Freitag, 30. November 2018

Hanfträume – Über CBD und Schlaf

 

Text: Robert Kanja

 

 

Übersetzung aus dem Englischen: mze

 

Die Anzahl gesundheitsfördernder Eigenschaften von Cannabidiol ist tatsächlich beeindruckend. Die wichtigsten Merkmale stellen wohl die entzündungshemmenden und schmerzstillenden Effekte dar, ebenso wie die beruhigenden und besänftigenden Eigenschaften. Wie dem auch sei, in diesem Artikel geht es nun einmal um die weniger bekannten Wirkungsweisen von CBD auf den menschlichen Schlaf.

 

Wenn man über die Auswirkung von Cannabis auf den Schlaf redet, ist oft natürlicherweise die erste Assoziation der träumerische Nebel von Marihuana, welcher Potheads auf der Couch festkleben lässt. Behält man im Hinterkopf, dass der Gebrauch von psychoaktivem Marihuana nur eine von dutzenden Cannabis-Einsatzformen darstellt, und dazu eine derjenigen ist, mit der CBD nicht sonderlich viel gemeinsam hat, so muss man einsehen, dass man doch auch oft mit der ersten Vermutung richtig liegt. Höhere Dosen von THC – dem am stärksten wirksamen psychoaktiven Bestandteil von Gras – werden unausweichlich zu Schläfrigkeit führen. Und diese ganz besondere Nebenwirkung ist nicht immer unbedingt eine unwillkommene Auswirkung – viele chronische Raucher, welche den regulären Schlaftrunk mit einem Joint unterstützen, werden nach einer gewissen Zeit den einschläfernden Effekt von Marihuana als einen Hauptaspekt für dessen Gebrauch nennen. Dennoch kann der Schlaf nach einer höheren Dosis THC nicht als die gesündeste Ruhephase bezeichnet werden, auch da in Kombination mit den speziellen psychotischen Effekten stärkerer Sorten eher eine verstärkte Benommenheit als ein erholsamer Schlaf erzielt wird.

 

Trotzdem – da führt kein Weg dran vorbei – dafür wirkt die Methode . Es bleibt aber anzuhängen, was reflektierende Nutzer bereits sicherlich herausgefunden haben: während der Ausdruck „stoned sein“ recht passend die Wirkung  von Indica-Sorten beschreibt, so führt der Einsatz von Sativa-Sorten in der Regel wesentlich eher zu einem energetischen, aufbauenden „High“. Der wesentliche Faktor in diesem Unterschied ist Myrcen – eines der Hauptterpene, das im Zusammenspiel mit THC die charakteristische Schläfrigkeit hervorruft. Somit erscheint es nur logisch, dass die Indica-Varietäten einen viel höheren Anteil Myrcen enthalten als die Sativa-Varietäten vorweisen können.

 

Soviel also zu Marihuana. Aber was sind die genauen Effekte von CBD – dem zweiten am weitesten getesteten bekannten Cannabinoid – sowie dem Hauptcannabinoid – des Hanfs? Geht es mit THC eine Form von Synergie ein, um die sedativen Effekte verändern zu können? Und welche Wirkung zeigt Cannabidiol im einzelnen Einsatz auf den menschlichen Schlaf?

 

Obwohl Cannabidiol das am zweitbesten untersuchte Cannabinoid ist (das am besten untersuchte ist natürlich Tetrahydrocannabinol), gibt es nur wenige Studien, die die Wirkungsweisen auf den Schlaf analysieren. Dennoch gibt es derartige Forschung und deren Ergebnisse klingen vielversprechend – es scheint, als wäre CBD zwar weniger ein Schlaf einleitendes Mittel, dafür aber wohl eher eine Substanz, die den Schlaf stabilisiert.

 

Die Forschung hat gezeigt, dass CBD in kleineren Dosen als milde wirkende Stimulanz agiert. Es scheint so, als würde es mit den Adenosinrezeptoren interagieren – den selbigen, die auf Kaffee sowie auf andere Stimulanzien reagieren. Cannabidiol kann ebenso den Aufwachprozess erleichtern und die gesamte morgendliche Fitness positiv beeinflussen, sowie die Symptome einer Schläfrigkeit während der Tageszeiten verringern – etwas, das bei den meisten Erwachsene ein nicht ganz unbekanntes Problem darstellt.

Auf der anderen Seite jedoch ist CBD für die sedativen und einschläfernden wie entkrampfenden Effekte bekannt, welche allesamt recht stark den menschlichen Schlaf beeinflussen.

 

Und wirklich – es wurde beobachtet, dass Cannabidiol das Einschlafen erleichtert. Die Untersuchungen, die von einem Team Wissenschaftler unter der Leitung von M. Chagas an Ratten durchgeführt wurden, zeigten auf, dass Individuen, die eine Menge von 10 Milligramm CBD pro Kilogramm Körpergewicht erhielten, sichtbar mehr schliefen. Dazu bestätigten Untersuchungen am Menschen durch den Forscher Ehtan Russo, dass CBD eine Hilfe bei Schlaflosigkeit – selbst bei durch Schmerz hervorgerufenen Schlafproblemen – darstellen kann.

Sogar noch interessanter – als die paradoxen den Aufwachprozess unterstützenden sowie auch den Einschlafprozess unterstützenden Eigenschaften von CBD –  erscheint das Potenzial den Schlaf zu stabilisieren. Es hat sich herausgestellt, dass CBD der REM-Verhaltensstörung von Parkinson-Patienten entgegenwirken kann. CBD verlängert dazu diese Phase des Schlafes und beschleunigt deren Beginn. Soweit die Forschung über das Thema berichtet, sind es genau diese REM-Schlafphasen und die Tiefschlafphasen, welche die gesundheitsfördernden und am besten regenerierenden Schlafperioden darstellen. Diese Phasen durch CBD schneller zu erreichen bedeutet somit nicht nur eine praktische Einschlafhilfe, sondern – wesentlich wichtiger – erhöht enorm die gesamte Qualität des Schlafes.  Hier könnte die bedeutsamste Differenz zwischen CBD und den Hausmittelchen aus dem Einschlafhilfen- und Beruhigungsmittelbereich liegen, welche allesamt zwar auch den Schlaf schneller eintreten lassen, jedoch dafür meist zu einem komatösen Benommenheitszustand führen.

 

Am Ende ist es nötig, eine komplette 180°-Grad-Wendung im Bezug auf Marihuana einzulegen (Nein, es ist es nicht wert zu Pot zurückzukehren). So wie es der Fall mit den interessanten anti-psychotischen Synergien von CBD und THC ist, die wir oben kurz ansprachen, so verhält es sich auch beim Schlaf, dass Cannabidiol in einem gewissen Bereich die negativen Effekte des teuflischen Zwillings beeinflusst. Forschung von Dr. Russo lässt vermuten, dass CBD in vielseitiger Weise die Wirkungsweisen von THC verbessert, wenn es zu medizinischen Zwecken eingenommen wird (zum Beispiel in einer Form als medizinisches Marihuana), da es gegen die unerwünschten psychoaktiven Wirkungsweisen von Tetrahydrocannabinol Einfluss nimmt. In anderen Worten: Während THC den Hauptfaktor für den Einsatz des Schlafes birgt, so kann CBD dafür sorgen, dass der Schlaf eine gesunde und stabile Ruhephase wird – sowie möglicherweise auch frei von dem psychedelischen Nebel, den man regulär durch die Nutzung von THC hervorruft.

 

Die Schlussfolgerung dieser Studien – für Patienten, die medizinisches Marihuana erhalten, aber auch für die Genusskonsumenten von Cannabis – empfiehlt, für das Wohl eines guten Schlafes, das man entweder auf Sorten mit einem ausgewogenen CBD-THC-Anteil zurückgreift, oder sich mit zusätzlichen CBD-Produkten – wie guten Hanf-Ölen – die Ausgewogenheit selbst herstellt. (Immer eine gute Idee, da wir die neuesten Studien der Universität von Indiana über die anti-psychotischen Effekte von Cannabidiol bereits erklärend erwähnten.)

 

Es ist für gewöhnlich üblich, dass man die amateurhaften Versuche zum schnelleren Schlaf durch mehr oder minder begabte – und legale – Lösungen kennenlernt. Kräuteraufgüsse und Tees werden niemandem Schaden zufügen, aber es muss fest im Kopf verankert sein, dass pharmazeutische Produkte und Schlaftabletten gefährliche Substanzen darstellen können, nutzt man diese ohne ärztliche Aufsicht. Vergessen sollte man auch nie, dass Schlafstörungen oft ihre Ursache in anderen Gesundheitsproblemen finden. Sollten derartige Symptome mehr als ein paar Tage plagen, dürfte die Hilfe von Spezialisten angebracht sein.

 

Auch wenn man CBC nun als Medizin in der Form von medizinischem Marihuana oder aber in der Form von einer eigenständigen Nahrungsergänzungsmittelsubstanz nutzt, sollte Cannabididol nicht unbedingt als Schlafmittel verstanden werden. Natürlich, das aus Hanf gewonnene CBD ist ein absolut sicheres Kräuterprodukt und wird keinem Menschen schaden, doch es wird bei starken Schlafproblemen leider keine nutzbaren Lösungen bieten. Dennoch könnte es sich als nützlich erweisen – als ein unterstützendes Mittel welches den Schlaf leichter erreichen lässt, einen einfacher Aufwachen lässt, beruhigt sowie die REM-Phase verlängert – da es die gesamte Qualität des Schlafes erhöht. Somit bleibt nur die Schlussfolgerung übrig, dass CBD als ein nützlicher und natürlicher Schlafregulator betrachtet werden kann – aber eben nicht mehr.

 

Quellen:

E.B. Russo, G.W. Gua: A tale of two cannabinoids: The therapeutic rationale for combiningtetrahydrocannabinol and cannabidiol

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306987705004317

Smith: Blowing Up the Big Myths About Indica v. Sativa Strains of Marijuana

http://www.alternet.org/drugs/indicas-sativas-myrcene

E.B. Russo: Cannabinoids in the management of difficult to treat pain

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2503660/

M.H.N. Chagas et al.: Effects of acute systemic administration of cannabidiol on sleep-wake cycle in rats

http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0269881112474524

E.A. Carlini, J.M. Cunha: Hypnotic and antiepileptic effects of cannabidiol.


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7028792?dopt=Abstract

Murillo-Rodríguez  et al.: Potential effects of cannabidiol as a wake-promoting agent.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24851090 

J. Breus: The Ultimate Guide to CBD and Sleep

http://www.huffingtonpost.com/entry/the-ultimate-guide-to-cbd-and-sleep_us_59b013e9e4b0c50640cd63a0

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