Donnerstag, 21. Juli 2016

Haschrebell „Bommi“ Baumann ist tot

 

 

Sadhu van Hemp

 

Buchvorstellung mit Bommi im Hanfmuseum-24.04.2010.
Buchvorstellung mit Bommi im Hanfmuseum-24.04.2010.

 

Er wollte „kein nützliches Mitglied dieser Gesellschaft werden“, setzte sich zu den Gammlern auf die Treppen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Westberlin und ließ 2-Liter-Lambrusco-Pullen und Joints kreisen. Der gelernte Betonbauer wollte nicht denen dienen, die seine Geburtstadt in Schutt und Asche gelegt hatten und von der Jugend verlangten, in die Fußstapfen der Väter und Mütter zu treten. Nein, der 1947 in den Trümmern Ostberlins geborene Sohn eines unbelehrbaren Nazis hatte sich von seiner Vorbestimmung als Malocher losgesagt. Er weigerte sich, auf dem Bau ausgebeutet zu werden und wie viele seiner Generation in geistiger Umnachtung zu enden. Das Schicksal wollte es dann, dass die Familie vom sowjetischen Sektor in den britischen „rübermachte“, wo er pünktlich zur Pubertät vom Rock ’ n ’ Roll-Fieber erfasst wurde und das neue, dem Establishment widerstrebende und intellektuell anspruchsvolle Lebensgefühl wie ein trockener Schwamm aufsog.

 

Das Schlüsselerlebnis hatte Michael Baumann wie viele der 68er-Generation an jenem sonnigen Juni-Tag anno 1967, als der Student Benno Ohnesorg nach einer von der Polizei brutal aufgelösten Demonstration gegen den Schah von Persien von einem Zivilpolizisten per Kopfschuss hinterrücks ermordet wurde. Der 2. Juni war das Fanal der Studentenbewegung – und der zwanzigjährige Baumann war als „Proletarier“ aktiv dabei, um den Alt-Nazis des bundesrepublikanischen „Schweinesystems“ die Fresse zu polieren.

 

Und so kam er in Berührung mit all den Größen der Bewegung, fand Unterschlupf bei Fritz Teufel und Dieter Kunzelmann in der „Kommune I“, später bei Otto Schily in der „Wieland-Kommune“. Dort gründeten sich schließlich die „Tupamaros West-Berlin“, die sich nach uruguayischem Vorbild als anarchistische Stadtguerilleros verstanden und ordentlich Sachschaden anrichteten. Dabei kam der Humor nicht zu kurz. Kein Wunder, waren Baumann und Co. doch begnadete Hochleistungskiffer, die sich von der „Hefe des Denkens“ inspirieren ließen – so auch bei der Gründung des „Zentralrats der umherschweifenden Haschrebellen“.

 

 

Vater Staat reagierte mit aller Härte, und die bürgerliche Presse, vorneweg der Springer-Konzern, gab alles, um das Dummvolk gegen die drohende Umwertung der guten alten Nazi-Werte aufzubringen. Als am Gründonnerstag 1968 der Studentenanführer Rudi Dutschke von einem aufgehetzten Bildzeitungsleser, der extra aus München angereist war, auf dem Kurfürstendamm niedergeschossen wurde, war der Höhepunkt der Eskalation erreicht – und mit Bommi Baumann ging es fortan bergab – in den Untergrund.

 

Aus den „Tupamaros“ wurde die „Bewegung 2. Juni“. Bommi radikalisierte sich, und aus einfacher Sachbeschädigung erwuchsen Brandanschläge, Banküberfälle und wilde Schießereien mit der Polizei. Bei der versuchten Festnahme des Haschrebellen Georg von Rauch wurde dieser neben Baumann stehend tödlich getroffen – das wohl einschneidendste Erlebnis in der reichlich schiefen Laufbahn des Haschbruders. Von Hass und Rachegelüsten beseelt bastelte Baumann mit an jener Bombe, die im Britischen Yachtclub in Berlin-Gatow gelegt wurde und bei der Explosion einen Bootsbauer in den Tod riss.

 

Diese Ereignisse überschritten jedoch die Grenzen des Baumannschen Gewissens und der per Haftbefehl Gesuchte sagte sich vom Terrorismus los. Eine jahrelange Flucht begann, die ihn durch den halben Orient mit all seinen Reizen bis nach Afghanistan führte, dem damaligen El Dorado der Hippies und „Psychonauten“. 1975 schrieb er seine Autobiographie („Wie alles anfing“), die sofort nach Erscheinen wegen „Aufrufs zur Gewalt“ beschlagnahmt wurde, aber nach heftigen Protesten einflussreicher Kulturschaffender wieder vom Index gestrichen wurde.

 

Bis 1981 war er auf der Flucht – schwer heroinabhängig und gesundheitlich angeschlagen. Nach der Festnahme in London wurde Baumann in Berlin zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete Baumann – mittlerweile weitgehend, aber nicht durchgängig clean – in der Drogentherapie. In die Schlagzeilen kam er noch einmal, als Stasi-Dokumente auftauchten, die ihn als Spitzel verrieten. Bei der Flucht aus Westberlin über die DDR hatten ihn die Büttel des Ministeriums für Staatssicherheit abgegriffen, inhaftiert und ausgehorcht. Inwieweit er als Verräter zu brandmarken ist, lässt sich schwer erfassen. Die Ex-RAF-Terroristin Astrid Proll glaubt, dass Baumanns Aussagen niemandem geschadet haben.

 

Von außen betrachtet ist Baumanns Wirken und Handeln in der Terrorszene jedoch mehr als undurchsichtig. Das verdeutlicht zuletzt Baumanns Vorladung als Zeuge im Prozess gegen Verena Becker, die 2012 wegen Beihilfe zum 1977 verübten Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleitern zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt wurde.

 

Was von Michael „Bommi“ Baumann bleibt, sind neben vielem Kopfkratzen seine Bücher. Über sein Leben mit Drogen berichtete er in dem Buch „Rausch und Terror – Ein politischer Erlebnisbericht“, das 2008 im Rotbuch-Verlag erschienen ist und überzeugend darstellt, was es mit den von den USA ausgerufenen Kriegen gegen Drogen und Terror auf sich hat.

Bommi wurde 68 Jahre alt und verstarb am Dienstag im Kreise seiner Liebsten in Berlin-Friedrichshain.

2 Antworten auf „Haschrebell „Bommi“ Baumann ist tot

  1. Gasterl

    Haschrebell? Sorry, aber der Typ ist nichts anderes als ein Terrorist.
    Das sowas hier im HaJo auch noch hochgelobt wird und Aussagen von RAFlern als beweis für die Treue von Bommi herhalten geschrieben steht, lässt mich ernsthaft überlegen, ob ich weiterhin Stammleser hier bleibe.
    Werbung für die Grünen und solche Artikel wie hier kommen immer mehr von Euch – aber vom eigentlichen Thema, nämlich Hanf immer weniger.

  2. Buback (Parteimitglied)

    @ Gasterl
    Was für Terroristen? Geh Du doch zur AFD !

    Danke für den Artikel Sadhu van Hemp, weiter so !
    Man darf ja nichts Gutes über die Raf sagen (Volksverhetzung?),
    aber Hans Martin Schleyer war Nazi und in der SS !!!
    Zum Abschluß habe ich noch ein schönes Lied über Ulrike:

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