Montag, 19. März 2018

CBD in der Medizin

 

Möglichkeiten der Behandlung mit Cannabidiol 

 

 

 

Autor: Su

 

Fast täglich erscheinen mittlerweile Berichte zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei der  medizinischen Verwendung von Cannabinoiden. Eine besondere Rolle spielt dabei das nicht psychoaktive Cannabinoid CBD (Cannabidiol), welchem neben entzündungshemmenden, entkrampfenden und angstlösenden Wirkungen noch eine Reihe weiterer Einsatzgebiete zugeschrieben werden. Da es auch nicht den gleichen strikten rechtlichen Einschränkungen wie THC unterliegt, findet CBD eine immer stärkere praktische Verwendung. Auch die WHO hat anerkannt, dass Cannabidiol ein hohes Nutzpotential birgt und nicht als Droge eingestuft wird. Eines sei hier allerdings auch erwähnt – CBD ist keinesfalls ein Wundermittel oder gar der heilige Gral, mit dem auf einmal alles kuriert werden kann. Wir wollen Euch einen zusammenfassenden Überblick über das komplexe Thema vermitteln und einige Möglichkeiten der Behandlung von Krankheiten mit Cannabidiol vorstellen.

 

Was ist CBD und wie wirkt es auf den Körper?

 

Cannabidiol, kurz CBD ist ein nicht psychoaktives, pflanzliches Cannabinoid. Es kommt vor allem im Faserhanf vor. Die Wirkungsmechanismen des CBD auf den Körper sind sehr vielfältig und nur teilweise untersucht. Zudem sind sie derart komplex, dass sie sich nur ansatzweise und sehr grundlegend im Rahmen dieses Artikels beschreiben lassen.

Die wohl bekannteste Wirkung von CBD ist die des Hemmens der psychoaktiven Effekte von THC. Cannabidiol kann aber noch viel mehr. Es wirkt  in höheren Dosen beruhigend, angstlösend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, antiepileptisch, antipsychotisch und sogar Augeninnendruck senkend. Es gibt bereits über zehn verschiedene bekannte Wirkmechanismen, von denen die wichtigsten hier kurz vorgestellt werden sollen.

 

Beeinflussung verschiedener Rezeptoren, wie dem CB1-Rezeptor

 

CBD wirkt auf den Organismus indem es nicht nur mit den, unseren Lesern gut bekannten Cannabinoid-Rezeptoren interagiert, sondern auch mit verschiedenen anderen Rezeptoren, mit solch klingenden Namen wie Vanilloid-Rezeptoren oder 5-HT1-Rezeptoren – dazu aber später mehr. Diese Interaktion des CBDs mit den Rezeptoren sorgt für eine Vielzahl von komplexen Wirkmechanismen. Rezeptoren sind Schaltstellen im Körper, an welche verschiedene Substanzen wie Medikamente andocken können und so ihre Wirkung entfalten. An diese Rezeptoren docken auch die Cannabinoide der Cannabispflanze an. Schauen wir uns zuerst die Interaktion mit dem Endocannabinoidsystem näher an.

Das Endocannabinoid-System ist ein Teil des Nervensystems und besteht aus Rezeptoren, die unter anderem die Stimmung, den Appetit, die Verdauung sowie Schmerzzustände steuern. Die beiden bekanntesten Cannabinoid-Rezeptoren sind der CB1 und der CB2-Rezeptor. Der CB1-Rezeptor findet sich vorwiegend in Nervenzellen und zählt zu den häufigsten Rezeptoren im Gehirn. Er kommt aber auch im Darm und anderen Organen des Körpers vor. Der CB2-Rezeptor findet sich vor allem auf den Immunzellen. Das CBD bindet schwach an die CB1- und CB2-Rezeptoren und wirkt dort blockierend.  Dies führt dann beispielsweise, in Interaktion mit dem CB1-Rezeptor, zur bereits erwähnten bekanntesten Wirkung von CBD  – dem Hemmen der psychoaktiven Effekte von THC.

 

Beeinflussung des Vanilloid-Rezeptors TRPV1

Der Name Vanilloid-Rezeptor leite sich tatsächlich von der Vanilleschote ab. Dieser Rezeptor ist eine Bindungsstelle für die scharfen Inhaltsstoffe von Pfeffer, Paprika und Chili. Außerdem wird er als Schmerzrezeptor auch durch erhöhte Temperaturen über 43°C aktiviert – dies erklärt die ähnliche Qualität der Empfindungen für „heiß“ bzw. „scharf“. Wegen seiner Rolle bei der Schmerzwahrnehmung gilt TRPV1 als wichtiger Ansatzpunkt bei der Entwicklung neuer Schmerzmittel.  

Der Vanilloid-Rezeptor TRPV1 wird ebenfalls durch CBD stimuliert. Cannabidiol bindet an den Rezeptor und wirkt dadurch auf die Körpertemperatur und die Schmerzwahrnehmung. Die Stimulierung des Vanilloid-Rezeptors könnte somit zu den schmerzhemmenden Wirkungen des CBDs beitragen.

 

Beeinflussung von Serotonin-Rezeptoren

 

Serotonin-Rezeptoren sind in hoher Dichte im Zentralnervensystem, im Magen-Darm-Trakt, im Herz-Kreislaufsystem und im Blut zu finden. Cannabidiol stimuliert den sogenannten 5-HT1A-Rezeptor, der zu dieser Gruppe gehört. Der 5-HT1A-Rezeptor ist unter anderem für die Regulierung der Körpertemperatur, der zentralen Blutdruckregulation sowie für die Signalweiterleitung verantwortlich. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung zentralnervöser Erkrankungen, wie  Angstzustände und Depressionen.

Die Aktivierung des Rezeptors wirkt potentiell angstlösend. Auch andere CBD-Wirkungen werden auf die Aktivierung dieses Rezeptors zurückgeführt: Neuroprotektive und antidepressive Effekte, Wirkungen auf das Suchtverhalten, den Appetit, den Schlaf, die Schmerzwahrnehmung sowie auf Übelkeit und Erbrechen.

 

CBD beeinflusst noch viele weitere Rezeptoren, wie den Andenosin-Rezeptor P1 oder den GPR55-Rezeptor, bindet an den Nucleosid-Transporter-1, Hemmt die Hydrolyse von Anandamid und ist ein wirkungsvolles Antioxidantium. Klingt zunehmend kompliziert und ist es auch. Cannabidiol wirkt sich, zusammenfassend gesagt, in sehr komplexer Weise auf ganz unterschiedliche Bereiche im Körper aus. Daraus ergeben sich allerdings auch die vielen unterschiedlichen, möglichen Anwendungsgebiete von CBD in der Medizin. Die Liste ist lang und im Folgenden werden daher nur einige Einsatzmöglichkeiten näher vorgestellt, auch um die vorher beschriebenen Interaktionen mit den Rezeptoren zu veranschaulichen.

 

Medizinische Verwendungsmöglichkeiten von CBD

 

Folgende medizinische Einsatzgebiete kommen für CBD in Frage:

 

1. Entzündungen

 

In einer Reihe von Tierversuchen, wie Beispielsweise in einer 2012 im European Journal of Pharmacology veröffentlichten Studie (Ribero et al. 2012) an Mäusen wurden die anti-entzündlichen Effekte von Cannabidiol  bestätigt. Die Forscher fanden heraus, dass dies vor allem an der Interaktion des Cannabidiols mit den Andenosinrezeptoren des Körpers liegt. Andenosinrezeptoren regulieren Herz-Kreislauf-Funktionen, spielen im Zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle und setzen entzündungshemmende Substanzen im Körper frei. Indem CBD diese Rezeptoren aktiviert, kommt es im Versuch zu einer Verminderung der Entzündung.

CBD bindet zudem im Körper an den sogenannten GPR-55 Rezeptor. Dies ist ein weniger bekannter Cannabinoid-Rezeptor des Endocannabinoidsystems. Die Interaktion mit diesem Rezeptor trägt  vermutlich zur entzündungshemmenden Wirkung bei, worauf einige Forschungsergebnisse hinweisen.

Diese entzündungshemmende Wirkung von CBD kann bei der Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen sowie neuropathischer Schmerzen helfen.

 

2. Schmerzen

 

Das CBD bei entzündlichen Schmerzen Wirksam sein kann ist aus der entzündungshemmenden Wirkung logisch erklärbar. CBD bindet an den Vanilloid-Rezeptor TRPV1. Dieser Rezeptor spielt wie bereits beschrieben bei der Schmerzwahrnehmung eine wichtige Rolle. Die Interaktion mit dem Vanilloid-Rezeptor kann also zur Schmerzhemmenden Wirkung von CBD beitragen.

 

3. Angststörungen

 

CBD wirkt angstlösend, was Versuche am Tier und Menschen bestätigen. Die Wirkung von CBD am 5-HT1A-Rezeptor verursacht dabei angstlösende, neuroprotektive und antidepressive Effekte. In einer 2011 durchgeführten Studie wurde beispielsweise Untersucht wie sich die Einnahme von CBD auf die Angst vor dem öffentlichen Redenhalten bei an einer Angststörung leidenden Probanden auswirkt.  Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, das die Gabe von Cannabidiol die Angstgefühle während und vor dem Redehalten signifikant verringerte.

 

Forschungsergebnisse zeigen des Weiteren eine mögliche Wirksamkeit bei folgenden Gebieten auf:

 

-Suchterkrankungen

-Übelkeit und Erbrechen

-Hemmung des Appetits

-Bewegungsstörungen (Dyskinesie, Dystonie)

-Schizophrene Psychosen

-Epilepsie

-Durchblutungsstörungen

-Diabetes

-Schlaf

-Krebs

-BSE

-Alzheimer

-Morbus Parkinson

-Hepatitis

-Leber und Hirnschädigungen

-Blutvergiftung

-Verbesserung der Knochenheilung

-Hautkrankheiten

-Allergien

-Asthma

-Malaria

 

Es gibt zudem Hinweise auf eine Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten. Meist sind diese allerdings kaum erforscht und noch ist der Wirkmechanismus von Cannabidiol nicht vollständig entschlüsselt. Die meiste Forschung zu CBD fand lediglich an Zellkulturen oder im Tierversuch statt.  Daraus lässt sich zwar Grundlegendes ableiten aber um wirkliche Aussagen zu treffen ist noch einiges an Arbeit nötig.

 

Quellenangaben und Weiterführende Links zum Thema:    

 

Besonders nahe legen möchten wir Euch zu diesem Thema das Buch: Cannabidiol. CBD. Ein cannabishaltiges Compendium“, von Dr. MED. Franjo Grotenhermen, Markus Berger und Kathrin Gebhardt. Erschienen im Nachtschattenverlag.

 

https://hanfjournal.de/2015/12/12/der-kurs-zu-cannabis-als-medizin-teil-2/

https://de.wikipedia.org/wiki/Transient_Receptor_Potential_Vanilloid_1

https://de.wikipedia.org/wiki/5-HT-Rezeptor

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014299912000052?via%3Dihub

https://en.wikipedia.org/wiki/Cannabidiol

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21307846

 

Dieser Beitrag darf auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Die enthaltenen Informationen sollten nicht dazu verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen.

 

Eine Antwort auf „CBD in der Medizin

  1. Urs

    Ich bin mittlerweile überzeugter und regelmässiger Konsument von CBD-Öl und gelegentlich vaporisiere (verdampfe) ich auch CBD-Hanfblüten. Ich kann die Wirkung von CBD, vor allem auf die Schlafqualität und auf die angstlösende Wirkung voll und ganz bestätigen.
    Mit zunehmenden Alter leide ich auch immer öfter unter sogenannten Extrasystolen (Herzstolpern). Ich bin der Ansicht, dass sich der regelmässige Konsum von CBD bei mir auch sehr positiv auf das nervende Gestolper auswirkt oder zumindest um einiges erträglicher macht.
    Manchmal habe ich das Gefühl, dass all die schulmedizinischen Behandlungen, die ich über die Jahre über mich ergehen lassen musste, mich nur noch kränker und vor allem anfälliger gemacht haben.
    Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich bin und bleibe ein überzeugter Konsument von CBD und hoffe, dass auch endlich der gesamte Cannabis Markt liberalisiert wird.

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