Montag, 9. September 2019

Linksjugend demonstriert in Offenburg für Cannabis-Freigabe

Baden-Württembergs Polizei kennt keine Gnade – auch nicht für Hanfgärtner im Greisenalter

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Hanffreunde, die im süddeutschen Raum ihr bisschen Leben leben, haben mit Abstand das schwerste Leid zu ertragen, das der War on Drugs in der Bundesrepublik verursacht. Die Reihen der Cannabis-Prohibitionisten unterhalb des Weißwurstäquators sind fest geschlossen, und die Rädchen aller drei Staatsgewalten greifen ineinander über wie zu guten alten Zeiten, als es die Deutschen mit der Rechtsstaatlichkeit nicht so genau nahmen. Und das betrifft nicht nur die Hatz auf Kiffer. In Bayern und Baden-Württemberg scheinen die Strafverfolgungsbehörden mittlerweile über einen Freifahrschein zu verfügen, wenn es darum geht, Unrecht mit unrechtsstaatlichen Mitteln durchzusetzen. Durchsuchungen in Flüchtlingsunterkünften ohne richterlichen Beschluss gehören in diesen Bundesländern längst zur gängigen Polizeipraxis. Die in Artikel 13 des Grundgesetzes garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung wird kurzerhand ignoriert.

 

Dass sich die Bayern mit der bundesrepublikanischen Wertegemeinschaft schwertun und sich die Welt machen, wie sie ihnen gefällt, ist die Folge der ungebrochenen CSU-Herrschaft. Linke und grüne Flausen sind bei der Mehrheit der Bajuwaren unerwünscht. In Baden-Württemberg hingegen leisten sich die Bürger seit 2011 einen grünen Ministerpräsidenten – verbunden mit der Hoffnung, dass neue Besen besser kehren. Doch davon ist nichts zu sehen. Seit acht Jahren genießt Winfried Kretschmann das süße Leben eines alimentierten Landesvaters, der großväterlich die begünstigt, die es am wenigsten nötig haben. Kretschmann ist ein Besitzstandswahrer und ein Spießer, der nicht im Traum daran denkt, etwas ins Ländle zu lassen, das nicht zur Folklore passt. Und Cannabis passt schon mal gar nicht in die heile Welt Baden-Württembergs. Mit dieser politischen Agenda ist der 71-Jährige ganz auf Linie seiner grünen Partei, die in Baden-Württemberg in der Koalition mit der CDU im Stile der CSU regiert.

 

Ein Aufbegehren gegen die Übermacht der Ewiggestrigen scheint zwecklos, angesichts der Mehrheitsverhältnisse. Von 143 Sitzen im Landesparlament sind 110 an Bündnis 90/Die Grünen, CDU und AfD vergeben. Für Polizei und Justiz bedeutet das „Knüppel frei“ im Kampf gegen alles, was nicht konform geht.

Dennoch – Kretschmann und Konsorten können noch so viele Polizisten, Staatsanwälte und Richter von der Leine lassen, der Widerstand gegen das Unrecht des Hanfverbots bleibt ungebrochen. Am Samstag rief die Linksjugend „Solid Ortenau“ unter dem Motto „Legalize it“ zur Demonstration in Offenburg auf. Ab 14 Uhr versammelten sich am Busbahnhof rund 80 Teilnehmer zum 2. Local Marijuana March, um gegen die Kriminalisierung der Cannabis-Konsumenten zu protestieren.

„Jedes Jahr werden Millionen in den Sand gesetzt, um Graskonsumenten polizeilich zu verfolgen“, mahnt die Linksjugend zu einem Umdenken in der Drogenpolitik. Betroffen seien „tausende Menschen, die nichts getan haben, was anderen oder der Gesellschaft schadet. Es ist nichts anderes als blanke Schikane gegen ansonsten unbescholtene Menschen.“

Die Verbraucher würden zum Erwerb auf den Schwarzmarkt gezwungen, was mit der Gefahr eines Einstiegs in die kriminelle Szene verbunden sei. Dort gäbe es keinerlei Kontrolle über die Qualität der angebotenen Substanzen. Die Demonstranten forderten eine gesetzliche Freigabe zum Eigenanbau und die Zulassung von Cannabis Social Clubs. Laut Polizei verlief die Demonstration ohne Zwischenfälle.

 

Dafür kam die Polizei andernorts in Baden-Württemberg ins Schwitzen – genauer gesagt im Allgäu. Der Hinweis eines aufmerksamen Bürgers bescherte der Miliz in Wangen einen grandiosen Sieg im Kampf gegen das Cannabis-Berufsverbrechertum und eine Schlagzeile in der Presse. Auf einem schwer einsehbaren Grundstück entdeckten Polizeibeamte mehrere bis zu 3,5 Meter hohe Hanfpflanzen, die umgehend gefällt und zur Feststellung des Wirkstoffgehalts konfisziert wurden. Laut Polizeibericht ist der Hanfgärtner geständig: Hanfsamen seien aus dem Vogelfutterhaus gefallen und aufgegangen – und da das hübsch anzusehen war, gab es keinen Grund, die Pflänzchen am Wachstum zu hindern.

 

Die Polizei leitete gegen den Hanfgärtner umgehend ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. „Mehrere“ 3,5 Meter hohe Hanfpflanzen dürften unterm Strich eine nicht geringe Menge ergeben. Gut möglich also, dass der 85-jährige Senior-Grower von der baden-württembergischen Justiz zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird.

 

 

5 Antworten auf „Linksjugend demonstriert in Offenburg für Cannabis-Freigabe

  1. Erich der Seiler

    Die Repression gegen Cannabis Konsumenten und Kleinsthändler ist, nach einer Phase der Abschwächung zwischen 1994 und ca. 2005, in den darauf folgenden Jahren sukzessive intensiviert und ausgebaut worden. Ich kann aus eigenem Erleben 40 Jahre rekapitulieren, die ersten 15 davon in Baden-Würtemberg und die waren wirklich nicht lustig. Seit dem Februar diesen Jahres werte ich nahezu täglich die Pressemeldungen der Polizeibehörden, hinsichtlich kleiner und kleinster Cannabis Delikte aus. Das sich hier ergebende Bild verschlimmert sich von Tag zu Tag. Meldungen über Jugendliche bei denen angerauchte Joints, Kleinstmengen im Zehntel Gramm Bereich, Grinder (Bayrische Sonderbezeichnung hierfür „Marihuana Mühle“!) mit Anhaftungen gefunden werden. All zu oft garniert mit Häme, negativem Framing, Spot und gerne auch Rassismus. Eine Neutralität in der Berichterstattung, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sucht man vergebens. Ob es Jugendliche sind, die auf der Flucht vor Kontrollhandlungen verletzt werden, Anzeigen gegen Menschen die wegen einer vermuteten Überdosis oder starker Übelkeit Hilfe suchten, eine Mutter die ihren 14 Jährigen Sohn zur Polizei bringt nach dem sie ihn bei Marihuana rauchen ertappt hat, oder die 70 cm „hohe“ „Haschischpflanze“ derentwegen sich die Mitteldeutsche Polizei in gehobener Mannstärke aufs Land begibt, um in einen Bauerngarten Apocalypse now nach zu stellen. Der Eindruck, daß wir es mit einer „Endkampfsituation“ durchaus vergleichbar der im Frühjahr 1945, zu tun haben drängt sich auf. Alle wissen es ist vorbei, was einige aber nicht daran hindert sich bis zur letzten Sekunde aus zu toben und Leute auf zu hängen. Deutschland 2019, Prohibitionisten feiern eine wüste Party mit uns und unseren Kindern als Fingerfood.

  2. R. Maestro

    Sarkastisch: Vielen Dank dafür, dass der gesamte Süden mittlerweile als Arschloch-Haufen angesehen wird.
    Herr Kretschmann, naja, er vermittelt den Eindruck ein Altnazi zu sein.
    Und Söder macht mit solchen Perversionen, den Süden, insbesondere Bayern auch nicht zum, Zitat: Schönsten Bundesland der Welt!! Natürlich mit einem Bier in der Hand.
    Kehrt mal den Dreck vor der eigenen Tür, oder wischt die Kotze oder Blut auf der Wies`n vom Boden, ihr Schnapsnasen!

    Diese verlogenen, selbstherrlichen Seelenverkäufer.
    Eine derart gespaltene Zunge stört zumindest nicht beim Saufen.
    Beim ansabbern von long-OCB auch nicht. Ansonsten halt: Bong!

    JUDASSE!

  3. Rainer Sikora

    Es wird an Gehirnwäsche in Kindergärten und Schulen gefeilt,um möglichst wenige jugendliche Konsumenten entstehen zu lassen.Veranstaltungen pro Cannabis werden unterbunden und möglichst ungehört verhallen.Dafür gibt es auch Tricks und Mittel.Zb:nichts in die Nachrichten kommen lassen und wenn dann verdreht und verfälscht.

  4. Jemand

    Ist zwar OT aber ich wollts trotzdem mal loswerden!
    Die nächste Drogenbeuftragte wird vermutlich Daniela Ludwig

    Zitat RP Online
    „Die CSU-Politikerin Daniela Ludwig soll neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung werden. Das bestätigte der Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Sebastian Hille, am Montag in Berlin. Ludwig löst damit Marlene Mortler (ebenfalls CSU) ab, die im Mai ins Europaparlament gewählt wurde.

    Die 44-jährige Ludwig wurde den Angaben zufolge von Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und CSU-Chef Markus Söder für das neue Amt nominiert. Sie gehört seit 2002 dem Bundestag an und war dort bisher verkehrspolitische Sprecherin der Unionsfraktion. Über ihr künftiges neues Amt hatten zuerst die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland sowie die „Bild“-Zeitung berichtet.

    Die Drogenbeauftragte ist dem Gesundheitsressort zugeordnet. Ihre Aufgabe ist es, die Sucht- und Drogenpolitik der Bundesregierung zu koordinieren. Mortler hatte dieses Amt 2014 übernommen.“

    Wenn Dobrindt und Söder diese Frau vorschlagen kann man nix vernünftiges erwarten! CSU halt!
    Dazu noch „verkehrspolitische Sprecherin“…
    Ein weiteres Mietmaul…so wie die meisten CSUler halt
    Geballte Inkompetenz und Ignoranz gehen in diee nächste Runde!

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