Samstag, 14. Januar 2017

Cannabiskonsums in der Schwangerschaft

 

Die Gefahren des Cannabiskonsums in der Schwangerschaft im Vergleich zum Konsum von Tabak und Alkohol

 

cc-by-donnie-ray-jones
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von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

Der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis während der Schwangerschaft kann negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Embryo und Fötus mit langzeitigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder haben. Die Stärke dieser Auswirkungen unterscheidet sich erheblich in Abhängigkeit von der Droge. Am bekanntesten und schwerwiegendsten ist das fetale Alkoholsyndrom, das mit Missbildungen und gravierenden Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit der Kinder verbunden ist. Eine umfassende Übersicht zum Thema Drogen und Schwangerschaft hat eine Arbeitsgruppe der US-amerikanischen Gesellschaft der Kinderärzte im Jahr 2013 erarbeitet (siehe Tabelle).

 

Zu den Auswirkungen des Cannabiskonsums gibt es  zwei Langzeitstudien, in denen Kinder, die im Mutterleib THC ausgesetzt waren, über viele Jahre begleitet wurden, mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen über einen Zeitraum von 20 bzw. 30 Jahren, eine Studie an der Universität von Ottawa (Kanada) und eine weitere an der Universität von Pittsburgh (USA). Die „Kinder“ in der kanadischen Studie sind mittlerweile etwa 35 Jahre, die in der amerikanischen Studie etwa 25 Jahre alt.

 

Eine große Umfrage in den USA ergab, dass in den Jahren 2009-2010 etwa 3,7 % aller Schwangeren Cannabis, 18,3 % Tabak und 10,8 % Alkohol konsumierten. Besonders bedenklich war ein vergleichsweise hoher Anteil an Schwangeren (3,7 %), die Alkohol bis zur Trunkenheit konsumierte. Drogen können den Fetus prinzipiell auf vielfältige Art und Weise schädigen. Früh in der Schwangerschaft, während der Embryonalzeit, also in den ersten Wochen, können Drogen Missbildungen verursachen. Nachdem die wesentlichen strukturellen Entwicklungen abgeschlossen sind, können Drogen noch geringere Wirkungen ausüben, wie beispielsweise reduziertes Wachstum oder geringere Reife, Veränderungen der Neurotransmitter, also Signalstoffen im Zentralnervensystem, ihren Rezeptoren sowie der Organisation des Gehirns.

 

Tabak

Wird ein Embryo (bis zur neunten Schwangerschaftswoche) oder Fetus (ab der neunten Schwangerschaftswoche) während seiner Entwicklung Nikotin und anderen im Tabakrauch enthaltenen Giften ausgesetzt, so wird er in seiner Entwicklung beeinträchtigt und erfährt weitere Entwicklungsschädigungen, die sich im gesamten späteren Leben negativ bemerkbar machen können. In Extremfällen können diese Schädigungen sogar zur Früh- oder Fehlgeburt führen. Diese nach der Geburt diagnostizierbaren Schäden fasst man unter dem Begriff fetales Tabaksyndrom zusammen.

 

Alkohol

Wird ein Embryo oder Fetus während seiner Entwicklung Alkohol ausgesetzt, so wird er nicht nur in seiner Entwicklung gehemmt, sondern erfährt in Abhängigkeit von Reifestadium, Alkoholmenge und individueller Empfindlichkeit weitere körperliche und geistige Entwicklungsschädigungen. Diese nach der Geburt diagnostizierbaren Schäden fasst man unter den Begriffen fetales Alkoholsyndrom (beim Vollbild) oder unter fetale Alkoholeffekte (bei weniger starker Ausprägung) zusammen.

 

Cannabis

Cannabiskonsum hatte in den durchgeführten Untersuchungen im Allgemeinen keinen Einfluss auf das Wachstum des Feten. THC in der Schwangerschaft verursacht zudem keine Missbildungen. Jedoch in einigen Untersuchungen dezente Einflüsse auf das Verhalten sowie vermehrtes Zittern nach der Geburt. Da dies jedoch nicht bei allen Studien beobachtet wurde, ist ein solcher Einfluss unklar. Hinsichtlich langzeitiger Wirkungen hat eine THC-Exposition während der Schwangerschaft keinen Einfluss auf das Wachstum der Kinder. Cannabiskonsum hat zudem keinen Einfluss auf den Intelligenzquotienten. Es gibt jedoch Hinweise, dass es im Durchschnitt leichte Defizite bei der Problemlösung von Aufgaben gibt, die eine anhaltende Aufmerksamkeit, ein gutes visuelles Gedächtnis, analytisches Verständnis und die Integration geistiger Fähigkeiten erfordern. Zudem könnte THC geringe Wirkungen auf das Lernen und das Gedächtnis haben. Es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, jedoch solche auf eine geringere Lesefähigkeit.

 

Tabelle: Zusammenfassung von Wirkungen einer Drogenexposition während der Schwangerschaft (nach Behnke & Smith 2013).

 

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