Donnerstag, 5. Juni 2014

Wenn aus Kiffern Eltern werden…

…nach wahren und zufälligen Gegebenheiten

 

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von Mari Jo

 

„…und am besten nicht mehr rauchen!“, klangen die Worte der Gynäkologin in mir nach, als ich, noch betäubt von angekündigten Mutterfreuden, schweren Fußes die Praxis verließ. Darauf musste ich mir erst mal ein Dämpfchen genehmigen, um mir in Ruhe eine Strategie zu überlegen, mit der sich so ein „schwanger-Sein“ aushalten ließ. Plötzlich war nichts mehr wie es war, die bedröhnte Leichtigkeit des Seins wich lautstarken, anklagenden Gewissenseinflüsterungen und mein Buddhalächeln der verkniffenen Einsicht, dass doch niemand so wirklich genau weiß, was das Weed mit so einem klitzekleinen Würmelein im Bauch machen kann…? Da gab es ziemlich schlimme Artikel und sogar Bücher drüber, und je mehr ich über die hunderttausend Risiken eines Fötus nachdachte, je furchtbarer erschien mir diese Welt – vor allem für mich selbst.

 

Mutterglück und Kifferfreuden

 

Indem ich mich für meine Mutterschaft entschieden hatte, war nun heroisch die letzte Zigarettenschachtel zu entsorgen, ein duftender, kleiner Rauchpickel zu verschenken und sämtliches paraphernalisches Zubehör so gewissenhaft und unzugänglich wie möglich zu verstauen, mit der festen Absicht, ein neues Leben zu beginnen. Die Grenzen wurden mir indes vom liberalen Vater meines Kindes gesetzt, den meine Schwangerschaft keineswegs in Euphorie versetzte, geschweige ihm eine Art von motivierendem Handeln abnötigte. Eine gemeinsame Reise in seinem kettenverqualmten Wohnmobil brachte zügig sowohl meine guten Vorsätze, als auch unsere Beziehung zu Fall. Als künftig allein erziehende (und leider wieder rauchende) werdende Mutter kehrte ich von dieser unglücklichen Reise nach Hause zurück, schuldgebeutelt und mit einer Riesensehnsucht nach einem Zwergenpfeifchen… Meine Tochter wuchs also mit mir und dem geliebten verbotenen Hanf auf, wobei es mir zunehmend schwer fiel, ihr zu erklären, warum dieses hübsche duftende Pflänzchen verboten ist, von dem die Mama doch immer so gut gelaunt wird… Sie konnte kaum begreifen, dass es Menschen gibt, die ihre Mama deswegen ins Gefängnis stecken oder ihr eine Menge Geld abnehmen würden. Sie lernte, dass der Hanfgenuss mit Stillschweigen und Verstecken verbunden ist, aber Zigaretten jeder rauchen darf, und Alkohol mancher trinken muss, selbst wenn er gar nicht will… – Sie lernte früh, dass unsere Welt von Lügen regiert ist.

In der Zwischenzeit las ich etliche Horrorstories von Prohibitionsbefürwortern in noblen Aufmachungen und machte mir sehr wohl Gedanken darüber, wie sich das THC langfristig auf den Organismus und natürlich auf die Psyche meines Kindes auswirken mag. Welche Möglichkeiten und Risiken ich mir allerdings auch ausmalte, es endete doch immer wieder damit, dass ich unsere zunehmende Umweltverschmutzung und zivilisatorische Pervertierung und Denaturierung weit mehr beklagen wollte als die Zuführung von natürlichen Glückshormontriggern in das kindliche endokrine System.

 

Kräuterkiffer und Beikonsum

 

Ein Risikofaktor für die kiffenden werdenden Eltern ist meiner Meinung nach die Unterschätzung der kindlichen Wachsamkeit, was unsere Ehrlichkeit angeht. So glaubt mein guter Freund Klaus felsenfest daran, dass seine beiden Kids keine Ahnung haben, was er seit Urzeiten in seine Pfeife stopft und ordnet seine Glaubwürdigkeit als Vater dem zu wahrenden Schein unter, indem er ihnen irgendwas von „Kräutern“ erzählt. Wenn ich mir allerdings dabei ihre Gesichter genau betrachte, so ahne ich, dass sie ziemlich gut wissen, dass ihr Vater weiß, dass sie es wissen…
Hat es etwas mit dem Alter, mit der Reife oder vielleicht mit den Hormonen zu tun, dass die schöne Cannabis-Ideologie zugunsten fragwürdiger Zukunftsvisionen und scheinheiliger Liebäugelei mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit spätestens zum Zeitpunkt einer Familiengründung zu bröckeln beginnt? Oder ist es schlichtweg der evolutionsgesteuerte Naturinstinkt, der uns sagt: „Jetzt ist es Zeit, in die „Legalität“ zurückzukehren, um dem Kind das bestmögliche Vorbild zu sein und bloß nichts mehr zu riskieren“…?

Auffällig empfinde ich, dass die meisten meiner damaligen Kifferfreundinnen mit ihrer Mutterschaft das Hanfrauchen drangegeben haben, angeblich vertrugen sie es nicht mehr… Dafür gab es dann bald den ein oder anderen Piccolo, und in der Folge wurde es zunehmend normal, dass Wein oder Sixpacks (wenn nicht gar Härteres…) auf dem Couchtisch den ehemaligen Platz der Bong einnahmen, um einem immer unkritischeren Genussmittel-„Beikonsum“ Vorschub zu leisten.

 

Oppositionstheorie und Vorbild

 

Gertrud und Pokis haben sogar gleich eine Kneipe aufgemacht und wollten vom Hanf plötzlich Garnichts mehr wissen. Wenn Pokis dann seinen vierten Tequila-Sunrise drin hatte, freute er sich: „Tja, wenn Rübchen (das war die seinerzeit dreijährige Tochter, die zumindest noch unter Hanfeinfluss entstand) in die Pubertät kommt, wird sie höchstwahrscheinlich kiffen, nur um ihre Opposition zu behaupten…“ Seiner Tochter aus erster Ehe, die damals mit vierzehn so richtig in ihre Sturm- und Drangjahre kam, hat er dermaßen den Pädagogen gemacht, (weil sie nämlich kifft und alkt – was er entschieden übertrieben fand), dass sie erstmal wieder zu ihrer Mutter gezogen ist.

Wäre ja schön, wenn das mit dem Vorbild stimmte, und die Kinder von Kiffern auch eher kiffen als alken. Wäre auch schön, wenn das mit der Oppositionstheorie stimmte, nach der die Kinder von Alkis eher kiffen als alken… – ich glaube eher, sie machen über kurz oder lang beides (oder alles…)!

Das Angebot, dem unsere Kids ganz abseits von den elterlichen Gepflogenheiten ausgesetzt sind, ist jedenfalls ganz erstaunlich groß, dem natürlichen Bedürfnis nach veränderten Bewusstseinzuständen angemessen – und die Prohibition tut ihren guten Teil an Vertrauensverlust in gesetzliche Vorgaben, dem Reiz des Verbotenen sowie den fatalen Folgen von verheimlichten Irrwegen…

 

Hanfkultur und Selbstreflektion

 

Authentisch bleiben und zur Pflanze stehen, das würden sicher gern die meisten leben – aber was macht ein Kiffervater zum Beispiel, wenn er plötzlich ständig darauf achten muss, dass sein Brösel nicht in Babybackentaschen verschwindet oder seine Blubb ihre Kondensat-Suppe ins Sofa verströmt, weil der Spross in einem einzig unbewachten Moment dieses hochinteressante Spielzeug begutachten musste? Der ewige Stress mit der (neuerdings) nüchternen und oft frustrierten Mutter ist sicherlich auch ziemlich uncool für eine Elternschaft.

Und kann denn eine „Kiffermutter“ ohne drastischen Rückzug bezüglich ihres Hanfkonsums überhaupt einem Familienalltag mit seinen Anforderungen und Nachtschichten gerecht werden? Auch wenn ich selbst manchmal sehnsüchtig an die Tage und Nächte zurückdenken musste, in denen ich nichts als Shivas Traum lebte, auch wenn ich spürte, dass der Drang, aus dem Alltag auszusteigen, nicht mehr einfach mit einem Pfeifchen allein zu beschwichtigen ist, versuchte ich zu sehen, was dies aus und mit mir macht.

Ein (eigenes) Kind verlangt uns nun mal Verantwortlichkeit und Fitness ab – zumindest eine Bewusstwerdung gegenüber dem eigenen Tun ist angesagt. Ist das, was ich bisher überzeugt vertreten habe heute noch gültig? Kann ich die einschränkende Veränderung (z.B. weniger kiffen…?) in meinem Leben als Schritt zur „Vorbildstellung für die Kinder“ (oder auch einer gewissen Entwicklung für mich selbst) akzeptieren, oder will ich mich weiter verstecken und vielleicht meine Kinder anlügen müssen…? Was kann ich verantworten in Bezug auf den späteren eventuellen Drogenkonsum meiner Kinder? Welche Autorität verkörpere ich, wenn ich „high“ bin? Kinder lieben Aufrichtigkeit – aber spätestens, wenn die Kindergartenfreunde zum Spielen kommen, tauchen für Kiffereltern Authentizitätsprobleme auf, die ihre Kinder zwangsläufig zu übernehmen haben. Mit welchen Folgen…? Wenn Hanfraucher Eltern werden, sollten sie sich mit ein paar solcher Themen (auch mal nüchtern) auseinandersetzen, denn in den seltensten Fällen dürfte eine Elternschaft so verlaufen, wie sie (im meist gut bekifften Zustand) anfängt!

 

Sachlichkeit im Systemdilemma

 

Gehe ich von mir aus, so kann ich von Glück sagen, dass mein Ableger einen sachlich informativen sowie maßvollen Umgang mit psychoaktiven Substanzen erlernen durfte, ohne in gefährliche Abhängigkeit zu geraten. Einer der wichtigsten Schritte dazu ist imho die Erziehung der Kinder zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten, die sich von uns geachtet und respektiert fühlen ohne zwanghaft kontrolliert zu sein. Ein weiterer Schritt wäre auf jeden Fall die Legalisierung des Hanfs und die reichliche, sachliche und ideologiefreie Aufklärung bezüglich anderer Drogen, mit denen junge Leute oft unabhängig vom Einfluss des Elternhauses konfrontiert werden.

Irgendwie kann ich manchmal schon verstehen, dass viele Cannabisliebhaber zugunsten von Popularität oder „Straightness“ „um-, bzw. aussteigen“, denn wir wollen den lieben Kleinen schließlich keine Randgruppenzugehörigkeit vorleben, die zudem strikte Verschwiegenheit erfordert. Man vergesse auch nicht, dass man unter Umständen erpressbar ist (So soll ja eine 16jährige schon ihren Papa wegen seines Heimanbaus von Cannabis angezeigt haben, weil er ihren Forderungen nach mehr Freiheit und Taschengeld nicht nachkommen wollte…). Da hat man es möglicherweise irgendwann mit einem finster entschlossenen Knirps zu tun, der einem ein Angebot macht, das man nicht abschlagen kann… (!?) Wer weiß, wer weiß.

 

Es ist schon ein Dilemma, das wir Eltern in diesen schlimmen Prohibitionszeiten zu lösen haben, denn der großartige Hanf, der kann ja nichts dafür, dass sich an ihm einige Wenige auf Kosten vieler Anderer mästen wollen und Colorado oder Jamaica sind beide ziemlich weit weg.

7 Antworten auf „Wenn aus Kiffern Eltern werden…

  1. Kevin Barlog

    Meiner Ansicht nach sollte man nicht vor seinen Kindern in (großen Maßen) konsumieren, meine Eltern haben im Haus ausschließlich in der Werkstatt meines Vaters Zigaretten geraucht, welche mit einer Brandschutztür vom Rest der Wohnung getrennt war, dort haben sie meistens auch ihr Bier getrunken oder ihre Mischen. Wirklich stark betrunken haben sie sich vor uns (meiner Schwester und mir= eigentlich nie, die einzigen Bilder die mir dazu einfallen, sind dass mein Vater morgens verkatert am Frühstückstisch saß. Sollte mein Vater mal Gras geraucht haben, geschah das nie im Beisein oder Wissen von mir und meiner Schwester. Ich wurde grundsätzlich kritisch/selbstreflektierend von meinen Eltern über Alkohol und Tabak aufgeklärt. Rauchen wurde uns einfach als schädlich und großes Laster meiner Eltern dargestellt. Da mein Großvater alkoholkrank war, was die Familie meiner Mutter spaltete, konnten meine Mutter aus erster Hand über die gefahren von Alkohol berichten. Die Ergebnisse waren, dass ich in meiner Jugend eher wenig Alkohol trank (volltrunken sein fand ich wenig erstrebenswert, wenn ich trank) und bis heute nicht das Rauchen angefangen habe. Zum Gras kam ich aus freien Stücken mit 19 Jahren. In früheren Jahren hatte vielleicht 5-10 mal Cannabis konsumiert, dies war mir grundsätzlich positiv in Erinnerung geblieben. So kam es, dass ich dem grünen Kraut eine erneute Chance gab und dann dabei blieb. Meine Entscheidung für Marihuana liegt einfach in dem, mir eher zusprechendem Rausch und dem geringeren Schadenspotential begründet. Hätte ich selber Kinder würde ich es wohl meinen Eltern nachmachen und meinen Konsum nicht vor den Kindern groß ausüben, es dennoch nicht verheimlichen und versuchen sie ähnlich an das Thema heranzuführen, wie meine Eltern mich über Drogen aufklärten. Allgemein würde ich mich wohl darauf einstellen, den Konsum zu reduzieren, aber einstellen? Das sehe ich nicht. Bin derzeit übrigens 21.

  2. Juergen Meixner

    … ganz zu schweigen von der Wahrheit, ja die sollten die Eltern ihren Kindern mitteilen.

    A priori: Cannabis ist eine seit Menschengedenken benutzte Heilpflanze, jeglicher Gebrauch derselben ist somit ein medizinischer Gebrauch.

    Nun auch wenn das auf den ersten Blick für so manchen Nicht-Kenner oder verdeckten Prohibitionisten, nicht so erscheinen mag. Wenn wir mal von wenigen extremen Missbrauchsfaellen absehen (ca. 1% der Menschheit ist negativ veranlagt), ist somit nahezu jeglicher Gebrauch ein völlig legaler medizinischer Gebrauch.

  3. Siegfried Heilkräuter

    also eltern sein und kiffen geht mal gar nicht das ist ein absolutes no go

    das finde ich verabscheuungswürdig und krankhaft

    die best mögliche entwicklung eines kindes ist zu gewährleisten und das kann man weder wenn man alkohol trink oder kifft.

    alle die was anderes behaupten sind zu bequem und halten das anreizen des belohnungssystem durch das kiffen das keinen evolutionären vorteil für das kind hat sondern nur nachteile, durch die wirken von hanf für sinnvoll aufgrund des belohnungssystem. was unlogisch ist.

  4. Juergen

    1. Ein absolutes „no go“ = SUBSTANZFASCHISMUS
    2. … wer ist hier krank und ignorant.
    3. Die optimale Entwicklung eines Kindes geschieht völlig natürlich, Cannabis ist reinste Natur, ja Cannabinoide sind gar in der Muttermilch.
    4. … was soll diese Vorverurteilung.

  5. Ralf

    Mir ist in letzter Zeit eine Sache ganz gewaltig aufgefallen, religiöse Fanatiker, sind die auf Droge? Nein, das sind die drogenfreiesten Leute die man sich nur vorstellen kann, denn ihre religiöse Doktrin verbietet jeglichen Konsum berauschender Stoffe. Auch z.B.Robbespierre (franz.Revolution 40 000 tote auf der Guillotine) oder Hitler waren Abstinenzler. Wer sind also die durchgeknalltesten und agressivsten Menschen auf der Welt, die auf Droge oder die abstinenten? Übrigens mein Sohn ist jetzt 25 und wie ich, glücklich und gesund, dank von mir niemals ausgeübtem Druck zum Gang ins Hamsterrad und ich bin, da ich ihm nie etwas verschwiegen habe, in meinem Kampf heute doppelt so stark.

  6. AmmonCha

    Hitler hat mindestens schon mal so viel ich weiß Methamphetamin konsumiert. Das hieß damals Pervitin oder so..

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