Dienstag, 13. November 2018

Cannabis-Aktivist Marc Emery will’s wissen

 

 

„The Prince of Pot“ zeigt in Montreal zivilen Ungehorsam und verstößt gegen das Cannabis-Regulierungsgesetz der Provinz Quebec

 

 

Foto: FREE MARC.CA

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Wer glaubt, in Kanada herrsche seit der Cannabis-Legalisierung Friede, Freude, Eierkuchen, der irrt. Denn ein Mann verdirbt die Freude und gebärdet sich gänzlich unfriedlich – und das ist kein anderer als Marc Emery, der seit über dreißig Jahren geradezu suizidal an allen Fronten für die totale Freigabe des Hanfes kämpft. Für Emery ist der Anti-Cannabis-Krieg trotz der am 17. Oktober 2018 in Kraft getretenen Teil-Legalisierung längst nicht zu Ende. Insbesondere die unterschiedliche Auslegung des neuen Cannabis-Gesetzes in den kanadischen Provinzen gefällt Emery überhaupt nicht, weil dadurch nach wie vor Rechtsunsicherheit im Umgang mit Marihuana herrscht.

 

Größtes Ärgernis für Emery ist die „Heuchelei des Cannabis-Regulierungsgesetzes von Quebec“. Die Verordnungen der Provinz verbieten u.a. die Verwendung eines Hanfblattes auf Handels- und Werbeartikeln wie Basecaps, T-Shirts und Anstecknadeln. „Wir können in der Provinz Quebec nichts verkaufen, was den Genuss von Cannabis enttabuisiert oder unsere Kultur in irgendeiner Weise positiv fördert“, beklagt Emery. „Ja, man kann jetzt Cannabis von einem staatlichen Monopol erwerben, aber stolz kann man nicht sein. Es ist völlig falsch. Es ist Zensur.“

 

In einem Bericht des Fernsehsenders CTV Montreal bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums von Quebec, dass die Provinzregierung 2019 fünf Millionen Dollar für die Finanzierung einer Task Force bereitstellt, die sich ausschließlich damit beschäftigen wird, jene Spitzbuben aufzuspüren, die gegen das neue Gesetz verstoßen. Dazu zählt auch der Genuss illegaler Rauchware. Die Strafgelder reichen von 5.000 bis 62.500 Dollar und können sich bei Wiederholungstätern verdoppeln.

 

Das Unrecht des Quebecer Cannabis-Gesetzes galt es nun öffentlich anzuprangern. Und so schlug Emery am Sonntagnachmittag in der Innenstadt von Montreal seinen Bauchladen auf und provozierte die Strafverfolgungsbehörden mit dem Verkauf von Werbeartikeln und anderen Utensilien mit Hanfblattsymbolen. Ziel war es, die Ordnungshüter auf den Plan zu rufen und sich eine Strafanzeige wegen des Verbreitens gesetzeswidriger Kennzeichen und der „Förderung von Cannabis“ einzuhandeln.

„Ich verkaufe die Sachen nur, um einen Straftatbestand zu liefern“, sagte Emery. „Ich brauche das Geld nicht, aber ich muss Geld verlangen, um angeklagt zu werden. (…) Ich habe Anwälte engagiert und wir glauben, dass das Gesetz verfassungswidrig ist und einer juristischen Überprüfung nicht standhält.“

 

Gegen 14 Uhr 30 tauchten schließlich zwei Polizisten am Ort des Geschehens auf und drohten damit, Emery wegen des Verstoßes gegen eine ganz andere Verordnung anzuzeigen – und zwar der, die den fliegenden Handel mit Waren ohne Genehmigung verbietet.

Emerys Versuch, die Beamten dennoch dazu zu bewegen, ihn wegen der Missachtung der Quebecer Cannabis-Gesetzgebung mit einer Strafanzeige auszustatten, scheiterte. Die Polizisten waren nicht bereit, zu diesem Zeitpunkt den „Cannabis Regulation Act“ durchzusetzen. Vorrangig blieb die fehlende Genehmigung für den Straßenhandel. Als die Beamten Emery damit konfrontierten, seine Waren deswegen zu beschlagnahmen, blieb nur der Rückzug – mit der Ansage, es ein anderes Mal erneut zu versuchen. Dann aber mit einer Genehmigung für seinen Bauchladen.

 

Marc Emery pokert hoch und riskiert wieder einmal mehr seine Freiheit. Wie es scheint, ist der „Prince of Pot“ längst nicht kuriert von seinem bewundernswerten Sinn für Gerechtigkeit. Etliche kurze und lange Inhaftierungen in über dreißig Zuchthäusern schrecken den 60-Jährigen nicht ab, mit dieser Aktion gegen die gerade laufenden Bewährungsauflagen zu verstoßen. Noch im Dezember 2017 bekannte sich Emery vor einem Gericht in Montreal erhobenen Hauptes des Marihuanabesitzes schuldig, und das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 150.000 Dollar und einer Haftstrafe auf Bewährung.

 

Der Cannabis-Krimi um Marc Emery bleibt also spannend, trotz der Cannabis-Legalisierung in Kanada. Zugleich beantwortet die unendliche Geschichte um den „Prince of Pot“ die Frage eines Hanfjournal-Lesers, was die Redaktion nach einer weltweiten Legalisierung macht. Ganz einfach, wir machen weiter und werden den Staffelstab irgendwann unseren Enkeln übergeben, die diesen wiederum ihren Enkeln weiterreichen.

 

 

4 Antworten auf „Cannabis-Aktivist Marc Emery will’s wissen

  1. Ralf

    Da ist es dann auch so gekommen wie ich es immer vorausgesagt habe. Dahinter steckt immer noch das selbe perfide System daß uns dieses WeltkriegD Desaster eingebrockt hat, und deren Vertreter und Nutznießer nach wie vor profitieren wollen. Vor allen Dingen wollen sie aber das Verbrechen welches sie jahrzehntelang begangen haben, verschleiern und sich eine Pseudolegitimität erschleichen indem sie weiter die mit dem Hanf verbundene Kultur und damit die Wahrheit unterdrücken.
    Emery hat sein Leben für diesen Kampf eingesetzt und weiß ganz genau daß sein Kampf nicht beendet ist, die Cannabiskonsumenten auch nicht sicher sind, solange die Haupttäter weiterhin in Amt und Würden sind und ihre Macht(und damit Steuergelder) weiter mißbrauchen dürfen.
    Allen Menschen die wegen Cannabis im Gefängnis waren steht eine Wiedergutmachung zu, welche mindestens das beinhalten sollte was die Verbrecher an Pensionen abkassieren, die gehört diesen natürlich vorher aberkannt oder mindestens auf das gekürzt was ihre Opfer bekommen.
    Marc Emery wünsche ich ein bischen Gerechtigkeit und viel Glück beim Kampf gegen die Windmühlen des Prohibitionismus.

  2. Rainer Sikora

    Eventuell gibt es Neuwahlen,die alles verändern,oder der Drogenkrieg eskaliert zu einem Bürgerkrieg.Auf jeden Fall bleibt nichts so wie es ist oder war.Vielleicht gibt es so etwas wie Legalisierung light,aber uns wird es eher schlechter als besser gehen durch die anstehenden Veränderungen.Solange es die Lüge gibt,solange wird es auch Leid geben.

  3. Geldkistentetris

    Eine Gerechte Drogenpolitik, ist ein Hauptmerkmal einer lebendigen Demokratie . Dieser kleine , Riss , im Antlitz Canadas ,ist bestimmt nur ,einem Thematisch bedingten ,Juristischen Formulierungs Anfängerfehler zu verschulden . Oder will die Canadadische Justiz in einen , Justiz-Skandal Wettstreit mit der hiesigen BundesJustiz , treten ?

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