Sonntag, 28. November 2021

Legalisierung: Besseres Image für Nutzhanf?

Nutzhanf hat jede Menge Vorteile – der schlechte Ruf zehrt jedoch an den Verkaufszahlen

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP nennt verschiedene Gründe für die Legalisierung von Cannabis: Trockenlegung des Schwarzmarktes, bessere Produkte für Konsumenten und massive Steuereinnahmen, welche unter Anderem für Suchtpräventionsprogramme benutzt werden sollen. Aber die Legalisierung hat auch andere Vorteile: Eine Reihe an Industrien wartet nur darauf, Hanf mit einem geringen Gehalt an THC zu verwenden. Das ist bereits jetzt möglich – oft steht aber das schlechte Image im Weg.

Dabei ist der Hanfanbau für Bauern nicht uninteressant: Die Pflanze braucht vergleichsweise wenig Wasser, der Bestandesschluss ist schnell erreicht und benötigt daher im Grunde keinen Pflanzenschutz. Zusätzlich scheint Hanf Bienenbestände anzulocken und zu vergrößern, und auch die bis zu 3 Meter tief ragenden Wurzeln wirken sich nachhaltig positiv auf den Boden aus, verhindert Schädlinge und sogar die verwelkten Pflanzen liefern hervorragendes Stroh.

In Deutschland gibt es daher bereits jede Menge Hanfbauern – etwa 863 Betriebe mit insgesamt 6443 Hektar Hanffeldern. Diese freuen sich auch über die Legalisierung: Möglicherweise werden andere Arten Nutzhanf legalisiert, die Industrie verliert an negativen Stigma, die Polizei müsste weniger wegen verwirrten Spaziergängern anrücken, die das Hanf für illegal halten und auch die Expertise der Bauern könnte beim Anbau von Cannabis mit hohem THC-Gehalt helfen. Jedoch ist der Anbau sehr streng geregelt und schreckt Bauern oft ab.

Das schlechte Image von Cannabis in Deutschland führt allerdings dazu, dass man beim Thema Nutzhanf noch zögert. Wie etwa beim Brandenburger Bäcker Wolfgang Scharmer – dieser entwickelte kürzlich ein Hanfbrot mit Auszeichnung. Nur mit dem Verkauf tut man sich schwer. Nutzhanf sei schwer zu vermarkten, es fehle die Infrastruktur – erzählte Benjamin Meise, der Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz. Er baut in Brandenburg Nutzhanf an und verkauft unter Anderem das Hanfbrot. Sobald es sich lohne, würde mehr Hanf angebaut. Aber bis dahin sei es noch ein langer weg.

Auch Architekten entdecken Hanf: Es soll eine „umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Baumaterialien“ sein. Das hanfbasierte Baumaterial soll per 3D Drucker hergestellt werden und vielseitige Anwendungsmöglichkeiten haben. Frankreich setzt „Hempcrete“ bereits zum Bau öffentlicher Gebäude ein.

Ein anderer Bäcker in Düsseldorf war da hingegen etwas zu weit in der Zukunft – der 39-jährige wurde in seiner Bäckerei von der Polizei überrascht, als er Mehl, Hefe und Cannabis zu einem Teig verarbeiten wollte. Dabei handelte es sich diesmal allerdings nicht um Nutzhanf.

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8 Kommentare
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Haschberg
Haschberg
1 Monat zuvor

Eine sehr interessante Sendung auf Arte zu diesem Thema mit dem vielversprechenden Titel: WUNDERWAFFE HANF kam am 26.11. um 19.40 Uhr. Es ging um den Nutzhanfanbau in Frankreich. Sollte der Klimawandel weiter so rasant fortschreiten, wird es aufgrund von Trockenperioden auch in Deutschland immer schwerer, Kulturpflanzen wie Mais und Getreide problemlos anzubauen. In eben diese Nische könnte der relativ anspruchslose Hanf rücken, der nicht nur Trockenheit gut verträgt, sondern auch kaum Pestizide braucht, der zudem die Böden verbessert und ein reichliches Angebot für Insekten und Vögel bietet. Eine nachhaltige ökologische Erneuerung kann eigentlich nur der vielfältig anwendbare Hanf garantieren. Wir haben nun die einmalige Chance, dies auch zum Überleben für unsere nachfolgenden Generationen zu verwirklichen, die uns sicherlich irgendwann daran… Weiterlesen »

Daniela Blomeyer,(@dipljur)
1 Monat zuvor

Danke Haschberg. <3
Habe mir die Sendung auf Arte, https://www.arte.tv/de/videos/100291-006-A/re-wunderwaffe-hanf/ , angesehen und mich gefreut, dass auch andere Hanf als sinnvolle Lösung sehen.
Hoffe, dass mein Link funktioniert.

Rainer
Rainer
1 Monat zuvor

Bei den nächsten Bundestagswahlen wissen wir ob es gut ist Nutzhanf anzubauen und ob wir es wagen können sowas zu erlauben.

Harry Anslinger
Harry Anslinger
1 Monat zuvor

Freundschaft Cem, Jetz tkommt endlich der Prinz, der unser Dörnröschen Nutzhanf wach küsst ! Es schenkt dir dafür einen weiteren Weg zur Erreichung des 1,5 Grad – Ziels, ist das nicht klasse. In dein Ressort gehört auch die Gestalltung des staatlich kontrollierten Anbaus von Nutzhanf . Ja, den gibts auch noch, den Nutzhanf, da ist ja auch noch genug Anpassungsbedarf (z.B. Grenzwerte bei THC auf 0,5 % erhöhen, Bürokratie teilweise oder ganz abschaffen , Förderprogramme ) an die Realitäten. Das Potential der Nutzpflanze ist riesig, wenn man bedenkt, wie weit wir bis 1945 in der technischen Verarbeitung von Hanf waren, die Anlagenbauer in BaWü waren Weltspitze, was sonst auch , die haben sogar Fallschirmseide daraus hergestellt. Die größte Hanfverarbeitungsfabrik Europas… Weiterlesen »

Harry Anslinger
Harry Anslinger
1 Monat zuvor

Hofreiter will was mit Landwirtschaft? Dem Mann kann geholfen werden! Der Job würde genau ins Profil passen: Die Ampel macht ihn zum Sonderbeauftragten für Hanf? Zum Einen könnte er doch den Anbau und die Verarbeitung von Nutzhanf stark vorrantreiben, so energisch wie er ist. Allein bei Salzmann in Kassel haben bis 1945 6000 Menschen gearbeitet. Wäre das nicht etwas für die Lausitz? Da könnter er sich austoben. Zum Anderen könnte er sich um den Anbau von Drogenhanf und dessen Vertrieb in Deutschland kümmern, wenn er da mal wieder aus der Rolle fällt, weil es noch immer nicht alle mit dem Ende der Prohibition kapiert haben, dann trifft das nur die Richtigen… Ja, das wäre nicht schlecht , so einen wirst… Weiterlesen »

Rainer
Rainer
1 Monat zuvor

@Daniela Blomeyer
Hat gut funktioniert mit Deinem Link.So hätte man in den vergangenen 60Jahren schon mit Hanf anfangen können.

Otto Normal
Otto Normal
1 Monat zuvor

„Wir haben nun die einmalige Chance, dies auch zum Überleben für unsere nachfolgenden Generationen zu verwirklichen, die uns sicherlich irgendwann daran messen werden.“ Ich glaube die nachfolgenden Generationen kümmern die heutigen Verantwortungs- und Entscheidungsträger in der Politik nicht sehr, sonst würde zumindest mit sofortiger Wirkung die Produktion von SUV eingestellt und wir hätten längst Tempolimit 130 auf allen Autobahnen. Die Zulassungszahlen für SUV steigen weiterhin an. Die Förderung und den Ausbau der Alternativenergien wurde schon wieder heruntergefahren zu Gunsten der fossilen Energieträger obwohl es ein Erfolgsmodell war. Die fossilen Energieträger bringen immer noch zuviel Profit ein als das man davon die Finger lassen könnte. Es gibt immer noch Menschen (meist die älteren nicht anpassungsfähigen) die keine Solaranlage auf dem Hausdach… Weiterlesen »

trackback
1 Monat zuvor

[…] Auflagen. Nur Landwirtschaftsunternehmen mit einer Alterssicherung für Landwirte dürfen dieses Nutzhanf anbauen; die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kontrolliert diese legalen […]