Montag, 14. August 2017

Cannabis-Legalisierung bei Berliner Kiffern kein Thema

 

Hanfparade konnte keine Akzente im Kampf gegen die Cannabis-Prohibition setzen

 

 

Cannabis

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Wer in der Bundeshauptstadt Berlin lebt und nicht allzu doof ist, hat leichtes Spiel, ein relativ unbehelligtes Leben als Haschgiftverbrecher zu führen. Viele Berliner Hanffreunde können sich gar nicht vorstellen, wie es ist, außerhalb der Stadtmauern als Freiwild für die Strafverfolgungsbehörden herhalten zu müssen. Bequem lehnen sich die Hauptstadtkiffer zurück, und wenn mal das Dope aus ist, dann latschen sie ein paar Meter zum nächsten Btm-Fachhändler, der gute Ware zu fairen Preisen anbietet. Kaum einer fürchtet die Polizei ob seines Tuns, und wer sich Ärger einhandeln will, muss sich schon reichlich ungeschickt anstellen.

 

In Berlin kommt es dem Hanffreund so vor, als wäre sein verbotenes Laster längst legal. Und so wundert es nicht, dass kaum mehr ein Spreeathener die Notwendigkeit sieht, sich für die umfassende Legalisierung von Cannabis öffentlich starkzumachen. Die Berliner haben sich mit der Prohibition arrangiert, zumal sie nicht mehr richtig funktioniert. Längst hat die Polizei kapituliert, da sie der Kifferplage nicht mehr Herr wird. Wozu also noch auf die Straße gehen und für seine Rechte kämpfen, wenn man diese augenscheinlich hat?

 

Dieser Zeitenwandel spiegelte sich letzten Samstag wider, als die 21. Hanfparade zum Demonstrationszug durch Berlin Mitte einlud. Statt der erwarteten 10.000 zeigten zum Auftakt der Demo gerade mal 2000 zumeist junge Hanffreunde Gesicht, um den Bürgern vor Augen zu führen, dass in deutschen Landen von Passau bis Flensburg noch immer ein zerstörerischer Anti-Hanf-Krieg tobt. Zwar wuchs dieses dieses versprengte Häufchen innerhalb der folgenden Stunden auf die erwartete Teilnehmerzahl an – 12.000 sollen es sogar gewesen sein – und der Umzug sorgte für ein Verkehrschaos und verdutzte Gesichter, aber letztlich fehlte die Wucht der altersübergreifenden Masse, die Nachdruck verleiht. Die Lauffaulheit der Berliner Hanfcommunity sorgte mehr weniger für einen Flop und zeigt, dass es mit der Solidarität unter Kiffern nicht weit her ist.

 

Die Hanfparade ist offenbar kein Zugpferd mehr oder findet am falschen Ort statt. Auch scheint die Zeit der „Paraden“ abgelaufen. Neue Formen des Protests und Widerstands müssen angedacht werden. Zudem sind die Kiffer älter geworden. Manch einer fühlt sich gar nicht mehr wohl, ein paar Stunden lang von den Paradewagen mit ohrenbetäubender Bumsmusik beschallt zu werden und sich gegenseitig anzuschreien. Die Spazierparty feierfreudiger Teenager und Twens zieht nicht nur an, sondern stößt auch ab. Gerade reifere Hänflinge verstehen unter einer politischen Demonstration etwas anderes und wünschen sich ein kulturell breiter angelegtes Programm der Kundgebung. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es zum Beispiel, einen Schweigemarsch zu inszenieren? Nichts ist beeindruckender als in einer lauten Stadt Stille einkehren zu lassen.

 

Die Hanfparade muss neue Wege finden. Einer dieser Wege könnte auch nach Süddeutschland führen, wo die Repression gegen Cannabis-Konsumenten am größten ist. Ob in München oder Stuttgart, dort finden sich die meisten Opfer der Prohibition, die liebend gerne den Staffelstab übernehmen und stellvertretend für ganz Deutschland eine Großdemonstration initiieren würden. Doch dazu braucht es ein Umdenken innerhalb der Community, die glaubt, Berlin sei in Sachen Legalisierung der Nabel der deutschsprachigen Welt. Das ist ein Irrtum, wie wir seit Samstag wissen. Denn außer ein bisschen Party und kommerzieller Werbung ist nicht viel gewesen, das darauf schließen lässt, dass die Hanfparade in Berlin ein Must-be ist.

 

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Cenedella.DE
4 Jahre zuvor

I am from California and was there in Berlin on Saturday. Numbers are just number,…keep up the good work Advocates!
Maybe silent protests at the upcoming political rallys would be helpful,… we did something similar in San Diego in 1993 and it worked 🙂 peace, http://www.Cenedella.DE

Chris d'Bongster
Chris d'Bongster
4 Jahre zuvor

Ich für meinen Teil bin eh lieber subversiv tätig. Vielleicht wäre das auch ein Ansatz…also sowas wie einen Schwerpunkt auf Workshops in der Richtung zu legen und diese bundesweit zu veranstalten oder Vortragsreihen….mit derselben Manpower, die sonst die Organisation der Hanfparade gekostet hat. Und dezentralisierter alles halt. Berlin ist für mich zb auch viel zu weit weg, um bei dieser komischen Schmuddel-Demo teilzunehmen. Jedenfalls würde mich das einiges an Zeit und Geld kosten. Und irgendwie seh ich da keinen Gegenwert. Da ist die selbe Summe Geld besser in irgendwelchen Aktionen bei mir vor Ort angelegt.

Peace
Peace
4 Jahre zuvor

Anstatt zu demonstrieren sollte der Hanfverband oder eine ähnliche Organisation Geld sammeln und damit dann Senioren bzw. Seniorenverbände in Coffeeshops bringen.

Die Meinung von altgedienten CDU-Mitgliedern hat mehr Gewicht als, die Meinung von Petenten oder Demonstranten.

Senioren nach Holland!

ADHSPatient
ADHSPatient
4 Jahre zuvor

@Peace
Gute Idee. Wäre nur vorher mal einer drauf gekommen,
hätten wir die Legalisierung längst. 😀

Lars Rogg
Lars Rogg
4 Jahre zuvor

Nun ich denke hier kommt zum tragen, dass (wie erwähnt) die Berliner Kiffer kaum Repressalien zu erleiden haben und dann eben die Tatsache das es Kiffer sind. Die meissten, selbst im repressionsgeplagten Süddeutschland, schaffen es nicht mal zur Wahl zu gehen. Geschweige denn als Berliner in Berlin auf eine Demo wenn man dort als Einheimischer praktisch schon gewonnen hat. Der politische Wille muss sich “pro Kiffer” wandeln, sonst werden SA und Bullerei weiter großflächig Jagd auf friedfertige Menschen machen. Einfach, abzugreifende Opfer, leichte Punkte !! Deshalb wäre es wünschenswert, dass die ganzen Volljährigen Kiffer endlich ihren Arsch hoch bekämen und die Linken wählen. Besser die Linken als die verlogene FDP, Grünen oder gar die AfD !!! Von CDU und den… Weiterlesen »

Lars
Lars
4 Jahre zuvor

Aus dem süddeutschen Raum angereist um eine NÜCHTERNE Stimme zu sein.
(Kultur)geschockt und mit GOA-Beats geficktem Kopf zurück.
Ein Erlebnis ja, definitiv. Um zu sehen was ein völlig unregulierter Markt
möglich macht. – Prohibitionsbefürwortern Bilder zu liefern.
Hier im Kreis würden 30 von den definitiv minderjährigen, öffentlich bongrauchenden
“Problemkiffern” ausreichen, um das Gericht-, Beratungs-/Suchtapparatsystem ein Jahr am laufen zu
halten. Die Lokalpresse hätte Futter und CDU Wähler ihren Hirnfick. Die Berliner Presse wundert sich
über den Teilnehmerrückgang.
Der Kulturschock sollte mal in die Gegenrichtung stattfinden.
Ich lade jeden gerne ein und bezahle eine Runde Gehirnwäsche.

rainer sikora
rainer sikora
4 Jahre zuvor

Leider sehe ich in absehbarer Zeit keine Fachgechäfte für Cannabis in Deutschland blühen.Muß zugeben,daß mein Gehirn keine zündelnde und wirksame Idee bereit hat.Das was dafür getan wird,reicht bei weitem nicht.

Lars Schenke
Lars Schenke
4 Jahre zuvor

Die Lösung wäre innerhalb dieses, anfang nächsten Jahres ohne Probleme möglich. Leute, die Wahl steht an, da würde ein Paradigmenwechsel ohne Probleme möglich werden. Es sollte nur zentral und seriös eine Organisation von intelligentem Protest organisiert und administriert werden. Der DHV hat sich in den letzten Jahren seine Stellung in der medialen und repräsentativen Lobbyarbeit erarbeitet. Scheinbar fehlt es einfach an den mutigen Menschen in entsprechenden sozialen Stellen, die den Mut aufbringen für eine Sache einzustehen und aufzurütteln bzw. anzustecken. In dieser Hinsicht wirkt das Strafrecht, sowie die Angst der Stigmatisierung mit den verbundenen sozialen Folgen. Nutzt doch einfach das Strafrecht und fickt im warsten Sinne des Wortes das System von hinten. Wie wäre es wenn sich Schlangen von Selbstanzeiger(innen)… Weiterlesen »

Christoph Rossner
Christoph Rossner
4 Jahre zuvor

Wahre Worte Sadu, weniger Bier und Mucke wär für das politische Ziel federführend. wenn wir es schaffe die Parade in München zu starten und dann die Berliner und Hamburger Hanffreunde aus Solidarität zu uns stoßen würde, könnten wir es schaffen, das Thema Hanf neu zu beleben. Daz müssen aber bestimmte, Menschen aus Berlin einmal in sich gehen und mit den unbeliebten Bayern zusammen arbeiten. Ich weiß das sehr gut weil ich alle wichtigen Köpfe kenne und die meine Meinung dazu. also nächstes Jahr in München und dann rocken wir zusammen das ganze Land. Freies Ganja für unser Land wünscht sich Christoph Rossy Rossner aus Memmingen/ in Bayern.

Axel
Axel
4 Jahre zuvor

München wäre eine wunderbare Stadt für Smoke-Ins – veranstaltet von legalisierten Konsumenten.
Ich bin Cannabis – Patient und egal wo in München ich meine Tütchen anzünde, komme ich sofort in Interaktion mit allen möglichen Leuten.
Mehrere Patienten, mit gutem Infomaterial ausgerüstet, würden eine breite Wirkung erzielen.
Für mich sind Demos zweites Jahrtausend.
Heute heisst es, sich (be)greifbar machen und den Leuten langsam zeigen, was Normalität ist.
(nicht nur beim Hanf funktioniert diese Methode).
Politik hat verschissen – mit Menschen kommt man weiter

Lars Rogg
Lars Rogg
4 Jahre zuvor

@Lars das jugendliche Kiffer sich abdichten liegt ja nicht nur an der freien Verfügbarkeit. Bekommen tun die das hier in Süddeutschland genauso, nur teurer, mit mehr Dreck drin und ins Koma gekifft wird hier eher in vier Wänden. Aber gesoffen, Meth oder Legal High konsumiert genauso. Das liegt insgesamt aber eher an verfehlter Aufklärung und minderwertiger Erziehung. Fakt ist das man das nirgendwo wird verhindern können, nur in Berlin halt öffentlicher. Die Strafen für Erwachsene sind dennoch ein Hohn und für erwachsene Menschen eine Beleidigung. Zumindest fürs kiffen. Die Energie, die für die Verfolgung von Volljährigen investiert wird, sollte man in die Aufklärung und Unterstützung von minderjährigen verlagern. Junge, dumme Menschen, die sich mit irgendwelchen Rauschmitteln ins Abseits befördern wollen,… Weiterlesen »

rainer sikora
rainer sikora
4 Jahre zuvor

Wählen hilft selbst dann nicht,wenn die gewünschte Partei gewinnen würde.Weil keine der möglichen Parteien ernsthaft Cannabis erlauben will.

Marten Arendt
Marten Arendt
4 Jahre zuvor

@Axel
so sehe ich das auch . smoke ins immer gerne , allerdings muss man immer darauf achten dass dann keine kinder in der nähe sind

Ralf
Ralf
4 Jahre zuvor

@Marten Arendt Ob Kinder in der Nähe sind, interessiert die Alksäufer einen großen Scheißdreck, die machen von der Kirmes über Seefeste bis zum Feuerwehrball alle möglichen Alkfeste und nehmen die Kinder sogar mit, aber der Kiffer soll darauf achten, daß keine Kinder in der Nähe sind. Merkst du denn nicht, wie du in freiwillig vorauseilendem Gehorsam die Argumente der Kifferhasser bedienst ? Die Kinder …die Kinder……. immer wieder das verlogenste Argument von allen, deswegen ist es auch das Lieblingsargument der Drogenkriegstreiber! @rainer sikora Du bist schon ganz nah`dran. Das wir statt eines Hanfverbandes eine Hanfpartei gebraucht hätten, predige ich schon seit Jahrzehnten. Dafür wäre Berlin der ideale Ort gewesen aber die Berliner Legalisierer haben`s vermasselt, jetzt ist es meiner Meinung… Weiterlesen »

Lars Rogg
Lars Rogg
4 Jahre zuvor

@Ralf
Gruß zurück 🙂

devnull
devnull
4 Jahre zuvor

Auch ein Herr Sadhu kann, anstelle schwachsinn in jedem hanfjournal zu schreiben, sich engagieren für ein buntes programm rund um die hanfparade.

Und ein Herr Rossner könnte mal akzeptieren, dass es auch menschen gibt, die nicht mit verkappten nationalisten wie wenzel zusammenarbeiten wollen. Wahrscheinlich hat ihm seine pr agentur geraten, nicht mehr so einen nazi scheiss auf facebook zu posten.

Löse dich von ihm, dann klappts auch mit dem nachbarn!