Donnerstag, 18. Januar 2018

700 Kilometer für eine Dose medizinisches Cannabis

 

Probleme bei der Patientenversorgung halten aufgrund „hastig verfassten Gesetzes“ an.

 

 

Obwohl das Medizinalhanfgesetz seit Inkrafttreten am 10. März 2017 dafür sorgte, dass ungefähr 13000 in Deutschland lebende Personen ein Rezept für eine alternative Arzneimittelversorgung innerhalb des vergangenen Jahres erhalten konnten, reichte die Voraussicht der verantwortlichen Gesetzgeber weder so weit, die hohe Zahl Patienten vorauszusagen, noch für alle Kranken genügend gesundes Marihuana längerfristig vorrätig parat zu haben. So kann es heute noch passieren, dass manch verzweifelter Rezeptinhaber aufgrund der mangelhaften Versorgungslage 700 Kilometer für eine Dose medizinisches Cannabis überwinden muss, damit er seine Krankheitssymptome, wie verschrieben, eindämmen darf.

 

Die Engpasssituation in der medizinischen Cannabisversorgung, welche die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bereits im vergangenen August bestätigte, scheint noch nicht überwunden. Als „grüner Flop“ wird die gesetzlich geschaffene Lage der Cannabispatienten bezeichnet, die für große Unsicherheiten und zögerliches Handeln in allen Bereichen verantwortlich scheint. Denn während manch glücklicher Berliner Schwerstkranker endlich verdient die Freude über wiedererlangte Mobilität mit dem einfachen Wort „Geil“ beschreiben kann, müssen andere Patienten aus dem Süden beschriebene Odysseen auf sich nehmen, damit alte Krankheitsbilder nicht schmerzhaft ihre Rückkehr feiern. Neben der schwer einzuschätzenden Versorgungslage – bei der Bestellungen aus dem Ausland schon einmal ein halbes Jahr in Anspruch nehmen können sollen – bleibt auch die Überzeugung der benötigten Mediziner noch hinter den erhofften Erwartungen. Während viele Ärzte noch oft ein hedonistisches Vergnügen bei dann sofort unter anderen Augen betrachteten Langzeitpatienten vermuten, scheuen andere Mediziner laut Aussagen eines Münchner Facharztes drohenden Regress seitens der Krankenkassen. So könnten Ärzte nach Schnittmengenvergleichen mit Kollegen zur Rückzahlung der Medikamentenausgaben gezwungen werden, die nach gewisser Anhäufung den eindeutigen Bankrott des angeprangerten Mediziners bedeuten würden.

Kirsten Müller-Vahl, eine Neurologin und Psychiaterin, die an der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet und zum Gesetzgebungsprozess den zuständigen Ausschuss im Vorfeld als Sachverständige beriet, sieht nachträglich die klaren Defizite des Gesetzes, das wohl aufgrund eines bestehenden Zeitdrucks zu wage formuliert worden sei. Da ein Cannabispatient zuvor noch bei Gericht das Recht zugesprochen bekam, daheim für sich Marihuana anzubauen, reagierte man seitens des Bundesgesundheitsministeriums etwas vorschnell, was nun neben der unsicheren Versorgung auch dafür sorgte, dass sich die Preise des noch zwingend zu importierenden Cannabis für alle Krankenkassen sowie Privatpatienten manchmal verdoppelten – von denen Letztere dann teils sogar ihre vorher noch gültige Ausnahmegenehmigung verloren, sich überhaupt mit der Naturmedizin legal zu behandeln …

 

Da dazu der Anbau der gefragten Arznei hierzulande nur unter widrigsten Umständen ermöglicht wird, dürfte das gesamte Versagen der Regierung spätestens dann ersichtlich werden, wenn sich letztendlich selbst Landwirtschaftskammern über das einem Schildbürgerstreich ähnelnde Regelwerk der gesetzlich erlaubten Marihuanaproduktion beklagen.

 

Kassen, Ärzte, Apotheker, Patienten, Bauern – alle empört.

5 Antworten auf „700 Kilometer für eine Dose medizinisches Cannabis

  1. Karin

    Das sind keine „Engpässe“ wenn ich 8 Monate(!) auf meine Medikamente warten muss (Sorte: Penelope Ende März verschrieben, Ende November geliefert), das sind Ausfälle! Engpass bedeutet für mich es ist kurzzeitig zuwenig da und nicht monatelang gar nichts! Von 405g die mir 2017 verschrieben wurden, konnte man gerade mal 205g liefern. Reaktion in der Apotheke: „Teilen Sie sich das doch besser ein!“ Sagen die das zu Diabetikern auch? „Wir haben nicht genügend Insulin, sie sollten ihre Monatsration auf 3 Monate strecken.“

  2. Ewa

    Wenn du Cannabis mit mehr CBD wie THC möchtest vlt bestellst du dir etwas legales im Internet?

  3. Rainer Sikora

    Es wurde eben nicht viel nachgedacht,als die Anbauerlaubnis verhindert werden mußte.Schneller als ein Sinneswandel.

  4. Frank

    Die, die sich das ausgedacht und beschlossen haben, die soll der Blitz, beim Scheißen treffen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.