Montag, 5. Januar 2015

Im Namen der Jugend und der eigenen Auftragslage

MPU-Berater polemisiert gegen Cannabis – Ein Kommentar

 

Autor: Michael Knodt

 

fahnefahren
Gefährlich, aber in Bayern beliebt: Mit Fahne fahren, um von Cannabis abzulenken.

 

 

Dr.Hans H.Greifenhagen ist eigentlich Arzt, widmet sich jedoch zusammen mit seiner Frau, einer Diplompsychologin, dem lukrativen Geschäftsmodell der MPU-Beratung. Wer in Bamberg und Umgebung Ärger mit der Führerscheinstelle hat, kann sich mithilfe des umtriebigen Paares auf die Medizinisch-Psychologische Prüfung vorbereiten. Neben zahlreichen, amateurhaft gestalteten eigenen Seiten bietet Dr. Greifenhagen auf einer Webseiten-Baustelle ohne Impressum die Erstellung von Webseiten für Arztpraxen und Kleinunternehmen an. Nahezu alle Seiten des Web-Experten sind mehr oder minder Baustellen, die meist noch auf Joomla 1.5 laufen und somit nicht mehr schließbare Sicherheitslücken aufweisen.

 

Anscheinend beunruhigt die anhaltende Legalisierungs-Debatte jetzt so einige, die bislang an den skurrilen, verkehrsrechtlichen Blüten des Cannabisverbots verdient haben. Denn ein Evidenz basierter Grenzwert, wie ihn selbst Prof. Dr. Volker Auwärter, Toxikologe aus Freiburg und Mitglied im Sachverständigenausschuss des BfArM, fordert, würde vielen Verkehrspsychologen erhebliche finanzielle Einbußen bescheren. Was also liegt da näher, als sich unter dem Deckmantel der Wissenschaft und des eigenen Doktortitels öffentlich gegen jedwede Form der Liberalisierung zu äußern? Dr. Greifenhagen hat, ohne einen Hinweis auf seine beraterische Tätigkeit, als Reaktion auf diesen Artikel einen Leserbrief* an den „Fränkischen Tag“* verfasst, der vor hanebüchenen Aussagen nur so strotzt. Wie immer ist die Rede von kiffenden Kindern, die an jeder Ecke Gras bekämen, wenn man die Gesetze liberalisiere.
Doch es kommt noch heftiger: „Damit schlagen wir der engagiert arbeitenden Polizei die Möglichkeit für Drogenkontrollen doch ganz aus der Hand und werden nicht nur keine Konsumenten von Hanfprodukten mehr eine Therapie zu führen können, sondern werden auch die ganz harten Drogen so nicht mehr überprüfen können“

 

Ach so, die armen Kiffer können bei einem realistischen Grenzwert nicht mehr therapiert werden und dann kommen die harten Drogen? Das verstehe wer will,  auch nach mehrmaligem Lesen dieses Satzes bleibt er sinnfrei.  Wäre es nicht so immens traurig, könnte man hier noch einen missratenen Witz vermuten.

Ganz zum Schluss stellt er noch die unhaltbare These einer 60-80 stündigen „THC-Kontrollstörung“ auf, die nach dem Genuss eines Joints entstehe.
„Und die Verkehrgefährdung durch einen (!) guten Joint soll nur am Rande noch erwähnt werden – die THC-Kontrollstörung dauert ja “nur” mal so 60 bis 80 Stunden. Hoffentlich begegnet nicht gerade Ihnen morgen so ein Drogen-Fahrer.“  Das hat ungefähr so viel Niveau wie die zahlreichen Webauftritte der MPU-Beratung-Bamberg, für die der Doktor aus Franken verantwortlich ist. Anders als auf seinen Beratungsseiten vermisst man in dem Leserbrief auch den kumpelhaften Ton ( Bsp.: „Wer jedoch nur kurzfristig mal etwas THC“geraucht hat- also Gras- der kann bei günstigen Umstanden schon mit einem kürzeren Abstinenznachweis bei der MPU erfolgreich sein.“), der auf den vielen Webseiten wohl als Authentizitäts-Referenz für die Zielgruppe dient.
Bei solch unwissenschaftlichen Aussagen liegt die Vermutung nahe, der Bamberger Mediziner habe Angst vor einem wissenschaftlich evaluierten,  Evidenz basierten Grenzwert wie er zum Beispiel in der Schweiz sogar für Fahrerinnen und Fahrer des Öffentlichen Nahverkehrs gilt. Denn Recherchen der ARD-Sendung Quarks und Co zufolge können die meisten Cannabis-Konsumenten zwischen Konsum und Verkehrsteilnahme trennen. Ein Großteil der von der im Beitrag vorgestellten Bonner Gerichtsmedizinerin untersuchten Blutproben lagen unter den in der Schweiz geltenden Werts. Hätten wir einen ähnlichen Wert, würde enorme Umsatzeinbußen für das Geschäftsmodell des Ehepaares bedeuten. Von wegen Kinder…

 

*Der Redaktion liegt eine Kopie des Leserbriefs, die aus urheberrechtlichen Gründen nicht abgebildet werden darf, vor.

9 Antworten auf „Im Namen der Jugend und der eigenen Auftragslage

  1. Sebastian

    ich würde mich sehr darüber freuen, wenn das Hanfjournal sich der Sache annehmen würde und den „Fränkischen Tag” dazu veranlässt die Sache gerade zu stellen.

  2. RiTTer

    Wäre es durch einen „Shitstorm“:) nicht äußerst realistisch eine Richtigstellung zu erwirken.
    Außerdem würden wir Aufmerksamkeit von den Medien erhalten.

    Lg

  3. Saengdaw

    mhm wenn man sowas liest stellt man sich schon langsam die Frage wie manche Menschen ihren Doktortitel bekommen haben! xD obwohl ich weder Doktortitel noch sonstige explizite psychologische oder medizinische Ausbildung habe, habe ich das Gefühl das ich durch meine Arbeit in einer psychiatrischen Anstalt wesentlich mehr Fachwissen über Medikamente, Drogen jedlicher Art und deren Auswirkungen, Zusammensetzung und Folgen Bescheid weiß. Ist schon traurig wenn man überlegt, dass dieser Leserbrief von einem anerkannten Doktor geschrieben und auch noch ernst gemeint wurde. Vielleicht sollte sich der Staat besser überlegen wem er einen Titel verteilt und wem nicht, denn bei solch lächerlichen Aussagen macht man sich schon Gedanken darüber, ob dieses Ehepaar nicht vielleicht doch eine andere berufliche Karriere einschlagen sollten, denn unsere Kinder sind von Menschen mit solch falschen Aussagen und Beeinflussungen mehr gefährdet als durch eine Liberalisierung von Cannabis. Denn eines mag man nicht vergessen: ein kontrollierter, gesetzlich geregelter Markt ist leichter zu kontrollieren als illegaler Schwarzmarkt!
    Denkt mal drüber nach liebes Ehepaar und sucht euch bitte einen anderen Beruf der euren Qualifikationen eher geeignet ist 😉

  4. X-KIFFER

    Für seine Kackseite interessierte sich bisher kein Arsch.
    Besucher gestern: 0
    Besucher heute: 80
    von rd. 1100 insgesamt.

    Von „THC-Kontrollstörungen“ habe ich noch nie etwas gehört.

    Aber das es „Kontrollstörungen“ gibt glaube ich dem Mann gerne, allerdings denke ich das es sich dabei um seine eigenen Kontrollstörungen handelt und das diese warscheinlich nicht nach 60-80 Stunden abklingen werden, sondern in seinem Fall chronisch sind.

    Die Idee, dafür zu sorgen das solch einem Scharlatan die Zulassung entzogen wird finde ich sehr gut. Die Frage ist wie sowas geht. Anzeige bei der Ärztekammer? Immerhin handelt es sich es sich um vorsätzliche Verbreitung von Falschinformationen durch einen Arzt der aufgrund seiner Ausbildung dies wissen müßte.

    Den Leserbrief von Ihm konnte ich – trotz intensiver Recherche – leider nirgendwo im Internet finden. Warscheinlich wurde er nicht veröffentlicht.

  5. X-KIFFER

    Wie solche Menschen an einen Dr.-Titel kommen ist ganz einfach zu erklären:
    Wie die Fälle der beiden CSU-Politiker Guttenberg (der mit der Fettschmiere im Haar) und Anette Schavan (das ist die die so aussieht wie ihre eigene UR-Großmutter) zeigen, kann man in Bayern solche Titel ganz einfach bekommen indem man die Beherrschung der Funktionen copy + paste am Computer nachweist.

  6. papa

    Ich sag schon immer, “ Der oder Die, welche mit dem heutigen Wissen über Cannabis gegen eine Legalisierung sind, verdienen oder partizipieren in irgend einer weise daran.“

    A hanfigs Grüßle

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