Samstag, 28. März 2020

Deutsche Cannabis-Politik – ein Trauerspiel

Das Murmeltier der Cannabis-Prohibition

Von Sadhu van Hemp

Dramaturgen, die Drehbücher für Kriminalfilme schreiben, lieben den War on Drugs – denn Drogen gehen immer. Tagein tagaus werden sie auf Dealerjagd geschickt, die Damen und Herren von der Filmpolizei, um jene Unholde zur Strecke zu bringen, die Deutschland mit verbotenen psychoaktiven Substanzen grundversorgen. Die Moral dieser Kriminalgeschichten ist immer dieselbe: Illegale Drogen sind Teufelszeug, die mitsamt der Konsumenten zum Wohle der Menschheit ausgemerzt gehören. Die Dealer sind die Bösen und die Polizei die Guten. Die Konsumenten sind grenzdebile Opfer, die vor sich selbst geschützt werden müssen, indem ihnen Daumenschrauben angelegt werden.

Was am frühen und späten Abend aus den Fernsehkanälen flimmert und die Zuschauer gruselt, spult sich auch in den Köpfen der „systemrelevanten Elite“ ab, die an den Schalthebeln des politischen Machtapparates sitzt und den Anti-Drogenkrieg als unendliche Geschichte inszeniert. Wie im Kintopp wird das Horrorgemälde völlig entfesselter Junkies und enthemmter Dealer gemalt, um den gnadenlosen Kampf gegen Menschen, die illegale statt legale Drogen bevorzugen, zu rechtfertigen. Kurzum, die letzte Klappe des Drogenkriegsdramas wird so schnell nicht fallen, solange sich die Mehrheit der Bevölkerung an den Bildern der Kriegsberichterstattung ergötzt und aufgeilt.

Und so grüßt es täglich, das Murmeltier der Cannabis-Prohibition. Gefangen in der Dauerschleife des immer gleichen Films drehen die Hanffreunde wie im Laufrad ihre Runden, während über ihren Köpfen das Damoklesschwert der Strafverfolgung schwingt. Dass der Film nicht abreißt, dafür sorgen die, die das Kriegsdrama wie eine Daily Soap täglich von neuem in Szene setzen.

Das Drehbuch trägt wie eh und je die Handschrift jener Zeitgenossen, die die bei Laune halten wollen, die alles, aber auch alles in Reih und Glied sehen wollen. Für diese Gattung Mensch sind in Deutschland seit ewigen Zeiten die Märchenerzähler der braven konservativen Mitte zuständig, die in fast allen im Bundestag vertretenen Parteien in Sachen Cannabis- und Drogenpolitik das Wort führen und keine Veranlassung sehen, den realen Irrsinn der Prohibition zu stoppen.

Die Chancen, dass die Bürger*innen in absehbarer Zeit eine Bundesregierung bekommen, die einen anderen Film als den alten fährt, sind gering. Auch wenn die Sozialdemokraten vorgeben, das Hanfverbot eine Spur lockern zu wollen, letztlich kommt die Handreichung zu spät, um die kiffende Wählerschaft einzufangen. So oder so, die SPD hat abgewirtschaftet und wird sich nach der nächsten Bundestagswahl auf der Oppositionsbank neu erfinden müssen.

Auch um die LINKE ist es auf Bundesebene schlecht bestellt, das aber stabil um zehn Prozent. Zwar fordert die Linkspartei eine Cannabis-Legalisierung, aber das reicht nicht, um das Gros der deutschen Angstbürger davon zu überzeugen, es mal mit linksbürgerlicher Politik zu versuchen.

Einzig Bündnis90/Die Grünen wecken die Hoffnung, dass mit ihnen auf der Regierungsbank die Weichen für einen Cannabis-Legalisierung gestellt werden. Dass die Grünen nach der nächsten Bundestagswahl mitregieren werden, dürfte gesetzt sein. Doch mit wem – außer mit der Union? Und werden sich die Grünen in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU durchsetzen, wenn es um die Legalisierungsfrage geht?

Ein Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik von Seiten der Union ist nicht zu erwarten. Die CDU wird sich auf der Suche nach sich selbst in der rechten Ecke wiederfinden und im Schulterschluss mit der CSU nicht einen Millimeter von der restriktiven Drogenpolitik abweichen. Für die CDU/CSU ist die Hanfcommunity keine zu berücksichtigende Größe im Kampf um die Wählergunst, wohl aber gilt es, die Legalisierungsgegner des Wut-, Hass- und Spießbürgertums bei der Stange zu halten. Der Rechtsdrall der bürgerlichen Mitte in den Flächenländern ist für die Christdemokraten geradezu existenzbedrohend angesichts der Wählerwanderung zur völkisch-rechtsextremen AfD. Der CDU/CSU bleibt überhaupt keine Wahl, als nach rechts zu rücken.

Und das ist auch gut so – leider! Doch die rechtskonservativ eingestellte Wählerschaft einem Faschisten wie Bernd Höcke in die Arme zu treiben, kann auch nicht im Sinne der Hanfcommunity sein. Schließlich will die AfD nach der Machtergreifung allen Drogensüchtigen, zu denen auch Hänflinge zählen, das Leben richtig verleiden.

Schnelles Login:



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
20 Kommentare
Ältester
Neuster
Inline Feedbacks
Alle Kommentare zeigen
Rainer Schröder
Rainer Schröder
1 Jahr zuvor

Nach Corona wird die Welt neu starten mit sehr großer Verschuldung und Arbeitslosigkeit.
Da liegt eine große Chance für die Community!
Wir müssen es nur richtig Machen!!!

Hermes
Hermes
1 Jahr zuvor

Genau,
das glaube ich auch ,
wenn man dann noch mit Steuergelder unsinnige Prohibition betreibt ist das der Todesstoß.
Denn Steuererhöhung werden wohl unvermeidbar sein .
Morgen ist ein neuer Tag!

buri_see_käo
buri_see_käo
1 Jahr zuvor

Es wird schon noch…, ist aber noch streng geheim.
Z.Zt. habe ich Home-Office, stehe wegen der ausbleibenden
Fahrt ’ne halbe Stunde später auf. Beim Kacken sehe ich immer die
Börse Australiens an, dann in einem Wertpapier-Forum einige Beiträge.
Gestern habe ich mal eine Verar…ungs-Werbung angeklickt:
https://erfolgs-anleger.de/cpc/marihuana/?mvid=1451462
Und siehe da, unter Item-3, „Legalisierung von Cannabis in Deutschland
nur noch eine Frage von Wochen“. Für die jüngeren Hanffreunde besteht
nun die realistische Hoffnung, dass die Anzahl der Wochen den 4-stelligen
Bereich nicht wesentlich übersteigen dürfte – alles wird gut.
mfG  fE

Redarius
Redarius
1 Jahr zuvor

Hoffentlich wird die aktuelle Corona Pandemie den Menschen zeigen, dass es wichtigeres gibt, als anderen etwas zu verbieten. Vor allem wenn es sich hierbei um etwas handelt, was nur den Nutzer schaden zufügt.

Mustermann
Mustermann
1 Jahr zuvor

Verbote sind doch prima. Wir brauchen sie einfach. Sie sind Grundlage unseres Zusammenleben. Manch einer versteht da nur nicht. Verbote machen Kleinigkeiten wertvoll. Uns ist auch schon immer irre langweilig. Wir fühlen uns doch alle erst so richtig wichtig, wenn wir Dinge tun können, die andere eben nicht können. Sei es, weil die anderen Angst haben, sich an dumme Gesetze halten, oder man selber viel mehr Geld für Anwälte hat. Wer hat noch nicht gedacht oder gehört: Auto fahren mit lachhaften 20 km/h mehr – kann ich mir locker leisten… Au dem Land bleibe ich doch nicht nachts bei Rot einer Ampel stehen. Gerade Cannabis hat unsere eigene Jugend geprägt. Es war doch gerade durch das Verbot so lässig und… Weiterlesen »

M. A. Haschberg
M. A. Haschberg
1 Jahr zuvor

Zunächst mal ein dickes Lob für diesen absolut treffend und gut formulierten Bericht! Die völlig unnötige, nichts als menschliches Leid verursachende Prohibition, ist in der Tat ein wahres Krebsgeschwür unserer modernen Zeit. Gerade wir Deutschen mit unserer schrecklichen Vergangenheit, sollten uns hüten, solche aus reiner Willkür verübten Verbrechen seitens der Regierung, an zum Feindbild auserkorenen Minderheiten unserer Gesellschaft, noch immer zu dulden. Es macht die Sache umso absurder, dass man ausgerechnet Konsumenten einer als Heilpflanze eingestuften Substanz, die im Gegensatz zu Alkohol und Nikotin nicht einmal Todesfälle verursacht, fernab jeglicher Logik und Verhältnismäßigkeit, mit aller Härte des Gesetzes bestraft. Natürlich muss man sich auch fragen, wieso kriegen es einige Millionen Hanfliebhaber nicht gebacken, sich in der Öffentlichkeit besser zu artikulieren… Weiterlesen »

B. Kluttig
B. Kluttig
1 Jahr zuvor

@M.A. Haschberg
Normal denkende Menschen würden vielleicht so handeln – Logisch wäre solch eine Handlungsweise. Menschen denken aber nicht einzeln, sondern werden zu Zombies innerhalb eines Mob. Die Regierung und oben Mustermann haben schon recht. Alles Idioten. Die wenigen, die sich Mühe geben fallen nicht mal auf. Bestes Beispiel bei Youtube die täglichen Kommentar-Beiträge der Tagesschau. Unkontrollierbar viele blöde Leute. Man wundert sich, dass das Land überhaupt funktioniert…
Nicht mal hier sind sich Legalisierer einig. Manche sind mit Entkriminalisierung zufrieden – woher soll denn das Gras kommen? Eigenanbau finden viele doof, weil sie lieber nur kaufen wollen. Verstehst Du was ich meine?
Deutschland geht es noch zu gut – es kann sich die Verbote einfach leisten.

Rainer Sikora
Rainer Sikora
1 Jahr zuvor

Merkel ist genau wie auch die CDU wider hoch gestiegen,weil ihr gerade alle in ihren Wohnzimmern zuhören.Alle Politiker sind plötzlich um uns besorgt und haben sehr viel Mitgefühl mit uns und ein betroffenes Gesicht.Jetzt sind die plötzlich herzensgut.Und das ganz nah am Bürger.Jetzt haben viele gelernt,die CDU geht doch.Und die Grünen müssen sich auch noch einigen,in der Legalisierungsfrage.

Fred
Fred
1 Jahr zuvor

Fakt ist aber auch, das soeben das größte Finanzpaket seit Menschengedenken ins Land gepumpt wird. Und ob es reicht weiß auch keiner.
Wie es auch immer sei. Das Argument “ Legalisieren um Steuereinnahmen zu generieren ( und zu sparen ) “ ist ganz sicher durch die Coronakrise nicht schwächer geworden. Denn Steuereinnahmen wird man in Zukunft brauchen wie die Luft zum Atmen.
Und grüne Argumente pro Legalsierung werden im Hinblick auf Staatseinnahmen einen anderen Stellenwert haben.

Bleibt alle gesund !

Lars Rogg
Lars Rogg
1 Jahr zuvor

Zum Thema fehlgeleitete Drogenpolitik im Allgemeinen kommt am Dienstag etwas auf Arte…lohnt sich sicher..!!

Luke
Luke
1 Jahr zuvor
Kloputzer
Kloputzer
1 Jahr zuvor

Ich hatte in der Jugend öffters mal Psychosen. Allerdings auf ner neurotischen Ebene ohne akustische oder optische Halluzinationen. Sich in Gedanken reinsteigern wie bei ADHS oder Borderline. Mich ärgert das wie manche Ärzte über Cannabis und Psychosen reden… Da heißt es dann :,,Cannabis löst Psychosen aus!“ oft noch mit einem “kann“ davor. Aber was ne Psychose ist, wie lange die anhält und was es für Formen gibt und wie die wieder weg gehen darüber wird nicht gesprochen. Das Wort Psychose wird als ne art Kampfbegriff missbraucht um Leuten Angst zu machen. Und solange keiner weiß, was ne Psychose wirklich ist und das manche sogar von selber wieder weg gehen und auch ohne Drogen ausgelöst werden können, kann man auch weiterhin… Weiterlesen »

Fred
Fred
1 Jahr zuvor

@Kloputzer

Danke für diesen Kommentar. Trifft den Nagel auf den Kopf.

Luke
Luke
1 Jahr zuvor

@Kloputzer:

Bin bei Dir!!

R. Maestro
R. Maestro
1 Jahr zuvor

@Kloputzer
Super Beitrag. Toll geschrieben. Danke. 🙂

Geld aus dem Nichts
Geld aus dem Nichts
1 Jahr zuvor


Dank Giralgedschöpfung der Privatbanken ,sind Steuereinnahmen durch Arbeitnehmer überflüssig .https://www.facebook.com/ttip.aktionsbuendnis/videos/975201895872483/

Lars Rogg
Lars Rogg
1 Jahr zuvor

@Kloputzer
Schön geschrieben. Doch was Du schreibst ist zutiefst menschlich. Tja und auf dem Ohr sind unsere hardcore CSU/CDU ler leider taub. Cannabis ist eine harte Droge…hab ich kürzlich gehört…wusste ich gar nicht. Da kann man von der Ludwig und sonstigen Fanatikern noch was lernen. Warum sollte man auf Dich hören..?? Oder auf jeden anderen Menschen mit gesundem Menschenverstand..??
Ein prosit Frau Ludwig…bleibt in Deckung

Klaus
Klaus
1 Jahr zuvor

Zur Deutschen Cannabis Politik, meine These: Ein Staat Deutschland setzt auf totales Wachstum, Produktivität und den Titel Exportweltmeister! Es geht um Leistungsträger – die Klotzen und nicht Kleckern. Um Grosses zu schaffen, muss es der politisch-, geistlichen Elite gelingen, eine Droge fürs Volk bereitzustellen, die abhängig macht und das arbeitende Volk lenkbar hält. Babylonier und Ägypter bauten die Weltwunder mittels eines Rauschtranks auf alkoholischer Basis (Bier), Cannabis ist dagegen eher bei der Führungsschicht (Priester) angesagt gewesen. Cannabis fördert das selbständige Denken und Kritik, was in Bayern gar nicht gerne gesehen wird. Da ja die Durchlässigkeit bei der Bildung in den Schulen bereits in der 4. Klasse entschieden wird und Millionen Kinder nie in Führungspositionen gelangen! Cannabis steht für Armut, Diskriminierung,… Weiterlesen »

Louislou
Louislou
1 Jahr zuvor

Die CDU/CSU wirbt doch sogar mit ihrer Psychose.Diese Psychose nennt sich Gott.Ist ja an sich eine gute Sache, weil sie die Menschen dazu bringt sich gegenseitig fair zu behandeln aber nichtmal das haben sie gecheckt.

Weedman
Weedman
1 Jahr zuvor

Frage was muss denn passieren damit es legal wird. Eine deutliche Mehrheit im Bundestag ist für die Entkriminalisierung also warum klappt es nicht? Wir sehen uns in 10 jahren es wird eh nie was verstehe nicht warum die cdu es trotz überstimmung verhindern kann?