Sonntag, 24. Juni 2018

Israel zum 70. Geburtstag!

 

Die große Biographie über den Staatsgründers David Ben Gurion

 

Christian Rausch

 

Pünktlich zum 70. Geburtstag des Staates Israel erscheint im Siedler Verlag eine umfassende Biographie über den Staatsgründer Israels: David Ben Gurion. Und kein geringerer als der internationale renommierte Journalist und Bestsellerautor Tom Segev hat dieses Opus Magnus mit einem Umfang von weit über 700 Seiten verfasst, das den Leser von Beginn an in seinen Bann zieht, auch wenn einiges an geschichtlichem und politischem Vorwissen vorausgesetzt wird.

 

Wer war dieser David Ben Gurion? Die Quintessenz beziehungsweise die wichtigsten Stationen seines Lebens können wie folgt dargestellt werden. Er wurde als David Grün 1886 im heutigen Polen, das damals zum russischen Zarenreich gehörte, geboren. Schon früh fühlte er sich der zionistischen Idee verpflichtet. Durch zahlreiche Beispiele, die er in seiner Kindheit und Jugend erleben musste, war er sicher, dass die Juden einen eigenen Staat benötigten, da auch im russischen Zarenreich immer wieder Pogrome an der Tagesordnung waren. Bis zum 30. Lebensjahr verlief Gurions Leben eher unstetig, wechselhaft und nicht zielgerichtet. Verschiedene Aufenthaltsorte und Studienfächer wechselten einander ab. Früh setzte sich Gurion – auch nicht selten direkt vor Ort – mit den Extrempolen politisch-wirtschaftlicher Ordnungsvorstellungen auseinander. Dafür besuchte er sowohl die kommunistische Sowjetunion als auch die kapitalistischen Vereinigten Staaten von Amerika. Er kam nach diesen Besuchen vor Ort wohl zur Einsicht, dass Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen unzweifelhaft Vorzüge, aber in ihrer Reinform auch zahlreiche Defizite besäßen.

 

Mit der Hilfe seines Vaters gelang ihm dann die Ausreise ins heutige Israel, das damals noch unter britischem Mandat und unter britischer Verwaltung stand. Spätestens dort widmete er sich vollumfänglich der Betätigung in der Politik. Ben Gurions Ziel war die Gründung eines eigenständigen Staats Israel. Dieser Traum sollte sich aber erst nach dem 2. Weltkrieg erfüllen. Nach dem verheerenden Bombenattentat auf das King David Hotel in Jerusalem, zogen sich die Briten als Ordnungsmacht aus dem bisherigen Mandatsgebiet Palästina zurück. Am 14. Mai 1948 konnte David Ben Gurion deshalb die israelische Unabhängigkeitserklärung verlesen. Es folgte der Unabhängigkeitskrieg. Als Ernte seines jahrzehntelangen politischen Wirkens für einen unabhängigen Staat Israel und seinen unermüdlichen Einsatz wurde David Ben Gurion der erste Ministerpräsident des Staates. Politisch verortet war der umtriebige Gurion als Gründer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei Israels. Bis 1963 führte er ebendiese Partei auch als Parteivorsitzender an. Sein Leben lang hatte er aber naturgemäß mit politischen Intrigen zu kämpfen. Deshalb schied er auch nach zahlreichen, massiven parteiinternen Konflikten aus dieser Partei aus und gründete 1965 eine stärker links orientierte Arbeiterliste, die sich aber drei Jahre später wieder mit der „Mutterpartei“ wiedervereinigte, in Form der bis heute bestehenden sozialdemokratischen Awoda. David Ben Gurion bestimmte zu einem guten Teil nicht nur bis bereits vor der Staatsgründung Israels das politische Geschehen im britischen Mandatsgebiet, sondern selbstverständlich auch danach: Von 1948 bis 1953 und von 1955 bis 1963 war er so zum Beispiel Premierminister und Verteidigungsminister Israels – in Personalunion. Ben Gurion starb am 1. Dezember 1973.

 

Es steht ganz außer Frage, dass der Biograph Tom Segev ein ganz Großer seines Fachs ist. Seine Biographie „David Ben Gurion: Ein Staat um jeden Preis“ sprüht beinahe auf jeder Seite vor Fabulier- und Dichtkunst, ohne dabei den Boden der gesicherten Tatsachen zu verlassen. Insofern verbindet Segev seine Talente als großartiger Erzähler, aber auch als solide recherchierender Historiker.

 

Viele der in Segevs Biographie dargelegten Fakten dürften zahlreichen deutschen Leserinnen und Lesern weitgehend unbekannt sein. Zum Beispiel um die Pläne der Zionisten vor der Wende zum 20. Jahrhundert, einen eigenen Staat in Afrika zu gründen. Der sogenannte „Uganda-Plan“ sah beispielsweise vor, dass die Juden gegebenenfalls in Uganda einen eigenen Staat gründen könnten. Allerdings wurde dieser Plan – nicht zuletzt aufgrund der gravierenden klimatischen-geografischen Probleme – verworfen. Während der Holocaust unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland in vollem Gang war, bestanden überraschenderweise zwischen hochrangigen jüdischen Politikern in Israel und Adolf Eichmann Kontakte. Das Ansinnen des für die reibungslose Durchführung des Holocausts verantwortlichen SS-Mannes Eichmann war, das Leben zahlreicher osteuropäischer Juden gegen Waren wie Kaffee und andere hochwertige Lebensmittel etc.pp. „ein zu tauschen“. Ebenso spannend und überraschend aus deutscher Perspektive dürfte sein, dass David Ben Gurion nach dem 2. Weltkrieg dafür plädierte, mit den Deutschen bezüglich Schadenersatzzahlungen zu verhandeln – was verständlicherweise in Israel für eine heftige Kontroverse sorgte.

 

Seit Beginn der Staatsgründung musste sich Israel mit feindlichen arabischen Nachbarn auseinandersetzen. Auch hier bewies David Ben Gurion immer wieder politisch-taktische Meisterleistungen, mit denen er sich häufig gegen das israelische Militär und oppositionelle Politiker durch setzte.

 

Segev schreibt die Biographie Gurions natürlich auch aus der Perspektive Israels. Dabei wird einerseits offen geschildert, wie David Ben Gurion die Interessen Israels stets um jeden Preis zu realisieren versuchte. Zum Beispiel auf Kosten der Palästinenser, die vor, während und nach der israelischen Staatsgründung ihre Heimat verließen. Andererseits macht Segev auch kein großes Geheimnis darum, dass Gurion kein einfacher Mensch war und als Privatperson kein sonderlich glückliches Leben führte. Gurion litt sein Leben lang an massiven Stimmungsschwankungen und war – nicht zuletzt durch die ungemeinen Belastungen in seinem Politikerleben bedingt – unterschiedlichen Krankheiten ausgesetzt. Insbesondere spielten ihm die immer schwächer werdenden Nerven häufig einen Streich, sodass er des Öfteren krank war und das Bett hüten musste. Obwohl aus seiner Ehe einige Kinder hervorgingen, hatte Ben Gurion nicht selten Affären, welche die Beziehung zu seiner Frau stark belasteten.

 

Tom Segev erzählt in „David Ben Gurion: Ein Staat um jeden Preis“ einmal die Geschichte eines großen Mannes und Staatenlenkers, aber zugleich auch eine Weltgeschichte Israels im 20. Jahrhundert. Dieses Buch ist keine ganz einfache Kost, aber die Mühen lohnen sich auf jeden Fall!

 

Christian Rausch

4 Antworten auf „Israel zum 70. Geburtstag!

  1. Axel Muc

    >> Seit Beginn der Staatsgründung musste sich Israel mit feindlichen arabischen Nachbarn auseinandersetzen. Auch hier bewies David Ben Gurion immer wieder politisch-taktische Meisterleistungen, mit denen er sich häufig gegen das israelische Militär und oppositionelle Politiker durch setzte.<<

    Ist die Frage erlaubt, wieviel der Verfasser dafür kassiert hat, Landraub und Genozid an den Einheimischen so supertoll zu finden?
    Oder ist der Verfasser schlicht ein Mensch, der nicht die erforderliche Intelligenz besitzt, um die Gründung des 'Staates Israel" als das Verbrechen zu sehen, das sie darstellt?
    Was hat dieser haarsträubende Artikel im Hanfjournal zu suchen??
    Kommt mal auf den Teppich, Leute.
    Und, ganz nebenbei: wie kann das HaJo überhaupt die Gründung IRGENDEINES STAATES feiern?
    So langsam kommt Ihr auf dem Niveau der deutschen Durchschnittsmedien an

  2. Lotus

    Wir rauchen Gras und retten die Welt in dem wir friedlich sind 😀
    Viel Glück für alle…und Frieden für die Welt.
    #Wir befreien den Hanf

    Peacezeichengruß

  3. Otto Normal

    […] Dabei wird einerseits offen geschildert, wie David Ben Gurion die Interessen Israels stets um jeden Preis zu realisieren versuchte. Zum Beispiel auf Kosten der Palästinenser, die vor, während und nach der israelischen Staatsgründung ihre Heimat verließen. […]

    Ihre „Heimat verließen“, das ist wirklich schnuckelig süß verherrlicht. Die normale Lügenpresse hätte es nicht besser gekonnt! Einfach köstlich!

    Saget mal habt Ihr zuviel gekifft oder was ist mit Euch los?

    Die Leute wurden vertrieben bzw. werden ausgerottet!!!

    Dort findet ein langsamer Völkermord durch aushungern statt und sowohl die arabische Welt (was ich am schlimmsten finde) als auch die übrige Welt sieht tatenlos zu!!!

    Israel ist ein Staat der durch die selbstherrlichen Kolonialmächte völkerrechtswidrig auf dem Gebiet eines souveränen Staates (Palästina) durch Einsatz von Gewalt gegründet wurde. Auch die damalige Mehrheit in der UN – natürlich unter Ausschluß der dort lebenden arabischen Völker – macht aus diesem Unrecht noch lange kein Recht. Man darf hierbei auch nicht die vielen toten englischen Soldaten vergessen die in dieser Zeit das von England beherrschte Palästina beschützen sollten und von den Juden durch hinterhältige Anschläge ermordet wurden.

    Genauso wie dieser Staat das Ergebnis eines offen Rechtsbruch des Völkerrechts ist verhält er sich auch indem weitere Landnahme fremder Territorien, Unterdrückung, Ermordung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung an der Tagesordnung sind. Je länger die Weltgemeinschaft diesem Treiben, welches das internationale Recht am Nasenring vorführt und erodiert, tatenlos zusieht, desto dreister wird dieser Staat dessen Erhalt nur durch massive Militärhilfe aus den USA gewährleistet werden kann.

    Ausgerechnet die USA will jedoch allen arabischen Völkern (zur Not mit militärischen Mitteln, also Mord und Totschlag) vorschreiben wie internationales Recht und die Menschenrechte auszusehen haben.

    Die Israelis haben aus ihrer eigenen traurigen Geschichte nichts gelernt und mit den heutigen übrig gebliebenen, nicht selbständig lebensfähigen Schnipseln eines einstmals prächtigen, funktionierenden Staates, ein modernes „Warschauer Getto“ mit all dem dazugehörigen Grauen (wie z.B. Hunger) geschaffen.

    Ich schäme mich für daß was die westliche Welt den Palis angetan hat indem man ihnen die Heimat geraubt und der Juden geschenkt hat. Für mich ist der 70. Jahrestag kein Grund zum feiern. Ich trauere mit den Palis.

  4. Char

    Die einen werden Beschnitten die anderen müssen Alkoholtrinken und einen halbnackten Gefolterten Zimmermann anbeten . Religion Kills Cannabis Chills ! Noch ist eine ,freiwillige , Cannabistherapie möglich , verehrte Patienten ! Warum bekommen die Juden für den tot von 6 Millionen Juden ,Israel ,und die Indianer Amerikas , für 100 Millionen tote , nur ein paar Reservate ?

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