Montag, 8. August 2022

Der Cannabis-Schmuggler – ein Verbrecherberuf mit Zukunft

Bild: su/Archiv

von Sadhu van Hemp

Es gibt viele Berufe, die dazu einladen, das Gesetz zu brechen. Wohin man auch schaut, Lug und Trug ist allgegenwärtig, und es geht immer darum, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Doch nicht alle Berufsverbrecher sind Unholde – und dazu zählen die, die davon beseelt sind, ungeachtet des Strafgesetzbuches den Menschen Gutes zu tun, indem sie Haschisch und Marihuana schmuggeln.

Wer wagt, will auch gewinnen. Doch nicht immer verlässt sich der gemeine Zocker auf das pure Glück, um als Sieger zu triumphieren. Gezinkte Karten und Würfel sind so alt wie die Menschheit und bis heute weltweit in Gebrauch. Sportler dopen, Doktorarbeiten werden abgeschrieben und Fleischabfälle als fangfrischer Kabeljau angepriesen. Unendlich ist der Einfallsreichtum des Homo sapiens, sich als Einzelner über alle zu stellen und diese an der Nase herumzuführen. Nicht immer ist dieser allgemeine Hang zur Asozialität zum Wohle der Gemeinschaft – doch es gibt auch Ausnahmen.

Der Steuerbetrüger Boris Becker, der gerade in London hinter schwedischen Gardinen Buße tut, ist so ein Sonderfall, an dem sich die Geister scheiden. Während die Philister den ersten Stein werfen und den Bösewicht am liebsten teeren und federn würden, zögern die Plebejer, denn alle wissen, dass in jedem von uns ein kleiner Bobbele steckt. Gibt es doch in diesem Land kaum einen Bürger, der nicht zu Höchstform aufläuft, wenn es darum geht, die Steuerklärung kreativ zu gestalten. Dann wird schon mal aus einem Saufabend mit den Kegelbrüdern ein Geschäftsessen, weil man sich ja an der Pissrinne auch über Steuersparmodelle austauscht.

Steuerbetrug ist Deutschlands Volkssport Nr. 1, und dazu zählt auch die Königsklasse allen Nervenkitzels: die illegale Verbringung von Waren über Landesgrenzen, mit der Absicht, Zölle, Steuern und andere Einfuhrbestimmungen der nationalstaatlichen Wegelagerei zu umgehen. So ist jeder fünfte in Schland konsumierte Glimmstängel nicht versteuert, was laut Deutschem Zigarettenverband einen Steuerverlust von etwa 12 Millionen Euro pro Tag verursacht. Unangefochtene Spitzenreiter des breit angelegten Tabaksteuerbetrugs sind die Berliner Nikotinjunkies, die nur mit jedem zweiten Sargnagel ihren Obolus zur Finanzierung des 100-Milliarden-Sondervermögens für die Bundeswehr erbringen.

Letztlich findet all das seinen unverzollten Weg nach Deutschland, was Spaß macht: Alkoholika und Tabak, Haschisch, Gras und Opiate, Nashornpulver und Polenböller. Es gibt nichts, was nicht geschmuggelt wird, selbst wenn die Ware ein Mensch ist. Der Schmuggel kennt keine Grenzen, weder moralische, noch geographische, und die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Wenn eine systemrelevante Stütze der Gesellschaft eine sittenwidrige Orgie feiern will und seinesgleichen zu Kokain und exotischen Zwangsprostituierten einlädt, dann machen das erst Schmuggler möglich. Ohne die hohe Kunst des Schleichhandels geht nichts in dieser bigotten Gesellschaft, die christliche Werte predigt, aber in Sünde lebt. Undenkbar ist ein Weihnachtsabend, an dem das verwöhnte Eheweib des Geldproleten auf kostbare Pelzgeschenke und Krokohandtaschen verzichten müsste! Und dass eine ordentlich verzollte Kaviarstulle dem Sparfuchs nur halb so gut schmeckt, dürfte auch kein Geheimnis sein. Wozu Vater Staat und seinen Suppenküchenkindern etwas gönnen, wenn man selbst den Hals nicht vollkriegt?

Keine Frage, der Beruf des Schmugglers ist ein Garant unserer letzten Freiheiten – im guten wie im schlechten, sehr schlechten Sinne. Ein nettes Beispiel dafür ist unsere Bundesregierung, die über dunkle Kanäle einen Express-Lieferservice für Mord- und Folterwerkzeuge aller Art in Schurkenstaaten organisiert und damit ungeniert gegen das Kriegswaffenkontrollrecht verstößt. Ebensolche Gangster sind unsere habgierigen Immobilienhaie. Über Tag frisst sich der Schwarm nimmersatter Schmarotzer im Sozialstaat Deutschland mit Wuchermieten, Förder- und Wohngeldern dick und rund, um dann bei Nacht und Nebel am Schweizer Ufer des Bodensees zu laichen.

Und doch, trotz aller Auswüchse, es gibt sie noch, die Schmuggler der guten alten Schule. Also jene Brüder und Schwestern, die selbstlos Kopf und Kragen riskieren und reinen Herzens dafür sorgen, dass Genusskiffer und Cannabis-Patienten ihre im Grundgesetz verbriefte Freiheit auch wirklich leben können. Ohne den Heldenmut jener wackeren Frauen und Männer, deren unbestechliches Wesen auf Ehre und Gewissen gestellt ist, wäre der gute Ruf der klassischen Schmugglerzunft längst perdu. Denn eines sei hier mal klargestellt: Schmuggler mit Haschisch und Marihuana im Gepäck mögen zwar Verbrecher vor dem antiquierten Betäubungsmittelgesetz sein, aber in den Augen der unterjochten und geächteten Hänflinge sind diese wagemutigen Menschen Wohltäter.

Ihr Handeln ist die Notwehr der Verfolgten der Cannabis-Prohibition! Jedes noch so kleine eingeschmuggelte Rauchpiece führt das perfide System rechtswidriger Verbote in Gänze ad absurdum. Wer Cannabis schmuggelt und den rund vier Millionen kriminalisierten Bundesbürgern trotz allen staatlich zugefügten Leids ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert, der kann kein schlechter Mensch sein. (Selbst wenn der Cannabis-Schmuggler nur aus rein pekuniären Motiven handelt und sein gescheffeltes Papiergeld wie jeder andere Geldsack in Steueroasen parkt – dieser unser lebenserhaltene Samariter darf das!)

Genaue Zahlen über den internationalen Schmuggel mit Haschisch und Marihuana lassen sich nur ungenau ermitteln. Die Drug Enforcement Administration (DEA) schätzt aber den Umsatz aller illegal gehandelten Drogen auf mehrere hundert Milliarden Dollar jährlich, was in etwa den Umsätzen des legalen Erdölgeschäfts entspricht. Mutmaßlich wird im Drogenhandel mehr als die Hälfte aller weltweiten Umsätze der organisierten Kriminalität getätigt.

Doch was wäre das Schmuggelgeschäft ohne jenes fleißige Fußvolk, das im Ameisenverkehr tagein tagaus seine Furchen zieht und ein Heer von plattfüßigen Zöllnern auf Trab hält?

Alle Register werden gezogen, von beiden Seiten, um als Sieger aus dem ewigen Katz-und-Maus-Spiel davonzuschleichen. Die Fangquote der Zollbeamten ist jedoch ohne jede Relevanz. Da helfen auch keine peinlichen Pressemitteilungen über geschnappte Amateurschmuggler, die der Öffentlichkeit in aller Regelmäßigkeit präsentiert werden, als hätte man Schwerbrechern das Handwerk gelegt.

Dabei zeigen die Erfolgsmeldungen von Polizei und Zoll nur allzu deutlich den Nonsens des Hanfverbots auf. Je enger der Zoll die Maschen zieht, desto kleiner werden die Fische. Und die sind wie vielköpfige Wasserschlangen: Schlägt man einer den Kopf ab, wachsen ihr zwei neue nach.

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