Sonntag, 21. November 2021

Die Legalisierung in der Presse: Zuversicht, Angst, Dankbarkeit

Deutschland zeigt sich mehrheitlich positiv gegenüber einer Legalisierung

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Von hier aus soll bald legalisiert werden.

Es war dann doch überraschend: Plötzlich war sie da, die Einigung. Die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege der Koalitionspartner SPD, Grüne und FDP gaben bekannt: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein“. Damit einher gehen Modelle zum Drugchecking illegaler Drogen, verschärfte Regelungen bezüglich Marketing aller legalen Drogen sowie eine Evaluierung des Legalisierungs-Gesetz nach vier Jahren. Es ist noch nicht klar wann die Regelung in Kraft treten wird, die Presse zeigt aber auf, wie unterschiedlich die kommende Legalisierung aufgenommen wird.

Der Nachrichtensender ntv sprach von „Aufregung“ und „Hochspannung“ mit Blick auf das Thema. Für diese sorgten, nun ja, die übliche Verdächtigen: CSU Generalsekretär Markus Blume sprach von einem „gefährliche[m] Experiment“ bei dem die Wirkung als Einstiegsdroge verharmlost würde. Er halte die Legalisierung „mindestens für überflüssig.“ Seine Kollegin und noch Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, sprach von einem „Dammbruch für die Drogen- und Suchtpolitik“. Es mache „eine gesundheitsschädliche Droge zu einem Lifestyle-Produkt.“


Der RBB konnte Skepsis bei der Gewerkschaft der Polizei in Berlin beobachten. Die Polizei müsse dennoch weiter kontrollieren, um andere Drogen zu bekämpfen – auch sei Cannabis nicht immer vor Ort als solches erkennbar. Die GdP klammert sich auch an das Argument, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei – ebenso wie die Brandenburger CDU. Fast trotzig lässt der rbb direkt danach einen Experten zu Wort kommen, der die Legalisierung – unter den richtigen Voraussetzungen – positiv sieht.

Im NDR kam der Leiter des Suchtbereichs am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zu Wort und erklärte, dass die Konsumquoten bei Jugendlichen in US-Bundesstaaten mit legalem Cannabis rund 30-60 Prozent höher liegen als bei denen ohne. Dass dies nicht unbedingt falsch, aber auch nicht ganz so einfach ist, zeigt eine Studie des Oxford Treatment Centers. Der NDR zitiert die Hamburger CDU, welche davor warnt vor einer Verharmlosung weicher Drogen.

Viele Pressestimmen richteten sich eher an Experten anstatt Politiker, um eine differenzierte Meinung zu erhalten. Die tagesschau wartete mit einem gut recherchierten Artikel auf, der bekannte Risiken wie Psychosen, Entwicklungsprobleme bei Jugendlichen und verunreinigtes Schwarzmarkt-Cannabis aufgriff, aber fair und informativ gestaltete. Themen wie gesteigertes Konsumverhalten oder Cannabis als Einstiegsdroge wurden auch hier nicht nach Meinung, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnissen hin untersucht.

Das Magazin von t-online lässt hingegen Leser zu Wort kommen, die sich entweder indifferent oder begeistert zeigen. Chronische Schmerzpatienten und andere Konsumenten berichten von beinahe durchweg positiven Erfahrungen. Auch die Schweizer Volkszeitung bleibt gelassen und titelt „Deutschland wird kein Drogensumpf“. Besonders angetan sind Anleger und Gründer, diese sind „Sprachlos und Dankbar“ – die einzige Warnung hier besteht darin, nicht zu optimistisch in den Markt einzusteigen.

7 Antworten auf „Die Legalisierung in der Presse: Zuversicht, Angst, Dankbarkeit

  1. Rainer

    Jetzt ist es ein offener Schlagabtausch geworden.Wie im Krieg gibt es dabei Siege und Verluste.Wie im Krieg spielt Fairness, so wie Ethik in der Ethikkommission,keine große Rolle.Ausgang ist offen,es wird meiner Meinung nach keine richtige Legalisierung werden,weil die staatliche Propaganda,die Vorgaben wie wir zu denken und zu leben haben,wichtiger ist und funktionieren muß.

  2. Dorfkrug Rutenberg

    Nach 50Jahren – das ich das noch miterleben darf!

    Aber jetzt gehören beim Jugendschutz große Nägel eingeschlagen.
    ALLE Drogen gehören in Fachgeschäfte. Auch Nikotin und Alkohol müssen aus den Supermärkten/den Augen der Kinder/der Werbung verschwinden.

    50 Jahre Prohibition/Stress/Bullenangst wirklich? endlich? vorbei?

  3. Ramon Dark

    Einstiegsdroge Cannabis?Dann wären schon die alten Ägypter vor 4000 Jahren Heroinsüchtig geworden, bevor es Heroin überhaupt gab. Falls diese Problematik wirklich vereinzelt auftauchen sollte liegt es an der Prohibition: Manche Dealer auf dem Schwarzmarkt verscherbeln einfach wirklich alles, was sie in die Finger bekommen und manche leichtsinnigen Menschen lassen es sich dann auch aufschwätzen. Fast alle Kiffer geben sich mit Cannabisprodukten guter Qualität zufrieden.

  4. Haschberg

    Bis die ganze Sache mit der Legalisierung endlich in trockenen Tüchern ist, wird es wohl noch sehr viel Diskussionsbedarf in alle Richtungen geben.
    Wichtig ist, dass die Befürworter siegen und es dadurch Millionen von Hanfkonsumenten ermöglicht wird, endlich legale Bezugswege zu betreten.

  5. Harry Anslinger

    Liebe deutsche Medien ,
    es ist bewundernswert, mit welchem Eifer ihr aber auch jede
    negativ wirkende Meldung zum Cannabis bundesweit sammelt und
    publiziert.
    Nur was zeigt uns das?
    1) Vom Penner bis zum Sportwagenfahrer, es wird Quer durch die Gesellschaft gekifft und zwar in allen Altersgruppen, steuer- und jugendschutzfrei.
    2) Bei einer Jahresverbrauchsmenge analog den kanadischen Marktzahlen von 1800 to Cannabis sind denn bei aller Repression nun welche Mengen dabei raus gekommen? Ein paar Kilos!
    3) Was soll denn aus den Erwischten werden?
    Wenn ihr alle 6 Millionen Kiffer einsperren wollt ist es ja kein Problem:
    Es gibt ja noch die gut erhaltenen Bauten nähe Dachau oder Weimar…..
    Wie man da 6 Millionen pulverisieren kann, wissen wir ja!
    4) 10 Milliarden steuerfrei an die Unterwelt bleibt, alle Milliardenkosten für die Repression und ihre Folgen zahlt der Steuerzahler.
    5) Randerscheinungen aus dem Gesundheitsbereich werden ohne jede Vergleichsgröße zu anderen Drogen unhinterfragt aufgeblasen.
    Also, was soll das denn wirklich bedeuten ?
    Wenn ihr dieRepression weiter unterstützen wollt, dann nur weiter so, wo die Logik in letzter Konsequenz hinführt kennen wir ja, und ein bisschen Repression , nur so eben soviel, das man möglichst nichts von dem unappetitlichen Thema mitbekommt, gibt es nicht , sonst landen wir bei niederländischen Verhältnissen.
    Ansonsten wäre es jetzt mal an der Zeit , ich meine damit alle Medien , das Ende der Repression als einzige Lösung zu akzeptieren und sich an einer kritisch- konstruktiven Diskussion positiv zu beteiligen.
    Dann würden vielleicht auch in diesem Land mehr Leute kapieren, dass es vorbei ist mit Repression!
    P.S. Die Schweiz hat die Legalisierung für 2022 beschlossen,
    liebe Bayern, jetzt aber schnell die Grenze dicht machen wie in
    Polen…

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