Sonntag, 29. September 2019

Wie sage ich es meinem Kinde?

Von Sadhu van Hemp


Millionen Deutsche frönen dem Cannabisgenuss, wohl wissend, dass ihr Tun gesellschaftlich geächtet ist. Dieses Stigma verlangt den Hänflingen so einige Verrenkungen ab, insbesondere wenn sie stolze Besitzer von Kindern sind, die Augen im Kopf haben und eine Nase im Gesicht tragen.

„Das ist aber eine komische Zigarette!“ Spätestens dieser Satz aus Kindermund bringt jeden Hänfling in Erklärungsnot. In den meisten Fällen begnügt sich der ertappte Hanfsünder mit einer Notlüge, die er in die Köpfe der Bambini pflanzt, um sein illegales Laster zu vertuschen. Dabei übersieht der Schwindler nur, dass Kinder, die Fragen stellen, längst nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben und sich schon selbst in der hohen Kunst der Unredlichkeit üben. Doch was soll der arme kiffende Vater anderes machen, wenn ihn die wissbegierigen Stammhalter ausforschen? Kann die Mutti ihren Kindern gestehen, dass der Glimmstängel in Wirklichkeit ein Joint ist, der dazu dient, sich „die Rübe zuzudröhnen“?

Die Antwort auf diese Fragen ist ein klares Ja, schließlich geht es um das Wohl des Kindes. Denn einzig die Wahrheit ist im Sinne des Jugendschutzes! Wer Kinder mit Lug und Trug abspeist, der säugt die bigotte Erwachsenenbrut von morgen – also jene armen Teufel, deren Seelen durch diffuse Ängste, Verlogenheit und Dummheit vergiftet sind. Je früher der Nachwuchs erfährt, dass Lügen kurze Beine haben, die einen das ganze Leben auf Schritt und Tritt verfolgen, desto leichter bilden sich die Tugenden heraus, die später einen rechtschaffenen und offenen Menschen auszeichnen. Das Erziehungsziel muss sein, einen klaren Verstand heranzubilden, der den Kitzel des Abenteuers erfahren will, ohne jedoch die Suche danach zur Sucht werden zu lassen. Alles andere ist ein Irrweg. Kiffende Eltern, die ihren Kindern die kleine Schwäche verheimlichen, lügen doppelt, indem sie nicht nur sich selbst verleugnen, sondern überdies auch die elende Hanflüge bedienen. Entsprechend hoch ist dann auch der Schaden, wenn Misstrauen und Angst in der Familie umsichgreifen und kaum noch Worte am Mittagstisch gewechselt werden, weil sie sowieso nur gelogen sind.

Dass sich Kiffer gegenüber ihren Kindern outen sollten, widerspricht natürlich dem Jugendschutz, dessen hehrer Anspruch darin besteht, Cannabis grundsätzlich jede verkehrfähig abzusprechen, so dass sich der Genuss des orientalischen Krauts von selbst verbietet. Dieser Anspruch ist natürlich wieder so eine Lüge, denn in Wahrheit ist der Jugendschutz nur die Rechtfertigung für das generelle Hanfverbot.

Diese Infamie ist es dann auch, die unsere Kinder dumm hält und schließlich zu Dummheiten verführt. Das Leben will nun mal erlernt werden, und dazu zählt auch der Umgang mit Risiken und Gefahren. Nicht die unselige Kampagne „KEINE MACHT DEN DROGEN“ fördert die nötige Charakterbildung unserer Jüngsten und schon gar nicht die Heimlichtuerei der kiffenden Mamas und Papas, Omas und Opas. Ein offener Umgang mit Cannabis auch vor den Augen der Kinder ist daher nur ein selbstverständlicher Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Und Hand aufs Herz! Wer von uns Erwachsenen war so artig und hat bis zum Erreichen der Volljährigkeit gewartet? Kein Jugendlicher zählt über Jahre die vielen langen Tage, bis er sich endlich Pornos, Schnaps und Joints reinziehen darf. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Jugendliche sind wahre Künstler im Übertreten von Verboten. Auch wenn Mutti und Vati noch so warnen, spätestens beim Einschalten des Mobilfunktelefons tauchen unsere Kinder ab – in eine Welt voller Schlechtigkeiten und Boshaftigkeiten, die heimlich nachgespielt werden will.

Warum also sollen sich gerade kiffende Eltern vor ihren Kindern verstecken und sich zu Moralaposteln aufschwingen, um eines Tages als Lügner für eine Sache dazustehen, die es gar nicht wert war? Wenn Pleite-Manager und Steuerhinterzieher ihre Kinder zu ihresgleichen deformieren, dann darf das auch der Cannabisliebhaber! Alles andere ist Doppelmoral. Verbrecher sind mehr denn je salonfähig und folglich die wahren Helden unserer Eleven.

Und so stellt sich abermals die Frage: Wie sage ich es meinem Kinde, dass ich abends verbotenerweise im Garten sitze und mir die Ruhe des ausklingenden Tages mit einer Tüte versüße?

Im Gegensatz zum Alkoholkonsumenten, der sich ungeniert sogar bis ins Koma saufen darf, um sich dann von seinen Töchtern mit der Schubkarre aus der Kneipe abholen zu lassen, schwebt über dem Kiffer die Keule der strafrechtlichen Repression, die aus einem vor Kinderaugen gerauchten Joint schnell einen Fall für Gerichte und Jugendämter macht. Während Sportidole unseren Kindern in den Werbepausen der Sportschau die Lust aufs Biertrinken eintrichtern, müssen sich die Hanffreunde bedeckt halten. Doch genau an diesem Punkt findet sich der Ansatz für eine bedachte Kindererziehung in einer Familie, die neben Schnittlauch und Petersilie auch eine Hanfpflanze im Kräutergarten umsorgt.

Und damit ist nicht jene Sorte Eltern gemeint, die ihren Filius zum Schnapsholen schickt oder sich vom Töchterchen die Bong anrauchen lässt, sondern die, die wissen, dass Kinder sich selbst Droge genug sind und sich vornehmlich im Spielrausch verlieren. Die Neugier der Kleinen wird erst geweckt, wenn Erwachsene ein Versteckspiel aus ihrem kleinen Laster machen. Keinem kiffenden Elternteil wird es jemals gelingen, seinen Sprössling bis zum 18. Geburtstag zu täuschen, zumal Erwachsene grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern unterschätzen.

Wenn also der Moment gekommen ist, an dem das Töchterchen zur Mutti flitzt und petzt, dass der Papi mit dem Onkel auf dem Balkon eine Stinkezigarette raucht, hilft keine Lüge, sondern nur wahrheitsgemäße Aufklärung über das Ritual, das das Kind als seltsam und geheimnisvoll wahrnimmt. Die Angst kiffender Eltern, dass die kleinen Racker das Familiengeheimnis ausplaudern, ist zu vernachlässigen, solange sie nicht mit Polizistenkindern spielen. Wer seinen Nachkommen überdies ein liebevoller Mensch ist und sie nicht wie Idioten behandelt, wird schnell verlässliche Partner haben, die selbst unter Folter dichthalten.

Bleibt die Frage, inwieweit kiffende Eltern ihre Kinder darauf konditionieren, später selbst Cannabis zu konsumieren. Ein Blick nach Colorado zeigt, dass Haschgift ohne den Reiz des Verbotenen bei den Jugendlichen an Attraktivität verliert. Offen kiffende Mütter und Väter regen nicht mehr zur Nachahmung an als Eltern, die zum Abendbrot eine Flasche Bier öffnen oder beim Tatortgucken Tabak inhalieren. Und selbst wenn Eltern ihre Kinder an den Konsum von Cannabis gewöhnen, bedeutet das noch lange nicht, dass das per se etwas Schlechtes ist. Schließlich ist der Hanf ein universelles Heilkraut für alle Lebewesen – egal welchen Alters.

Zuletzt ist es die Entscheidung der Heranwachsenden, wie sie mit Cannabis umgehen, und die meisten bevorzugen den kontrollierten Konsum – wie Millionen Erwachsene auch. Gefördert wird dieser Entschluss durch die vielen abschreckenden Beispiele, die hemmungsloser Drogenkonsum produziert. Eltern, die sich hin und wieder oder auch öfter mit welchem Stoff auch immer zudröhnen, sollten sich daher als Vormund stets der hohen Verantwortung bewusst sein, denn nur sie sind es, die bis zur Pubertät die erste und letzte Instanz sind, was den Erziehungsprozess betrifft. Der Vater, der seinem Kind als Abendgruß eine Alkoholfahne ins Gesicht haucht oder mit dem Joint am Frühstückstisch erscheint, muss sich stets vor Augen führen, dass sein egoistisches Verhalten maßgeblichen Einfluss auf das Wohl des kleinen Menschen hat. Kinder können nicht wie der Lebenspartner einfach die Koffer packen und das Weite suchen, wenn es ihnen mit den Rauschexzessen zu bunt wird. Oft ist es nur die reine Affenliebe der Kinder, die diese Tortur ertragen lässt.

Die goldene Regel für alle Eltern ist, stets bei der Wahrheit zu bleiben und sich in Gegenwart der Kinder drogentechnisch zu mäßigen. Kinder suchen keine unberechenbaren Zombieeltern, sondern Geborgenheit und Liebe – und davon kann es nicht genug geben. Wer das beherzt, wird auch die konfliktreiche Zeit der Pubertät meistern und den Nachwuchs gut gerüstet in ein selbstbestimmtes Leben entlassen.

Also, machen wir uns keinen Kopp! Lassen wir unsere Kinder in aller Ruhe neben uns aufwachsen! Stehen wir zu unserem kleinen Laster, ohne zu belästigen – und alles wird gut. Und wer weiß, vielleicht kommt ja mal der Tag, an dem der Hanfbauer seine Kinder genauso mit zur Ernte nimmt wie der Winzer seine Brut zur Weinlese.

Eine Antwort auf „Wie sage ich es meinem Kinde?

  1. R. Maestro

    Wie sage ich es meinem Kinde?

    Gemäss unserer Obrigkeit-lüge bis zum Exzess!
    Gemäss unserer Obrigkeit-lüge deine Kinder nicht an!
    Und wat nü? Hä?
    Einerseits propagiert man Tod und Teufel hinsichtlich des Hanf-Konsumes,
    andererseits schaffen es halbgottgezogene (-geworfene) bei Pesika zum (stellvertretenden?) Geschäftsführer. (Mortler jr.)

    In einer auf Lügen basierenden Gesellschaft, fällt die Frage recht schwer!

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