Donnerstag, 30. Mai 2019

Kratom – in Südostasien eine Heilpflanze, in Deutschland Malfarbe

Für manche Menschen die letzte Chance …


Wer sich mit Heilpflanzen aus anderen Ländern beschäftigt, wird sicherlich schon mit Kratom konfrontiert worden sein. Oder auch nicht? Zumindest in den USA erfreut sich diese Pflanze bzw. dessen Bestandteile (Kratom bezeichnet nämlich die getrockneten und fein gemahlenen Blätter des Kratom-Baumes (Mitragyna Speciosa)) immer größerer Beliebtheit. Für viele Betroffene der dort (seit geraumer Zeit) herrschenden „Opioid-Epidemie“ ist es die letzte Chance.

Und warum? Besonders auf zwei Rezeptoren wirkt die Pflanze überwiegend und bewirkt dadurch Folgendes: µ(mu)-Opiat-Rezeptoren: Euphorie, Schmerzdämpfung, Betäubung. Deltarezeptoren: Stimmung, Wohlbefinden und Motivation.

Kratom wirkt hauptsächlich auf die Deltarezeptoren und nur in hohen Dosen auf µ-Rezeptoren. Da sich die Deltarezeptoren im Gegensatz zu den MuRezeptoren durch Stimulation nicht vermehren, ist das Risiko einer Abhängigkeit geringer, wenn man die Dosis klein und konstant hält. Durch die Rezeptoranbindung der Alkaloide wird oder kann das bitter schmeckende Pulver von Abhängigen als Substitut für gefährliche Opioid-Substanzen genutzt werden – mit Chancen auf Erfolg. Die getrockneten Blätter können schließlich bei verantwortungsvollem Konsum durchaus eine gute Alternative sein, da sie im Solokonsum nicht (wie andere Opioide) tödlich sind. Genug zur Biochemie –  allein im Jahr 2016 starben in den USA 42.000 Menschen an einer Opioid-Überdosis. Das sind 42.000 Menschen zu viel.

Die AKA (American Kratom Association) ließ Studien durchführen, die zeigen, dass das Gefahrenpotenzial von Kratom (beispielsweise als Ersatzsubstanz zu chemischen Stoffen und Schmerzmitteln) vergleichbar ist mit Hopfen, Kamille oder Guarana. Durch „Drogentote mit Kratom im Blut“ wird mithilfe von gezielten Hetzkampagnen versucht, Kratom als gefährlich einzustufen. Nur wird bei dieser fehlerhaften Berichterstattung verschwiegen, dass die Verstorbenen oft eine Vielzahl an Downern (unter anderem Fentanyl und Benzodiazepine) im Blut hatten. Mischkonsum von Kratom mit derartigen Stoffen sollte man logischerweise nicht betreiben.

Mitragyna Speciosa ist eine Pflanze mit viel Potenzial, die bei richtiger Anwendung viele Tabletten (Schmerzmittel oder Antidepressiva) ersetzen könnte. Für die Pharmaindustrie ein möglicher Dorn im Auge.

Heil- und Nutzpflanze in Indonesien

Im südostasiatischen Raum gehört die von uns vorgestellte Pflanze zur Tradition. Denn ihre Vielfältigkeit ist bemerkenswert: Die Indonesier nutzen sie nämlich laut eigener Aussage niedrig dosiert seit vielen Jahren als Alternative zum Kaffee wegen ihrer aktivierenden und vor allem stimmungsaufhellenden Wirkung, verbunden mit Euphorie und Antriebssteigerung, was dem Kaffee in ihren Augen um Einiges voraus zu sein scheint.

Wieso Vielfältigkeit?

Zuerst muss man erwähnen, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Sorten gibt. Das liegt daran, dass sich die Bäume in ihren Blattvenen unterscheiden. Rote, grüne und weiße Blattvenen sind die hauptsächlich vorkommenden Farben. Somit gibt es in erster Linie rote, grüne und weiße Sorten. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Südostasien aus einer Vielzahl an Inseln und anders beschaffenen Regionen besteht, kann man sich vielleicht ungefähr ausmalen, wie es zu derart vielen Sorten kommen kann. So wachsen auf der Insel Borneo Kratom-Bäume mit unterschiedlich farbigen Blattvenen. Borneo Red, Borneo Green und Borneo White sind somit nur drei von etlichen anderen Sorten. Sumatra, Thailand oder auch Vietnam sind ebenfalls Regionen, die den Baum beherbergen und demzufolge auch ihre eigenen Sorten für sich beanspruchen und bezeichnen. Dieses „Spiel“ könnte man noch lange so weiterführen. Der Vielfalt sind somit keine Grenzen gesetzt.

Andere Farbe – andere Wirkung

Zu der großen Zahl an Sorten kommt der Fakt hinzu, dass laut Angaben der Südostasiaten jede der drei Farben für eine andere Wirkung steht. Rote Sorten sollen beruhigend, sedierend und Schlaf fördernd wirken, weshalb sie sich gut für den Abend eignen. Zudem wird ihnen eine starke analgetische sowie teilweise anxiolytische (Angst lösende) Wirkung zugesprochen. Neben einer wärmenden Komponente wird auch ein Gefühl von Euphorie beschrieben. Die grünen Sorten sind den roten Sorten ähnlich, zeichnen sich aber gewissermaßen durch ihre zufriedenstellende, anders euphorisierende und somit auch antidepressive Wirkung aus. Höher dosiert überwiegt dann auch bei grünem Kratom der sedierende Teil des Wirkspektrums. Weißes Kratom soll sich durch seine aktivierende, motivierende und euphorisierende Wirkung abheben. Aus diesem Grund wird es in den Ursprungsländern auch des Öfteren dem Kaffee vorgezogen. Dosiert man höher, soll auch bei dieser Farbe der sedierende Teil überwiegen. Durch Recherchen und etliche Erfahrungsberichte der Konsumenten lässt sich bei der Dosierung zusammenfassen, dass Kratom – egal welche Sorte oder Farbe – bei niedriger Dosierung aktivierend und euphorisierend wirken kann. Erhöht man die Dosis, steht die sedierende Komponente im Vordergrund. Überdosierungen können zu Übelkeit, Benommenheit und Schwindelgefühl führen, sind aber keinesfalls gefährlich für den Organismus. Wohlgemerkt ist dieses bei den Indonesiern traditionelle Heilmittel rein pflanzlicher Natur und wird dort von vielen Menschen (vor allem Bauern) in großer Zahl angebaut, zu ihren Gunsten genutzt und in viele Länder der Welt exportiert, womit sich die Bauern und deren angestellte Feldarbeiter ihren Lebensunterhalt sichern.

Malfarbe in Deutschland?

Eines der vielen Länder in welches Kratom exportiert wird, ist auch Deutschland. Kratom wurde hier vor 2015 irrtümlicherweise als Arzneimittel reguliert. Durch drei Gerichtsurteile, in denen es um den Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz (AMG) ging, ergab es sich, dass es in der westlichen Welt für Kratom keinerlei medizinische Verwendung gibt, auch wenn die heilenden Wirkungen auf der Hand liegen. Das wohltuende Pulver kann somit weder über das NPSG (neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz) noch über das AMG reguliert werden und ist damit neben Deutschland, Österreich oder den Niederlanden in vielen weiteren Ländern legal. Die Schweiz bildet in diesem Fall eine Ausnahme, dort ist die Pflanze seit Oktober 2018 nicht mehr legal erhältlich, da zwei der darin vorkommenden Wirkstoffe (Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin) als Betäubungsmittel eingestuft wurden.

…und für die Zukunft?

Damit Kratom in anderen Ländern weiterhin legal bleibt und man auf der rechtlich sicheren Seite ist, distanzieren sich die Verkäufer der Substanz vom Konsum und weisen auf die Verwendung als Malfarbe, Fußbad oder Ähnliches hin, um keine Haftbarkeit für den Konsum zu übernehmen und weniger Angriffsfläche für Behörden zu bieten. Somit liegt die Entscheidung über den Konsum allein beim Käufer, was für alle Befürworter die beste Lösung darstellt. Eben weil es ein Naturprodukt ist, kann es zu Schwankungen in der Wirkung oder Menge von Blattstiel- und Holzresten kommen, was aber keinesfalls eine Gefahr oder zu beklagenden Mangel darstellt. Viele Nutzer sieben ihr Kratom einfach sicherheitshalber vor der Verwendung, um solche Anteile zu entfernen. Solange Kratom nicht offiziell als Medizin in Europa angesehen wird, kann es auch nicht über das Arzneimittelgesetz reguliert werden.

Worauf sollte ich als Käufer und Nutzer achten?

Als Käufer sollte man darauf achten, dass das Produkt aus biologischem Anbau stammt. Bei der überschaubaren Anzahl an Shops kann man viele Preis- und Qualitätsunterschiede feststellen. Sollte eine Sorte nicht wirken, dann lässt es nicht gleich auf schlechtes Kratom schließen. Denn dieselbe Sorte kann bei einem Freund prächtig oder gar ganz anders wirken. Das liegt ganz einfach daran, dass jeder Körper unterschiedlich reagiert und man seine für sich besten Sorten erst finden muss. Somit sollte man sich nicht vom Preis beirren lassen. Denn dieser sagt nichts über die Qualität des Kratoms aus. Teuer heißt nicht gleich qualitativ gut. Da die Verarbeitung der Pflanze eine gute Lebensgrundlage durch faire Einkaufspreise für die Bauern schafft, wird jede mit Kratom-Bäumen bewirtschaftete Fläche vor den für Mensch, Tier und Umwelt schädlichen Palmölplantagen geschützt. So achten manche Betreiber von Shops – zum Beispiel jene von „kratom-and-cbd.eu“ oder „grüneshaus.com“ – auf eine transparente Vermittlung, wenn es um den Anbau, die Herkunft und Qualität des gehandelten Kratoms geht. Beste Malfarbe zu fairen Preisen und „die größte Transparenz in Bezug auf Herkunft und Anbau“ lautet dort dann die Devise – von Beginn an.

7 Antworten auf „Kratom – in Südostasien eine Heilpflanze, in Deutschland Malfarbe

  1. R. Maestro

    Trotzdem gilt die Meinung einiger Wichser aus Berlin, mehr als die Meinung von Millionen!

  2. Maxi

    Ekelhafte Werbung für 2 mittelmäßige Shops, die auch illegales cbdgras anbieten und deshalb wohl bald gebusted werden.

  3. Nic

    Hiermit habt ihr bestimmt ein paar Kids draufgebracht 🙂
    Nein jetzt Mal ernsthaft warum müsst ihr darüber berichten, im HANFJOURNAL. Und dann wundert ihr euch warum man Cannabis immer mit anderen Drogen in Verbindung bringt…

  4. Didi

    So schön es ist, über diese tolle Pflanze zu berichten, befürchte ich doch, dass bei erhöhter medialer Präsenz sich irgendein Politiker mit einem weiteren Verbot profilieren wollen wird, ohne dass derjenige wirklich weiss, wie es sich anfühlt oder wie der Körper darauf reagiert oder wie „gefährlich“ das ganze wirklich ist. Hauptsache, den Leuten etwas verbieten und sie damit kriminell machen. Deutsche Politiker sind da wirklich gut drin …

  5. Franz

    Kratom entfaltet im medizinischen Bereich eine unglaubliche Bandbreite an sehr positiven und heilenden Wirkungen ohne die Dröhnungseffekt von Cannabis. Im nichtmedizinischen Bereich übertrifft es Ritalin in jeder positiven Hinsicht ohne das jedoch die Chemiekeulen Nachwirkungen vorkommen. Ich kann es z.b jedem Studenten bei Prüfungsstress, -angst oder Notwendigkeit zur Hochkonzentration nur empfehlen (MAENGDA). Kein Wunder das die Pharmaindustrie alles versucht einer Legalisierung entgegenzutreten.

  6. ChillerMiller

    @Maxi wieso sollten die gebusted werden. Einer davon hat doch den Firmensitz in Österreich und da sind CBD Aromablüten völlig legal. Woran machst du mittelmäßig fest, bist du ein Kenner der Malfarben 🙂 ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.