Freitag, 20. Juli 2018

Fake-News haben lange Beine

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Die neuen Technologien machen es möglich, dass jeder Mensch soviel Informationen und Nachrichten empfangen und auch senden kann, wie er will. Vorbei sind die Zeiten, als noch einige wenige Auserwählte die Hoheit darüber hatten, was das gemeine Volk wissen darf und was nicht. Für die Hüter der Staatsräson stellt sich die Flut an Informationen, die über das Internet in die Köpfe der Bürger gelangt, durchaus als Problem dar. Nunmehr kann jeder mit Netzanschluss die von den Meinungsführern verbreiteten Nachrichten und Botschaften auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und je nach Bedarf nach eigenem Gusto interpretieren. Das „dumme Volk“ lässt sich nicht mehr von denen verdummen, die glauben, alles Wissen für sich gepachtet zu haben. Die eine exklusive Wahrheit gibt es nicht mehr. Mit ein paar wenigen Mausklicks erhält der Wahrheitssuchende etliche Gegenwahrheiten zur Wahrheit, aus der sich die eigene Wahrheit zusammenreimen und weitertransportieren lässt.

 

Doch der Zeitenwandel, dass sich plötzlich jeder als Pächter der Wahrheit sieht, lässt die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge zusehends verschwimmen. Denn das Internet ist nicht nur ein Segen, der dem Achten Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden …) Geltung verschafft. Zugleich ist das World Wide Web auch die Vervielfältigungsapparat von Fake-News und Lügen, die ungefiltert in den Äther geblasen werden und sich empfangsbereiten Menschen ins Hirn fressen. Kurz gesagt, jeder macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

 

Wahre Meister in der Kunst der Selbst- und Fremdtäuschung finden sich im rechts-konservativen Milieu. Passendes Beispiel dafür ist die Cannabis-Prohibition. Trotz aller Kenntnis darüber, dass der Hanf keine gefährliche Rauschgiftpflanze ist, dafür aber ein Balsam für Leib und Seele, wird die Lüge über Cannabis auf allen Kanälen aufrechterhalten. Die CDU/CSU/SPD-Regierungskoalition denkt überhaupt nicht daran, den Anti-Hanf-Krieg gegen die eigene Bevölkerung einzustellen. Statt sich der aus dem Internet quellenden Wahrheitsflut über den Nonsens des Cannabis-Verbots zu stellen, suhlen sich die Ewiggestrigen in den Echoräumen der eigenen sozialen Netzwerke. Dort bleibt man unter sich und blendet alles aus, was an anderen Wahrheiten im Internet zirkuliert.

 

Menschen wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, schlafwandeln in ihrem eigenen digital begleiteten Leben. Absorbiert wird nur das, was ins einmal vorgefertigte Weltbild passt. Diese Sorte Mitbürger handelt in der unumstößlichen Überzeugung, dass die Flut an Wahrheiten über das Heil- und Genusskraut nur ein Schwall gemeiner Lügen von Verschwörern und Internet-Trollen ist – mit dem Ziel, die Kinder unserer Heimat drogensüchtig zu machen und unsere Saufkultur zu zerstören. Der „gesunde Menschenverstand“ flüstert den Prohibitionisten auch aus dem Internet die einzig wahre Wahrheit: Alle Kiffer sind potentiell kriminell und fügen der Gesellschaft Schaden zu. Wer das anders sieht, der verharmlost eine gefährliche Droge, die verboten ist – Punkt. Diese in Stein gemeißelte Wahrheit heiligt die Mittel – und dazu zählt vor allem, den Legalisierungsbefürwortern einen ungesunden Menschenverstand anzudichten. Auch im digitalen Zeitalter kleben sie wie Hundepup an der Schuhsohle, die Klischees und Falschinformationen über Cannabis.

 

Die Lügen der wahrheitsresistenten Prohibitionisten haben lange Beine – und die werden die vielen Millionen kiffenden Bundesbürger auf dem langen Marsch bis zur vollständigen Legalisierung und gesellschaftlichen Anerkennung noch eine ganze Weile begleiten. Die nicht abebben wollende Flut an Fake News und Lügen über die Gefährlichkeit von Cannabis wird auch weiterhin die digitale Schlacht um die einzig wahre Wahrheit in der Legalisierungsdebatte befeuern. Daher gilt es jeden Tag von Neuem, unnachgiebig gegen die zu kämpfen, die mit der scheinbar nicht aus der Welt zuschaffenden Hanflüge Millionen Menschen stigmatisieren, diskriminieren und kriminalisieren.

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Peter0815
Peter0815
3 Jahre zuvor

Die Repression ist der Totengräber der Prohibition! Ein häufiger Grund, warum die Argumente der Prohibitionisten heutzutage von Menschen hinterfragt werden ist, dass Repressionsfälle von Bekannten, Verwandten, Arbeitskollegen und Freunden bekannt werden und als ungerecht empfunden werden. Sei es wegen der Höhe der Geldstrafe, der Länge der Inhaftierung, der Führerscheinproblematik, oder der Art und Weise, wie die Polizei vorgegangen ist, oder wie ein Gerichtsverfahren geführt wurde. So sind die Eltern von Repressionsopfern doch meistens auf der Seite ihrer geliebten Kinder und auch die Onkels, Tanten und Verwandten sehen die gravierenden Ungerechtigkeiten, welche im Umgang mit Cannabiskonsumenten bestehen, hautnah. Dazu kommt, dass durch den herrschenden Kontrollwahn in unserem Land es jedes Jahr mehr Menschen gibt, die wegen Cannabisdelikten in Probleme geraten. So… Weiterlesen »

Alexander Müller
3 Jahre zuvor

Cannabis schützt Nerven: Cannabidiol and (−)Δ9-tetrahydrocannabinol are neuroprotective
antioxidants:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC20965/

Folge der Legalisierung von Cannabis sind sinkende Selbstmordraten. Wissenschaftler der Montana
State University, University of Colorado und der San Diego State University stellten fest, dass die
Selbstmordrate bei Männern zwischen 20 und 29 Jahren in Staaten mit legalem Cannabis-Konsum
um 10,8 Prozent geringer ist als in Staaten, in denen Cannabis nicht legalisiert
http://ajph.aphapublications.org/doi/abs/10.2105/AJPH.2013.301612