Dienstag, 3. Januar 2017

Cannabis aus Mexiko wird zum Ladenhüter

 

Paradigmenwechsel in Sachen Cannabis aus Mexiko

 

Foto: Floh Söllner

 

Sadhu van Hemp

 

Der nordamerikanische Paradigmenwechsel in Sachen Marihuana ist aus Sicht der mexikanischen Hanfbauern und Drogenkartelle eine wirtschaftliche Katastrophe. Wie der Österreicherische Rundfunk zu berichten weiß, gucken die bislang für den US-Markt zuständigen Cannabislieferanten mehr und mehr in die Röhre, seitdem die Amerikaner auf legale Selbstversorgung umsteigen. Untrügerisches Zeichen für die mexikanische Hanfkrise sind die Zahlen der US-Zollbehörde: So sind die an der Grenze zu Mexiko konfiszierten Mengen deutlich gesunken. Wurden 2011 noch 1,1 Millionen Kilogramm abgegriffen, so waren es 2015 nur noch 700.000 Kilogramm – Tendenz absteigend. Gleichzeitig soll sich der Preis für ein Kilogramm „Acapulco Gold“ nahezu halbiert haben.

 

Damit tritt das ein, was jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, vorausgesagt hat. Legaler und kontrollierter Umgang mit Marihuana zerstört die mafiösen Strukturen und rettet Menschenleben. Zudem ist die Qualität des in den USA produzierten Gourmethanfes um Längen besser als das Freilandgras mexikanischer Großplantagen. Statt sich über verschnittene und blutgetränkte Ware aus Mexiko zu ärgern, greifen die von der Prohibition befreiten US-Konsumenten zunehmend auf Marihuana aus eigenem Anbau zurück. Einzig probates Mittel gegen diesen Trend sind Preissenkungen – zu Lasten der mexikanischen Importeure und Dealer, deren Marge nahezu eingedampft wird. Von einem lukrativen Business kann unter Einrechnung des Risikos kaum mehr die Rede sein. Der Schwarzmarkt mit mexikanischen Gras löst sich langsam, aber sicher in Wohlgefallen auf, und nur noch die Dümmsten der Dummen lassen sich darauf ein, Hanf aus Mexiko zu importieren und dabei Gefahr zu laufen, ins Visier der DEA zu geraten.

 

Doch so nett sich die Entwicklung auch anhört, für die am Hungertuch nagenden Hanfbauern in Mexiko bedeutet das Ende des Exportschlagers der Ruin. Auch wird befürchtet, dass die wirtschaftliche Not die Narco-Kartelle zum vermehrten Handel mit anderen illegalen Substanzen wie Kokain, Heroin und Amphetaminen zwingt. Der Preisverfall birgt zudem die Gefahr, dass das für die USA bestimmte Gras in der Pipeline stecken bleibt und den mexikanischen Schwarzmarkt flutet. Diese Misere gibt der Regierung mittlerweile zu denken, und Stimmen werden laut, die Gesetze im Umgang mit Cannabis zu lockern. Den ersten Schritt wagte die Regierung der Vereinigten Mexikanischen Staaten im Dezember, indem der Senat mit überwältigender Mehrheit von 98 Prozent der Abgeordneten zumindest schon mal den Anbau vom Marihuana für medizinische und wissenschaftliche Zwecke gestattete.

 

Doch wie es aussieht, wird die neoliberale Regierung um Präsident Enrique Pena Nieto so schnell keine Akzente zur generellen Legalisierung von Cannabis setzen. Zu tief stecken die politischen Marionetten im Korruptionssumpf der mexikanischen Gesellschaft, in der jeder macht, was er will. Polizei und Militär sind seit jeher mit den Narcos eng miteinander verbandelt. So wundert es auch nicht, dass 72 Prozent der Mexikaner der Meinung sind, sich nicht zwingend an die Gesetze halten zu müssen. 71 Prozent sehen die Menschenrechte in Mexiko nicht als gesichert, und jeder fünfte Bürger hält Selbstjustiz für legitim. Von einem geordneten legalen Cannabismarkt, wie er sich gerade in den USA und Uruguay entwickelt, sind die Mexikaner Lichtjahre entfernt.

5 Antworten auf „Cannabis aus Mexiko wird zum Ladenhüter

  1. Carstón

    Es wird ja häufig als Argument gegen die Legalisierung angeführt, dass die Produzenten und Dealer dann „einfach auf andere Produkte umsteigen“. Das können sie auch machen, aber: Wer Cannabis kaufen will, und dies legal tun kann, der wird nicht mehr zum Dealer gehen, egal was der gerade im Angebot hat. Und wenn er es doch tut oder aktiv angesprochen wird – wer Cannabis rauchen will kauft doch nicht einfach jedes Pulver und jede Pille die ihm jemand anbietet? Angebot und Nachfrage. Und das Angebot an harten Drogen ist ja jetzt schon gegeben, die mit Abstand beliebteste Droge ist und bleibt aber Cannabis. Tja, liebe Kartelle, Pech gehabt – außer in Deutschland, da sichert euch die Regierung wohl noch auf Jahre hinaus fette Gewinne.

  2. Genusskiffer

    Mit den Irren in Mexiko habe kein Mitleid. Doch unsere Dealer aus Holland und drumherum halte ich nicht unbedingt für Gangster, die wegen Dope die Leute abmurksen. In den vielen Jahrzehnten, in denen ich bei den Tickern kaufen musste, bin ich nicht einmal mit gewalttätigen Typen in Kontakt gekommen. Letztlich waren das alles Freaks und Hippies wie du und ich. Ohne den Mut der Ticker hätte ich nichts zu rauchen gehabt. Deshalb ein großes Dankeschön an alle, die mich noch immer zuverlässig und fair bedienen.

  3. Rainer Sikora

    Bei mir waren das durchweg Heroinjunkies die ihren Stoff unter anderm mit dem Verkauf von mehr oder weniger Haschhaltigen Substanzen finanziert haben. War eine ziemlich harte und schwierige Zeit. Auch der versteckte und verheimlichte Anbau im freien(was anderes geht nicht mehr seit die Polente bei mir Rasen gemäht hat)hat seine herausforderungen.

  4. Lars Rogg

    Die werden schon noch auf die Idee kommen daraus Öl zu machen. Das Zeug läßt sich immer teuer verkaufen, hat einen krassen Preis und die zu schmuggelnde Menge reduziert sich deutlich.
    Wer tonnenweise Meth Dreck kochen kann, der wird auch mit dem ausölen von ein paar hundert Tonnen Dirtweed kein Problem haben. Mit billigem Alkohol bleiben auch die Unkosten vergleichsweise gering. Die jammern auf richtig hohem Niveau…

  5. digga

    wenns nicht in die usa geht dann halt woanders hin…europa
    jedemenge geschmacklose braune blüten im umlauf jetz warscheinlich vom letzten jahr…trotzdem sehr potent und nur der halbe preis wie sonst auf menge wie man so hört…solln 80t von da sein…omg

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