Dienstag, 5. November 2019

Cannabis-Dealer im „Görli“ bekommen mobile Polizeiwachen

Innensenator Andreas Geisel (SPD) weist die Polizei an, zur Bekämpfung des illegalen Cannabis-Handels im Görlitzer Park zwei mobile Wachen zu postieren

Cannabis
Bild: Archiv / Schmiddie

 

 

Eine tagesaktuelle Glosse von Sadhu van Hemp

 

 

Wir wissen nicht, ob Berlins SPD-Innensenator letzte Woche im Ersten Deutschen Fernsehen die Show des Witzbolds Dieter Nuhr gesehen hat und sich deshalb bemüßigt fühlt, im aussichtlosen Kampf gegen Berlins Cannabis-Konsumenten und Kleindealer blinden Aktionismus zu zeigen. Dieter Nuhr, der Possenreißer des Spießbürgertums, ist ein Meister, wenn es um das Schüren von Ressentiments gegen Menschen geht, die anders leben, denken und fühlen. Kein Klischee ist dem Jeck billig genug, um daraus einen flachen Witz zu formen, der die breite Volksseele belustigt.

Das Klischee des faulen, kriminellen Kiffers bedient Nuhr allzu gerne – so auch letzte Woche, als er über den rotrotgrünen Berliner Senat herzog, dessen Politik „eine Folge von übermäßigem Drogenkonsum ist“. Der Possenreißer der Wirtschaftsliberalen analysiert, dass der laxe Umgang des Senats mit dem Cannabis-Hotspot im Görlitzer Park ursächlich dafür ist, dass in Berlin keine Wohnungen gebaut werden und eine „effiziente Wirtschaftsblockade“ zu einem „erstaunlichen Infrastrukturverfall“ führt. Nuhr weiter: „Allerdings kann man nicht zuletzt auch an der Berliner Stadtregierung sehen, dass auch Kiffen bedenkliche Nebenwirkungen hat: Mietendeckel, Enteignungen – alles Spätfolgen. Mit einem wachen Kopf kommt man nicht darauf, die Planwirtschaft (sic!) wieder einzuführen. Die Planwirtschaft hat den Ostteil der Stadt innerhalb von vierzig Jahren komplett zerstört (sic!). In der DDR waren die Innenstädte – falls sich der eine oder andere noch daran erinnert – durchgehend einsturzgefährdet (sic!). Ja, aber so weit reicht bei vielen Kiffern die Erinnerung nicht mehr. Wäre es vielleicht für Westdeutschland (sic!) besser, wenn ganz Berlin betäubt (sic!) wäre?“

 

Auf diese sinnentleerte Frage des westdeutschen Spaßmachers gibt es selbstverständlich nur eine Antwort: Ja, es wäre für Ost- und Westdeutschland besser, wenn „die Hefe des Denkens“ in den Köpfen aller Deutschen aufgeht, wenn dadurch der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit lauter wird. Der Versuch des (un)lustigen ARD-Influencers, dem Berliner Senat die Zurechnungsfähigkeit abzusprechen, weil ja alle Senatoren nur bekifft sein können, ist daher nur das klägliche Aufjaulen eines ewiggestrigen Spießers, der eine höllische Angst davor hat, von dem, was er zu viel hat, abgeben zu müssen.

 

Das dumme Gequatsche des „Uwe Steimle des Westens“ scheint offenbar seine Wirkung nicht zu verfehlen. Als wolle der SPD-Innensenator beweisen, dass seine Amtsführung keine „Folge von übermäßigem Drogenkonsum ist“, hört er auf das Kriegsgeschrei aus der Echokammer des rechten und konservativen Milieus. Geisel will nun dauerhafte Präsenz zeigen, um „eine Antwort auf die Situation“ zu geben. Der Sozialdemokrat will die Begleiterscheinungen des Cannabis-Handels nachhaltig bekämpfen und somit das Sicherheitsgefühl der Anwohner erhöhen. In Anlehnung an Dieter Nuhrs klassischen Schenkelklopfer-Witz müsste man jetzt fragen: „Wie bekifft muss ein SPD-Senator sein, um den gleichen Unsinn zu verzapfen wie der CDU-Vorgänger? Oder ist die Strategie, die Cannabis-Szene in die Nebenstraßen zu vertreiben, das Ergebnis einer Überdosis Alkoholgift?

 

Wie auch immer, der SPD-Mann will im Görli von der Polizei aufräumen lassen. Bewerkstelligen sollen das zwei mobile Polizeiwachen mit jeweils drei Beamten, die ab 17. November täglich von 7.00 bis 16.30 Uhr im Görlitzer Park Stellung beziehen.

Das Problem bei der Sache ist nur, dass Geisel die Rechnung ohne den Wirt macht. Und das ist die Polizei, die alles unternimmt, um Weisungen von oben ins Leere laufen zu lassen. Man ist schlichtweg nicht gewillt, Vorgaben des verhassten RRG-Senats umzusetzen, an deren Wirksamkeit fachliche Zweifel bestehen. Bereits im Vorfeld hatte sich die zuständige Direktion 5 geweigert, im Görli dauerhaft eine mobile Wache einzurichten. Vielmehr favorisiere die Polizei ein Patrouillenfahrzeug, das auch für erkennungsdienstliche Maßnahmen ausgelegt ist. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte Geisel verdeutlicht, dass eine dauerhafte Präsenz im Görlitzer Park mittels mobiler Wachen „weder personell umsetzbar noch polizeilich sinnvoll ist“. Aus internen Polizeikreisen ist zu vernehmen, dass mobile Wachen nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn zusätzlich eine Hundertschaft zur fröhlichen Kiffer- und Dealerjagd bereitgestellt würde.

 

Wie groß die Kluft zwischen der Berliner Polizeiführung und ihrem Dienstherrn Geisel ist, zeigt auch die unverblümte Aussage der GdP, dass mobile Wachen im Görli „Irrsinn“ sind. „Wir sehen anhand dieser Weisung, welchen massiven Einfluss die Politik auf die tägliche Polizeiarbeit in dieser Stadt ausübt. Es geht allein um Außenwirkung und nicht um effektive Prävention und Kriminalitätsbekämpfung“, keilt der Sprecher der Berliner GdP im „Tagesspiegel“ gegen den rotrotgrünen Senat. Zwischen den Zeilen ist klar herauszulesen, dass sich die Polizeigewerkschaft einen Senat wünscht, der keine halben Sachen macht und die Polizei im Kampf gegen die Cannabis-Konsumenten und Dealer soweit aufrüstet, dass es richtig wehtut. Die einzig logische Schlussfolgerung, dass das Hanfverbot „Irrsinn“ ist, ziehen auch Berlins Polizeifunktionäre nicht.

 

 

12 Antworten auf „Cannabis-Dealer im „Görli“ bekommen mobile Polizeiwachen

  1. Rainer Sikora

    Die CDU hat große Probleme damit,daß die Überwachung und Bekämpfung im Görlitzer aufgehört haben.Die haben bestimmt auch ihre Dreckfinger im Spiel.

  2. Georg Elser

    Seit den Halbherzigen Nürnberger Prozessen streut der Krebs des deutschen Herrenmenschen kräftig weiter gegen Demokratisierung .
    Darum ist eine Wiederaufnahme der Nürnberger Prozzese so wichtig . Das Wiederstandsrecht bietet hier auch ganz unbürokratische Lösungen an , in Form von Lokalen Demokratisierungs und Vollstreckungskommandos .

    Hongkonk , Chile und die Evolution ist auf unserer Seite .
    Lets Go !

  3. Fred

    Na ja. Man sollte diese kommunalen Geschichten nicht mehr überbewerten. Und die Meinung eines konservativen Comedien als das verbuchen was es ist. Meinungsfreiheit.

    Viel wichtiger ist, was sich derzeit sonst noch so tut. Ich habe mir soeben den Drogenbericht der neuen Drogenbeauftragten angesehen und kann mich kaum noch halten. Da sitzt diese Frau von der CSU und erzählt auf der PK, das man den Cannabiskonsum von Erwachsenen und Jugendlichen getrennt betrachten muss und erklärt erneut ihre Dialogbereitschaft.

    Das alleine kann man schon als Sensation sehen. Leute, diese Frau muss unterstützt werden. Sie ist absolut auf dem richtigen Weg.
    Hier das Video der PK.
    https://youtu.be/2qVojO3StC0

    Übrigens von der Welt. Der man ja auch eine konservative Adern, zurecht, nachsagt. Und auch da gibt es etwas erstaunliches. Früher hätten die als Experten Prof. Thomasius eingeladen. Heute war Richter Müller da !

  4. Legalize Cannabis Germany

    Auf dem Oktoberfest säuft sich die deutsche Gesellschaft bis ins Koma, aber wehe jemand verkauft 1-2 Grämmchen Cannabis auf dem Görlitzer Park! Dann kommt der Freund und Helfer und versucht alles, um dir dafür ein paar Strafen reinzudrücken!

    Und die Polizisten sind leider noch so dumm, stellen sich dahin und nehmen die Sache tot-ernst, als ob man etwas gutes tut. Nein, das ist falsch, absolut.
    Diese Politiker, die so eine Politik unterstützen, finde ich einfach richtig Scheiße und denen wünsche ich auch nichts gutes.

  5. Egal

    Wie wäre mal mit einer legalisierung?
    Cannabis ist zudem noch ein Heilmittel!

    Absolutes Armutszeugnis der Partei die ich so mit Sicherheit nie wieder wählen werde!

    Sieht so aus als ob die rot schwarzen Parteien bald gar nicht mehr im Bundestag sitzen! Bis zur 5% Grenze ist es got sei dank nicht mehr weit!
    Sie tuhen ja auch alles dafür das die letzten Wähler auch abspringen!

    Und wer weiß…. Vielleicht sind sie bei der Nähsten Wahl schon Geschichte!

    Mich würde das freuen wenn ich derrren Gesichter sehe und die Patein raus sind!

    Also macht mal so weiter!

  6. greenness

    Vielleicht ist es ja wirklich nicht angenehm, wenn man durch den Park geht und von zig Dealern angequatscht wird.

    Die Lösung für dieses Problem ist aber nicht Polizeistaat, sondern Legalisierung. –

    Ansonsten, liebe Genossen, genießt diese Legislaturperiode, viele Wahlen werdet Ihr nicht mehr gewinnen. Die CDU hat die erste Kanzlerin gestellt. Die CDU hat die Homo-Ehe eingeführt. Und die CDU wird Cannabis legalisieren.

    Die SPD hat Hartz IV erfunden.

  7. Tom

    Tja, das Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit gilt auch für Herr Nuhr. Wenn er dieser Meinung ist, bitte. Ich bin anderer Meinung. Es gibt schlimmeres. Z.B. einen AfD Abgeordneten der im BT doch tatsächlich behauptete dass jedem Polizisten auf der Straße klar sei dass Cannabis die Einstiegsdroge für Christl-Mett ist. (Ach echt jetzt? Nicht mehr für Heroin?). War das jetzt Absicht, oder ist der nur zu blöd das „th“ korrekt auszusprechen oder liegts doch nur an einer Überdosis Crystalwheat? Wer kann das schon sagen? Man kann nur eines machen, Leute. Steht drüber und macht was die Kasper wollen – LACHT – und wählt sie nächstes Mal ab. An der Fernbedienung und in der Wahlkabine.

    Was die GdP angeht – Die sollen erst mal dafür Sorge tragen dass ihre internen Nazinetzwerke zerschlagen werden. Damit haben die schon Arbeit genug. Solange die auch nur einen Polizisten in ihren Reihen haben dem die rechte Achsel juckt, oder Bepos die nur blöd aus der Wäsche gucken wenn der Hitlergruß u.ä. gezeigt wird, haben die kein moralisches Recht ihrem Dienstherren irgendwelche Verfehlungen vorzuwerfen.

    @greenness. Das ist so nicht richtig. Keine der beiden Parteien hätte ohne die andere in den letzten gut 21 Jahren auch nur einen Kaugummi vom Boden kratzen können. Übrigens. Das „C“ steht für Christlich, nicht für Cannabis. Gehörst Du etwa tatsächlich zu denen die glauben was die Parteien vor einer Wahl verzapfen? Ok, die neue Bundesdrogenbeauftragte hat ja nen satten Start hingelegt der hoffen läßt, aber in der Partei selbst sind noch ganz andere Typen. Die wechseln eher zur AfD als der (Re)Legalisierung zuzustimmen.

  8. greenness

    @Tom
    Es ist nicht intelligent, mit Whataboutismen herumzuschmeissen, wenn es gute Argumente für den eigenen Standpunkt gibt. Das ist insbesonders in der Diskussion zur Legalisierung von Cannabis der Fall. –

    Wie Du in mein oben Geschriebenes die Vermutung hineininterpretierst, daß ich Wahlversprechen glaube, darf dein Geheimnis bleiben. Mir ist es generell relativ egal, was die meisten Leute von sich geben, was auch für dich gilt. Es ist mir allerdings nicht egal, daß viele ‚Pro‘-Leute in der Legalisierungsdebatte durch minderintelligentes Gequatsche auffallen. Es könnte der Eindruck entstehen, daß dies durch Cannabiskonsum verursacht wird.

  9. Otto Normal

    Dieter Nuhr macht nur schlechtes Kabarett wenn man sein einschläferndes Gestammel es als solches überhaupt bezeichnen kann.
    Ich habe ihn 2x im Fernsehen gesehen: das erste und letzte Mal. Wäre beinahe eingeschlafen so langweilig ist der.
    Wer echtes professionelles politisches Kabarett sehen will geht zb. zu Volker Pispers und hört nicht so einem wannabe Kleinkünstler zu.

    Ich glaube nicht das die CDU legalisieren wird, jedenfalls nicht ohne Druck. Bei dem vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg als menschenrechtswidrig abgeurteilten deutschen Familienrecht hat es Jahre und die Androhung einer Geldstrafe in 2 stelliger Milliardenhöhe durch die EU benötigt, damit sich Mutti Merkel endlich aufgerafft hat ein neues angepaßtes Familienrecht zu beschließen, mit dem sich die widerliche CDU dann auch noch als moderne Partei geschmückt hat.
    Einfach nur ekelerregend so wie die gesamte stammtischversiffte CDU/CSU.

    Bei der CDU / CSU kann man sehr gut die geistigen Verheerungen bestaunen die ständiger problematischer Alkoholkonsum verursachen kann.

    Die neue Drogentante will immerhin eine Diskussion über den Cannabis-Konsum erwachsener Bürger. Ob es – wie so oft – nur bei der Diskussion und ohne praktische politische Schritte bleibt werden wir abwarten müssen. Immerhin kann sie danach in der Tradition der 70er Jahre Hippies (die den C-Parteien absolut verhaßt sind) sagen:

    „Aber ganz dufte das wir mal darüber gesprochen haben.“

    Aber evtl kommt ihr das BVG sogar mit einem neuen „kein Recht auf Leben… ähm… auf Glück…ähm… (ah jetzt hab‘ ich’s) …auf Rausch, … Urteil zuvor.

    Bin sehr auf die Begründung gespannt wenn die Klage des DHV abgewiesen wird und das wird sie.

    @greeness
    Ja die SPD hat H4 erfunden, aber die CDU hat all die Härten durchgesetzt und es zu dem Monster gemacht was es heute ist. Also bitte keine Märchen erzählen!

  10. R. Maestro

    Man braucht hierzulande einen Ersatz für die Verfolgung.
    Um sich einen besseren Stand zu verschaffen!
    Wer ist die nächste Gesellschaft, welche verfolgt wird?
    Hier geht es prioritär um eine Drecks-Hirarchie!!!

  11. Tom

    @R.Maestro. Smartphonenutzer. Es wird sich bestimmt ein Professor finden da etwas aufzubau(sch)en kann.

  12. Tom

    Meine Güte, ich hab doch nix geraucht. „Es wird sich bestimmt ein Professor finden der da etwas aufbau(sch)en kann.“ So stimmts 🙂

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