Freitag, 28. Juni 2019

Rotes Gold und Teufelsdreck: Nimm mehr!

Gewürze zum Verfeinern, Entgiften und Heilen


Salz, Pfeffer, Paprika, manchmal Bohnenkraut, Kümmel und Oregano, Zimt für Milchreis – mehr gab mein Küchenschrank früher nicht her. Als ich vor gut vier Jahren meine Ernährung auf eine ketogene (kohlehydratarme) Steinzeiternährung umstellte, entdeckte ich viele für mich neue Gewürze und staune immer wieder, wie anders und lecker mein neues Essen schmeckt. Wer von Euch Cannabis braucht, um damit mit Schmerzen verbundenen Autoimmunkrankheiten zu begegnen, dem möchte ich heute etwas über die Heilkraft von Gewürzen erzählen. Eingeladen sind alle Genießer, die gern experimentieren und zugleich nebenbei mit Gewürzen gegen Zivilisationskrankheiten angehen.

Was ist das Supergewürz? Safran, das rote Gold? Oder Kurkuma, das gegen alles helfen soll – inklusive Impotenz? Kreuzkümmel, der schon 2000 v.Chr. im alten Ägypten zuhause war? Spuren von Koriander fanden Archäologen in vor 23.000 Jahren bewohnten Nahal-Hemar-Höhlen in Israel, damit ist es das älteste nachgewiesene Gewürz, während die Knoblauchsrauke schon vor über 6000 Jahren in unserer Region nachgewiesen wurde und damit das älteste einheimische Gewürz ist. Das Wort stammt übrigens von Wurzel, doch Gewürze können von verschiedenen Pflanzenteilen stammen wie von Blättern, Blüten, Rinde, Früchten und Saft. Salz zählt zu den Würzmitteln, nicht zu den Gewürzen. Die Passion von Hans Georg Rautenberg, der kürzlich im Alter von 91 Jahren verstorben ist, waren Gewürze. Er füllte im Internet die informativste und ausführlichste Homepage zu Gewürzen mit Geschmack: www.dasgewuerzlexikon.de. Auf der Seite finden sich jede Menge Kochrezepte, bei denen das Augenmerk auf gut dosierten Gewürzen liegt.

Zurück zur Eingangsfrage. Das Supergewürz gibt es nicht. Jedes einzelne hat seine speziellen Eigenschaften, die nicht nur den Geschmack eines Essens oder Getränks verfeinern, sondern auch der Gesundheit dienlich sind. Um es kurz zu fassen: Jedes Kraut ist nützlich, das die Entgiftung unseres Körpers fördert. Verantwortlich dafür sind die sekundären Pflanzenstoffe, die in jedem Salat vorkommen, jeder Knoblauchzehe und jedem Ost und Gemüse. Bei der Arbeit jeglicher Zelle entstehen als Abfall freie Radikale. Sekundäre Pflanzenstoffe binden sie und sie können ausgeschieden werden, anstatt eine Krankheit zu verursachen. In Gewürzen sind sie besonders konzentriert. Bei der Wahl der Lebensmittel und Gewürze gilt neben dem gesunden Anbau: so vielfältig wie möglich. 

Tatsächlich sticht ein Gewürz aus allen anderen hervor: Kurkuma, auch Gelbwurz genannt. In einer Studie fanden Forscher heraus, das es das Wachstum von Darmpolypen hemmt und damit Darmkrebs vorbeugt. Ähnliches gilt für Prostatakrebs. Im alten Indien wurden Umschläge zur Wundheilung mit Kurkuma gemacht, es gilt heute noch als reinigend und Energie spendend. Die Wurzel dient zur Vorbeugung und Therapie von Gelenkerkrankungen wie Rheuma, Arthrose und Arthritis, Darmkrankheiten wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, bei Entzündungen von Gehirn und Lunge. Kurkuma befördert die Magensaft- und Gallensäureproduktion und damit die Fettverdauung. Empfohlen wird ein Teelöffel Gelbwurzpulver am Tag verbunden mit Pfeffer, weil er die Aufnahme in Magen und Darm unterstützt. 

Englische Köche wollten die indische Küche nachahmen und erfanden das Currypulver. Die Bestandteile von Curry variieren stark. Je nachdem, wie hoch der Anteil von Chilis ist, gibt es milde oder scharfe Currys. Koriander, Kreuzkümmel, schwarzer Pfeffer und Bockshornklee finden sich neben Kurkuma, das mit einem Drittel den Hauptbestandteil ausmacht, in fast jedem Curry. Ingwerpulver, Knoblauchpulver, Teufelsdreck, Fenchel, Zimt, Nelken, grüner Kardamom, schwarzer Kardamom, Senfkörner, Muskatnuss, Muskatblüte, Paprikapulver, Cayennepfeffer oder Langer Pfeffer können in Curry enthalten sein. All die genannten Zutaten dienen der Gesundheit. Wer Gewürze zur natürlichen Heilung verwenden möchte, dem sei Curry empfohlen. 

Pfeffer, das teuerste und begehrteste Gewürz des europäischen Mittelalters, war teurer als Gold und begründete den Reichtum ganzer Kaufmannsdynastien und der Stadt Venedig. Pfeffer wirkt stark appetitanregend und verdauungsfördernd, steigert den Blutdruck und hemmt Entzündungen. Er wurde Tonika, kräftigenden Mitteln, zugesetzt. Es gibt eine Reihe von Kräutern und Gewürzen, die den Beinamen Pfeffer tragen, jedoch kein echter Pfeffer sind und trotzdem jede Menge Heilwirkungen haben wie z.B. Cayennepfeffer, der zu den Paprikagewächsen zählt und zu den wichtigsten heilenden Gewürzen gehört. Chili stammt aus Südamerika, Funde in Peru beweisen 7000 Jahre alte Kultivierungsversuche. Das extrem scharfe Pulver fördert nicht nur die Durchblutung von Muskeln und dadurch ihre Entspannung, sondern unterstützt das Abnehmen, weil scharfe Gerichte schneller sättigen und den Stoffwechsel anregen. Chilis sollen ein langes gesundes Leben bewirken.

2018 gewann Ingwer den Preis als Heilpflanze des Jahres. Dass er gegen Reisekrankheit und Übelkeit in der Schwangerschaft hilft, ist schon seit Jahrhunderten bekannt, heutzutage wird er gegen Übelkeit während einer Chemotherapie eingesetzt. In der asiatischen Heilkunst dient er zusätzlich gegen Rheuma, Muskelschmerzen und Erkältung. Für mich neu ist die Wirksamkeit bei Kopfschmerzen und Migräne. Ein halber Teelöffel Ingwerpulver soll genauso wirksam sein wie ein herkömmliches Präparat gegen Migräne.


Heiterkeit und Liebeslust

Safran war von jeher das teuerste aller Gewürze. Es werden – je nach Qualität – zwischen 80.000 und 200.000 Blüten benötigt, um 1 kg Safran zu gewinnen 0,01 g färben drei Liter Wasser gelb … Nach der griechischen Mythologie wächst Safran immer dort, wo Juno und Jupiter sich liebten und ihre wollüstigen Ausdünstungen die Erde befeuchteten; folglich nahmen die Griechen auch an, dass der Genuss von Safran die Potenz steigere. Auch Plinius ist der Meinung‚ er bewirkt Schlaf, hat gelinde Wirkung auf den Kopf und reizt den Geschlechtstrieb‘“, fasste Hans Georg Rautenberg zusammen. Studien zeigten einen nervenstärkenden Effekt von Safran-Extrakt. Sie zeigten, dass Safran bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, z. B. vor der Menstruation, während der Wechseljahre und des Baby-Blues. Studien von 2005 kamen zu dem Schluss, dass Safran-Extrakt bei depressiven Verstimmungen genauso geeignet ist wie ein Antidepressivum. „Die Sache von der in der Seele hervorgerufenen Heiterkeit durch die Aufnahme von Safran ist bei Medizinern und Botanikern sehr bekannt, bei denen im Versuch bewiesen wurde, dass circa drei Drachmen Safran (= 13,5 bis 18 g) mit Wein <vermischt> getrunken die Menschen mit so großer Fröhlichkeit erfüllen, dass es diesen geschieht, dass sie in exzessives Gelächter ausbrechen, sie Betrunkenen gleich werden, oft sogar ihren Verstand verlieren und unter Gelächter entweder sterben oder in große Gefahr geraten“, zitiert nach dem portugiesischen Arzt und Forscher Amatus Lusitanus (1511-1568).

Koriander mag man oder mag man nicht. Der Grund liegt in den Genen und darin, dass „Wanzendill“ gründlich unsere Körper aufräumt. Dem ätherischen Öl, das aus den getrockneten Früchten gewonnen wird, wird eine appetitanregende, verdauungsfördernde, krampflösende und lindernde Wirkung bei Magen- und Darmleiden zugeschrieben, rund 15 Prozent der Menschen sind gegen Koriander allergisch.

Eine Gewürzmischung möchte ich empfehlen, die in Nordafrika ihren Ursprung hat und auf deutsch „Kopf des Ladens“ heißt, weil nur der Chef sie gekonnt mischen kann. Es handelt sich um Ras-el-Hanout. Es finden sich je nach Herstellung etwa 25 verschiedene Gewürze in der Mischung. Einige davon sind im deutschsprachigen Raum nur schwer erhältlich. Sie kann süße, scharfe und bittere Aromen enthalten. Übliche Zutaten sind: Muskatnüsse, getrocknete Rosenknospen, Zimtstangen, Macis, Anis, Gelbwurz, Veilchenwurzel (Schwertlilienwurzel), Chilischoten, Lavendelblüten, Weißer Pfeffer, getrocknete Ingwerwurzel, Gewürznelke, Pimentkörner, Kardamomkapseln und Galgantwurzel, Kreuzkümmel, Kümmel und Rosenpaprika. Ras-el-Hanout findet sich meist in den landestypischen Tajin, die sowohl das aus Lehm gebrannte Gefäß als auch das darin gegarte Gericht bezeichnen.

Wusstet Ihr, dass Vanille eine Orchidee ist, eine Waldorchidee? Heutzutage ist ein Kampf um sie entbrannt, z.B. schützen auf Madagaskar Sicherheitsleute nachts die Plantagen. Sie soll nervenstärkend, beruhigend, entzündungshemmend und aphrodisierend wirken. Ihre stärkste Heilkraft entfaltet sie bei Pilzbefall und Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Ekzemen. Sie verstärkt ähnlich wie Kakao körperliche Ausdauer und geistige Leistungsfähigkeit. Ich verwende sie, um die natürliche Süße von Früchten zu verstärken. Das funktioniert mit Zimt ebenso. 

Last but not least: Es lohnt sich, beim Kauf und der Verwendung der Gewürze auf die Herkunft, Qualität und das Ablaufdatum zu achten. Viel Freude mit neuen Geschmäckern in Eurer Küche wünscht Euch

Amandara M. Schulzke

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