Sonntag, 19. Juni 2016

USA beenden Kampf gegen Cannabis

 

Medizinalhanf in 50 Staaten ab August wohl legal.

 

Foto: Schmiddie
Foto: Schmiddie

 

Eine recht gute Nachricht erschien gestern auf dem Santa Monica Observer.
Die DEA werde am 01.08.2016 Cannabis in die Kategorie der Klasse Zwei Substanzen zurückstufen und damit verschriebene Anwendungen in den gesamten USA zulassen.
Die USA beenden Kampf gegen Cannabis – Medizinalhanf wird in 50 Staaten wohl legal anwendbar.
Ein Anwalt der Drug Enforcement Administration, welcher mit dem Thema vertraut wäre, habe einem DEA-Informanten von dem Vorhaben der Behörde berichtet, den Kampf gegen medizinisch eingesetztes Marihuana am 01.08.2016 beenden zu wollen.
Der anonym zitierte Anwalt der DEA rechne mit Widerstand aus dem Bereich der kalifornischen Versorger, die ihr medizinisches Kraut bisher in speziellen Einrichtungen vertreiben mussten.

 

Sollte die Herabstufung auf die zweite Stufe tatsächlich stattfinden, gäbe es für die bisherigen Kunden wenig Gründe weiterhin in die abgeriegelten Dispesaries zu pilgern, hätten sie eine medizinische Erlaubnis. Auch würde eine riesige Lawine losgetreten, deren Auswirkungen nicht klar absehbar wären. Benötigte Lizenzen, höhere Einsätze und steigender Organisationsaufwand könnten allen Vorteilen entgegenwirken.
Bisher widersprach oft Bundesrecht dem Landesrecht, was zu Beschlagnahmungen von medizinischer Cannabis-Ware und der Kriminalisierung legal agierender Geschäftsleute führte.

 

Angesetzt wäre der Umschwung der Drogenjäger terminlich nun auch durch die sich dem Ende nähernde Präsidentenwahl in den USA: Hilary Clinton würde ein Gesetz aus den letzten Obama-Tagen wohl nicht wieder kippen – ein Donald Trump schon eher. Möglicherweise wollten die Umsetzer der neuen Cannabisklassifizierung daher auch eine klare Wahlempfehlung aussprechen.
Auch wäre der Kampf gegen Cannabis kein Vorteil für die DEA, betrachte man die Einstellung der Bevölkerung und die Kosten, die der einseitige Drogenkrieg gegen Medizinalhanf verschlingen täte.

 

Da unter den vergangenen Bedingungen oft gesetzestreue Geschäftsleute mit dem Gesetz kollidierten, selbst einfache Vermieter unter großen Druck gelangten und sogar Banken Kontos der Kundschaft auflösen mussten, spricht der Santa Monica Observer über den 01.08.2016 als neuen 4/20-Termin.
08/01 sei das neue 4/20.
Dafür müssten in Staaten wie Colorado oder Washington State – die Marihuana zu Genusszwecken erlaubten – ab diesem Datum ebenso ärztliche Verschreibungen für Medizinalhanf nötig werden, wollten Konsumenten nicht gegen das von der DEA überarbeite Bundesgesetz verstoßen.
Eine Genehmigung vom US-Kongress bräuchte die DEA für die Herabstufung von Cannabis bei der Reklassifizierung von Stufe I auf II nicht, da der amerikanische Kongress der DEA schon in der Vergangenheit alle Freiheiten überließ, Substanzen nach eigenem Ermessen zu kategorisieren.

 

Stufe II.

13 Antworten auf „USA beenden Kampf gegen Cannabis

  1. Mr Fuchs

    War ja irgendwann klar. Gerade ne DEA sollte irgendwann wissen dass Hanf-Verfolgung sinnlos ist.

    Donald Trump überlässt nach eigenen Aussagen den Staaten die Hanf-Wahl und ist generell pro Medical-Cannabis – Die Präsidentenwahl sieht also rosig aus.

  2. Surak

    Unklar ist dann doch erneut der Freizeitkonsum bzw. die Selbsttherapierung ohne Rezept. Wird das dann überall wieder kriminalisiert, weil ja die Gesetzeslage wieder am Nullpunkt startet? Klingt erstmal seltsam, jedenfalls. Und es klingt auch so, als könne die DEA weiterhin munter jeden kleinen Selbstversorger kriminalisieren, ohne dafür Sanktionen zu befürchten. Vielleicht also doch kein echter Fortschritt, was?

  3. Mark

    Bleibt in Deutschland das Problem: ASYL & Hanf
    d.h. taugt die US-Rechtssprechung nicht für Deutschland.
    Legalisierung von Cannabis & ASYLgg steht im Widerspruch zur ressourcenbasierten Wirtschaft, weil
    Deutschland nunmal kein Anbaugebiet ist.
    Tappt nicht blind in diese Falle: die BRD würde zu 100% zu einem Auswechselland werden
    VORSICHT

  4. greenness

    @Surak:

    Die Entscheidung trägt wohl dem Umstand Rechnung, daß in den USA bundesweit eine deutliche pro-Meinung im Sinne des Colorado-Modells und eine überwältigende Mehrheit bei medizinischem Cannabis besteht.

    In den USA wird offen diskutiert, da liegen die Fakten auf dem Tisch. Da wird auch nichts mehr rückwärts gehen. (siehe auch microsoft letztens)

  5. Der Hans

    So wie ich das gelesen habe, bedeutet es das Cannabis nur noch auf Rezept konsumiert werden darf dafür in den Ganzen USA.
    Und in Colorado und Co nicht mehr frei zugänglich sein wird auch hier nur auf Rezept.
    Und die Auflagen und Linzenzen sich 99% der Hersteller nicht ansatzweise leisten können.
    Ich hoffe das ich falsch liege.

  6. Lars Rogg

    …und wer sagt das jetzt der Mortlerin ???
    Und wird sie es glauben??
    So was passt ja nun gar nicht in ihr Weltbild !!!

  7. Hajo Brodam

    So wie ich das verstehe ist wohl derzeit noch garnichts in trockenen Tüchern und die von der DEA angestrebte Klassifizierung bedeutet für den Konsumenten keineswegs eine Verbesserung der aktuellen Situation, jedenfalls nicht in Staaten wie Colorado oder Washington. Es bedeutet nämlich tatsächlich, dass Cannabis auf eine Stufe etwa mit Kokain oder Opiaten gestellt wird, für die strenge Vorschriften bei der medizinischen Verschreibung gelten. Aber warten wir’s ab, für uns hat das amerikanische Rechtsgeplänkel eh keine Bedeutung.

  8. Surak

    Was unter den „nicht klar absehbaren Auswirkungen“ oben im Artikel verlinkt ist, klingt jedenfalls ebenso düster wie gut informiert: Demnach richtet dieser Schritt die heute bereits vorhandenen Dispensaries mit hoher Wahrscheinlichkeit flächendeckend zugrunde, weil eben die Zulassung eines verschreibungspflichtigen Produktes – bei uns in Europa übrigens auch – so elend teuer und aufwendig bürokratisch wie langatmig ist, daß dies sich letzten Endes nur die im Geld schwimmenden Pharmariesen werden leisten können.

    Dann mag es dazu kommen, daß aus Kalkül und Geldgier sehr intensiv differenziert wird – wir kennen das von Holland ansatzweise schon – und letztlich jeder Strain eine eigene Zulassung braucht: Dies liege allein im Ermessen der DEA, heißt es dort. Und die hatte nach eigenem Ermessen vermutlich bis Washington und Colorado den schönsten Faulenzerjob der Welt, weil man mit üppigem Etat jahrzehntelang ins Leere ermitteln und bei sich im Übermaß einstellender Langeweile ab und zu mal als „Betriebsausflug“ den einen oder anderen Kleingärtner und -händler brutal drangsalieren konnte. Eine ehemals Super-Arbeit für gewaltbereite und stumpfsinnige Leute, die trotz dieser Verhaltensdispositionen kein Gesetz mißachten wollten…

    Sie können es mit diesem Ermessensspielraum also so weit treiben, daß jeder Haschkeks ein eigenes Zulassungsverfahren benötigt, je nach Rezept. Und ein Hanf-Getränk im Regal daneben ein völlig anderes Zulassungsverfahren, was aber eben so teuer ist. Am Ende gibt’s vielleicht eine einzige standardisierte Tablette, die dann als verschreibungspflichtig zugelassen ist und alle Fortschritte, die es bislang schon gegeben hatte, wären dahin. Back to good old black market with ganja, folks!

    Nur wird sich den heutigen Fortschritt niemand mehr nehmen lassen wollen, da stimme ich zu. Und U.S. Bürger haben ein recht distanzloses Verhältnis zu Schusswaffen, sagt man: „Drug War’s coming home, it’s coming home, it’s coming home…“

    Also die Diktatur des Proletariats läßt sich bei dieser Revolution demnach vielleicht doch nicht ganz elegant umgehen…? 😕

    Die Alternative wäre eine Rückbesinnung auf die Verfassung und deren Rückbindung an die religiöse und naturgemäße Freiheit und Unverfügbarkeit. Also eine erstmalig formulierte und konsequente Abkehr von Naturproduktverboten aller Art:

    „Wer einem anderen Menschen ein Naturprodukt verbietet oder ohne Not raubt und streitig macht – oder ein Verbot von Naturprodukten öffentlich für legitim erklärt, einfordert oder mit Gewalt umsetzt – und sich zu diesem Zwecke in die eigenverantwortliche Beziehung zwischen mündigen Menschen und ihren innovativen wie traditionellen ethnobotanischen Lebensweisen ohne jede Wertschätzung in destruktiver Weise einmischt – verstößt gegen die freiheitliche Grundordnung, wie wir sie in den unveräußerlichen Menschen- und Bürgerrechten verankert sehen.“

    So etwas in der Art wäre die einzige Gesetzeslage, die den Unfug namens Drogenkrieg unter den Bedingungen der Gegenwart einigermaßen zuverlässig aus der Welt schaffen könnte. Aber das Problem geht tiefer: Während in Deutschland die Regulierung der Märkte von den Aktivisten vermeintlich herbeigesehntes Ziel ist, wird diese geplante Umstufung schon jetzt als regelrechtes „Schreckgespenst Regulierung“ in den hanfaffinen Medien der USA kolportiert. Und trägt das zur Klärung bei? Oder treibt es einen zumindest sprachlichen Keil zwischen die Aktivisten Europas und Amerikas? All das bleibt sehr spekulativ, solange nicht klar ist, was, wann und wie denn am Ende das Geplante wirklich umgesetzt wird und ob oder wie die Bevölkerung dies demgemäß rezipieren mag. Trauer und Wut über einen realen oder befürchteten Verlust der bislang etablierten Strukturen einer aufgeklärten, erwachsenen Hanfkulturbewegung könnten also zu einer völligen Verweigerung dieser Rezeption führen. Und die DEA wird das wissen, denke ich. Also bleibt die Sache ein ungeöffnetes Überraschungsei, bis auf weiteres. 🙁

  9. Daniel

    Planetenheilung mit Propiet : Am Om Om Am wenn ich was versommer kann ich´s besonders schnell wieder vom Hamp Baum haben… in Langweiligkeit Amen t.

  10. 420

    Klingt erstmal sehr gut!
    Für patienten ist es natürlich eine sehr gute nachricht! Sehr erfreulich!
    Aber man sollte bedenken das die wirtschaft der usa eine riesige wirtschaftsblase ist. Billionen von schulden in der staatskasse und alles auf spekulationsgeschäfte aufgebaut. Die kriegskasse muss aber immer wieder aufgefüllt werden und dazu scheinen die aasgeier nun die unschuldige cannabispflanze zu misbrauchen.

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