Montag, 10. Dezember 2018

Marlboro-Hersteller steigt ins Cannabis-Geschäft ein

 

 

Tabakkonzern Altria kauft Aktienpaket des kanadischen Cannabis-Produzenten Cronos für 1,8 Milliarden US-Dollar

 

 

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Was letzte Woche noch als heißer Tipp auf dem Börsenparkett gehandelt wurde, ist nun amtlich: Der zweitgrößte Tabakkonzern der Welt mit einem Jahresumsatz von rund 100 Milliarden US-Dollar wagt den Sprung ins Cannabis-Business und erwirbt für 1,8 Milliarden US-Dollar 45 % der Aktien der Cronos Group, dem viertgrößten Cannabis-Produzenten Kanadas. Die Nachricht ließ den Wert der Cronos-Aktie am Freitag um mehr als 25 Prozent auf 11,40 Euro steigen.

„Wir glauben, dass das exzellente Cronos-Management über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, um im globalen Wettbewerb zu bestehen“, begründet Altria-Chef Howard Willard das Wagnis. „Wir freuen uns, die Cronos-Gruppe dabei zu unterstützen, das erhebliche Wachstumspotenzial zu realisieren.“

Auch Cronos-Chef Mike Gorenstein reibt sich die Hände: „Altria ist der ideale Partner für die Cronos Group, der die nötigen Ressourcen und Expertise bereitstellt, um unser strategisches Wachstum zu beschleunigen“.

Der Deal gibt Altria zudem die Option, für eine Milliarde Dollar weitere 10 Prozent der Aktienanteile zu erwerben. Mit 55 Prozent hätte der Tabakkonzern dann die Mehrheit – und das Sagen im Cronos-Verwaltungsrat.

 

Der Einstieg von Altria ins Cannabis-Business dürfte die Konkurrenz erheblich in Zugzwang bringen. Kanada und die USA bieten auf kurze Sicht einen gewaltigen Absatzmarkt für Cannabis-Produkte, und der Wettbewerb um die Pfründe ist in vollem Gange. Dass der Cannabis-Markt eine sprudelnde Geldquelle ist, wissen auch die Analysten, die davon ausgehen, dass allein die US-amerikanische Marihuana-Industrie in diesem Jahr einen Umsatz von 11 Milliarden Dollar erzielen wird. Bis zum Jahr 2030 könnte der Jahresumsatz auf 75 Milliarden Dollar anwachsen.

 

Angesichts dieser traumhaften pekuniären Aussichten wäre ein Zögern und Zaudern der amerikanischen und britischen Tabakkonzerne ein großer strategischer Fehler. Die Cannabis-Legalisierung ist in den USA nicht mehr aufzuhalten. Wer jetzt auf den Zug aufspringt, fährt noch 1. Klasse in die Zukunft. Darauf spekuliert auch die China National Tobacco Corporation, die mit 170 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz die Nr. 1 in der weltweiten Tabakbranche ist. Noch hält sich der staatseigene Zigarettenhersteller zurück, doch gibt das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei erst einmal grünes Licht, dann wird auch der chinesische Tabakriese auf dem nordamerikanischen Kontinent auf Einkaufstour gehen und die Cannabis-Produzenten mit Geld zuscheißen.

 

Mit dem Einstieg des Marlboro-Herstellers ins Cannabis-Geschäft wird nun endgültig die schöne neue Zeit eingeläutet. Nun tritt das ein, was schon vor Jahrzehnten vorausgesehen wurde: Kommt die Legalisierung, wird der kalte Atem des Kapitalismus über die Hanffelder wehen und der gute alte Joint verkommt zum Lifestyle-Produkt der Zigarettenindustrie.

 

 

4 Antworten auf „Marlboro-Hersteller steigt ins Cannabis-Geschäft ein

  1. Ralf

    Dem letzten Satz läßt sich nicht`s mehr hinzufügen. Die neoliberalen Aasgeier machen aus der Legalisierung ohne große Umwege eine Monopolisierung und wetzen sich jetzt schon die Schnäbel, es ist einfach nur noch traurig.
    Bevor ich von denen auch nur ein Gramm kaufe, höre ich lieber ganz auf !

  2. Substi

    Geht doch auch ohne sie, jetzt gibt es Mittel und Wege und dann wird es die selben Mittel und Wege geben! Es war doch klar, daß sich das so entwickelt wenn die Legalisierung losgeht.

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