Sonntag, 9. Oktober 2022

„Wir schaffen das mit der Cannabis-Legalisierung“

Bild: Archiv Su

Exklusiv: Bundeskanzler Olaf Scholz im Gespräch mit dem Hanf Journal

Eine Glosse von Sadhu van Hemp

 

Kinders, wie die Zeit vergeht! Eben jubelten wir noch über die Abwahl des Merkel-Regimes und die Inthronisierung von Olaf Scholz als neue Bundeskanzlerin, und schon ist das erste Jahr der Legislaturperiode so gut wie vergangen. Nicht vergangen ist, dass sich Vater Staat nach wie vor an Menschen vergeht, die Cannabis konsumieren. Das Versprechen der Ampel-Koalition, Deutschland vom Joch des Anti-Hanf-Krieges zu befreien, wurde bisher nicht eingelöst, obwohl immer wieder beteuert wird, dass eine Cannabis-Freigabe angestrebt und auch kommen wird.

Das Hanf Journal hakte nach, und Bundeskanzler Scholz stellte sich den Fragen unseres Kriegsreporters Sadhu van Hemp

 

Ahoi, Genosse Olaf! Zunächst will ich dich darüber aufklären, mit wem du hier sprichst. Wir kennen uns aus der Schulzeit. (Olaf tut verwundert und grinst.) Ja, Keule, wir waren damals gemeinsam in der Oberstufe. Allerdings muss ich zugeben, so richtig kann ich mich nicht an dich erinnern. Aufgefallen bist du mir jedenfalls nicht. Und mit euch Heinis von der Schüler-Union und den Jusos wollte ich nichts zu tun haben. (Olaf grinst.) Inwieweit du dich an mich erinnerst, weiß ich nicht. Nur so viel: Ich war der, der Anfang der Siebziger des letzten Jahrhunderts für ein Jahr von Berlin zu seinen Großeltern nach Hamburg verfrachtet wurde, weil mir meine Eltern vom Staat wegen des § 218 und § 175 weggenommen wurden. Ich weiß noch, wie ich von euch gehänselt wurde: Mein Vater sei eine schwule Sau und meine Mutter wäre keine Ärztin, sondern eine Engelmacherin. Lehrer und Eltern haben euch vor mir gewarnt, da man mich bereits mehrfach wegen Kiffens abgeurteilt hatte. Erinnerst du dich?

 

Nö, keinen blassen Schimmer. War ich überhaupt jemals auf dem Gymnasium? Kann mich überhaupt nicht daran erinnern. Schon zu lange her.

 

Vielleicht kommt die Erinnerung wieder, wenn ich dir sage, dass ich in meinen Kreisen Kawumm genannt wurde und als Paria unserer Lehranstalt galt. Ich war der, der von einem Mitschüler, der dir sehr ähnlich sieht, wegen eines Joints verpetzt und in der großen Pause auf dem Schulhof von zwei Polizisten und dem Hausmeister grün und blau geschlagen wurde. Daran musst du dich doch entsinnen, Olaf? War doch ein Riesenspektakel, als der Direktor wie ein Berserker an meiner Matte zerrte und mir mehrere Haarbüschel ausriss.

 

Nö. Keine Erinnerung. War ich wohl krank an dem Tag.

 

Dann hast du auch nicht mitbekommen, dass ich wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in ein Heim für Schwererziehbare eingewiesen wurde, das unter kirchlicher Leitung stand? (Olaf grinst.) Dort gab es tüchtig Prügel im Namen des Herrn, und Ärzte missbrauchten uns als Versuchskaninchen für Pharmazeugs. Ja, du Genosse du, da grinste, wa! Mir wurde von den SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt und Helmut Schmidt die Jugend geraubt, nur weil ich Haschisch und Marihuana gequarzt habe. Was sagste denn dazu, du Sozialdemokrat?

 

Was soll ich sagen? An diesen Brandt und Schmidt kann ich mich nicht erinnern. Nur so viel: Soweit ich mich entsinne, haben wir uns fest vorgenommen, da etwas zu tun. Das muss sich ändern.

 

Aha! Davon ist aber weit und breit nichts zu sehen, seitdem du Bundeskanzler bist und die Richtlinienkompetenz innehast. Stattdessen heißt es, dass sich die geächteten und verfolgten Hänflinge in Geduld üben müssen, da so eine Cannabis-Freigabe eine komplizierte Sache sei. Jetzt werden erstmal unzählige selbsternannte Spezialfachexperten gehört, darunter Kirchenleute, besorgte Muttis, Polizeihäscher, Seelenklempner und Pillendreher – allesamt aus dem Lager der Prohibitionisten, die aus Eigennutz Sand ins Getriebe der Cannabis-Legalisierung streuen. Die Betroffenen müssen draußen bleiben, haben nichts bis gar nichts zu melden. Unterdessen wird alle paar Minuten ein Hänfling hops genommen. Viele wandern in den Knast oder werden gleich in Psychiatrien zwangseingewiesen. (Olaf grinst.) Mensch, Alter, nun hör doch endlich mal mit deinem dämlichen Grinsen auf. Das ist nicht zum Lachen, dass jährlich Abertausende Menschen wegen des Hanfverbots in Teufelsküche kommen.

 

Habe ich gelacht? Kann mich gar nicht daran erinnern. Aber wir haben uns fest vorgenommen, da etwas zu tun. Da muss sich was ändern. Und wenn ich mich recht entsinne, möglichst bald, noch in dieser Legislaturperiode.

 

Nein, Olaf, nicht bald, sondern jetzt sofort, unverzüglich! Kann doch nicht sein, das meine Mutter, die böse Engelmacherin, und mein Vater, der perverse 175er, seit Jahrzehnten rehabilitiert sind, während ich, der Haschischraucher, nach einem halben Jahrhundert noch immer wie ein Aussätziger, der hinter Gitter gehört, behandelt werde. Mensch, Alter, wir kommen doch aus derselben Zeit, haben die gleiche Musik gehört, dieselben Bücher gelesen und dieselben Flausen im Kopf gehabt.

 

Daran kann ich mich nicht erinnern. Beim besten Willen nicht. War ich wirklich mal jung?

 

Ja, Olaf, das warst du! Du warst mal bei den Jungsozialisten, hattest statt Glatze lange Haare und warst ein politisch engagierter Teenager, der für eine bessere Welt kämpfte.

 

Nee, echt? War das so? Kann mich gar nicht daran erinnern. Ich erinnere mich nur, dass ich mal als Innensenator der Hansestadt Hamburg für Recht und Ordnung gekämpft habe. Ich habe den Einsatz von Brechmitteln angeordnet, um den schwarzarabischen Haschgiftdealern das illegale Handwerk zu legen. Daran kann ich mich noch gut erinnern, weil der Europäische Gerichtshof diese meine mutige Entscheidung missbilligte. Du siehst, mein lieber Sadhu, man muss immer vorsichtig mit dem sein, was man tut oder nicht tut, was man sagt oder besser nicht sagt. Übermut tut nicht gut.

 

Äh, Olaf, Genosse! Bist du wirklich so eine Niete? Rede ich hier mit einem Mann ohne Mumm und Männerherz? (Olaf grinst.) Was ist daran so schwer, als Bundeskanzler einen Waffenstillstand im Krieg gegen die Hänflinge anzuordnen, die Polizei zurückzupfeifen und die Gerichte bis zur endgültigen Legalisierung anzuweisen, keine Strafverfahren mehr wegen des Besitzes von Haschisch und Marihuana zum Eigenverbrauch einzuleiten? Wie wäre es, zur Abwechslung mal, auf die richtigen Leute wie den Jugendrichter Andreas Müller zu hören? Einfach die Eigenbedarfsgrenze und den zulässigen THC-Grenzwert zum Führen von Kraftfahrzeugen anheben – fertig ist der Lack, ohne gegen internationales oder europäisches Recht zu verstoßen.

 

Ist das wirklich so einfach? Und wer ist dieser Richter Müller? Den Mann kenne ich nicht. Zudem kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich als Regierungschef solche weitreichenden Kompetenzen habe. Aber ich denke, dass wir da etwas entwickeln werden, was demnächst bzw. spätestens zum Ende der Legislaturperiode kommt.

 

Nun gut, Olaf, es bringt offensichtlich nichts, dich daran zu erinnern, dass die Ampel das Wahlversprechen der Cannabis-Freigabe gegeben hat. Müssen sich die Hänflinge in diesem unserem Vaterland also weiter verstecken und vor den Strafverfolgungsbehörden fürchten? Trotz allem, lieber Ex-Mitschüler, sei bedankt für dieses Gespräch.

 

Wie jetzt? Wir haben miteinander gesprochen? Komisch, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Aber ich kann mich daran erinnern, dass wir vorhaben, dass sich da was ändern muss. Möglichst bald, noch in dieser Legislaturperiode.

 

Olaf erhebt sich und grinst und grinst und grinst. Der Eindruck verfestigt sich, dass der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gar kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern ein Schlumpf aus Plaste und Elaste ist, der zur Belustigung des deutschen Volkes Schabernack treibt.

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