Sonntag, 30. September 2018

Drogenmischkonsum

 

Praxis der Psychonautik – Drogenmischkonsum

 

 

 

Was geht, was geht nicht?

Text: Markus Berger

 

Drogenmischkonsum ist in psychonautischen Settings keine Seltenheit. Das liegt an den zahlreichen Benefits, die aus der Kombination von verschiedenen psychoaktiven Substanzen resultieren können. Die präzise Kenntnis um die zu kombinierenden Stoffe ermöglicht es Innenweltreisenden, genau auf die jeweilige Situation abgestimmte psychedelische Menüs zusammenzustellen. Wir schauen uns in diesem Artikel deshalb einführend in Thema einiges zum Mischkonsum mit Cannabis, LSD, MDMA, Lachgas und anderen Molekülen an.

 

 

Cannabis-Kombos

 

Beim Drogenmischkonsum mit Cannabis fällt ins Gewicht, ob jemand gewöhnter Cannabisnutzer ist oder ob der User nur selten Cannabis verwendet. Beim gewöhnten User wird sich das Cannabis nur in geringem Maße auf die Effekte anderer Psychoaktiva auswirken. Weniger oder gar nicht an Cannabis gewöhnte Nutzer können aber im Mischkonsum von Hanferzeugnissen mit anderen berauschenden Stoffen, z.B. im Zusammenspiel mit Psychedelika und Entaktogenen, außergewöhnliche Synergien erleben, die sich von Person zu Person unterscheiden können. Häufig berichten ungewöhnte User von einer Intensivierung der Effekte anderer Drogen, so z.B. von einer Verstärkung der visuellen Wirkungen und davon, dass Cannabis tiefer in den Rausch der anderen Substanz hineinführt, so etwa bei MDMA der Fall, aber auch bei starken Psychedelika wie LSD, Psilocybinpilzen und DMT. Cannabis kann also bei Psychedelika und Entaktogenen eine Boosterfunktion erfüllen.

 

Mischkonsum mit Tabak

 

Eine Kombo, die von vielen regelmäßig verwendet wird, besteht aus Cannabis mit Tabak. Es ist aber so, dass Nikotin den THC-Effekten entgegenwirkt und abschwächt. Trotzdem führen Cannabis und Tabak im Zusammenspiel auch Synergien herbei, die den Cannabisrausch verändern können. Viele stehen auf diese Kombo, weil sich eine andere Wirkung einstellt als beim Konsum von Cannabis allein. Einige User lieben den plötzlich einsetzenden Rausch solcher Rauchkombos, auch Tabak-Kick oder Tabakflash genannt, und es gibt Personen, die mit purem Cannabis nichts anfangen können, weil ihnen die Wirkung dann entweder zu stark oder zu verwirrend sein kann. Viele erleben den Tabak als Stabilisator der Cannabiswirkung – andere empfinden das genau gegenteilig.

 

Mischkonsum mit Alkohol

 

Hier ist unbedingt Vorsicht geboten. Während Menschen, die nur selten Alkohol genießen, im Zusammenspiel mit Cannabis häufig Kreislaufwirkungen ausbilden – Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufprobleme etc. – ziehen andere Nutzer, die an Bier, Wein oder ähnliches gewöhnt sind, aus der Kombination Cannabis und Alkohol genüssliche Rauscherfahrungen. Einige schwören zum Beispiel auf die Wirksamkeit eines Joints in Kombination mit einem Glas Wein oder Bier, wenn sie unter Einschlafproblemen leiden. Übertreibt man das aber, kann das auch schnell das Gegenteil von gutem Schlaf bewirken, denn Alkohol lässt uns zwar gewöhnlich schneller einschlafen. Er sorgt aber auch für einen unruhigeren, oberflächlicheren Schlaf und bei vielen für ein rasches Erwachen nach einer bis drei Stunden.

 

Mischkonsum mit Kanna (Sceletium tortuosum)

 

Cannabis und Kanna, Sceletium tortuosum, führen Synergien herbei, die sich für viele erfahrene User eignen, so verstärken sich die Substanzen gegenseitig. Geschnupfte Kanna-Pflanze bzw. Kanna-Extrakt kann Wirkungen herbeiführen, die der des Kokains recht ähnlich sind, geringere Dosierungen von etwa 2 bis 5 Milligramm des Zehnfachextrakts bringen erfahrungsgemäß in der Regel mehr. Kanna wirkt dann euphorisierend, stimulativ, aktivierend, ein wenig berauschend. Die Kombo aus Cannabis und Kanna verstärkt in der Regel die Effekte der Einzelsubstanzen wechselseitig. Höhere Dosierungen können stark berauschend wirken, aber auch bei manchen Personen zu Depressionen und schlechter Laune führen. Hier sind die individuelle Dosis und Präferenz von Belang. Man beachte nur, dass es sich bei Kanna bzw. dem Inhaltsstoff Mesembrin um einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) handelt, der mit einer Vielzahl von Medikamenten (beispielsweise mit zahlreichen Antidepressiva) nicht eingenommen werden soll. Ist der Gebraucher aber bei guter Gesundheit, verträgt erwiesenermaßen Kanna gut und nimmt von der Pflanze bzw. ihren Extrakten nur moderate Dosierungen ein, so ist die Verwendung von Kanna – auch in Kombination mit Cannabis – recht unbedenklich und risikoarm. Wer die Pflanze nicht kennt – und das gilt für alle Substanzen, die man neu probieren möchte – sollte sich sehr vorsichtig an seine Dosierung herantasten. Nur nicht zu wagemutig sein – weniger ist oftmals deutlich mehr!

 

 

LSD-Kombos

 

Die Kombination von LSD mit anderen Psychoaktiva ist auch als Flip bekannt. So wird die Kombo aus LSD und MDMA – wohl eine der bekanntesten Varianten des Drogenmischkonsums – als Candyflip bezeichnet. Beide Stoffe ergänzen sich gut, weil das MDMA dem LSD-Rausch erstens eine weichere und weniger angstbehaftete Note verleiht und ihn gleichzeitig ein wenig stabilisieren kann, wie viele Psychonauten sich einig sind. Manche berichten jedoch, dass das MDMA das LSD auch etwas oberflächlicher werden lässt, was sich dann eher negativ auf das Bestreben auswirkt, während der psychedelischen Sitzung therapeutische Ansätze  zu verfolgen. Manche empfinden dies aber genau umgekehrt und sind der Ansicht, das MDMA helfe dabei, die therapeutische Wirksamkeit zu verstärken. Auch was die Einnahme eines Candyflips angeht, existieren diverse Varianten, die sich auf den Präferenzen des Users begründen. Weil der Anstieg bis zur vollen LSD-Wirksamkeit bei manchen bis zu 3 oder gar 4 Stunden dauern kann, bevorzugen es manche, das MDMA erst einige Zeit nach dem LSD oder gar erst auf dem Höhepunkt von dessen Wirkung einzunehmen. Es gibt aber auch Zeitgenossen, die beide Stoffe gleichzeitig einnehmen, um den Anstieg des LSD angenehmer zu gestalten. Hier kommt es auf die individuellen Vorlieben und auf die Erfahrung des Konsumenten an.

 

 

Lachgas-Kombos

 

Lachgas ist eine der wenigen Substanzen, die im Grunde mit fast jedem anderen psychoaktiven Molekül kombiniert werden können. Einzig der Alkohol sei hier erwähnt, der bei nicht gewöhnten Menschen zu unschönen Episoden führen kann. Wie es auch beim Ketamin der Fall ist, so verursacht die Einnahme von Lachgas und Alkohol sehr häufig Übelkeit und Erbrechen, was insbesondere dann unschön bzw. gefährlich wird, wenn der User einen tiefen Rausch ausprägt und sich dann erbrechen muss, eventuell sogar, ohne es zu bemerken. Solche Situationen können lebensgefährlich sein, weil der Konsument an seinem eigenen Erbrochenen ersticken kann.

 

Sinnvolle Connections sehen viele Psychonauten in der Kombination von Lachgas mit den Psychedelika und/oder Entaktogenen. So kann Lachgas den Rauschzustand, der von beispielsweise Psilocybinpilzen und MDMA herbeigeführt wird, um ein Vielfaches potenzieren und wesentlich tiefer in den Rausch hineinführen, als die reine Psilo-MDMA-Kombo. Zwar hält der Lachgasrausch nur relativ kurz an. Unter Einwirkung von psychedelischen Substanzen aber wird das Zeitgefühl häufig ohnehin als enorm verändert erlebt, was auch dazu führen kann, dass die Wirkungen des Lachgases subjektiv als lang anhaltend empfunden werden können.

 

Psychonauten berichten auch, dass Lachgas als Booster fungieren kann, zum Beispiel, wenn die Wirkungen eines Psychedelikums oder Entaktogens nicht so richtig „kommen‟ wollen. In einem solchen Fall kann die Einnahme von Lachgas, zum Beispiel von 16 Gramm im Ballon – das entspricht zwei Sahnekartuschen – die Effekte deutlich verstärken und im Gebraucher ein gesteigertes Gewahrsein für die Wirkung erzeugen.

Manche berichten auch, dass Lachgas auf dem Peak oder beim Anstieg psychedelischer Effekte im Falle eines „Bad Trips‟ Abhilfe schaffen und den Konsumenten sozusagen erden kann. Der häufig als wohlig und angenehm erlebte Lachgastrip kann in diesem Fall den als unschön empfundenen Rausch in eine positivere Richtung lenken und „gute‟ Gedanken und Emotionen antriggern.

 

Aber Vorsicht: Obwohl manche Psychonauten auf diesen „verschönernden‟ Effekt des Lachgases schwören könnten, so kann auch durchaus das Gegenteil resultieren. Sprich: Zuweilen kann die dissoziative Wirkung des Lachgases den psychedelischen Rausch auch dergestalt beeinflussen, dass der User sich plötzlich Angstzuständen ausgesetzt sieht. Wie sich dies gestaltet, hängt stets von Dosis, Set und Setting ab, also von der eingenommenen Menge, von der eigenen Befindlichkeit und von der den Trip begleitenden Umgebung und allgemeinen Energie.

 

 

Keine gute Idee: Die Kombo MDMA und Speed

 

MDMA (Ecstasy) stellt eine geeignete Zutat für viele Kombos im Drogenmischkonsum dar. Eine Kombination aber, die bei den meisten überhaupt nicht geht, ist die von MDMA mit Speed, also Amphetamin. Das Amphetamin hebt bei den meisten Usern die magische und öffnende Wirkung des MDMA auf, was schon zu mancher Enttäuschung geführt hat. Wer zum Beispiel, um sich etwa „warm zu machen‟, vor einem geplanten MDMA-Abend mit Speed eintunt, der wird unter Umständen erleben, von der MDMA-Wirkung nichts mehr oder kaum noch etwas zu spüren. Das gilt, wie alles in diesem Artikel Gesagte, zwar nicht per se für jede Person – es gibt Gebraucher, die das Gegenteil beschwören werden. Die Beeinflussung der MDMA-Wirkung durch Amphetamin und Methamphetamin ist aber eine Realität, die tatsächlich von den meisten Drogenfreunden so bestätigt wird. Speed und nachgelegtes MDMA können sich überdies negativ auf den Kreislauf und unsere Vitalfunktionen auswirken, was dann einen etwaig geplanten schönen Abend abrupt beenden und in unschönen Situationen gipfeln lassen kann.

 

 

Literaturhinweis:

 

Cousto, Hans (2012), DrogenMischKonsum, überarbeitete und stark erweiterte Neuauflage, Solothurn: Nachtschatten Verlag

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