Sonntag, 23. August 2015

„Bio“-Anbau unter 250 Watt

Interview zu:  „Bio“ geht auch Indoor – logisch!

 

von Kimo

 

Kimo-Pflanze-blüte-bud-bio-logisch

 

 

Friedrich* baut schon eine ganze Weile in seiner kleinen Box Gras für den eigenen Bedarf an. Früher hat er auch konventionell gegrowt, doch seit sein Growshop immer mehr biologische oder wenigstens organische Produkte anbietet, ist er umgestiegen. Wir haben Friedrich getroffen und erfahren, dass der nachhaltige Indoor-Anbau nicht komplizierter als der herkömmliche und auch nur ein klein bisschen teurer ist.

 

Ha Jo: Hi Friedrich. Deine Mädel stehen im Öko-Stall?

 

Friedrich: Ja. Ich verwende Bio-Erde (Canna), Bio Dünger (Green Buzz) sowie rein organische Zusätze von Aptus. Zur pH-Wert Regulierung nehme ich Zitronensäure oder Lebensmittel-Lauge. Als Töpfe nehme ich Rootpouches aus recyceltem Material. Natürlich ist mein Stromversorger auch „Öko“.

 

Wieviel Pflanzen hast growst Du gerade?

 

Acht „Killer Kush“ Damen. Die habe ich aus feminisierten Samen gezogen. Jetzt sind sie in der sechsten Blütewoche.

 

Wie oft düngst Du?

 

Ich gieße drei bis viermal pro Woche, davon spüle ich die Pflanzen einmal mit klarem Wasser. Ansonsten dünge ich sehr vorsichtig. Ich bleibe mit dem Ec-Wert noch um 0,2 unter den Angaben aus meinem schlauen Buch. Jetzt, in der sechsten Woche, gebe ich noch 1,6 mS. Die „Killer Kush“ soll gute acht Wochen dauern. Nächste Woche höre ich auf zu düngen.

 

 

Gab es bislang Probleme oder Besonderheiten?

 

Nein, außer ein paar Spinnmilben, die ich aber mit Neem gut in den Griff bekommen habe. Die „Killer Kush“ wächst relativ langsam, dafür sind die Buds schön dick und kompakt. Ich habe sie immerhin mit 30 Zentimetern in die Blüte geschickt, jetzt ist sie auch nur knapp 90 hoch. Ich hatte schon Sorten, die waren am Blüteende fünf Mal so hoch wie zu Beginn der Blüte. Ich habe gegen Ende der zweiten Blütewoche angefangen die Pflanzen mit organischem Volldünger, B-Vitaminen, Enzymen und Blütestimulator zu versorgen. Bis dahin hat die leicht vorgedüngte Erde ausgereicht. Ansonsten habe ich die unteren Triebe zu Anfang der Blüte entfernt, die Gießmenge langsam von 0,5 Liter/Pflanze auf jetzt 1,3 Liter gesteigert und die Pflanzen untereinander die Position tauschen lassen, damit jede mal optimal mit Licht versorgt wird.

 

Dein Equipment?

 

Ein 250 Watt Vorschaltgerät mit Cooltube, Adjust-a-Wings Reflektor und einem Blüteleuchtmittel, einen 240m³/h Rohrventilator, einen kleinen Schalldämpfer, einen 240m³/h „Profi-Line“ Filter, eine Zeitschaltuhr, 8 Töpfe à 11 Liter, einen Schwenkventilator, leicht vorgedüngte Bio-Erde sowie ein wenig Dünger, Blüh- und Wurzelstimulator, alles zusammen für ungefähr 500 Euro.

 

Du hast dein Gras früher konventionell ergärtnert. Hast Du seit der Umstellung auf Bio Ertragseinbußen?

 

Nein. Ich habe nur ein wenig mehr Arbeit. Besonders wenn ich Mängel oder Schädlinge entdecke, ist die Lösung nie kurzfristig und somit aufwendig. Ansonsten habe ich genauso viel Gras wie vorher, nur eben in Bio-Qualität. Das Weed ist dafür einfach leckerer und smoother. Nur der Geruch beim Versorgen ist wirklich gewöhnungsbedürftig, meine Bude riecht dann immer wie ein Acker.

 

Wieviel erntest du pro Durchgang im Schnitt?

 

Je nach Sorte und Pflegeaufwand bekomme ich immer so zwischen 120 und 200 Gramm, das ist echt schwer zu sagen. Je besser das Gras, umso weniger ernte ich eigentlich. Aber gutes Gras hält dafür länger, deshalb ist es mir egal. Auch liegen die Erträge des Sommers ungefähr 10% unter denen im Frühjahr und im Herbst.

 

Die Erntereste?

 

Kein Butan, wenn Du das meinst. Das finde ich nicht Bio. Die blütennahen Blättchen sind  überzogen von Harz und bleiben dran, das ist besser als nachträglich Tabak beizumischen. Aus dem Rest backe ich Kekse. Natürlich mit Bio-Mehl und Bio-Butter.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Friedrich. Cu und pass‘ auf Dich auf.

 

Tschö.

 

* Name von der Redaktion geändert

13 Antworten auf „„Bio“-Anbau unter 250 Watt

  1. Sebastian

    Besser ist es nichts stinkendes in den Wurzelbereich einer Pflanze zu geben, bio hin oder her.
    Durch die Zwangsdüngung mit löslichen Nährsalzen kann eine Pflanze nicht ihr volles Potenzial ausleben.
    Man braucht auch keinen teueren Dünger, sondern die zur Pflanzenart zugehöhrigen Symbionten in der Rhizosphäre im richtigen Verhältnis.

    Ich dachte daß das vielleicht jemanden interessiert.
    Kein Ph oder ec mehr messen, denn den kann die Pflanze dann alleine einstellen.
    Keinen handelsüblichen Dünger mehr kaufen.
    Keine Krankheits und Schädlingsanfälligkeit mehr, maximales genetisches Potential kann ausgeschöpft werden, maximaler Nährstoffgehalt und Ertrag und immer das gleiche Substrat wieder und wieder nutzen.

    Wie geht das? Stichwort Living Organic Soil

    In den mineralischen Bestandteilen des Bodens sind alle Elemente (NPK und co.) in nicht pflanzenverfügbarer Form vorhanden.
    Die Lithobionten bringen diese in eine organische Form, womit der biologische Nährstoffkreislauf beginnt.
    Werden die Bakterien und Pilze nun von Protozoen verspeist, werden kurz alle Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei, da die Räuber z.B. unter anderem mehr Stickstoff aufnehmen, als sie zu ihrer Lebenserhaltung brauchen.
    Im Edaphon findet so ein Nährstoffkreislauf statt, der über die Mycorrhiza und Bakteriorhiza direkt zur Pflanzenwurzel führt, die gezielt die erwünschten Bakterien und Pilze mit Exsudaten ernährt. Wenn nun diese von Amöben, Flaggelaten oder Mikroarthropoden verspeist werden, dann kann die Pflanze die frei werdenden Nährstoffe aufnehmen in exakt dem benötigten Verhältnis aufnehmen.
    Zudem bildet das Edaphon die erwünschte Bodengare, mit ihren charakteristischen Makroaggregaten für optimale Durchlüftung und Wasserhaltefähigkeit.

    Wenn schon Bio dann wenigstens natürlich, und nicht aus Plastikflaschen.

  2. Marc Hanke

    Liebes Exzessiv-Team,
    es wäre schön wenn das Magazin nicht die gleichen nicht definierten Begriffe wie unsere Lebensmittelindustrie benutzt.

    Der Anbau von Arzneimittelpflanzen muss um „biologisch zu sein“ sowohl mit den gänigen Lebensmittelgesetzen hinsichtlich Anbau und Lagerung, sowwie den Arzneimittelgesetzen bewerkstelligt werden (abgesehen vom Verwaltungs/Melde-/Genehmigungsvorgängen)…

    Das wichtigste Argument für eine nachhaltige Erzeugung, bzw. einen biodynamischen Anbau (via Demeter, Naturkind etc.) definiert sich nicht durch das verwendete Substrat/ und oder die verwendeten Flüssigdünger.

    Die Darstellung hir ist sehr schlecht und oberflächlich, eigentlich auch extrem unausführlich, erst recht für den Autor des Artikels.
    Ich hoffe der wird nochmal überarbeitet.
    So find ich persönlich den „Sch**“…

    Die Aussage hinsichtlich Bodenverfügbarkeit ovn Mineralien ist sehr oberflächlich, auch weil fast alle Substrate mit Natural Trichoderma und Myccorhizaae versehen sind, und die wichtigsten Mineralien nicht eineln sondern gebunden in Formen (Chelatkomplexe) vor.
    Bei den Düngepreisen im Fachhandel ist dass ja wohl auch das mindeste.

    Davon abgesehen sind in der Vermarktung benutzte Begriffe wie „Bio Erde“ etc ja nett zu lesen,
    allerdings sollte hier dann erläutert werden- was denn diese „Erde so biologisch“ macht.

    Was meinen Vorkommentator betrifft- die Pflanze die über die notwendige Intelligenz verfügt- ihr Bodenmileau selbstständig zu reguliren möchte ich kennen lernen „die Pflanze stellt ihren Ph-Wert selbst ein“:
    Damit hättest du wohl eine Entdeckung gemacht, die nicht nur Botaniker interessieren dürfte…

    Der Begriff ist ein Widerspruch an sich.

    Desweiteren wird abgesehen von Neemöl nicht auf phytosanitäre Prophylaxe eingegangen, und auch nur ein Pflanzenhilsstoff (Neemöl/ bzw. Presskuchen) angeboten.
    Das ist im Extremfall sicherlich mit den Spritzmittelgesetzen vereinbar, die nur Fertigarzneimittel auschließen;
    Sprittzungen mit Schwefel als „mineralische Zudüngungen“ wäre daher zum Beispiel zulässig (Pilzwachstum).

    *Kurze Rede langer Sinn, es wäre schön wen ihr hinsichtlich dessen über das Bildzeitungsniveau herausschreitet, wie für das magazin eigentlich typisch, und klare begriffe auch klar definiert, statt werbeformulierungen zu übernehmen..:

    Liebe Grüße

    Locke

  3. Marc Hanke

    Ein nicht biologischer Lebensmittelanbau (und dies ist eben nicht Dünungsabhängig sondern Substratabhängig) ist möglich. Eine Arzneimittelproduktion auf biologischen Substraten aber rechtlich nur schwer möglich, da diese Substate natürlich nicht sterilisiert werden können (sondern nur mit nützlichen pilzen überbevölkert)- und dann in Konkurrenz zur eigentlichen Arzneimittelproduktion stehen.

    Liebe Grüße

    Marc Hanke

  4. Sebastian

    Hi, dieser Artikel ist, wie der vorhergehende auch keine adäquate Information für Gärtner, sonder nur dazu da um scenetypische Produkte zu bewerben.
    Alle Pflanzen können das, wenn das Edaphon nicht durch Bodenbearbeitung, Dünger und Pestizide geschädigt wurde und der entsprechenden Sukzessionsphase der anzubauenden Prlanzenart entspricht.
    Was meinen Sie denn wie die Natur das seit Billionen Jahren macht.
    Es ist alles in wissenschaftlicher Literatur nachzulesen.
    Die Pflanzen steuern dies über die Symbionten in der Rhizosphäre durch Wurzelexsudate.

    Grüße Sebastian

  5. Sebastian

    Ich kann nur empfehlen mal zu gucken was die Biologen so zu sagen haben, und nicht die Chemiker, die vom Trilliarden Markt der Agrochemie profitieren.
    Das an medizinische Qualität interessierte Menschen noch an synthetische Dünger glauben, finde ich bedenklich und auch Schade, aber vielleicht konnte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, den Status Quo zu hinterfragen.

    Grüße

  6. Sebastian

    Zudem werden die Hanfblüten die zur medizinischen Behandlung vorgesehen sind pauschal mit Gammastrahlen bestrahlt, um Mikroben zu vernichten, obwohl nur für Menschen mit Immunschwäche diese extreme Behandlung sinnvoll ist, aber so will es das Gesetz.
    Weshalb sollte da kein biologischer Anbau möglich sein, so wie es auch urprünglich für Bedrocan empfohlen wurde?

    Zu Bedrocan:
    „Seltsamerweise ist James Burton nicht Teil dieser historischen Ereignisse. Nach mehr als 10 Jahren schaut er zurück und teilt seine Geschichte mit Cannabis News Network, welche zu drei Fragen Anlass gibt:
    Hat die Niederländische Behörde für Medizinalhanf letztendlich versagt?
    Warum Gammastrahlung obligatorisch machen? Was ist die Folge?
    Wie steht es um andere Länder und deren Gesetzen zu Medizinalhanf?“
    http://sensiseeds.com/de/blog/gruender-des-niederlaendischen-medizinalhanf-programms-erzaehlt-seine-geschichte-cannabis-news-network/

  7. Sebastian

    Wissen die Hersteller nicht, daß Trichoderma unter Umständen Ihre Mycorrhiza vertilgt, oder wird hier nur mit den Namen für ein fragwürdiges Produkt geworben?

  8. Sebastian

    @Marc Hanke Auch eine phytosanitäre Prophylaxe betreibt die Pflanze selbst, in Symbiose mit Mikroben, die auf der Blattoberfläche Leben, die duch Blattausscheidungen ernährt werden, wie beim Menschen auf der Haut, so daß ein Milieu besteht, in dem Pathogene keine Wachstumsgrundlage finden, zudem sie dadurch den potentiellen Wirt überhaupt nicht als solchen Erkennen können erkennen.

    „Damit hättest du wohl eine Entdeckung gemacht, die nicht nur Botaniker interessieren dürfte…“

    Mich interessiert dringend was Sie dazu sagen, daß die Endeckung bereits 1982 gemacht wurde!

    Grüße

  9. Sebastian

    Wie sollte ein mit Pilzen überfülltes Substrat entstehen, welches in Konkurrenz zur Pflanze tritt, wenn unter anderem Protozoen anwesend sind die sich ausschließlich von Pilzhyphen ernähren,welche ihreseits von einem Räuber in Balance gehalten werden?
    Ich schrieb von lebendiger Erde mit dem adäquaten Bodenleben, ein steriles Substrat ist nichts erstrebenswertes aus Sicht einer Pflanze.

  10. Sebastian

    Ein nicht biologischer Pflanzenanbau ist nicht möglich, da eine Pflanze per Definition biologisch ist, das geht nur wenn Politiker dazu Gesetze verfassen, und daß diese es mit wissenschaftlicher Evidenz nicht so haben sehen wir exemplarisch am Thema Cannabis.
    Sie haben versucht meinen Post abzutun, indem sie meinen meine Ausführungen hätten keinen wissenschaftlich fundierten Hintergrund.

  11. Sebastian

    „Damit hättest du wohl eine Entdeckung gemacht, die nicht nur Botaniker interessieren dürfte…“

    Die Bürger forschen nun offiziell mit
    citizenscience:germany zeigt, welchen wichtigen Beitrag die Bürger beim Weiterentwickeln von Forschungsthemen leisten. Das Wissen beider Seiten­ wächst zusammen – das methodisch in der Forschung entwickelte­ und das durch engagierte Bürger gesammelte. Die Informationstechnik spielt eine herausragende Rolle. In vielen Fällen­ der Citizen Science-Projekte werden Daten erfasst und digital über­mittelt. Die Möglichkeiten sind längst nicht erschlossen. Das zeigen die Diskussionen der „Citizen Science-Marktführer” USA und Großbritannien.
    http://www.citizen-science-germany.de/

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