Mittwoch, 12. Juli 2017

Französische Polizei zerstört Kunstwerk aus Cannabis

 

Flics outen sich als Kunstbanausen, die aus Angst vor Genusshanf eine Kunstinstallation aus Nutzhanf vernichten

 

Cannabis

 

 

Innovative zeitgenössische Kunst ist nicht nach jedermanns Geschmack. Besonders dann, wenn die Erwartungen und Sehgewohnheiten des Publikums nicht erfüllt werden. Oft hindern den Betrachter historisch und traditionell geprägte Moralvorstellungen, ein Kunstwerk als solches wahrzunehmen und auch anzuerkennen. Mangelndes Kunstverständnis sorgt für Ablehnung und Fehlinterpretationen, wenn die Kunst den Normen des zeitgebundenen ästhetischen Bewusstseins der Menschen nicht entspricht.

 

Was dabei herauskommt, wenn Künstler auf Kunstbanausen stoßen, zeigt eine Anekdote aus dem Jahre 1973, als Joseph Beuys Opfer eines „Missverständnisses“ wurde: Ein SPD-Ortsverein feierte in einem Museum ein Fest, und zwei Genossinnen suchten eine Spülschüssel. Gefunden wurde eine mit Mullbinden, Heftpflastern, Fett und Kupferdraht bearbeitete Säuglingsbadewanne. Dass es sich dabei um ein Kunstobjekt handelte, konnten die Frauen nicht erkennen. „Wir dachten, das alte Ding könnten wir benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt.“ Der Skandal kostete die Stadt Wuppertal als Leihnehmer 58.000 DM Schadensersatz.

 

Ähnlich rabiat sprangen Polizisten in Lyon mit einem Kunstwerk um. Für die Architekturbiennale, die letzten Sonntag endete, hatte der Künstler Thierry Boutonnier gemeinsam mit einem Architekturbüro auf rund 4.000 Quadratmetern ein landwirtschaftliches Ökosystem aus Flachs, Gerste und Hanf gepflanzt. Das Werk mit dem Titel „Aire D’attente (Waiting Area)“ sollte „einen still liegenden Ort neu beleben, der in Zukunft bedeutenden Veränderungen ausgesetzt sein wird“. Ziel des Projektes war, eine verlassene Industriebrache in eine Farm mit ökologischen Baustoffen zu verwandeln, um so den Stadtteil La Confluence zu einem der ersten komplett nachhaltigen Quartiere in Frankreich zu machen.

 

Doch kaum blühte der Nutzhanf, schon war eine Polizeistreife zur Stelle, die die Kunstinstallation mit einer illegalen Cannabis-Plantage verwechselte und postwendend dem zuständigen Kommissariat meldete. Die Drogenfahnder erkannten sofort die Gefahr, die von der „Aire D’attente“ ausging, und fackelten nicht lange. In einer Hauruckaktion wurde die als Kunstinstallation getarnte Cannabis-Plantage vernichtet.

Die leitende Kommissarin verteidigte das Zerstörungswerk der Polizei. Angeblich habe man gewusst, dass es sich um Nutzhanf und nicht um Cannabis-Droge handelt. Um Verwirrung zu vermeiden, musste das Kunstwerk zerstört werden.

 

Die Künstler werden die Kunstbanausen der Polizei wegen der Zerstörung des Kunstwerkes nicht auf Schadenersatz verklagen, da die Bepflanzung der „Aire D’attente“ nicht wie die Beuyssche „Badewanne“ für alle Ewigkeit geschaffen wurde.

 

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