumräumen auf. Es muss von den Mitarbeitern keine Strafanzeige erstellt werden. Das geht auch durch eine Schweigepflichterklärung seitens der Mitarbeiter der Drugchecking-Stelle.
    Dies ist auch ohne Entkriminalisierung möglich. Der rechtliche Schutz der Konsumenten ist ebenfalls gewährleistet.
  6. Miraculix in Thüringen wurde nicht erwähnt, da es sich um ein privates Unternehmen handelt und es nicht vom Staat selbst durchgeführt wird. Der Besitzer wird m.E. nach nicht „gewechselt“ wie es bei dem anderen Formen des Drugckeckings der Fall ist. Ich erwähnte nur die Testkits ohne direkt Bezug auf ein privates Unternehmen herzustellen.
  7. Der Artikel wurde von mir verfasst und ausgearbeitet. Hans Cousto hat den Artikel inhaltlich kontrolliert und korrigiert.
  8. Vielen Dank für die Kritiken.

    Mit hanftastischen Grüßen
    Simon Hanf

Schreibe einen Kommentar

Schnelles Login: