Dienstag, 7. August 2018

Krankenkassen vermelden Kostenexplosion bei Cannabis

 

 

Gesetzliche Krankenkassen genehmigen immer mehr Anträge auf Kostenübernahme für Medizinalhanf

 

 

Bild: Susanne Winter/Archiv

 

 

 

Auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) mit, dass die Ausgaben für Medizinal-Cannabis erheblich gestiegen sind. Für cannabishaltige Fertigarzneimittel, Cannabis-Zubereitungen und Medizinalhanfblüten haben die gesetzlichen Krankenkassen im Juni 2017 noch 2,31 Millionen Euro ausgegeben, im April 2018 lag der Bruttoumsatz der Ausgaben bereits bei etwa 5,36 Millionen Euro.

Größter Kostentreiber sind unverarbeitete Cannabisblüten. Zwischen Juni 2017 und April 2018 hat sich der Bruttoumsatz von knapp 412.000 Euro pro Monat auf 2,33 Millionen Euro mehr als verfünffacht. Auch für Cannabis-Zubereitungen werden die gesetzlichen Krankenkassen immer stärker zur Kasse gebeten: Im Juni 2017 betrugen die Ausgaben noch 839.495 Euro, im April 2018 waren es bereits 1.707.387 Euro. Leicht zurück ging der Bruttoumsatz für cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel.

 

Für den GKV-Spitzenverband ist die Kostenexplosion keine Überraschung. Bereits vor der Gesetzesänderung zur Versorgung mit Medizinalhanf ließ der Verband wissen, dass die Kosten für erstattungsfähiges Cannabis steigen werden, so lange das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Versorgung mittels staatlich kontrollierten Anbaus nicht gewährleisten kann.

„Für den Fall, dass (…) der gesteigerte Bedarf allein durch Importe gedeckt würde, könnte die erhöhte Nachfrage zu Versorgungsproblemen und unkalkulierbar steigenden Preisen führen“, sagte der GKV-Spitzenverband 2016 voraus – auch in Hinblick darauf, dass der Gesetzgeber die Verschreibung von Cannabis nicht auf bestimmte Krankheiten beschränkt hat.

 

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will sich zur Kostenexplosion nicht äußern. Die Zahlen der gesetzlichen Krankenkassen zu Umsätzen und Verordnungen cannabishaltiger Arzneimittel seien bekannt. Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, in der Umsetzung der Gesetzesänderung zu versagen, teilte das BMG dem Deutschen Ärzteblatt mit, dass die hohe Zahl der positiv beschiedenen Anträge auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen ein Beweis dafür sei, dass das Gesetz wirke und sich das Verfahren bewährt habe. Was die explodierende Kostenerstattung für Cannabispräparate betrifft, wolle man die Entwicklung weiter beobachten und abwarten, bis sich die Umsatzzahlen stabilisiert hätten. Dass die von der Bundesregierung kalkulierten Ausgaben für die Grundversorgung mit Cannabisblüten um ein Vielfaches übertroffen werden, blieb unkommentiert.

 

Stattdessen verweist das Ministerium darauf, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf die aktuelle Entwicklung reagiert habe. indem die ausgeschriebenen Produktionsmengen, die in den kommenden vier Jahren in Deutschland angebaut werden dürfen, von 6,6 Tonnen auf 10,4 Tonnen erhöht wurden. Welche Kriterien dieser Kalkulation zugrunde liegen, bleibt ein Geheimnis der Bundesbeamten. Zumal keine Zahlen vorliegen, wie viele Tonnen Cannabisblüten pro Jahr auf Kosten der Krankenkassen an die Patienten gebracht werden. Die Anfrage konnten weder der GKV-Spitzenverband, noch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) beantworten. Ebenso ahnungslos zeigt sich das BfARM, was wieder einmal mehr den Verdacht aufkommen lässt, dass die Bundesopiumstelle im verschlafenen Bonn eine Schlafstelle für alimentierte Schlafmützen sein könnte.

 

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Fred
Fred
3 Jahre zuvor

Hier mein Vorschlag zur Kostensenkung : LEGALISIEREN !

R. Maestro
R. Maestro
3 Jahre zuvor

Die sollen sich nicht so haben. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein,
im Gegensatz dazu, was die Schulmedizin kostet.
Vom Nutzen, gar nicht zu sprechen.
Tut was weh, nimm ne Pille. Schmerzt etwas anderes daraufhin, nimm ne Pille.
Falls es daraufhin weitere Probleme gibt, kriegst `ne Pille, usw, usf. …..
Man probiert und riskiert erst einmal alle heftigsten Nebenwirkungen, bis man das leichteste Mittel probiert. Auch nur dann, wenn die Halbgötter in weiß (Ärzte) mitspielen.
Ein Selbstläufer. Zu oft auf Kosten der Gesundheit.
Aber das liebe Geld ……
Unsere Schulmedizin ist asozial,
unsere Drogenpolitik, naja, die Gedanken sind frei.
Vielleicht auch nicht mehr lange. 🙁

Rainer Sikora
Rainer Sikora
3 Jahre zuvor

Das Zeug, daß man verflucht auch noch zu bezahlen, ist zuviel.Ist ja eigentlich auch verboten.

buri_see_käo
buri_see_käo
3 Jahre zuvor

Kosten, egal ob für Pillepallemedizin oder Kifferjagd sind in DE kein Argument, wird’s ja doch dem Michel aus der Tasche gezogen. Ich kaufe z.B. die vom Arzt verschriebene Malaria-Prophylaxe vor Ort (in den Tropen). Wegen Dengue-Fieber musste ich mich dort auch schon in Behandlung begeben. Das ist besser, als wie Seehofer Malaria unbehandelt zu lassen, um nach einem 3-monatigen Krankenhausaufenthalt wegen dadurch verursachter Herzmuskelentzündung mit von schwarz zu weiss gewandelter Haarpracht, und (seitdem, war Ende des letzten Jahrhunderts) mit einigermaßen fusselköppigem Gerede sich der Welt zu präsentieren. Soviel dazu. Am Geld liegt es also nicht, aber ein überhöhtes Arbeitsaufkommen könnte bei der Polizei die Inanspruchnahme von externen Mitarbeitern zur Folge haben, als Hanffundstellensachverständiger könnte ich schon helfen.

Harald
Harald
3 Jahre zuvor

Der Schuss ging ja wohl nach hinten los. Der Gedanke war doch wohl am Anfang ” Wir geben diesen Idioten, ein Zuckerchen, damit sie Ruhe geben.” Aber plötzlich merkt auch Otto-Normal-Verbraucher, dass Cannabis besser ist als die Chemie mit der sie dich für ein Schweinegeld langsam umbringen! Wie gern würden sie die Uhr wieder zurückdrehen, aber es ist zu spät! Und die Welt dreht sich weiter und ist nicht untergegangen, so ein Pech aber auch. Gröhe das steht als dickes Minus in deiner Akte! 🙂

Ralf
Ralf
3 Jahre zuvor

2,3 Mio Ausgaben bei 37,7 Mrd. Einnahmen sind nur 0, 06 Promille bzw. 0,006 Prozent.
Das ist GAR NICHTS.
Lasst euch nicht vera..schen.
Die wollen HANF verhindern, egal wie – vor allem durch Fake.

R. Maestro
R. Maestro
3 Jahre zuvor

“Bereits im Jahr 1974 (!) wurde durch Forscher am Medical College in Virginia belegt, dass THC in Mäusen das Wachstum von Lungen- und Brustkrebs sowie bei einer bestimmten Leukämieform verlangsamt. Diese Studie wurde damals von der US-Gesundheitsbehörde finanziert. Das Ergebnis war für die Behörde ein unerwartetes, man hoffte nämlich mittels der Studie beweisen zu können, dass Cannabis das Immunsystem schädigt….”

Die Quelle bzw. der gesamte Artikel:
https://www.gute-nachrichten.com.de/2012/08/gesundheit/cannabis-verhindert-wachstum-von-krebszellen/

Und so etwas bei einer Drogenbeauftragten, die immer die Gesundheit im Blick hat?!
Ein weiterer Beweis für ihre Glaubhaftigkeit.
Gibt man als Suchbegriffe:THC Krebs 1974, ein, erscheinen massenweise ähnlicher Artikel!
Grummel, Frust, Hass.

Ralf Schink
Ralf Schink
3 Jahre zuvor

13 Jahre Fentanyl überlebt zu haben … statistisch schön äußerst unwahrscheinlich … insgesamt 13 heftigste andere Präparate verordnet bekommen … 3mal 3 Monate “modernste Medikamente für rund 1000€ pro Spritze pro Woche… Wirkungen? Nebenwirkungen! Aber was für welche … nun gibt’s endlich THC zu klein dosiertem Morphium und es läuft … vor 2 Jahren nahm man mir noch den Führerschein… nun ist es endlich Medikation und trotz 90% Apothekeraufschlag dennoch wesentlich günstiger

Otto Normal
Otto Normal
3 Jahre zuvor

Jens Spahn, Gesundheitsminister ohne Fähigkeitsnachweis, ist Hauptverwantwortlicher in der gesamten Sache. Er sondert nur blöde Sprüche ab ist aber ansonsten unfähig und untätig. Allerdings gibt es eine Eigenschaft in der er unerreicht ist: seine grenzenlose Arroganz! Das die Beamten des Ministerium so verschlafen erscheinen kommt nicht von ungefähr. Der Fisch stinkt immer vom Kopfe her. Tretet Jens zurück und macht aus ihm wieder einen unbedeutenden Abgeordneten (oder besser noch schickt ihn für 5 Jahre in Harz4) und setzt dort einen Mann hin der etwas von dem Handwerk versteht und das Problem ist gelöst. Jens Spahn ist selber das Problem und kann deshalb niemals zur Lösung beitragen. Entfernt ihn möglichste schnell von diesem wichtigem Amt bevor er genauso viel Schaden anrichtet… Weiterlesen »

Ralf
Ralf
3 Jahre zuvor

@Ralf
2,3 Mio Ausgaben bei 37,7 Mrd. Einnahmen sind nur 0, 06 Promille bzw. 0,006 Prozent.
Das ist GAR NICHTS.
Dazu sagt der andere Ralf ergänzend: Dem gegenüber stehen 28 000 000 000 (Milliarden das sind 2/3 der Einnahmen) Kosten durch den Alkohol. 2,3 Millionen sind da weniger als gar nichts.

Ralf
Ralf
3 Jahre zuvor

Es ist eine kleine Korrektur meiner Zahlen nötig. Ich habe versehentlich das Nikotin vergessen und alle Kosten dem Alk aufgebrummt, das ist natürlich nicht korrekt, wenn auch für uns unerheblich. Zusammen kommen beide (“Rausch”)Gifte auf fast 200 000 Tote pro Jahr das sind bei 1 Million die jährlich in D sterben ca. 20%, durch Alkohol 7,3% durch alle kriminalisierten Drogen zusammen 0,6%, Cannabis 0%.

Greenkeeper
Greenkeeper
3 Jahre zuvor

Wenn man ein Gut künstlich verknappt, weil man offensichtlich generell ein Akzeptanzproblem mit diesem Gut hat, dann braucht man sich über hohe Preise nicht wundern. Erst wenn man die Legitimität von Cannabisprodukten ohne Murren akzeptiert und einen freien und fairen Anbieterwettbewerb zulässt, werden die Preise sinken. Das Problem mit der richtigen Umsetzung der neuen Gesetzeslage wird sich erst lösen können, wenn die Politik ihr gestörtes Verhältnis zum Hanf endlich klärt.