Dienstag, 31. Oktober 2017

Museumsausstellung thematisiert Cannabis-Dealer

 

Berliner Ausstellung beleuchtet Überlebenskampf von Flüchtlingen, die im öffentlichen Raum mit Cannabis und Drogen handeln

 

 

Cannabis
Bild: Archiv / Schmiddie

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Es gibt viele Möglichkeiten, in einem reichen Land wie Deutschland als Hungerleider zu überleben. Die einen sammeln Pfandflaschen und Zigarettenstummel, die anderen verkaufen ihre Körperöffnungen oder betätigen sich als Bettler. Dank der Cannabisprohibition kann man sich aber auch bei der Polizei als Straßendealer registrieren lassen und sich zugleich sozial engagieren. Und dieses soziale Engagement ist in einer Stadt wie Berlin unverzichtbar, denn ohne die „unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum“ arbeitenden Cannabisfachhändler wäre die Partystadt so öde wie ein Supermarktparkplatz nachts um halbeins. Was in Amsterdam legal über den Verkaufstresen der Coffeeshops geht, muss in Berlin heimlich unter der Hand an den Kunden gebracht werden – und die Nachfrage ist höher als das Angebot. Dieses illegale Gewerbe ist wie geschaffen für Leute, die außer der nackten Haut nichts mehr zu verlieren haben. Kein Wunder also, dass der Cannabisstraßenfachhandel seit mehr als einem Jahrzehnt sein Verkaufspersonal in Flüchtlingsunterkünften rekrutiert.

 

Die Berliner Ausstellung „Andere Heimaten – Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks“ beleuchtet nun das Elend dieser Menschen, die überwiegend aus Afrika stammen und in den Berliner Innenstadtbezirken die Grundversorgung mit dem Genussmittel Cannabis gewährleisten. Die Ausstellungsmacher wollen hinter das Klischee „Dealer gleich Afrika“ sehen und die menschlichen Seiten des „Problems“ darstellen. Nicht die Frage über den Irrsinn der Cannabisprohibition steht im Fokus der Museumsausstellung, sondern der lange Weg der afrikanischen Flüchtlinge nach Europa, der oftmals am Eingang zum Görlitzer Park endet.

 

„Schwarze Menschen sind zum Sinnbild der Drogenverkäufer im öffentlichen Raum geworden“, beschreibt die Website des Friedrichshain-Kreuzberg Museums die Ausgangslage. Der Dealer sei „für die Öffentlichkeit, Politik und Medien (…) Sündenbock und Projektionsfläche für kollektiven Hass. Hass auf Drogenverkäufer, Hass auf schwarze Menschen und die ewigen Widersprüche der Drogenpolitik.“ Die Ausstellung will dazu anregen, sich dem „Problem“ aus einer anderen Perspektive zu nähern, um so mehr Verständnis für die in der Zwickmühle steckenden Flüchtlinge zu entwickeln.

 

Dreizehn Silhouetten von stehenden Personen dienen als Ausstellungstafeln und zeigen jeweils Karten, Illustrationen und Texte über die Herkunft und die Migrationsroute eines afrikanisch stämmigen Drogenverkäufers. „Die Präsentationen konzentrieren sich auf die physische Landschaft des Herkunftsortes des Interviewten, sowie seine Bewegung als Körper durch den Raum“. Ergänzt wird die Ausstellung durch Interventionen, Vorträge und Diskussionen zu antirassistischen, postkolonialen und drogenpolitischen Themen.

 

Ziel der Ausstellung ist, die postkolonialen Abstraktionen unter der Überschrift „Afrika“ aufzubrechen und den Blick auf die Hassfigur „Drogendealer“ zu versachlichen. Die Künstler erläutern: „Abstraktionen von Afrika sind zumeist Schreckgespenster von Hungersnot, Krieg, Korruption und Armut oder stellen Afrika alternativ als Heimat von exotischen Kulturen und Traditionen dar, wodurch sie verhindern zu begreifen, dass jedes Individuum aus einem Ort kommt, der wie jeder andere, eine Heimat von Menschen ist.“

Zugleich will die Ausstellung auch den „Widerspruch zwischen dem akzeptierten (und legalen) Akt des Cannabis-Konsums und dem skandalisierten und kriminalisierten Akt des Verkaufs von Cannabis“ aufzeigen.

 

Initiiert wurde das Kunstprojekt von dem Konzeptkünstler Scott Holmquist, der schon die Marihuana-Produktion in Kalifornien begleitete und 2016 mit einem Antrag für ein Denkmal für Drogenverkäufer scheiterte. Sponsoren der Ausstellung sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken, das Hanf Museum, eine Firma für medizinisches Cannabis sowie die Turnschwestern und -brüder des Kreuzberger Fußballverein „THC Franziskaner“.

Die Ausstellung läuft vom 21. November bis 14. Januar und der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Di–Fr 12–18 Uhr und Sa–So 10–18 Uhr. Adresse: FHXB Museum in der Adalbertstrasse 95a.

 

 

Eine Antwort auf „Museumsausstellung thematisiert Cannabis-Dealer

  1. Ralf

    „Initiiert wurde das Kunstprojekt von dem Konzeptkünstler Scott Holmquist, der schon die Marihuana-Produktion in Kalifornien begleitete und 2016 mit einem Antrag für ein Denkmal für Drogenverkäufer scheiterte“.
    Danke Scott Holmquist. Ich hoffe ein solches Denkmal wird es eines Tages ganz offiziell geben. Einer der wenigen, der erkannt hat, wer die Täter (z.B. diejenigen die sich weigern ein solches Denkmal zu machen) und wer die Opfer sind. Diese Ausstellung würde ich gerne einmal sehen, da sie die Leiden der Opfer thematisiern und diejenigen anspricht die ihr Herz auf dem richtigen Fleck oder überhaupt eines haben.
    Übrigens der Sitz der Gefühle wie Empathie oder Mitleid ist im linken Schläfenlappen. Bei mindestens sieben% der Menschen ist dieser verkümert oder nur rudimentär vorhanden. Meine Theorie, diese offensichtlich menschlich behinderten Irren sind die Beherrscher der Welt, deswegen ist sie in einem solch desolaten, psychisch wie materiell verseuchten Zustand und wird keine Chance haben, solange es kein Mittel gibt, diese armseligen Kreaturen (wie z.B. diesen pseudopsychiater aus Hamburg oder diesen Staatsanwalt in Trier, die meisten wissen von wem ich rede) oder die Merkel und Konsorten von der Macht fern zu halten.

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