Sonntag, 3. September 2017

Lieferengpässe bei medizinischem Cannabis werden von der Bundesregierung bestätigt

 

Druck auf Kassen, Ärzte und Apotheken abwälzen.

 

 

Nachdem bereits die derzeitigen Lieferengpässe beim Medizinalhanfimport Mitte August von der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände bestätigt wurden, wurde nun auch seitens der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion der Mangel der gleichfarbigen Medizin eingeräumt. Die Lieferengpässe bei medizinischem Cannabis werden von der Bundesregierung bestätigt.

 

So sollen in der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf die Anfrage der Grünen die Worte gefallen sein, dass man davon Meldung erhalten hätte, gewisse Sorten medizinischen Cannabis aktuell nicht in genügendem Maße für die ärztlich attestierten Medizinalhanfpatienten in Deutschland parat zu haben. Einzelfälle. Den steigenden Zahlen der Krankenkassenmitglieder, die ihre Empfehlung für die Versorgung mit legalen Cannabisblüten nach dem Inkrafttreten des Medizinalhanfgesetzes von anerkannten Ärzten erhielten, kann dennoch nicht entsprochen werden, was Bundesgesundheitsminister Herman Gröhe dazu veranlasst, die Krankenkassen zu ermahnen. Das geschaffene Gesetz sei im Sinne der Patienten und Patientinnen umzusetzen, so wie von der Regierung vorgesehen, weshalb man die Entwicklung daher auch eng begleite. Das Ministerium habe die Spitzenverbände der Apotheken und Krankenkassen bereits auch schon dazu aufgefordert, über eine Preissenkung für medizinisches Marihuana zu verhandeln. Der Bundestagsabgeordnete Harald Terpe von den Grünen sieht dagegen auch bei den Ärzten Handlungsbedarf und meint, dass man notfalls das Gesetz verschärfen müsse, um den Medizinern und Krankenkassen ihre auferlegten Aufgaben nochmals nachhaltig nahezubringen. Das Parlament hätte zumindest diese Aufgabe zu erfüllen.
Nur 50 bis 60 Prozent der Anträge auf eine Medizinalhanfversorgung wurden bisher von den Krankenkassen akzeptiert, was die Kritik von politischer Seite im ersten Gedankengang verständlich machen könnte. Dass das Abwälzen des selbst verursachten Ärgers auf Ärzte, Apotheken und Kassen jedoch nur wenig an der komplett an das Ausland gebundenen Versorgungslage ändert – die bei lückenloser Antragsgenehmigung wohl komplett zusammenbräche – zeigt die unüberlegte Konstruktion des jungen Gesetzes aus den Händen einer versteinerten Regierung.

 

So wundert es auch nicht mehr länger, dass nach der gesetzlich geschaffenen Versorgungsnotlage mit medizinischen Cannabisblüten, sogar Richter immer häufiger ein Auge zudrücken, wenn ein im Stich gelassener Schmerzpatient seine Medizin auf eigene Verantwortung im Garten heimlich selbst anbaut.  Bis zu einer möglichen Komplettlegalisierung von Marihuana in circa zehn Jahren können viele der betroffenen Personen aus gewichtigen Gründen nicht mehr abwarten.

 

Wegen Ärzten, Apotheken, Krankenkassen – und natürlich auch Politikern.

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rainer sikora
rainer sikora
4 Jahre zuvor

Zu allererst müßte eine generelle Änderung der allgemeinen Einstellung gegenüber Cannabis erfolgen,bevor das Gesesetz greifen kann.Dafür müßte die Regierung sorgen, obwohl sie das gar nicht will.

Fred
Fred
4 Jahre zuvor

So ist das, wenn man mit der berühmten deutschen Gründlichkeit an so ein Projekt ran geht. Anstatt auf dem kleinen Dienstweg vorübergehend ein paar Gärtner mit der Erzeugung der nötigen Pflanzen zu beauftragen, um die Versorgung sicherzustellen, schafft man hier erst in aller Ruhe eine Behörde, veranstaltet dann für ein paar Kilo Gras eine europaweite Ausschreibung und wundert sich dann, das inzwischen die Nachfrage explodiert und mit den ursprünglichen Planung nichts mehr zu tun hat.

@Rainer Sikora, ich wäre ja beinahe froh wenn die Bande nur nicht wollte. Ich befürchte aber, das es sich hier um puren Dilenttatismus handelt. Pures Unvermögen, mal etwas vernünftig zu planen. Und es wäre ja nicht die erste Planung, die den Bach runter geht.

Ralf
Ralf
4 Jahre zuvor

Ich lach mich weg! Das hat doch nichts mit deutscher Gründlichket zu tun, sondern eher mit ideologischer Verblendung, von der ich genau weiß aus welchem Loch sie gekrochen ist!

U-G
U-G
4 Jahre zuvor

Eigentlich bin ich ja ein schraubfauler Typ, doch für eine Sache überzeugt, mit „Herzblut“. Die Freigabe! Aus dem Sport kann man vieles auf das „normale“ Leben ableiten. Bsp.: Ein Instinkt Fußballer oder in anderen Sportarten besteht ein Kollektiv. Als Spieler setzt man so gut wie möglich die Vorgaben des Trainers um. Dennoch wird man immer wieder im Dienst der Mannschaft stehen und mit das letzte „Raushauen“ um mit im „Kollektiv“ zu gewinnen. Zusammenhalt stärkt nicht nur das „Selbstvertrauen“, sondern bestimmt auch die „Richtung“. Ein „Team“, ein „Wert“, ein „Ziel“ um-und zu gewinnen. Gewinnen müssen wir nicht nur die Justiz, die keine Lust mehr hat, außer die ausführenden Beamten=“POLIZEI“ vor Ort, Aufstieg etc., Selbstversorge zu „Verfolgen“. „Anmerkung“.: Lieber würde ich mit… Weiterlesen »

U-G
U-G
4 Jahre zuvor

Ein Lehrbeitrag von und mit Georg Wurth aus dem Jahre 2015, nach wie vor Hochaktuell…aber schaut selbst…

https://www.youtube.com/watch?v=XOir3LJUSBM

Axel Junker
4 Jahre zuvor

Seit 2008 kann man als Patient/in Cannabis beziehen.
Seit 2009 ist es regelmäßig zu Lieferausfällen gekommen.
2017 schafft es die Bundesregierung Lieferausfälle so darzustellen, als seien diese Ausfälle erst im Zuge der Gesetzesregelung, also seit dem 10. März 2017 eingetreten.

sieber
sieber
4 Jahre zuvor

das ist ja wie bei Maueröffnung ….aber die ging trotzdem auf…

Bundesbebierung
Bundesbebierung
4 Jahre zuvor

„Als Frankfurter Bierkrawall vom 21. April 1873 sind die folgenschwersten sozialen Unruhen zwischen den Revolutionen von 1848 und 1918 in Frankfurt am Main in die Stadtgeschichte eingegangen. Bei der Niederschlagung durch das preußische Militär kamen 20 Menschen ums Leben. Auslöser der Unruhen war die Erhöhung des Bierpreises durch die örtlichen Brauereien; in der Bewertung eines möglichen politischen Hintergrunds ist sich die Forschung uneinig. [..]“
aus
„Frankfurter Bierkrawall“, Wikipedia