Dienstag, 20. September 2016

Tüten-Test in Rotterdam

 

Autor: Christian Rausch

 

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Meine zweitliebste Stadt in Holland ist Rotterdam. Natürlich herrscht zwischen Rotterdam und Amsterdam ein himmelweiter Unterschied. Schuld daran sind die Deutschen. Im zweiten Weltkrieg hatte die Wehrmacht die Stadt eingekesselt und die holländischen Soldaten, darunter ein hocheffizientes Spezialkommando der niederländischen Marine, aufgefordert, sich zu ergeben. Obwohl der holländische Kommandeur die Kapitulationserklärung rechtzeitig zustellte, zerstörte die deutsche Luftwaffe beinahe ganz Rotterdam. Die Stukas und Bomber hatten es vor allem auf das historische Zentrum Rotterdams abgesehen, das vollständig zerstört wurde. Während also Amsterdam bis heute den Charme einer mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Stadt versprüht, ist Rotterdam die pure Moderne.

 

Das schlägt sich vor allem in der Architektur wider. Rotterdam könnte als eine Musterstadt des Bauhaus-Stils durchgehen. Die funktionalistischen (auch brutalistisch genannten) Gebäude wirken wie die Vorboten einer uns erst noch einholenden Zukunft. Mein Freund Raschid erklärt mir, dass Rotterdamer und Amsterdamer sich nicht besonders gut leiden können und dass zwischen beiden Städten eine extreme Konkurrenzsituation besteht. Diese Feindseligkeit beruht nicht nur auf der Rivalität der Fußballclubs von Feyenoord Rotterdam und Ajax Amsterdam. „Rotterdam besitzt einen viel höheren Migrationsanteil als Rotterdam. Die aus Amsterdam halten sich für was Besseres. Dabei haben wir viel zu bieten. Den Hafen, den Euromast, frei ausgestellte Kunstwerke, Chinatown und weitere Sehenswürdigkeiten.“ Raschid hält kurz inne und überlegt. „Und natürlich haben wir die besseren Coffeeshops!“

 

Nach dieser Aussage bricht er in selbstbewusstes Gelächter aus. Klar, ich kenne seit Jahren die Coffeeshop-Scene in Rotterdam. Aber hier spreche ich mit einem wirklichen Experten. Er führt aus, dass es in Rotterdam im Vergleich zu Amsterdam sehr wenige „Kiff-Touristen“ gibt. „Also haben die hier auch keine vorgerollten Joints?“, werfe ich scherzhaft ein, da diese bei deutschen Usern keinen guten Ruf besitzen. Raschid runzelt die Stirn und widerspricht. Jeder Coffeeshop in Rotterdam böte fertiggerollte Tüten an und viele Locals würden sie auch kaufen. Auf mein „Echt?“, erklärt er: „Solche, die keinen Tabak rauchen würden oder jene, bei denen es schnell gehen muss und die sich ohne weiteren Aufwand sofortigem Cannabis-Genuss hingeben wollen, bedienten sich gerne der vorgefertigten Ware.“

 

Ich bitte Raschid für unsere Leser einen Vergleich von fertigen Tüten anhand seiner drei liebsten Coffee-Shops vorzunehmen. Natürlich sei er eingeladen. Das lässt er sich nicht zwei Mal sagen. Raschid führt mich zum „Trefpunt“ im Botersloot 7, ganz in der Nähe der neuen Markthalle, die ein architektonisches und künstlerisches Meisterwerk ist und auch die dort zu erwerbenden kulinarischen Delikatessen können sich sehen lassen. Der „Trefpunt“ hingegen wirkt wie ein amerikanischer Liquor-Store in einem Ghetto. Der Gast muss ein Sicherheitsdrehkreuz passieren und die Verkaufsstelle befindet sich hinter Panzerglas. Nachdem man etwas gekauft hat, darf man in den recht schlichten, schmucklosen Raum eintreten. Hier sind keine Touristen zu sehen. Raschid hat sich für Super-Pollen entschieden. „Ich mag Haschisch lieber als Gras, nicht zuletzt wegen des höheren CBD-Gehalts“, erklärt er mir. Genussvoll raucht er die Tüte. Sie riecht gut und an der Glut ist zu erkennen, dass einiges an Material reingepackt wurde. Raschid ist zufrieden und fällt sein erstes Fazit: „Für 3 € ist das total korrekt. Ich bin angenehm breit im Kopf, die Tüte hat gut gezogen und der Geschmack war auch okay. Für diesen Preis ist selber drehen nicht besser.“

 

Mit einigem zeitlichen Abstand ziehen wir weiter zum „Bellamy“ in der 1e Middellandstraat 62. Der Shop liegt mitten in der Chinatown. Ein heißes Pflaster. Ethnien aus aller Herren Länder treffen hier aufeinander und exotische Waren werden überall feilgeboten. Hier geben sich Pusher die Klinke in die Hand und als Weißbrot gibt man lieber Acht, es sei denn, man hat einen Freund dabei. Die Tüte Super-Pollen kostet genauso viel wie im „Trefpunt“. Der Shop ist etwas heimeliger eingerichtet und erinnert entfernt an ein normales niederländisches Café. Verglichen mit den Coffeeshops in Amsterdam besitzt das von Magrebinern geführte „Bellamy“ den Charme einer osteuropäischen Bahnhofshalle. Den Geschmack des Joints findet Raschid deutlich besser, aber mit der Wirkung ist er nicht recht zufrieden. „Ein nettes, chilliges Gefühl. Es ist okay. Aber ich fühle mich körperlich weniger entspannt und mir schießen mehr Gedanken durch den Kopf, ohne dass ich das Gefühl habe, high zu sein.“

 

Zum Abschluss unserer kleinen Tour besuchen wir das „The Reef“ in der Oppert 1. Hier muss man zur Ware auch noch ein Getränk kaufen, um in die heiligen Hallen vorgelassen zu werden. Die Inneneinrichtung ist aber auch echt sehenswert. Lauter Aquarien, simulierte Wasserfälle, Taucher- und Bootsausrüstung. Dieses Interieur gereicht dem Namen des Shops umfassend zur Ehre. Wieder 3 € für eine Tüte Super-Pollen, aber man sollte bedenken, dass man ja ein Getränk für mindestens 2 € extra kaufen muss. Hm, Raschid meckert. Das Ganze kratzt furchtbar im Hals und schmeckt nicht. Auch später herrscht Ernüchterung. Raschid kann keine signifikanten Effekte feststellen. Weder Gedanken noch Stimmung ändern sich und körperlich ist auch nichts festzustellen. Nach einer Weile gibt er zu etwas müde zu sein, aber er ist sich nicht sicher, ob das von der letzten Tüte stammt oder der allgemeinen Erschöpfung vom Tag zuzuschreiben ist.

 

Trotz des Reinfalls bei unserer letzten Station zieht Raschid ein positives Gesamtfazit. Er findet vorgerollte Joints in Rotterdam sind ein faires und für den Konsumenten lohnendes Geschäft. Das High wäre auch nicht besser, wenn man sich für denselben Preis das Haschisch selber in Tütenform aufbereiten würde. Zudem entfallen das mitunter lästige Wickeln und die Verpflichtung, ständig Tabak bei sich zu führen, der, wenn man kein Gewohnheitsraucher ist, auch schnell trocken und alt wird. „Auf jeden Fall haben wir hier ein viel besseres Preis-Leistungsverhältnis als in Amsterdam“, schließt Raschid sein Fazit ab. „Außerdem fehlen hier zum größten Teil die lästigen Touristen. Die Shops hier sind im Wesentlichen für uns Locals.“ Als ich ihm verspreche das mir dem Preis-Leistungsverhältnis in Amsterdam nachzuprüfen lacht er nur. „Das mach mal, mein Bruder. Du wirst sehen, dass ich Recht habe.“ Was noch zu beweisen wäre.

 

Auf jeden Fall ist die höchstmoderne Stadt Rotterdam mit ihren architektonischen Wunderwerken und den andersartigen Coffeeshops immer eine Reise wert. Und ich kenne Raschid lange genug um zu wissen, dass er mir keinen Bären aufbindet. Ich weiß aber auch, dass die Rotterdamer den Amsterdamern immer eine Nasenlänge voraus sein wollen. Weshalb ich seine Behauptung ganz sicherlich noch überprüfen werde.

11 Antworten auf „Tüten-Test in Rotterdam

  1. LittleGanja mit Ausnahmeerlaubnis

    Der Angriff auf Rotterdam war ein Versehen, die Nazis haben sich sogar was damals nicht üblich war bei der Bevölkerung entschuldigt.
    Rotterdam wurde als Einfallstor für England benötigt…………..

  2. Aloys von Bentheim

    Du bist vielleicht ein Honk! Die Bombardierung von Rotterdam war kein „Versehen“, sondern ein Kriegsverbrechen gegen die niederländische Zivilbevölkerung – verübt von uns deutschen „Herrenmenschen“. Da gibt es nichts zu relativieren oder zu leugnen.

  3. Tom

    „… die Nazis haben sich sogar was damals nicht üblich war bei der Bevölkerung entschuldigt.“

    Klar, ne Entschuldigung bring ja auch Tote wieder zurück, lässt Trauma in Luft auflösen und die schönen Gebäude auch wieder aufstehen…

    Wie kommst du auf die absurde Idee dieses Verbrechen in irgendeiner Form zu entschuldigen??

  4. LittleGanja mit Ausnahmeerlaubnis

    Das kam vor ca. 2-3 Wochen in einer Reportage auf NTV, habe im Netz mal nachgeschaut, laut Wiki und anderen Quellen war das Verbrechen wohl doch geplant. Jedoch kann keiner genau sagen wer den Befehl gegeben hat, die einen behaupten Göring, die anderen irgendwelche Futzis. Die Engländer haben damals behauptet 30.000 Menschen wären gestorben in Wirklichkeit waren es ca. 800.
    Die Frage ist jetzt was kann man glauben?!?!?!
    Fakt ist, ich hoffe so eine Zeit wird es nie wieder geben wird, wenn doch beginnt es diesmal nicht in Bayern sondern in Bautzen!
    Ich persönlich liebe Holland und habe dort bis dato auch nur nette Menschen kennen gelernt.

  5. malte

    gott wirf hirn!!!
    aus versehen wird vielleicht ein konvoi angegriffen (sarkastischer bezug zur gegenwart) aber keine komplette stadt zerstört.
    nur mal logisch denken…
    immer schön weiter n24 schauen. das bildet. *hust*

  6. Aloys von Bentheim

    Zitat: „Die Engländer haben damals behauptet 30.000 Menschen wären gestorben in Wirklichkeit waren es ca. 800.“
    Du kannst es einfach nicht lassen – mit der fehlerhaften Interpunktion. Du solltest dringend mal die Abendschule besuchen.

  7. Superweedor

    verübt von uns deutschen „Herrenmenschen“

    Digga aber sonst tickste noch sauber? Willste jetz alle Deutschen beleidigen? Wenn du meinst Du wärst ein Deutscher Herrenmensch dann bitte aber zieh nicht ganz Deutschland mit in deinen Naziwahn. Die generation Hittler is bis auf wenige ausgestorben und die Verbrechen haben mit den heute lebenden Deutschen nichts zu tun noch dazu kommt das die Situation mit Rotterdam bis heute nicht geklärt ist aber du kennst anscheind schuldigen, inner Zeit zurück gereist?
    Du scheinst selbst ein wenig durcheinander bzw zurück in der Zeit.
    @little ganja: lass dich von so einem nicht Ärgern der hat nen Brett vorm Kopp.

    Aso noch zum Thema Rotterdam
    Bei unserem letzten besuch war das Weed in 4 Shops von schlechter Qualität und noch dazu Teuer. Die Budtender sitzen überall hinter Panzerglas und es gibt nur fertig abgepackte Tütchen. Nix mit knolle gucken und riechen, nur kaufen. Service war auch mies und als Deutscher der nicht Hollandisch oder Arabisch spricht ist man nicht soooo gern gesehen, leider. Also lieber Amsterdam, Haarlem, Nijmegen oder Zandvoort.

  8. Mörnest

    Ich kann jedem nur Sensi Smile ans Herz legen, ist zwar auch so ein kleiner Laden mit Panzerglastheke wie in einer Bank, aber das Weed und Hasch immer bereits in gepackten und eingeschweisten Tüten, so wird einem immer der aufgedruckte Preis abverlangt. Je nach größe der ware kann man auf den immer geringer werdenden THC Gehalt abschätzen, bedeutet bei 10 Euro für 1,5 g hat man weniger THC als bei 10 Euro für 1 g. Ich habe leider schon erleben müssen das man mir schlechtere Qualität zum teureren Preis andrehen wollte. Das kann einem dort nicht passieren. Vorgedrehte hatten die auch immer, hab ich aber nie getstet, da ich Pur bevorzuge. .

  9. rapperklaus

    omg holland really ?!? scheiss land scheiss material, lasst euch nich vom hajo verarschen kinners

  10. Manu Neuling

    Hi, ich war noch nicht in Holland und werde demnächst eine Nacht in Rotterdam verbringen. Ich würde dort gern einen Joint probieren. Wo bekomme ich als deutscher Tourist in Rotterdam einen her?

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