Sonntag, 20. Mai 2018

Feuer auf Marlene Mortler

 

Beitrag von Hans Cousto

Mortler steht in Flammen

 

Hintergründe zu Mortlers Fake News

 

In der Februarausgabe des Hanf Journals wurde berichtet, dass am 14. Dezember 2017 der jährlich erscheinende „Bericht zur Drogensituation in Deutschland“ der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) mit den Daten für das Jahr 2016 veröffentlicht wurde. Das Standardwerk zur Situation illegaler Drogen in Deutschland liefert in acht thematisch in sich geschlossenen Kapiteln umfangreiche Informationen zu den verschiedenen Aspekten des Phänomens illegale Drogen in Deutschland. In dem Kapitel „Drogenmärkte und Kriminalität“ sind unter anderem die durchschnittlichen Preise und Reinheitsgehalte der gängigen Drogen, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind, aufgelistet.

 

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), gab am selben Tag zu diesem Anlass eine Pressemitteilung heraus, die unter dem Titel „Drogenpolitik bleibt zentrale Aufgabe für Bund und Länder – Vorstellung des Jahresberichts zur Situation illegaler Drogen in Deutschland 2017“. In dieser Pressemitteilung ging die Drogenbeauftragte auch auf die Reinheits- respektive Wirkstoffgehalte ein. So heißt es wörtlich in dieser Pressemitteilung: „Der markanteste Anstieg von Wirkstoffgehalten ist in diesem Jahr aber bei den Amphetaminen zu verzeichnen: von 2015 auf 2016 hat er sich vervierfacht. Für MDMA lässt sich eine Verdopplung des Wirkstoffgehaltes verzeichnen.

 

Diesen Satz entnahm die Drogenbeauftragte dem Kurzbericht (der Zusammenfassung) der DBDD zu den acht Kapiteln des gesamten Jahresberichtes. Verantwortlich hierfür zeichnen: Tim Pfeiffer-Gerschel, Esther Dammer, Daniela Piontek und Loretta Schulte (IFT Institut für Therapieforschung); Maria Friedrich (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) und Gabriele Bartsch (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen). Die Drogenbeauftragte hat offensichtlich nur den Kurzbericht gelesen und nicht den ausführlichen Bericht. Hätte sie den ganzen Bericht gelesen, hätte sie gemerkt, dass diese Angaben falsch sind.

 

In dem Kapitel „Drogenmärkte und Kriminalität“ steht, dass im Vergleich zum Vorjahr der Wirkstoffgehalt von Amphetamin gesunken ist, von 14,6 % auf 13,8 %. Die hier zitierten Angaben aus der Pressemitteilung der Drogenbeauftragten wie im Kurzbericht sind sachlich falsch und irreführend. Solche Falschmeldungen nennt man heute Fake News.

Auch die Behauptung, dass sich der Wirkstoffgehalt in Ecstasytabletten von 2015 auf 2016 verdoppelt habe, muss als Fake News klassifiziert werden. Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt von Ecstasytabletten ist zwar gestiegen, jedoch nur um 23,4 % und nicht um 100 %, wie die Drogenbeauftragte in der Pressemitteilung und die DBDD in ihrem Kurzbericht ihren Leserinnen und Lesern suggerieren. Im Jahr 2016 enthielten Ecstasytabletten in Deutschland durchschnittlich 137 Milligramm MDMA-Hydrochlorid, im Jahr davor waren es nur 111 Milligramm.

 

Amtliche Fake News zum Thema Drogen und deren Wirkstoffgehalte haben in Deutschland eine lange Tradition.

 

Zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde immer wieder von Polizeipräsidenten und Regierungsvertretern behauptet, die bösen Drogenhersteller würden den Ecstasytabletten Heroin zufügen um die Konsumenten süchtig zu machen. Dann startete im Februar 1995 das Drug-Checking-Programm von Eve & Rave Berlin. Das Programm lief bis September1996. In keiner der untersuchten Pillen wurde Heroin gefunden. Die Behauptung der von den Polizeipräsidenten und Regierungsvertretern kolportierte erwies sich als Mythos respektive als reine Propagandalüge.

Zur Love Parade im Juli 2001 wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) die Website www.drugcom.de freigeschaltet. Die Tatsache, dass „drugcom“ vor allem verunsichern und überhaupt nicht aufklären wollte, konnte man deutlich am Beispiel der gegebenen Informationen betreffend Streckmitteln in Ecstasypillen sehen. Unter dem Zwischentitel „Zusammensetzung der Pille“ konnte man folgendes lesen:

 

Analysen haben gezeigt, dass die Pillen praktisch nie reines MDMA enthalten. Im günstigsten Fall sind noch andere entaktogen wirkende Substanzen enthalten, oft aber auch Speed, meistens noch andere Verschnittstoffe.“

 

Das BKA meldete demgegenüber im Rauschgiftjahresbericht 2000 auf Seite 91 folgende Zahlen betreffend Reinheitsgehalte von Ecstasypillen und Kapseln:

Für insgesamt 935.186 Tabletten und Kapseln – im Folgenden als Konsumeinheiten (KE) bezeichnet – wurden die Wirkstoffgehalte mitgeteilt. 92,7 % der Konsumeinheiten enthielten einen psychotropen Wirkstoff (Monopräparate), während bei 7,3 % zwei und drei Suchtstoffe festgestellt wurden (Kombinationspräparate).

 

Von den 852.736 Monopräparaten enthielten 98,4 % 3,4-Methylendioxy-methamphetamin (MDMA), 1,2 % Amphetamin und die verbleibenden 0,4 % Methamphetamin, 3,4-Methylendioxy-N-ethylamphetamin (MDE), 4-Brom-2,5-dimethoxy-amphetamin (DOB), 4-propylthio-2,5-dimethoxyphenethylamin (2C-T-7) und 3,4-methylendioxyamphetamin (MDA).“

 

98,4 Prozent aller Monopräparate respektive 91,2 Prozent aller untersuchten Proben aus dem Jahr 2000 enthielten gemäß BKA ausschließlich den Wirkstoff MDMA. Demzufolge war die Angabe bei „drugcom“, dass Analysen gezeigt hätten, dass die Pillen „praktisch nie“ reines MDMA enthalten, falsch. Auch die Formulierung „Im günstigsten Fall sind noch andere entaktogen wirkende Substanzen enthalten, oft aber auch Speed, meistens noch andere Verschnittstoffe.“ bei „drugcom“ waren genauso wirklichkeitsfremd. Bei „drugcom“ waren 91,2 Prozent „praktisch nie“, 1,2 Prozent „oft“ und 0,4 Prozent „meistens“ (die 7,3 Prozent der Kombinationspräparate sind in den letztgenannten Zahlen nicht berücksichtigt, wobei der gewichtigste Anteil bei diesen Zubereitungen die Kombinationen verschiedener entaktogener Wirkstoffe darstellte).

 

Die Analyse der Angaben bei „drugcom“ offenbarte, dass dieses Projekt der BzgA sich auf dem Niveau der übelsten polemischen Artikel der Boulevardpresse bewegte. Als Aufklärung kann man das beim besten Willen wirklich nicht bezeichnen. Ja, falsche Angaben zu den Wirkstoffgehalten in auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Drogen seitens regierungsamtlicher Quellen haben in Deutschland eine lange Tradition.

Drug-Checking-Programme schaffen Klarheit über die Zusammensetzung der Drogen, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind. Doch davon will die Drogenbeauftragte nach wie vor nichts wissen, damit sie weiter Fake News verbreiten kann. Auf ihrer Website www.drogenbeauftragte.de findet man keine Hinweise und Informationen zum Thema Drug-Checking. Gleiches gilt für den redaktionellen Teil von „drugcom“. Der Begriff Drug-Checking erscheint auf der Website von „drugcom“ nur in einem Leserkommentar sowie in einer Zusammenfassung der Diskussion der Arbeitsgruppe „Szeneinitiativen als integraler Bestandteil des regionalen Drogenhilfesystems“ (verfasst von Markus Hückelheim und Rüdiger Schmolke für eclipse e.V.).

 

Das Thema Drug-Checking wurde und wird sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene in den Parlamenten und Ausschüssen immer wieder diskutiert. Doch die Drogenbeauftragte wie auch „drugcom“ vermitteln hierzu keine Informationen. Das nennt man Informationsunterdrückung – im Volksmund „Lückenpresse“ genannt.

Um die Glaubwürdigkeit staatlicher Informationsquellen wieder herzustellen, ist für die Drogenbeauftragte Marlene Mortler akuter Handlungsbedarf angezeigt. Sie muss dafür sorgen, dass staatliche respektive amtliche Informationsquellen keine Fake News mehr verbreiten und dass nicht bestimmte relevante Informationen ausgeblendet werden. Drug-Checking-Angebote gibt es inzwischen in 20 Ländern – die Drogenbeauftragte meidet jedoch das Thema wie der Teufel das Weihwasser und verbreitet lieber Fake News.

4 Antworten auf „Feuer auf Marlene Mortler

  1. Ewa

    Kam eigendlich einmal die Wahrheit aus Mortlers Mund? Kann mich nicht erinnern…
    Vlt ist die Frau nur so dumm das sie ihre eigenen Lügen glaubt? IQ kurz über Toastbrot…

  2. Hu-210

    CDU Deutschland lebt auf Pump , genau wie ein Spielsüchtiger Alkoholiker und Marlene Mortler macht mit . Dank Korrupter Exikutive und ohne Jugendbewegung , fühlen sich Krimminelle Politiker sicher und machen Party auf Staatskosten .

  3. R. Maestro

    Wiederholt sich da ein Stück Geschichte?
    Heil (Mor)tler.
    Pfui Teufel.

  4. Ralf

    Die ist mir normalerweise nicht mal ein Kommentar wert. Ich hoffe nur daß ich in meinem Leben nur einmal die Gelegenheit kriege, mich bei ihr und ihren Vorgängern für alles, was mir ihre Schergen angetan haben, persönlich zu danken!

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