Montag, 1. Mai 2023

Kein Herz für Cannabis-Unternehmen

Kommerzielle Cannabis-Produzenten trauern um entgangenes Milliardengeschäft

Cannabis

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

Die von der Bundesregierung geplante Cannabis-Legalisierung ist in zweierlei Hinsicht ein Tabubruch: Zum einen wird Millionen von der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen die Hand gereicht, um sie ein bisschen aus dem „Drogensumpf“ der Unterwelt zu holen, zum anderen werden die Prinzipien des Kapitalismus verletzt und der längst überwunden geglaubte DDR-Kommunismus recycelt.

Der Tabubruch der Entkriminalisierung kleiner Kiffer mag für die Hälfte der deutschen Bevölkerung noch hinnehmbar sein, aber dass dabei die Regeln der freien kapitalistischen Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt werden und das Allerweltskraut Volkseigentum bleiben soll, grenzt nach bundesdeutschem Selbstverständnis an übelsten Bolschewismus.

Der Legalisierungsplan der Bundesregierung hat folglich so manchen Aasgeier des Geldadels aus allen Wolken fallen lassen, und das Gejammer ist groß ob des entgangenen Milliardengeschäfts für einige wenige Privilegierte. Der Traum von Hochsicherheitsgigafabriken zur Herstellung von Industriegras unter Kunstlicht ist vorerst ausgeträumt – nix mit Fettlebe auf Kosten der Hanffreunde, die es mit Cannabis zu Wucherpreisen auszupressen galt.

Wie schmerzhaft der unkonventionelle Weg der Ampelkoalition für die Glücksritter des Kapitalmarktes ist, lässt der Geschäftsführer der Berliner Sanity Group durchblicken. Im RedationsNetzwerk Deutschland (RND) wird Finn Hänsel dahingehend zitiert, dass der kleine Kreis der kommerziellen Anbieter doch etwas sehr enttäuscht darüber ist, dass sich die Hanffreunde in nicht gewinnbringenden Cannabis Social Club zusammenschließen dürfen, die profitorientierten Kapitalunternehmen aber draußen bleiben müssen, obwohl die Businesspläne längst ausgearbeitet sind.

„Darauf haben wir uns vorbereitet, über Shops und Ausbildungsprogramme nachgedacht, Lieferketten geplant und Partner gesucht“, sagt Hänsel. „Wir haben uns viel Mühe gemacht, jetzt treten wir auf die Bremse und investieren erst mal nicht mehr in dem Bereich.“

Dass Cannabis Social Club künftig als Genossenschaft im großen Stil Gras anbauen, bereitet laut RND dem Legalisierungsbefürworter und CDU-Mitglied Hänsel Kopfzerbrechen. Er sieht Sicherheitsrisiken, hütet sich aber davor, die Cannabis-Genossenschaften unter Generalverdacht zu stellen. Zugleich merkt er jedoch an, dass ein Teil der Clubs „ein Einfallstor für organisierte Kriminalität werden“ könnte, da die absehbare Masse an Clubs für die Behörden kaum zu überwachen seien. „In Spanien etwa sollen Clubs ihr Cannabis ebenfalls selbst anbauen, de facto kaufen die Clubs es oft bei Kriminellen“, sagt Hänsel und warnt zugleich vor spanischen Verhältnissen in Deutschland. „Das wird für den durchschnittlichen Konsumenten schwer, den wird das nicht vom Schwarzmarkt weglocken.“

Die Stoßrichtung der Produzenten für Medizinalhanf ist klar: Man will auf den letzten Metern noch ein möglichst großes Stück vom Haschkuchen abgreifen.

„Einzelne, größere Anbieter, die zum Beispiel die Anbauinfrastruktur zur Verfügung stellen, können da mehr Sicherheit und weniger Komplexität garantieren“, verspricht Hänsel in der Hoffnung, dass die Bundesregierung den Kapitalunternehmen doch noch die Lizenz zur Belieferung der Clubs zuschanzt. „Ich bin durchaus offen für die Clubs, aber diese brauchen auch die Option, Cannabis von Dritten, die damit auch ein bisschen Geld verdienen können, zu beziehen.“

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19 Kommentare
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trec.
7 Monate zuvor

Recht ist halt das teuerste und höchste Gut.

…in US werden ehemalige verurteilte Händler als jetzt qualifiziert gelistet.

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Zuletzt bearbeitet 7 Monate zuvor von Trec 0.1
Rogg
7 Monate zuvor

Naja…den horrenden Preisen für Weed von +-20 Euro in legalen Abgabestellen, wird wohl keiner bedauern. Aber solche Preise werden in CSC in Spanien auch aufgerufen. siehe… https://www.youtube.com/watch?v=QsOCO6AFxzM. Solche Verhältnisse sollte es in den deutschen CSC´s nicht geben. Wäre preislich kein Vorteil zu legalen Abgabestellen(die es jetzt nicht mehr geben wird) oder illegalem Weed. Aber auch sonst sehe ich nicht, wie wir ohne die großen Player mit ihren großen Anlagen die Menge an Weed in den Clubs sicherstellen wollen. Ein Club mit 500 Mitgliedern müsste für jedes Mitglied 50 Gramm im Monat produzieren können. Ein Blühzyklus braucht ca 8 Wochen. Also müßte, auch wenn zeitlich versetzt angebaut werden würde, für jedes Mitglied zwei Pflanzen angebaut werden, die Indoor jeweils ca 50… Weiterlesen »

Rogg
7 Monate zuvor

@trec

“…in US werden ehemalige verurteilte Händler als jetzt qualifiziert gelistet.”

Im “Rechtsstaat” Deutschland werden wir die nächste 50 Jahre noch als Verbrecher gelten…

trec.
7 Monate zuvor

@Rogg,

bei Hanf handelt es sich um kulturelle Aneignung. 🙂

Zuletzt bearbeitet 7 Monate zuvor von Trec 0.1
Rogg
7 Monate zuvor

@trec Dieser Unsinn mit der kulturellen Aneignung werde ich nie verstehen. Nur durch das Adaptieren und Lernen von anderen Kulturen und deren Eigenarten, kann sich die Menschheit und ein multikulturelle Gesellschaft entwickeln. Das kapieren diese verblendeten linken Schwätzer genauso wenig, wie die Faschos die nur Hass kennen…zwei Seiten einer Medaille…dumm und kurzsichtig…!!! Aber das Hanf schon seit Jahrhunderten in Deutschland angebaut wird, wird immer bei der Frage ob man Hanf überhaupt hier kultivieren kann, vergessen. Allein in meiner Stadt gibt es einige Strassen, Gassen oder Wege die den Namen Hanf, Femmel oder sonst einen Altdeutschen Begriff für unser Kraut in sich tragen. Meistens wird die Frage von pseudochristlich Politikern in Diskussionen gestellt. Das zeigt das sie nicht im Thema sind… Weiterlesen »

Ramon Dark
7 Monate zuvor

Wenn alle Verkäufer ausserhalb der Clubs kriminalisiert werden ist es kein Wunder, dass sie kriminell sind. Sonst hätten sie einen ganz gewöhnlichen legalen Job und könnten sich auch ausserhalb eventueller mafiöser Strukturen beliefern lassen. Das mit den Clubs ist super, aber eine umfassendere und schnellere Legalisierung als die Hampelpläne vorsehen würde auch die Arbeitslosigkeit bedeutend senken. Allerdings brauchts dazu keine Grosskonzerne mit schlechten Arbeitsbedingungen, mieser Bezahlung und umweltschädlicher Produktion. Bioanbau bevorzugt Outdoor und fairer Handel sind die ökologisch und sozial sinnvollste grundrechtsumsetzende Lösung. Und natürlich genügend Möglichkeiten zur krisengerechten Selbstversorgung.

Rogg
7 Monate zuvor

@Ramon Was Dir so vorschwebt ist schön… Doch in Deutschland, in diesem Jahrzehnt eher unwahrscheinlich. Jedes Kind darf ab 16 Alkohol kaufen und sich so viel Bier selbst herstellen wie er möchte. Das sowas auch für Hanf, und sei es für Erwachsene, gilt…nun das werde ich nicht mehr erleben. Selbst wenn Hanf in Deutschland tatsächlich irgendwann richtig legalisiert werden sollte, dann nicht so frei wie wir es gerne hätten. Öffentlicher Hanfanbau, unter freier Sonne, auf freiem Feld.. .nein…nicht in Deutschland. Denk doch mal an die Kinder….die könnten ja aufs Feld laufen und sich einfach ne Blüte abzupfen… und wer weiß…nach 5 Tagen trocknen doch tatsächlich rauchen. Fast so wie sie jetzt in jedem Edeka sich ein Sixpack kaufen und sofort… Weiterlesen »

PZ226
7 Monate zuvor

@Rogg Also nur um das Klarzustellen, ich bin Mitglied in einem CSC in Spanien und die Preisspanne ist zwischen 7-11€/g für “mittelmäßiges” Gras (sehr gute Qualität und THC zwischen 15-19%) und 11-18€ /gfür extrem hochgezüchtetes Gras >20%THC was meines mMn ein durchaus gerechtfertigter Preis ist. Zumal das das Cannabis in den CSCs qualitativ nicht die selbe Liga wie das “Straßengras” ist und gar nicht damit verglichen werden kann.

Rogg
7 Monate zuvor

@ PZ226

Ok, das hört sich ja gut an. Deine Erfahrung hab ich nicht, nur das was ich von Green connection mitbekommen habe. Hört sich ja sehr vernünftig an. Top !!! Danke für die Info

Rogg
7 Monate zuvor

@ HJ

Ich hab aus versehen auf den “Kommentar melden” Button gedrückt…bitte ignorieren

PZ226
7 Monate zuvor

@Rogg alles gut, sollte auch kein Angriff sein, nur eine Klarstellung. Kursieren auch extrem viele Falschmeldungen im Netz. Prinzipiell gebe ich dir in vielen Punkten Recht. Dennoch gilt: Nicht alles im Netz glajben und optimistisch bleiben. 3 Pflanzen daheim + CSCs sind vielleicht nicht das Ziel, aber ein riesiger Schritt nach vorn.

buri_see_kaeo
7 Monate zuvor

„Pflanzen daheim“ stört mich etwas. Ich will sie natürlich im Garten stehen haben. Wenn‘s den Wurzeln der Pflanzen im Topf zu eng wird, schwächeln sie, zur Blütephase nicht so gut.
Durch die Landesgartengesetze sind die Rauschgiffelspflanzen verboten;
aber etliche haben Schlafmohn stehen, auch angeritzt -> sieh’ an die Säufer, Einstiegsdroge = Alkohol, nur eine erste Isolationsmassnahme…, schon hätten sie brauchbar Morphin
Stechapfel und Tollkirsche sind oft zu sehen = Atropin
Rizinussbäume, der kleinen Kinder Milchgebiss schafft die Samen zu knacken…
Aber wehe, es wird Hanf entdeckt, passiert seit 2000-er (Internet) leider oft.
Auch nach einer Entkriminalisierung werden Baustellen zu beackern sein.
mfG   fE

Rogg
7 Monate zuvor

@ PZ226

Kein Thema…Tatsächlich hab ich nur diese Quelle bzgl der Preise im CSC gehabt.
Korrigiere mich aber gerne wenn ich falsch liege. Freut mich das man in Spanien doch zu vernünftigen Preisen sein Weed bekommt.
Wäre, preislich, ein schönes Vorbild für Deutschland…nochmals danke..

Rogg
7 Monate zuvor
Haschberg
7 Monate zuvor

Dieser widerwärtige Prohibitionskrieg gegen die beste Heilpflanze unserer Erde wird von den konservativen Schergen des Teufels weiterhin am Leben erhalten.
Schließlich braucht diese niederträchtige Kriminalisierungsindustrie auch künftig eine hohe Zahl an Opfern.
Wer eignet sich dafür besser als Kiffer ?
An das übermächtige Heer der gefährlichen Alkoholiker traut sich bislang noch kein Politiker mit Verboten.
Man befürchtet, dass es ähnlich chaotisch ausgehen könnte, wie bei der US-Prohibition vor hundert Jahren.

buri_see_kaeo
7 Monate zuvor

Alkoholitcheck: und sein Müllgebrüll „ideologische Verblendung“, gerade von dem; übrigens persönlichen Statements, vor Kameras (Frage & Antwort) z.B.: https://m.youtube.com/watch?v=WBzlnMsvGOI weicht er aus, wie erbärmlich, aber nicht unüblich bei Lügnern. Wenn er jedoch von einem Rednerpult (keine Fragen möglich) seine Lemminge impft…, da blüht er auf, eine jämmerliche Witzfigur. Hr. Blienert: Präventionsarbeit für Kinder & Jugendliche, legal # ungefährlich, müsse Kindern & Jugendlichen vermittelt werden, Aufklärung. Ich: Ja, klappt prima- der Rauschgiffelsbulle mit’m Köther in‘ner Schule ist lächerlich. Angstmachen, mit dem Verbot der Prügelstrafe war Michel auch spät dran, Erziehung zu selbstbewussten Menschen-> nee, äh. Die Kinder: Hier (TH) in der Wohnhäuschensackgasse steht am Ende beim Geisterhaus eine Cannabis im Topf. In Wohnhäuschengassen stehen vereinzelt welche vor den Häusern. Bisher haben… Weiterlesen »

Rainer
7 Monate zuvor

Drei Pflanzen legal auf dem Südbalkon,und ich persönlich bräuchte nicht mehr Lockerung.Komme ohne Führerschein klar.Mein Versorgungsproblem wäre gelöst,und ich bräuchte nicht so viel grübeln,wie ich es gelöst kriege.So wäre ich freier für andere Dinge.Mir ist klar,daß es CSC”s geben muß.@Rogg
Die Musik voll mein Geschmack.

Rogg
7 Monate zuvor

@ Rainer….meine auch, aber Du meinst trec…

Rainer
7 Monate zuvor

Ja richtig.